Wie sie Kinderseelen zerfetzen


An einen schönen Herbstabend stand die Polizei vor der Tür. Man führte seinen Vater ab und nahm ihn fest im Arm und sagte: „Du armes Kind, wurdest von deinen Vater vergewaltigt.“
Der vierzehnjährige Junge namens Valentin war verwirrt. Sein Vater hatte ihn niemals unanständig angefasst.
„Was?“
„Komm mit! Jetzt bist du in Sicherheit.“, die Pflegerinnen nahmen ihn bei den Armen und zogen ihn an seiner weinenden Mutter vorbei in einen Lieferwagen.
Der Junge begann zu weinen.
„Ist schon gut.“, trösteten die Frauen.

Man brachte ihn in ein Waisenhaus über dem ganz groß: „NewDawn“ stand.
„Hier bist du sicher und denke an deine Kurse zur Angstbewältigung.“, verabschiedeten sich die Frauen.
Die ganze Umgebung machte Valentin Angst; er wollte zurück.
„Ich will nach Hause. Es ist alles eine Lüge.“, schrie er die Pflegerinnen an.
„Typisches Stresssymptom. Ich hoffe du wirst dich einleben.“
Ende, die Pflegerinnen verschwanden. Er alleine unter narkotisiert wirkenden Jugendlichen. Ihr Gleichschritt machte ihm Angst. Er wollte Freiheit, drehte um und rannte Richtung Straße. Sofort packten ihn Hände und zerrten ihn in das Gebäude.
„Du wirst dich anpassen.“, zischte eine männliche Stimme. Sie zog ihn weiter in eine Abstellkammer und vergewaltigte ihn dort. Es war der Direktor, er konnte nichts gegen ihn unternehmen und musste es über sich ergehen lassen.
Dann wurde er, aus dem After blutend, in ein Schlafsaal gezogen, musste sich ausziehen und einen blau-grau gestreiften Einheitsschlafanzug anziehen.
Alles schauten auf ihn, und er auf sie.
„Willkommen in der Hölle. Mein Name ist Franz.“, meinte ein kleiner Jugendlicher mit Brille auf seinen rundlichen Gesicht.
„Das werden wir noch sehen!“, knurrte Valentin, wie ein verletztes Tier.

