Der Sklavenfürst


Ich will hören Schmerzengeschrei,
wenn ich die Peitsche schwinge.
Der Sklave arm, gar hilflos
ich damit fast umbringe.

Packt an den zentnerschweren Klotz
und schmiedet dran eure Ketten.
Ich will sehen Sklavenrotz und kotz
und keiner kann euch retten.

Die Freiheit schenk ich euch gern
die Ausgangstür steht offen,
doch wer von euch nach draußen gehen?
Soziale Ketten – unübertroffen.

Demokratie heißt’s
Freude, Eierkuchen.
Der Selbsttrug kettet,
die Sinne stumpf.

Mich himmeln die Sklaven an,
während die Peitschen schwingen.
Blut fließt in Strömen,
doch sie ein freudig Lied singen

Heil dem Schönen.
Heil dem Reichen.
Mein Leben ich ihm gebe,
weil er ist so gut.

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Der Waffenhändler


Fröhlich ölte Waffenhändler Schmidt seine Uzis. Jagdgewehre hatte er nicht vorrätig, denn sie entsprachen nicht seiner Gesinnung. Menschen sollten sterben, nicht arme Tiere. Und so war es auch an jenen Tag. Eine Gruppe halbstarker Maskierter stürmte den Laden. Sie bedrohten ihn mit gestrig gekauften Waffen. Es störte ihn nicht, im Gegensatz zu den Demonstrationen gegen seine Spielzeuge. Die Demonstranten waren einfach nicht reif genug, um zu verstehen, dass ihr gefordertes Verbot noch mehr Elend über die Welt brachte.
„Hände hoch! Wird’s bald!“, schrie der Anführer der Rasselbande wütend.
„Was sind eure Pläne?“, entgegnete er gelassen den Maskierten ohne der Aufforderung nachzukommen.
„Was? Ich habe mich wohl verhört.“, der Anführer zitterte. Sein Finger am Abzug zuckte.
„Na los drück ab, dann können wir endlich ins Geschäft kommen..“
Der Abzug beute sich bis zum Point-of-no-return. Die Kugel flog und verschwand in seinen Körper. Kein Kratzer.
„Ihr sagt mir euren Plan und ich gebe euch die passende Waffe dafür.“, wiederholte er sein Anliegen
„Wer sagt, dass Sie uns nicht verraten?“
„Sehe ich so aus als würde ich Menschen lieben?“, brüllte Schmidt und sprang mit einen Salto über die Theke, um den Sprecher auf den Boden festzunageln. Die anderen Maskierten schauten geschockt zu. Sie machten sich nicht die Mühe ihre Waffen abzufeuern.
„Wir wollen einen Geldtransporter ausrauben. Wir haben einen todsicheren Plan.“, antwortete der am Boden liegende Jugendliche zitternd.
„Vergesst den Geldtransporter, nehmt eine Bank. Kommt mit ich habe das perfekte Werkzeug dafür. Wehe euch wenn ihr mich verratet.“
Die Jugendlichen nickten beklommen. Er führte sie in seine Lagerhalle. Alle erfolgreichen Geschäfte liefen im Lagerraum. Diesmal wären die Jugendlichen mit der Seelenpistole gut bedient. Langsam kamen sie ihr näher. Einer der Jugendlichen schrie erschrocken auf als er einen von den toten Verräter sah, die die Polizei rufen wollten. Es war eine Frau, die mit Waffen Bürgerrechte für potentielle Terroristen durchsetzen wollte. Sie wollte nachdem sie die Waffe sah, die er für sie ausgesucht hatte, aussteigen und die Polizei rufen. Er hatte ihr noch einmal versucht zu erklären, dass Verrat bei ihm mit den Tod bestraft wird, aber sie wollte nicht hören. Immer diese selbsternannten Moralapostel.
„Verräter werden umgebracht.“, erklärte er beim Vorbeigehen.
„Aber wie? Ich sehe keine Schusswunden.“
Der Jugendliche sackte kraftlos zusammen. Die Anderen schauten Schmidt entsetzt an.
„Sehe ich so aus als töte ich meine Kunden wegen einer Frage?“
Der am Boden liegende Halbstarke stand stöhnend wieder auf und ächzte: „Welche Waffe passt zu uns?“
„Die Seelenpistole. Eine herrliche Waffe, die im Gegensatz zu ihren heutigen Vertretern, nicht tötet, sondern den Körper übernimmt. Ihr habt damit solange ihr wollt die Kontrolle über eine oder mehrere Personen. Perfekt oder? Ein infizierter Angestellter gibt euch die Goldbarren, das Geld oder was immer ihr wünscht.“
Der Jugendliche schluckte kurz, flüsterte unhörbar für das menschliche Gehör: „Ich brauch doch nur ein bisschen Geld. Bitte Gott lass mich da wieder heil rauskommen.“
„Du kommst heil raus, Junge. Keine Angst. Nach deiner Tat hast du einfach mehr Geld und niemand wird dich strafen..“
„Ok, ich bin dabei.“, hielt dann kurz inne, „Hey Sie können meine Gedanken lesen.“
„Nein, nur ein gutes Gehör. Ihr könnt es aber gleich.“
Schmidt drückte jeden von ihnen eine Seelenpistole in die Hand.
„Schießt damit auf mich.“, verlangte er, die Jugendlichen taten es. Eine mentale Verbindung wurde zwischen ihnen aufgebaut. Die Jugendlichen zeigten sich erst begeistert von der Möglichkeit ihn zu steuern, dann überwältigte sie die Gedankenlesefunktion des Apparats. Sie schauten Lebensdaten, Waffensortiment und Lebensphilosophie nach. Natürlich hatte er Vorsorge gegen den Zugriff auf Geheimnisse getarnt. Sein Lebenslauf – eine einzige Lüge, aber man durfte seinen Kunden bei einer solchen Waffe keine sichtbaren Schranken setzen.
„Wie kommt es, dass Sie so freizügig mit Ihren Gedanken sind?“
Der Junge war echt klug. Schmidt entschied sich für die Wahrheit.
„Indem ich lüge. Auch ich habe meine Geheimnisse. Aber glaubt nicht, dass ein Normalsterblicher diese vor eurer Waffe bewahren kann.“
„Was sind Sie?“
Die Frage traf ihn. Immer freundlich bleiben, immer pseudooffen sein, aber jetzt musste er Schranken setzen. Aber soviel Neugier, soviel Intelligenz. Man sollte es ihm nicht verwehren.
„Wenn du es wissen willst, arbeite bei mir.“
„Nach dem Überfall, Meister.“
Schmidt grinste. Der Junge wusste viel. Und er war auf seiner Seite. Schmidt führte die Jungen zurück in den Verkaufsbereich. Mittlerweile hatte sich eine kleine Schlange gebildet.
„Was fällt Ihnen ein Kindern Waffen zu verkaufen?“, regte sich ein Herr auf.
„Ich regle das gleich.“, rief er der Gruppe hinterher.
„Wiedersehen. Ich komme, versprochen. Schließlich kann ich Sie nicht einsam zurücklassen.“
Der Junge würde alles erfahren. Es war ein Frevel ihn zu vertreiben, wie es die Menschen taten. Tränen rollten über sein Gesicht. Eine völlig neue Erfahrung.
„Und Sie weinen der Bande Kleinkrimineller hinterher?“, brüllte der wartende Mann erbost. Schmidt ließ ihn vergessen.
„Ich bräuchte bitte ein gutes Jagdgewehr. Welches können Sie mir empfehlen? Geld spielt keine Rolle.“
Jugendliche kicherten verhalten in der Warteschlange.
„Tut mir Leid. Ich verkaufe keine Jagdgewehre.“
„Seltsamer Laden.“, fluchte der Mann beim Weggehen. Wenn der wüsste .. , würde der es auch nicht verstehen.
„Für mich bitte eine AK-47. Haben Sie vielleicht auch noch eine Atomrakete?“
Das hatte er vorrätig.

