Der Aufstieg Alumers


Es begann alles mit… eine abgedroschene Phase, widerlich, doch es begann mit einen Blitz. Alles wurde kurz weiß und plötzlich wusste ich die Antworten. Etwas hatte mein Gehirn zurückgesetzt:
Früher als Kind galt ich mathematisch begabt, doch irgendwann war diese Gabe verschwunden. Stattdessen galt ich als plumper, träger Schüler. Meine Noten waren im Keller, und während andere Mitschüler ihr Leben genossen, saß ich in meiner Kammer und arbeitete an den Hausaufgaben (wofür ich gut das doppelte der Zeit brauchte), wenn ich nicht planlos mich an eigenen Projekten probierte (wobei ich mit keinen fertig wurde).
Es war als hätte sich ein Schleier um mein Gehirn gelegt. Und dann kamen die Stimmen, Geister aus längst vergangenen Kriegen, sie befahlen mir Morde, versprachen alle möglichen verlockende Geschenke und Gaben. Doch ich lehnte ab. Mir war es zuwider mich auf Kosten von anderen zu bereichern. Wenn dann nur an Feinden, doch ich hatte keine menschlichen Feinde, nur die Klausuren…

Vernebelt von dem Schleier, saß ich mal wieder in einer Klausur.
5*23, was war das nochmal? Ich begann zu zerlegen. 5*2=10, 3*5=15, addieren 125
Doch das konnte nicht sein. Ich rechnete nach: 115.
„Noch zehn Minuten.“, sagte plötzlich der Lehrer. Ich war gerade bei der Hälfte. Schnell rechnete ich die anderen Aufgaben, zumindest versuchte ich es. Bei ¾ aller Aufgaben war die Zeit um.

Etwas Warmes, Feuchtes weckte mich am nächsten Tag. Blut. Ich hatte mich mal wieder gekratzt. Und laut Eltern Zähne geknirscht. Wie üblich nach Klausuren.

Und wie üblich war die Korrektur leicht nachzuvollziehen. War es wirklich ich gewesen, der diese dämlichen Fehler gemacht hatte? Aber ein Grund zu Jubeln gab es: ich hatte eine 3, bis auf Chemie und Informatik meine beste Note. Ja selbst in Religion oder Wirtschaft hatte ich schlechte Noten. Man riet mir sogar die Schule zu wechseln, doch konnte oder sollte es keine Magie sein im Gymnasium zu bestehen.

So vergingen die Jahre. Ich schaffte es mit Ach und Krach mich durch das Schulsystem zur Oberstufe zu boxen. Mittlerweile waren meine Mitschüler häufig auf Partys, hatten Freundinnen, während ich noch immer verbissen und verwirrt in meiner Welt lebte. Mittlerweile wurde das Klausurenproblem noch schlimmer, ich murmelte unabsichtlich während der Klausur. Die Lehrer, ratlos was sie mit mir machen sollten, steckten mich in einen seperaten Raum.

Dann kam der Tag… Es war auf dem Schulweg, ich war gerade dabei eine Straße zu überqueren als mich der Blitz sekundenlang ausschaltete. Ich erwachte wieder als ich die Straße überquert hatte. Als ich kurz zurückblickte, merkte ich, dass sich mein Blickwinkel geändert hatte. Ich sah die feinen Details, das nasse Gras, die 30 blauen und roten Autos, der graue Himmel, spürte die kalte Luft an meiner Jacke rütteln.
„Hast du einen Geist gesehen?“, fragte mich plötzlich ein rothaariges Mädchen, das mit ihren Freundinnen neben mir hielt. Ihr Name war Tarina.
„Nein. Mich hat die Sonne geblendet. Tarina, oder?“
„Ja“, antwortete sie verwirrt, um dann mit ihren Freundinnen zu tuscheln.
Ich verstand jedes Wort, auch wenn sie flüsterten:
„Er hat mir geantwortet. Meinst du er ist in mich verliebt?“, Gekicher
„Kannst es ja versuchen. Mir hat er nie geantwortet.“
Ich fand ja auch nur die Rothaarige attraktiv, was bis vor paar Minuten auch nicht der Fall war.
„Tarina, hättest du Lust…“, ich musste kurz nachdenken. Eigentlich wollte ich sie nach gemeinsamen Klausurvorbereitungen fragen und morgen nach der Klausur zum Kino einladen, aber überlegte es mir anders.
„…heute mit mir ins Kino gehen? Ich lade dich ein.“
Schweigen.
„Morgen ist eine Schulaufgabe.“, Tarina schaute mich fragend an.
„Stimmt, wie wäre es mit morgen?“, meine Stimme blieb, trotz Nervosität, stabil.
„Morgen habe ich… Heute wäre besser…“, sie schwieg kurz, „Kannst du mir mit Mathe helfen?“
„Klar.“, antwortete ich, obwohl mir bei meinen Noten flau war.