Peitschenschläge erklangen auf seinen nackten Rücken. Er hatte nach seiner Mutter gefragt.
„Tut mir leid wir müssen dich entwöhnen. Du musst deine schreckliche Vergangenheit hinter dir lassen.“, hatte der Direktor geantwortet und die Peitsche herausgeholt.
Und da zerbrach was in seiner Seele. War er höflich und freundlich gewesen, so erfüllte ihn nun ein Schwelbrand aus Hass und Angst. Man schickte ihn nach seiner Züchtigung in ein Verdrängungsseminar. Die Mädchen und Jungen weinten, als ihnen schonungslos ausgemalt wurde, wie ihre Väter sie vergewaltigt hatten. Alle mussten sie an den pädophilen Direktor denken.
Betäubt und weinend taumelte Valentin heraus. Er konnte nicht mehr sagen, ob sein Vater ihn angerührt hatte. Doch schon schleifte ihn sofort in ein Verhörzimmer, wo mehrere Polizisten ihn zu seinen Vater befragten. Und nicht nur das: er sollte seine Hose ausziehen. Er weigerte sich, es setzte eine Ohrfeige. Man entnahm ihm triumphierend Sperma aus den After.
„Das stammt vom Direktor!“, schrie Valentin auf, riss sein Hemd von der Brust, „Und die Striemen von der Peitsche des Direktors.“
Die Polizisten liefen wutrot an: „Dr. Fratzen ist ein ehrenwerter Mann. Wie kommt es sonst, dass keiner seiner Zögling straffällig geworden ist?“
Der pädophile Direktor blieb ruhig: „Nur die Ruhe, meine Herren. Ich werde ihn zurechtbiegen. Er wird braver Bürger.“
Und so bog man an ihn.
Vormittags musste an einen christlich orientierten Schulunterricht teilnehmen. So wurde statt Darwin eine skurrile Schöpfungstheorie durch Gott gelehrt. Schlimmer war der Nachmittag mit seinen Religionsunterricht und den Verdrängungskurs.
Der Religionsunterricht war, wie der Verdrängungskurs, reinste Gehirnwäsche einer fanatisch-esoterischen aber christlichen Sekte.
Nach anfänglichen Widerstand, ging er in die innere Emigration. Er schrieb grausame Gedichte, biss sich absichtlich auf die Zunge und ging kaum einer Schlägerei aus dem Weg, auch wenn er dabei mit vielen Schrammen versehrt herauskam. Im Laufe von Wochen wurden es immer weniger, da er immer besser im Kämpfen wurde.
Eines Tages hörte er den Jugendlichen namens Franz ausrasten: „Ich halt es hier nicht mehr aus. Mobbing und ich will wieder einen Computer sehen.“
Franz kletterte stöhnend über den Maschenzaun, die Kinder schauten ihn gespannt zu. Valentin spürte einen sanften Stöhner auf seiner Wange. Er schaute sich um. Es war ein Mädchen, um die fünfzehn. Und sie sahen sich in ihre leidenden jugendlichen Augen. Es war Liebe auf den ersten Blick, doch Valentin war vorsichtig und schaute weiter auf den fliehenden Jugendlichen. Ein paar Wachen sprangen hervor, der Jugendliche schlängelte sich hindurch. Plötzlich schubste ihn eine der Wachen auf die Straße. Er fiel schreiend, Autos zermatschten den klugen Kopf, verteilten die glibbrige Masse Wissen auf alle Häscher. Das Mädchen packte seine Hand und flüsterte: „Mein Name ist Mina. Lass uns gehen.“
Zunächst war es nur eine geistige Liebe, nach einiger Zeit kuschelten sie versteckt in einen der tausenden Anstaltsräume. Praktisch war Valentins Beschaffungsmethode. Selbst Pfleger rückten Kondome raus, wenn er mit der Faust drohte.
Die anderen Jugendlichen hingegen freute es, dass sie sich nun ungestört sich prügeln konnten und unterstützten die Beziehung der Beiden nach Kräften, schließlich wollte keiner unter Valentins Faust kommen.
Schließlich stand Halloween vor der Tür, die Jugendlichen durften sich Kostüme aussuchen, wobei Valentin und Mina Vorrang hatten. Sie gingen als Vampirpaar, weil Valentin beim lernen zufällig auf Vlad Dracula gestoßen war. Er vergötterte ihn fast und spielte seine Rolle gut. Hingegen Mina schlotterte in ihren knapp bemessenen Vampiraufzug.
„Und nun geht heraus und habt Spaß. Holt euch viele Süßigkeiten.“, befahl der Direktor.
Es war das erste Mal das Valentin die Waisenanstalt verließ. Wie leicht hätte er mit seiner Freundin fliehen können, doch unsichtbare Ketten hielten sie alle fest.