Nach dem anstrengenden, aber erfolgreichen Arbeitstag, schaltete er den Fernseher an und begann sein Bett für den Jungen vorzubereiten. Er hatte es nur als Tarnung aufgebaut. In Wirklichkeit schlief er auf dem angenehm kalten Boden, wenn er denn überhaupt schlief.
„Achtung! Eilmeldung! Die Angestellten der hiesigen Geldlerbut-Bank schenkte den Kunden Geld in Milliardenhöhe und beschossen die Polizei als diese kam. Einer von ihnen konnte lebendig überwältigt werden. Seitdem schreibt er mit seinen Blut an die Zellenwände: „Für Sie, Meister.“ Es scheint sich hierbei um eine neuartige Psychowaffe zu handeln.“
Schmidt lächelte. Sein Schüler schien ihn zu verehren. Was war dieser eigentlich?
Es klopfte leise an die Ladentür. Wollte er heute schon kommen? Er rannte hinab, öffnete die Tür und fand seinen Schüler vor – diesmal unmaskiert. Narben zierten sein Gesicht, zwei davon waren frisch. Wie konnten es die Menschen wagen?
„Ich habe all meine Schulden beglichen, mich von meinen wenigen Freunden verabschiedet und bin bereit zu dienen.“, strahlte dieser mit ernsten Gesicht.
„Was bist du eigentlich?“
„Mensch, man kann sich seine Eltern leider nicht aussuchen. Menschen hassen mich, ich hasse sie, Meister.“
Der Junge war eine verworfene Perle. Was waren Menschen doch für Idioten!
„Ich auch und verkaufe deshalb Waffen.“
Endlich konnte er mal ehrlich sein. Und das gegenüber einen Menschen.
„Können Sie mich erlösen?“
Ja das konnte er. Er legte seine Hand auf die Stirn seines Schülers und begann die Menschlichkeit auszusaugen. Viel Menschlichkeit war nicht in seinen Adepten drin, fast alles ersetzt durch Schmerz und Hass. Dessen zahlreichen physischen und psychischen Narben heilten.