Ignoranz ist manchmal eine Tugend. Ich ignorierte meine warnenden Stimmen, als ich für uns beide ein Ticket kaufte. Ich hätte nie gedacht, dass sie Spaß an Horrorfilmen hätte.
Am Anfang schwitzten wir beide Angstschweiß, ich konnte ihn auf einmal riechen. Dann als der Horror zu einer plumpen Liebesgeschichte wurde, spürte ich eine Hand um meine Hüfte. Den immer schlechter werdenden Film ignorierte ich und kümmerte mich um meine Freundin. Ich legte ihren Kopf auf meine Schulter und streichelte sie sanft. Die Stimmen in mir jaulten kurz auf, waren dann für immer verschwunden. Ich war die Stimme, die einzige.
Als endlich der Film vorbei war, begann sie kurz mit ihren Freundinnen zu chatten.
Klar über mich, über wen sonst? Der Film war nicht sehenswert.
„Hättest du Lust bei mir zu übernachten?“, fragte sie urplötzlich, „Wir wären alleine.“
„Ja.“ und küsste sie.

Die Nacht war einmalig. Es gab nicht viele Worte als wir bei ihr zuhause waren. Ich half ihr beim Ausziehen, sie gab mir ein Kondom und wir gingen gleich zu Bett.

Am nächsten Morgen, wachte ich ich etwas früher als normal auf. Das Radio zeigte 5 Uhr an. Verdammt! Heute war die Schulaufgabe. Ich schüttelte sie vorsichtig.
„Schatz was ist?“, fragte sie verschlafen.
„Schulaufgabe!“
Sie fuhr hoch wie eine Rakete und schleuderte mich fast aus ihren Bett.
„Verdammt! Ich habe noch nicht gelernt!“
„Ich auch noch nicht. Lass uns schnell noch lernen.“
Als wir schnell noch lernten, merkte ich, dass ich eigentlich mathematisch begabt war.

Hand in Hand gingen wir zur Schule. Als ihre Freundinnen an uns vorbeifuhren, wären sie beinahe vom Sattel gefallen. Und auch in der Schule zogen wir alle Blicke an.
Eine Lehrerin fragte mich verstört:
„Alumer, du hast Tarina vor der Schulaufgabe…“
„Ja.“
Ich küsste Tarina noch ein letztes Mal bevor sich unsere Wege trennten. Ich musste in den Keller, sie in den Klassenraum.

Dieses mal war die Klausur anders. Ich fühlte Stärke durch meine Adern fließen als ich die Blätter umdrehte. 23*3=69. Kopfrechnung. Keine langen Rechenwege. Alles war offensichtlich, die Zahlen sprangen mir ins Gesicht. Es war als hätte ich das alles Jahre lang trainiert, keine Unsicherheit mehr.

