Marktbereinigung


Die Preise stiegen, alle kauften.
Die Preise fielen, alle verkauften.
Aktien verkamen zu einer Art Währung, von der niemand mehr wusste, was dahinter stand.
Dafür wussten sie von automatischer Preisbildung und Marktbereinigung. Sie verteidigten die Freiheit des Systems, doch verlangten Hilfen von den Staaten, wenn alles gegen die Wand fuhr. Zu ihrem und den Unglück aller Menschen bekamen sie diese. Was sie nicht wussten war, dass die freien Märkte sich wirklich reinigten. Sie reinigten sich von allen unfähigen Teilnehmern, nämlich den Spielern, dem Menschen, nur Natur blieb.
Schöne Blumen sprießten auf entstellten Leichen der Menschen. Es hatte eine Hungersnot gegeben, weil Nahrung nicht lukrativ genug war und deshalb nicht angebaut wurde. Landwirtschaft wurde letztendlich sogar unmöglich, nachdem Reiche einen unerbittlichen Krieg um die letzte Nahrung führten. Ein Mäuschen huschte in eine der menschlichen Leichen, um ihre Jungen zu füttern. Die Nacht wurde Tag, die Blumen entfalteten ihre herrliche Pracht. Sonnenschein fiel auf, vor Tau funkelnden, Wiesen und Hecken. Der Preis für diese Welt war unbezahlbar.

Ende

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Der Patentkindergarten


Es war einmal ein Kindergarten namens BWL. In ihm ging ein kluger Junge zusammen mit normalen Kindern. Das kluge Kind zitterte als es mit den 20€-Schein in der Hand ins Gruppenzimmer eintrat. Heute war ein spezieller Tag. Man übte Patentieren.
Kind1 gab sich Urheberrechte an „Alle meine Entchen“ und gab den 20€-Schein der Erzieherin.
Kind2 war schon schlimmer. Es patentierte Rülpsen. Die Erzieherin lobte es als es ihr das Geld übergab.
Kind3 patentierte sich Weglaufen und wurde für Voraussicht gelobt.
Kind4 patentierte sich Atmen. Die Erzieherin klatschte Beifall.
Kind5 meldete Schutzrechte für Denken an. Das kluge Kind erschrak, während die Erzieherin erneut Beifall klatschte.
Nun war das kluge Kind an der Reihe. Es sagte zitternd: „Sehe ich aus wie ein Mörder? Ich patentiere nichts.“ und behielt das Geld. Es wurde ausgebuht und bekam eine Ohrfeige von der Erzieherin. Die weiteren Patentanträge wurden abstruser und schlimmer. Eines patentierte sich sogar den Menschen. Ein anderes die Kindheit.
Teil zwei der Patentierübung begann.
Jeder sollte sein Patent verteidigen. Kind4 verklagte Kind1 für atmen. Dieses verklagte wiederum Kind4, weil es „Alle meine Entchen“ kannte. So ging es weiter. Alle verklagten munter jeden anderen. Kind3 war ein bisschen traurig, dass noch niemand floh, aber fasste sich. Das kluge Kind saß still weinend in einer Ecke. Noch hatte niemand es bemerkt. Dann plötzlich drehten sich alle zu ihm um.
„Du atmest doch?“, fragte Kind4.
„Nein, ich weine.“, verteidigte sich das kluge Kind.
„Aber denken tust du?“, Kind5.
„Beweise!“, verlangte es.
„Aber du bist ein Kind.“, einer der übrigen Kinder, „Und du bist Mensch.“, ein weiteres.
„Siehst du? Du bist ohne Patent machtlos und wirst uns ab jetzt als Sklave dienen.“, verkündete die Erzieherin. Das kluge Kind rannte hinaus, das Kind3 mit den Worten: „Du rennst weg, du verletzt mein Patent.“, hinterher. „Ich renne nicht weg. Ich hole mein Argument.“, erwiderte der kluge Junge panisch, während es sich in der Küche ein Küchenmesser besorgte, mit dem er seinen enttäuschten Verfolger abstach. Anschließend rannte er zurück.
„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – die Lüge der freien Wirtschaft bevor sie ihre Opfer zermalmt. Nicht mich!“, verkündete es und stach der erschrockenen Erzieherin durch das Kinn ins Hirn. Sie starb sofort. Traurig machte es sich auf den Heimweg. Währenddessen tobte in der Gruppe ein Streit wer wessen Patent verletzte. Es galt das Recht des Stärkeren. Die Schwächeren starben sofort, die Stärkeren erst später, bis auf Kind4, der Sieger und einzig Überlebender des Streits. Es meldete sofort, an dem dortigen Münztelefon (Geld hatte es zwar jetzt genug, aber zum Glück war die Nummer kostenlos), das Massaker des klugen Kindes bei der Polizei. Das kluge Kind wurde vor seiner Haustür geschnappt. Es erschrak als im Gerichtssaal Kind4 als alleinigen Zeugen sah und fragte: „Was ist mit den anderen?“.
„Die habe ich umgebracht.“, gestand das andere Kind kaltherzig.
„Herr Richter. Meine Morde dienten der Selbstverteidigung gegen diese Bestien.“, rechtfertigte sich das kluge Kind vor Schrecken aufgewühlt.
„Das Handeln des Kindes war von wirtschaftlich motiviert und somit gedeckt, deines hingegen pur egoistisch zur Verteidigung deines Lebens.“, erwiderte der Richter gelassen und verurteilte das kluge Kind mit 20 Jahren Gefängnis.
20 Jahre später wurde der nun kluge Mann freigelassen. Er verließ jedoch nicht nur das Gefängnis, sondern auch das Land und nahm chinesische Staatsbürgerschaft an.

Ende

Nachwort: Ich bin hier ziemlich heftig, ich hoffe es stößt sich niemand arg.

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