Ende

Unersichtliche Anspielung: Geldlerbut-Bank – Blutgelder-Bank
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Die Armee der Idioten


Es war einmal eine Affenart namens homo sapiens. Schon ihre Verwandten, die Schimpansen, gebärdeten sich aggressiv, doch ihr Verhalten trieb dieses auf die Spitze. Sie setzten sich zur Wehr, gegen fremde Meinungen und andere Länder. Sie zerschossen deshalb die Anonymität, sodass bald jeder nackt war. Ihre Landesbrüder wurden durch ihre Hände vernichtet, weil sie andere Meinungen äußerten oder kriminalisierte Handlungen begangen. Das Ausland verbreitete und praktizierte diese immer noch. Unvorstellbar, weshalb sie vernichtet werden mussten. Stolze arbeitsfähige Männer und Frauen zogen in den Krieg. Sie beschossen sich aufs Ärgste, weil nur ihre Meinung die Richtige war. Bomben wurden eingesetzt, alles in die Luft gejagt. Zerzaust kämpften sie weiter für ihre Ideologie. Schwarze Wolken bedeckten den Himmel, plötzlich ging ihnen die Nahrung aus. Sie mussten vor Hunger kapitulieren, welcher sie in ihre Heimat zurücktrieb. Doch dort fanden sie nur Leichen. Der Boden war zu verwüstet, der Himmel zu düster für Landwirtschaft. Hunger zwang sie dazu Leichen zu fressen, doch sie waren zu viele hungrige Individuen. Kannibalismus an Lebenden flammte auf. Man kämpfte um sein Leben. Der Stärkere fraß den Verlierer. Immer weniger Menschen, noch wenige, einer alleine. Dieser überlebte einen Tag, dann folgte er den anderen in den Tod.
Bakterien schlüpften aus den Mägen ihrer toten Wirte. Sie tauschten mit ihren wildlebenden Artverwandten Erbgut. Fremde Informationen flossen durch ihr Cytoplasma, passten sie an ihre unwirtliche Umgebung an. Sie wuchsen und wuchsen. Immer mehr Bakterien bevölkerten die Erde. Riesige Kolonien bildeten sich. Langsam verzogen die Wolken und gaben den Blick auf die Sonne frei. Photosynthese begann erneut. Und so belebten die Bakterien die Erde wieder, glücklich bis ans Ende der Erdtage.

Ende

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Die Todesengel


Die Todesengel

Drei Todesengel
blass und starr
vor ihnen die Sünder
in großer Schar
Das erste Horn
bläst direkt ins Herz
und entfesselt dort
einen großen Schmerz
Der zweite Engel spricht zugleich
Was habt ihr den Anderen angetan?
Die Sünder schweigen wie ’ne Leich
Der zweite Engel bläst ins kalte Horn
und entfesselt somit Gottes Zorn
Die Stimme spricht so kalt, so wütend:
Ihr kommt ins Himmelsreich
der Teufel hat gar wohl sortiert
und nun das Leben dirigiert
Die Sünder schweigen noch geniert
tattatara
das Horn ist rot
und ruft den allmächtigen
Tod.