Und auch Tarina fühlte sich sicher mit einer Eins, als ich sie nachher fragte.
„Danke, du introvertierte Mathematiker“, sie küsste mich.
„Heute was vor?“, fragte ich. Sie strahlte:
„Eigentlich tanzen. Aber lass uns in die Disko gehen.“

Entgegen meiner Erwartungen führte sie mich nicht in einer dieser Absteigen mit vielen gröhlenden Halbstarken, sondern in eine etwas versteckt in einer Gasse. Laute Metal-Musik begrüßte mich, meine Musikrichtung.
Und das war erst der Anfang einer unbeschreiblichen Nacht.

Die Noten, die wir rausbekamen, waren besser als wir dachten:
1+, jeder von uns beiden. 0 Fehler, obwohl die Klausur fies war, wie mir später auffiel. Alle anderen hatten 3,4 oder schlechter, selbst unser Mathe-Ass. Doch das war nur der Anfang. Über die restlichen Schuljahre hinweg hatten wir nur gute Noten.

„Und nun?“, fragte sie, als wir das Abitur ausgehändigt bekamen.
„Ja… und nun? Was willst du später machen?“, fragte ich sie.
„Ich mag die Natur, aber ich möchte keine Viecher zerschnippeln.“
„Wie wäre Chemie? Du könntest dich später auf biologische Chemie spezialisieren.“
„Und du?“
„Ich nehme Biologie. Später können wir dann gemeinsam forschen.“
Sie strahlte und küsste mich.

Biologie war weniger die Natur erforschen als die Natur auseinanderzunehmen, nebst viel Theorie zu lernen. Aber dazu war ich nun in der Lage. Ich war sogar häufig Bester in Mathe.

Und so vergingen die Jahre, und während viele Partnerschaften unserer ehemaligen Mitschülern auseinandergingen, wuchs unsere aufs Innigste zusammen.
Wir verließen Europa, um zu forschen und in die Welt hinauszuschauen. Paper schreiben wurde unsere lästige Pflicht, die wir zum Glück, nach unserer Abschlussarbeit, endlich an wissenschaftlichen Mitarbeitern übertragen konnten.

Und dann kam der Krieg. Er kam urplötzlich, überraschte uns zu Hause. Soldaten unseres Landes überfielen ein Nachbarland.
„Sollen wir fliehen?“, fragte mich Tarina entsetzt.
„Ja. Pack die Sachen.“, ich hatte ein übles Gefühl.
„Unser Verbündete Amerika befreit China von der Diktatur. Ein nukleare Präventivschlag war unerlässlich um…“, ich hörte dem Radio nicht mehr weiter zu. Andere Länder, waren wohl nicht mehr bereit ein europäisches Forscherpaar aufzunehmen.
„Weltkrieg?“, fragte Tarina vorsichtig.
Ich nickte.
„Wohin?“
„In die Berge, Wälder, was auch immer. Wir sind Biologen, unser Terrain. Ich hol noch schnell etwas Forschungsausrüstung.“, antwortete ich.

10 Jahre Krieg. Verwüstung überall, viele Tote, Waisen, Witwen. Doch wir waren weit fern, weit in der Wildnis, hatten glücklich vier Kinder. Und forschten nach Bioenhancements, die unser Leben erleichtern würden. Und forschten an Menschen, wir fingen die fliehenden Soldaten, wie Zivilisten. Tarina hatte keine Probleme mehr mit Schnippseln an lebendigen Lebewesen…

Doch das war nicht das Ende. Der Krieg ging vorbei und wir waren die Einzigen mit Laborausrüstung und Expertise im Bereich Bioenhancements. Was folgte war, wir gründeten eine Firma und wurden reich. Dass wir Menschen ermordeten, Kriegsverbrechen begingen für unseren Traum, fiel nicht mehr ins Gewicht, hie und da waren Schmerzensgelder notwendig. Aber 9 von 10 Menschen tragen nun unsere Enhancements, wir sind Weltmarktführer, wir haben das Geld.

Schatten


Ich spüre wie die Schatten sich von mir lösen. Schatten aus der tiefsten Verderbtheit meiner Seele.
Schatten der nicht vergangenen Vergangenheit. Zukunft und Gegenwart verschmelzen mit der Vergangenheit, alle Taten werden allen der drei Zeiten begangen.
Ich schreie vor Schmerzen, mir ist als würde ich brennen. Brennen für die Ewigkeit.
Und ich sehe ein Feuer, nicht fern, nicht nah. Fackelzüge ziehen durch die schwarzen Straßen. Deren Teilnehmer… sie werfen meinen Schatten im flackernden Fackelschein.
In ihren Augen blanker Wahnsinn. Es setzt ein Regen ein, als würde der Himmel weinen, bittere Tränen des Entsetzens.
Mein Feuer brennt stärker und heller, lodert gen Himmel, zerfetzt die Wolken mit einen grausigem Lachen.
Es ist das meine. Ich kann mich nicht mehr halten. Der Wahnsinn zerreißt jede Vernunft. Wie ein Tier springe ich durch die Gassen. Zwei Hörner wachsen aus meinen Geheimratsecken.
Und betrachte das Gemetzel, tausender verrückter Menschen. Jeder gegen jeden, Mann gegen Mann, Frau gegen Frau, Kind gegen Eltern. Nur Wenige, nur vernunftbegabte Menschen standen daneben, ihre Mäuler zu einem entsetzten Schrei geformt.
Und dann berühre ich sie, einen nach dem anderen, korrumpiere ihre reine Seele.

Mich fragt plötzlich eine Stimme: „Was hast du getan?“
Rotes Blut rinnt von meinen Fingern. Und da wird mir klar:
Ich bin der Teufel, korrumpiert vom Menschen. Getrieben von Misanthropie.

Die letzten reinen Seelen nehme ich mit einen tiefen Seufzer mit mir in die Hölle. Zu ihrem Schutz versteht sich. Irgendwann, wenn der letzte Mensch sich ausgelöscht hat, würde ich sie wiederkehren lassen…

Wolfsromanze – schwarze Romantiker version


Wo war sie nur? Die Eltern von Rosmarina waren verzweifelt. Überall hatten sie schon gesucht. In den Schränken, in den Wald. Das konnte, durfte nicht sein! Ihre Rosmarina. Verzweifelt setzten sie sich an den Schreibtisch ihres Kindes und weinten.
„Pass doch auf!“, rief der Vater und zog einen Zettel vor den hinabfallenden Tränen der Mutter weg.
„Schatz, schau doch. Eine Nachricht von ihr.“, rief die Mutter aufgeregt.

„Liebe Eltern, ich werde wo hingehen, wo ihr euch mir zu folgen nicht trauen werdet.
Nein! Kein Selbstmord, wahre Liebe.
Es begann in einer Nacht im Wald. Da sah ich ihn, ein Wolf, ein schüchterner Kerl. Er huschte sofort weg, doch das Feuer meiner unser Liebe war entbrannt.
Ihr werdet mich für verrückt halten, aber das tatet ihr schon seid Anbeginn meiner Tage.
Vorsichtig ließ ich mich nieder auf allen Vieren und begann einen Wolfsruf zu imitieren. Na gut, gelang mir nicht sehr gut, aber dennoch, der Wolf kam näher.
Er beschnupperte mich, schwänzelte um mich herum um anschließend mein Gesicht zu lecken.
Ein zahmer Wolf. Doch er hatte keine Tollwut, das wussten unsere Herzen zu gut. Und so saßen wir schweigend nebeneinander. Wir hätten uns gerne Geschichten erzählt, doch trennten uns unsere Arten wie ein Ozean.
Und so mussten wir uns wieder trennen, im Anlitz der Sonnenstrahlen.