Der Aufstieg der Verbrecher


Es war einmal eine Stadt in dem die Menschen keine Straftaten mehr verübten. Das letzte Auftreten einer solchen lag einige Jahre zurück. Die Polizei wurde zu einen Helfer der Bevölkerung in kleineren Missgeschicken und als solcher auch hoch geachtet.
Eines Tages gab es eine Gasexplosion, die mehrere Menschen in den Tod riss. Der Schuldige war schnell gefunden: ein kleines Kind hatte sich in dem Kontrollzentrum des Gaswerks verirrt.
Die Mutter war schrecklich entsetzt als sie erfuhr was ihr Kind angestellt hatte, entschuldigte sich und versprach besser auf es aufzupassen. Man wollte das kontrollieren und warf wütend prüfende Blicke auf Kind und Mutter.
Dann brach ein Baugerüst inmitten eines starken Sturm zusammen und erschlug ein, darunter verstecktes, jugendliches Liebespaar. Keiner sah es, keine Zeugen waren anwesend, denn erst am nächsten Tag, als der Sturm vorbei war, trauten sich die Menschen wieder auf die Straße, sahen die Toten und riefen entsetzt: „Wir brauchen bessere Kontrollen.“
Und so beschloss man neue Gesetze einzuführen. Die Rohre von Baugerüsten mussten nun dünner sein, damit sie niemanden mehr erschlagen konnten. Zudem wurde das Schlafen außerhalb von offiziellen Schlafstellen verboten.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren gab es jetzt Demonstrationen. Eine von Hochhausbauherren, die nun nicht mehr so hoch bauen konnten und eine der Camper und der Jugend.
„Wir bekennen uns schuldig.“, verkündete der Sprecher der Jugendlichen, „Unsere toten Altersgenossen waren unvorsichtig. Es ist nicht gerecht, dass andere dafür bestraft werden.“
„Er hat Recht. Wieso sollten wir wegen der Unvorsicht Einiger leiden?“, schrien die Camper und die Bauherren im Chor.
„Tut mir leid. Das Gesetz ist nun Gesetz. Und nun geht.“, verkündete der Bürgermeister. Die Demonstranten verzogen sich enttäuscht von ihrer Stellung. Es wurde eine harte Nacht.
Die Bauherren entließen einige Arbeiter, welche zum ersten Mal in ihren Leben Sorgen verspürten. Sie bekämpften diese mit Alkohol, was Vandalismus und Prügeleien zur Folge hatte. Die überraschten Polizisten schafften es mit Müh und Not die Unruhestifter festzunehmen.
Die Camper wiederum zogen enttäuscht weg von der Stadt, was Einkommenseinbußen zur Folge haben würde.
Die Jugendlichen hingegen waren relativ ruhig. Sie bestatteten ihre toten Kameraden mit viel Tränen. Einige jugendliche Liebespaare gingen nach der Bestattung zu offiziellen Schlafstellen: ihren Bett
Am nächsten Morgen war die Stadt entsetzt. Mehr Kontrollen forderte sie. Die Eltern waren ein Schritt weiter. Sie wollten den Sittenverfall unter der Jugend stoppen. Eine Stunde später wurden strenge Gesetze zur Ausweisung von Kriminellen und zur Regulation von Sex erlassen. Die Stadt leerte sich. Jugendliche flohen in rauen Massen, während die verhafteten Arbeitslosen hinausgeworfen wurden. Und sie waren nicht alleine. Die Bauunternehmer bauten noch ihre Gerüste ab, dann waren auch sie, ein paar Stunden später, mit den restlichen Arbeitern verschwunden.
Totenstille trat in der Stadt ein. Trostlose Skelette von unfertigen Hochhäusern ragten in den Himmel. Die Bewohner der Stadt waren schockiert über den Bevölkerungsverlust und verboten den verbliebenen Jugendlichen den Ausgang, sowie Kommunikation mit der Außenwelt, um wenigstens diese zu behalten. Einige Tage später wurden die Jugendlichen, mit stabilen, metallenen Peilsenderarmringen versehen, in die Freiheit der Stadt entlassen.
Es stank den verbliebenen Jugendlichen enorm, dass sie nicht zu den Schnellen gehörten, die merkten was hier geschah. Sie wollten sich versammeln und Entschlüsse fassen, doch wurden bei Häufung von GPS-Sendern immer wieder auseinander getrieben. Sklavenringe wurden die GPS-Geräte von ihnen spöttisch genannt.
Ein kluger Jugendlicher hatte die Idee, die GPS-Geräte durch Starkstrom zu zerstören. Er kletterte dazu auf einen Starkstrommasten, erdete den Sklavenring mit einen langen Draht und hielt ihn an einen der Starkstromdrähte.
Es knackte, es knisterte im Armring, als plötzlich eine Hand seinen Fuß packte und wegzog.
Er fiel, hielt sich an einen der Starkstromdrähte fest. Seine Hand verkrampfte, doch die Erdung schützte ihn vor weiteren Schaden.
„Du wirst dein schönes, teures Gerät nicht zerstören!“, schrie seine Mutter und riss zu ihren Unglück den nackten Draht aus dem Boden. Sofort sprang ein Funke auf sie über. Ein Schrei, dann fiel sie, es knirschte. Der Jugendliche ließ sich fallen, fiel weich auf der Leiche seiner Mutter und floh hinaus in die Welt.
Seitdem blieben in der Stadt die Lichter aus. Elektrizität wurde verboten, die Fabriken wanderten ab.