Den Rest der Geschichte kennt ihr ja. Ich kam wie betäubt aus den Wald, was bald nur noch eine Horrorgeschichte war, die ihr gerne Verwandten erzähltet.
Aber wusstet ihr auch, dass sich was in mir fundamental geändert hat?
Die Jungs schon, sie umflirteten mich mit ihren abertollsten Tricks, doch ich blieb meinen Wolf treu.
Jede Woche, jeden Sonntag am Abend rief ich nach ihn. Doch ich sah ihn nicht mehr. Er war da, aber doch nicht. Irgendwo hinter den dornigen Gestrüpp, wartend lauernd darauf, dass ich den ersten Schritt machen würde.
Doch ich konnte nicht. Und so erfüllte Dunkelheit mein Herz.
Erinnert euch nur an die Mittelstufe, wo ich als einsame Außenseiterin mich durch die Schule schlug. Zwar waren meine Leistungen gut, aber der Neid und der Hass gegen mich groß.
Aber ich konnte damit umgehen und die anderen von mich isolieren.
Dennoch, die einsame Verzweiflung fraß in mein Gemüt. Ich suchte nach echten Freunden.

Und dann, ich weiß noch wie ihr weintet, weil ihr dachtet ihr hättet mich in der Dunkelheit verloren, schloss ich mich einer Gruppe dunkler Romantiker an.
Mutter, wie du aufschriest als du die schwarze Blume auf meinen blauen T-Shirt sahst. Den Gesichtsausdruck werde ich nie vergessen.
Wir waren eigentlich ganz harmlos, hatten nur Interesse an die dunkle Seite der Fantasie. Zwar trugen wir alle schwarz, teilweise finster aussehende Lederkluften, aber wir waren absolut harmlos. Nur eine Gruppe Fantasten. Trotzdem wurden wir von den wahren Teufeln beobachtet und belauscht. Einer unserer Gruppe fand sogar eine Wanze. Scheint unsere Regierung hinter den Terror zu sein.
Es wurde mit der Zeit schlimmer und schlimmer, ich ging seltener und seltener zu den Treffpunkten. Und noch immer verfolgten mich die Gestalten.

Vor ich weiß nicht wie viel Tagen, ich war verzweifelt. Und so ging ich in den Wald und hoffte auf den Wolf.
Wie sooft. Und wie sooft dachte ich würde nur das Wispern des Waldes antworten. Und so begab ich mich auf allen Vieren. Mein nacktes Knie berührte den matschigen Boden.
Und dann heulte ich. Doch diesmal war es was anderes. Mein Ruf war klar wie der eines Wolfes. Ein Schatten kam aus den Gestrüpp. Es war der Wolf, so schön wie die Erinnerung an ihn.
Ich streichelte ihn so sacht es ging, und er leckte mir mein Gesicht. Ich erzählte ihn von meinen Leiden und dieser Welt, auch wenn uns Arten trennten.
Seine Schnauze liebkoste mich derweil wie verrückt.
So verging die Nacht, und plötzlich wurde ich schläfrig. Ich konnte nicht mehr Reden, setzte mich neben ihn. Und wir schwiegen wie in unserer ersten Nacht.

Bis er den Anfang wagte. Er zog sanft mit seiner Schnauze an meiner Kleidung, bedeutete mir zu folgen.
Wir gingen zu einen nebligen See, der wie das Meer roch, wie die Leidenschaft. Um ihn herum standen steinerne Statuen für die Liebenden Wache. Niemand, der nicht liebt, würde fähig sein diesen Ort zu sehen.
Und so im Schutz des Sees der Liebenden entledigte ich mich meiner Kleidung, um ihm ins tiefe Wasser zu folgen.
Doch plötzlich formte sich der Nebel um den Wolf zu einen Mann. Ich schwamm durch das Meer zu ihn, wohl wissend, dass ich die Ozeane, die uns trennten, überquerte.

Er war ein verfluchter Krieger. Verflucht von sich selbst. Verflucht aus Scham vor seiner eigenen blutigen Taten.
Frauen entehrt, Kinder enthauptet, mit Kriegsgefangenen zum Spaß das Spiel das Todes ausgefochten, wobei natürlich immer gewann, um nur einige seiner Schandtaten zu nennen.
Und dann war der Krieg vorbei, er kehrte zurück in sein Dorf, doch da war kein Mensch mehr am Leben. Er hatte sie ja alle umgebracht.
Und doch suchte er verzweifelt Haus für Haus, Stall für Stall. Zerborstene Türen, Schränke, Tränken erinnerten ihn an sein Massaker. Die Hoffnung Leben zu finden, schwand mit jedem Gebäude.
So zagte er vorm Betreten des letzten Gebäudes, dem Rathaus. Tränen flossen über seine unheiligen Hände, die sich auf sein Schwert stützten, als er dachte eine Stimme aus dem Gebäude zu vernehmen.
Gestärkt von neuem Mut rannte er hinein, stürmte durch die leeren, zerschlagenen Räume, um sich dann in der Ratshalle einem Rudel Wölfe Aug in Aug wiederzufinden.
Junge Wölfe tollten wild, spielten, bissen sich, aber ohne dem anderen zu schaden. Die Großen waren weniger verspielt, mehr um die Sicherheit besorgt.
Schwarze vorwurfsvolle Augen blickten in die seinen. Sie schienen ihm in seine Seele zu blicken. Unbehagen wuchs in ihm, doch nicht gegen die Wölfe, sondern gegen sich.
„Soll ich?“, fragte er die Wölfe. Diese schienen zu nicken.
„Dann sei es.“, er rammte sich sein Schwert in die eigene Brust.

Sein Fluch ging mit meinen Kuss auf mich über. Wir sind nun ein Wolfspaar, aber keine Angst es geht uns gut. Und die dunklen Romantiker? Die führten wir in eine neuen Heimat, in einer Parallelwelt, die nur von Sehenden gesehen werden kann.

Der Vater legte den Brief zitternd weg. Die Mutter war baff. Sollten sie das glauben? Schweigen. War ihre Tochter verrückt?
Etwas heulte vor der Haustür, ein Wolf. Es war Zeit.
„Gehen wir?“, fragte der Vater. Die Mutter nickte nur schwach, fiel dann entkräftet auf den Boden.
„Gut, so sei es.“, wisperte er und setzte an zum zärtlichen Nackenbiss…

Vielleicht lade ich irgendwann die andere Version noch hoch, hab aber Angst, dass sie noch nicht vollendet ist

Der Bäcker ohne Brötchen


Es war einmal ein reicher Bäcker. Er besaß eine riesige Bäckerei und war weltbekannt für seine Brötchen. Einen Sohn hatte er, einen fleißigen Schüler, Studenten und bald fähigen Geschäftsmann.
Hand in Hand erwirtschafteten sie sich Millionen.
Bis zum traurigen Tag als der Vater starb…

Der Sohn erbte, voll Vorfreude an einen boomenden Geschäft. Und die Kunden kamen. Aßen bei ihm mit Genuss. Doch sein Geschäftsinstinkt sagte ihn, es sei nicht genug.
So bot er zusätzlich edle Schokoladen an, die weggingen wie seine warme Semmeln.
Zu seinem eigenen Unglück war der Profit ihm immer noch nicht groß genug und so erweiterte er sein Sortiment um Haushaltsmittel. Immer mehr und mehr, bis ihm keine Zeit mehr zum Backen blieb.

Zuerst waren noch immer viele staunende Kunden in seiner Bäckerei. Doch es wurden immer weniger. Nach ein paar Jahren konnte er seine Besucher an der Hand abzählen, Ausnahme eine Touristengruppe verirrte sich zu seinem Geschäft.
Die Einnahmen sanken dramatisch. Zum ersten mal im negativen Bereich. Doch er ließ sich nicht beirren. Immer größer wurde sein Sortiment.
Gegenüber eröffnete eine andere Bäckerei.
Und die Kunden blieben fast ganz weg, nur ein paar neugierige Touristen kamen noch zu ihm.
Die Einnahmen fielen fast auf 0. Nur das angesparte Geld half ihm solvent zu bleiben.
Eines Tages kamen zwei Journalisten vorbei, die ihn nach allerhand fragten, auch seinem Geschäftsmodell.
„Stimmt es, dass Sie keine Brötchen mehr backen?“, fragte einer der Journalisten.
„Ja. Ich hab keine Zeit mehr dazu. Das Sortiment will erweitert werden.“