Zerlumpt waren sie nun alle. Kein Geld mehr. Alle arbeitslos, bis auf Polizei und Bürgermeister, welche nun täglich die meuternde Massen unter Kontrolle hielten und fliehende Jugendliche gewaltsam zurückholten. Sie waren die Einzigen mit Strom, was sie für ihre Überwachung auch brauchten. Neid blühte, alles Schöne wurde bei Diebstählen beschädigt, Fabriken und andere Bauten als Schutt verwertet.
Einer der Arbeitslosen floh, floh hinaus in die Welt und fand die Jugend und fand sein Leben in deren Armee wieder.
„Wir werden die Stadt zurückerobern und wieder zu einen Paradies machen.“, pries man ihm an.
Gesagt getan. Einen Monat später eroberten sie die Stadt zurück. Provisorische Galgen säumten die Straßen, an ihnen hingen alle über 25. Kein Kompromiss mit jungen Kritikern wurde gemacht, sie wurden verstoßen, wenn nicht gar umgebracht. Motto wurde: „Freiheit durch Gleichheit“. Nie wieder sollten Andersdenkende ihre Stadt mit verrückten Ideen verwüsten. Die Bauunternehmer kamen zurück, die Fabriken wurden wiederaufgebaut, nur einer blieb fern: der Jugendliche, der sein GPS-Gerät zerstörte.
Gerüchten zufolge hatte er sich eine Firma aufgebaut.
So lebte die Jugend einige Jahre glücklich. Hinrichtungen von Andersdenkenden lagen einige Zeit zurück, selbst die Zahl der Verstoßenen pro Jahr ging zurück.
Eines Tages kam ein reicher Mann in die Stadt. Sie erkannten ihn sofort als den Jugendlichen, der den Strom stoppte. Eigentlich wollten sie ihn als Helden feiern, doch er war anders. Sofort formierten sich Mobs um ihn, doch er blieb still, er wartete. Mittlerweile hatte sich die ganze Stadt um ihn versammelt. Jetzt sprach er: „Merkt ihr nicht, dass ihr versagt habt? Gleichheit ist nicht Freiheit. Ihr wollt mich loswerden, weil ich anders bin.“
Die erwachsenen Jugendlichen traf es wie ein Schlag. Nur einer bewahrte die Ruhe:
„Seht ihr? Die Anderen sind Schlangen in Worten. Tötet ihn!“
„Und was bringt es? Wieder und wieder werden wir zerstören. Wir sind Bestien.“, entgegnete ein anderer Bewohner.
„Schlange!“, zischte die tobende Masse, der Eine grinste zufrieden, als plötzlich tausende Messer seinen Körper durchbohrten. Es war sein letztes Grinsen, denn die Bewohner wurden erwachsen. Sie erwachten aus ihren Traum vom Paradies und schauten hoffnungsvoll ihren heimgekehrten Kameraden an.
„Meine Lösung ist die Abkehr von der Menschlichkeit.“, er riss sich die Haut vom Gesicht, darunter die eines Reptils, „Folgt mir oder lebt wohl.“
Die Erwachsenen sahen traurig mit an wie ein Großteil ihrer Kinder den Heimkehrer an der Kleidung packten, aber sie wussten: Was sie nicht vermochten, das würden jene schaffen. Der Heimkehrer gab jeden ein Bonbon, ein letztes „Lebwohl“, gefolgt von einen Lichtblitz, sie waren fort. Die Erwachsenen weinten, alle, ob Mann oder Frau, denn Scham und Reue brannten tief in ihren harmoniebesessenen Seelen.
Eine Frau warf plötzlich wütend einen Taschenspiegel auf den Boden, nachdem sie sich darin gesehen hatte. Sie ertrug ihr Anlitz nicht mehr, ein Phänomen, das nach und nach auf die Stadt übergriff. Bald war die Stadt spiegellos, doch keiner empfand Glück, weil sie wussten: Immer wieder würden sie morden, denn sie waren alle Verbrecher, obwohl es keine gab, denn sie kriminalisierten sich.

End

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