Zwei Tage passierte nichts, dann auf einmal war der Laden voll,
mit Schaulustigen, die nichts zahlten, die nichts nutzten.
Immer wieder wurde er gefragt, ob er wirklich keine Brötchen mehr backen würde.
Einer der Schaulustigen, setzte dem die Krone auf:
Er kam mit einem Brötchen, von dem Bäcker gegenüber, zu ihm.

Eines war klar: Die Journalisten waren schuld und der gegenüberliegende Bäcker, der Konkurrent.
Klagen würde helfen, niemand würde seinen Genius in Frage stellen.
Der Bäcker setzte sich an seinen Schreibtisch,
seine Füller war bereit, die ruinösen Klagen zu schreiben,
seine Gedanken voller Rache,
als sein Blick auf einen angestaubten Ordner fiel.
Geschäftsgeheimnisse, die Rezepte für die Brötchen.
Als ein Strahl der Erkenntnis sein Gehirn durchfuhr.
Er wollte Brötchen backen…
er brauchte Gehilfen…

Die konkurrierende Bäckerei schloss, wie vereinbart. Die Einnahmen waren so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Und Brötchen aus seiner Bäckerei Verkaufsschlager. Sollte…
Sein Konkurrent oder besser gesagt Mitarbeiter schlug ihm kräftig auf die Schulter.
„Komm jetzt. Sinniere nicht über Finanzen. Die Brötchen…“

Der Menschenkenner


Böse war er nicht oder war er es? Juno wusste es nicht mehr. Seine Tat war unverzeihlich, aber der Typ hatte es einfach verdient.
Und noch nie hatte er seine Gabe so missbraucht.
„Hallo, Juno. Sei nicht so betrübt, ich weiß er war ein guter Mensch.“, rief die Stimme seiner Freundin Anika oder besser gesagt der Exfreundin seines Opfers…

Juno hatte schon immer gewusst, er hatte eine Gabe, eine ganz Spezielle. Sie war ganz im ganzen ziemlich unnütz als Waffe, denn mit ihr kamen die moralischen Bedenken.
Er hatte die Gabe in Menschen zu schauen, er konnte mit ihnen fühlen, ihre Gedankengänge spüren.
Am interessantesten waren Künstler und fantasiereiche Menschen. Wie sie in ihrer Muße schwammen, war wunderschön. Es gab kaum Vergleichbares in seiner Welt der Maschinen.
Aber auch normale Menschen waren interessant. Ihre Gedanken waren wie Ameisen. Sie wuselten umher nach festen Schema, nach Dogmen, mehr mechanisch wie ein Computer, wie eine Maschine.
Und er war Mechaniker, liebte Maschinen über alles. Nie hätte er gewagt willentlich eine zu zerstören. Bis zu jenem Tag…

„Juno, was ist?“, fragte Anikas Stimme besorgt. Anika, wenn sie wüsste… Ihm kam ein schales Gefühl dem Magen hoch.

Nebenberuflich war er ein anerkannte Künstler, er malte gern, am liebsten Maschinen oder die Gedanken von Künstlern.
Aber er nahm auch Aufträge an, wie zum Beispiel die Deckenmalerei eines Flughafen.
Eines Tages traf er bei einen größeren Auftrag Anika, eine Künstlerin, mit einer Fantasie, so wundervoll, wie er sie noch nie gesehen hatte, fast die eines Engels.
Sie verstanden sich auf Anhieb sehr gut, entwickelten schon bald eine Freundschaft. Und so lud sie ihn zu Hause ein. Was sie nicht wusste, war, dass er in sie verliebt war. Und er auch nicht, er gestand es sich nicht ein.
Denn er wollte ihren Freund nicht verärgern.

Und da geschah es, als sie sich über seine Ansichten über normale Menschen unterhielten, entfleuchte Juno, ein unbedachter Gedanke:
„… normale Menschen sind … wie soll ich sagen? … wie äußerst komplexe Maschinen.“
„Ich bin also eine Maschine?“, erboste sich Arthur, Anikas Freund.
Stille, dann versuchte er den Schaden zu kitten:
„Nein, ich benutze Maschine nur als Sinnbild. Wir wissen Sekunden bevor wir etwas tun,…“
„Deine Erklärung interessiert mich einen feuchten Dreck! Raus!“, brüllte Arthur. Und etwas war in ihm, in diesem Augenblick zerbrochen.

Von da an schien Arthur überall zu sein. Juno fühlte sich verfolgt, selbst zu Hause schaute Arthur einmal zum Fenster rein.
Außerdem weinte Anika häufiger mal, wenn er sie denn mal sah.
Sollte er die Polizei rufen?
Nein, er wollte Rache! Juno spürte seine Hände zu Fäusten verkrampfen.
Rache! Wenn ein Mensch eine deterministische Maschine war, dann war es auch möglich ihn zu hacken. Seine Zunge schien sich zu spalten…

Und es klappte! Als er Arthur mit seiner gespaltenen Zunge ansprach, da wurde er hörig, er wurde zu seinem Sklaven. Zwar war es Juno immer noch unangenehm einen Menschen zu manipulieren, aber der Zweck heiligte die Mittel. Außerdem liebte er Anika über alles.
Zunächst ließ er Arthur sich bei Anika und ihn entschuldigen, dann kittete er die falschen Worte. Sie saßen anschließend häufiger mal bei einen Wein beisammen, wie gute Freunde.
Gute falsche Freunde, wenn die anderen gewusst hätten…
Und das Beste kam noch mit der überwältigenden Dankbarkeit von Anika, weil er Arthur beschwichtigt habe.
So vergingen Monate, als plötzlich in ihm ein dunkler Trieb erwachte.
Woher er kam vermochte er nicht zu sagen. Es war Eifersucht, ein Gefühl, dass er zuvor noch nie verspürt hatte. Warum nur hatte er die Beziehung der beiden gerettet?
Anika hätte ihm gehört, hätte er Arthur nicht manipuliert.
Und nun sollte er für seine gute Tat mit dem Verlust der Liebe seines Lebens bezahlen?
Nicht mit ihm! Nicht für diesen Widerling!
Arthur musste weg, verschwinden aus seinem und Anikas Leben.
Wenn er Arthur dazu bringen würde Anika zu verlassen, würde Anika ihm noch trauen? Nein, sie wäre zutiefst enttäuscht von Männern oder aber sie würde ihn durchschauen und wäre zutiefst angewidert.
Und hacken konnte er sie auch nicht, ihre Fantasie schützte sie wie ein Schild.
Daher gab es nur eine Lösung: Arthur musste sterben, am besten durch einen Gedankenvirus, das perfekte Verbrechen.

„Schatz, woran denkst du gerade?“, Anikas Stimme drang zu ihm, silbern wie die eines Engels. Was hatte er nur getan?
„Ich denke an Arthur. Ich fühle mich so schuldig. Wie er im Wahnsinn dahinsiecht. Seine Schreie und wie abgemagert er nun ist.“
„Juno, du hast doch die Ärzte gehört, er hatte seine Krankheit schon bevor wir uns kennenlernten.“, antwortete Anika mit ihrer sanften Stimme. Wie gut, dass die Psychiater keine Genies waren, die ihm auf die Schliche kommen hätten können.
„Ich weiß.“, murmelte Juno bedächtig. Er musste loslassen. Das Leben wartete und was war schon eine kaputte Maschine? Nur eine Leiche!