Ein Jahr später kamen Tests, wo Valentin kläglich versagte. Hatte er Jahre zuvor nur die besten Noten gehabt, so war alles verflogen.
„Weniger kuscheln, mehr arbeiten.“, riet die Lehrerin unter Getuschel der anderen Schüler. Er fühlte sich schwach und versagte bei Schlägereien, etwas was ihm lange nicht passiert war. Seine Freundin wurde sich von einen anderen Schüler geschnappt, ohne dass sie Einwände einlegen konnte, denn der Direktor stand drohend mit einer Peitsche in der Hand hinter ihnen.
Trübe Gedanken tobten in seinen Kopf, seine Leistungen wurden schlechter und schlechter, er schleppte sich durch die Schule. Zu seinem Geburtstag bekam er einen geöffneten Geburtstagbrief seiner Mutter; in ihm: eine Karte.
„Alles gute zum Geburtstag. Ich hoffe, es geht dir gut. Hier etwas Geld. Hast du meine Briefe bekommen?“, in den Briefkuvert war kein Geld, geschweige denn hatte er Briefe bekommen. Wie Vlad III hatte man ihn entführt, aber warum? Das hatte nichts mehr mit Vergewaltigung zu tun, das war… Valentin fehlten die Worte.
Aus Trauer wurde Wut, der Schwelbrand entzündete seine Seele: er musste töten. Leise, unauffällig, hinterhältig; am besten würde ein anderer Schuld bekommen. Mit einen gemeinen Lächeln schritt er zu Tat. Er beobachtete die anderen sorgfältiger als je zuvor. Sehr sorgfältig, so entdeckte er ein Mädchen, das ein Messer besaß, ein perfekter Täter. Nun die Opfer. Ein Mädchen, eine Freundin von dem „Täter“, am liebsten hätte er auch Peiniger von Mina auf seiner Mordliste aufgenommen, doch das wäre zu offensichtlich, aber wie stand es mit ein paar Pflegern?
In der Nacht schlich er auf leisen Sohlen zum Mädchenschlafsaal. Niemand hörte ihn, niemand sah ihn durch die schlafenden Reihen tasten. Dann sah er das Zielobjekt. Sein Herz schlug schneller, er griff zu. Niemand rührte sich, lautlos zog er das Messer und tastete sich an das Bett seines ersten Opfers. Es schlief unruhig, wälzte sich. Kein gutes Ziel, doch auf einmal hielt es inne, als es auf den Rücken lag. Perfekt. Langsam hob er die Bettdecke über die Brust des Opfers hoch. Er konnte die Brüste durch das dünne Schlafhemd durchdrücken sehen, ein Anfall von Bedauern, dann stach er zu.
Noch weitere fünf Opfer, zwei Jungen, zwei Pfleger, eine Pflegerin und schon war er wieder bei dem Mädchen, welches er zum Täter machen würde.
Leise flüsterte er im Tonfall, wie er es vom Verdrängungsseminar gewohnt war: „Du hast fünf Menschen umgebracht. Du hast fünf Menschen umgebracht, verstehst du?“, das Mädchen nickte, „Nimm das Messer.“, das Mädchen nahm das Messer, „Und nun gehe zur Dusche. Du wirst dich versuchen reinzuwaschen.“
Das Mädchen stand wie ein Zombie auf und folgte seinen Befehlen. Er verschwand hingegen mit einen dämonischen Lächeln im Gesicht. Dracula würde stolz auf ihn sein.

Es geschahen auf ähnliche Weise noch weitere zwanzig Morde, dann musste Valentin eine Abstinenzpause einlegen. Es wäre zu auffällig, denn die Polizei ermittelte mit Hochdruck, suchte nach dem missing-link bei den Morde. Auch bedauerte er, nur mittelmäßige Noten schreiben zu dürfen. Seine Intellekt war mit seiner Selbstbestätigung von den Morde zurückgekehrt, wenn nicht sogar über das vorherige Maß geschärft worden, doch er durfte nicht auffallen. Jeder absichtliche Fehler schmerzte und würde später mit Blut gerächt werden.
Eines Tages bemerkte er einige Anwälte, die mit den Wachposten vor dem Waisenhaus stritten. Erstaunt ging er zu ihnen heraus und fragte, was los sei.
„Sind Sie Valentin Kut?“, fragten die Anwälte ihn.
„Ja.“
„Gut, dass wir Sie treffen. Ihr Vater hat Selbstmord verübt. In seinem Abschiedsbrief steht, dass wir Ihnen eine Botschaft ausrichten sollen.“
„Und die wäre?“
„Ich war es nicht.“
Tränen rollten Valentin aus den Augen. Hände wurden auf seine Schultern gelegt
„Wann hätten Sie Zeit für die Beerdigung und die Vollstreckung des Testaments?“, fragte ihn einer der Anwälte.
„In zwei Jahren. Er ist noch nicht soweit mit seiner Mutter in Kontakt zu treten. Er hat noch immer posttraumatische Störungen.“, der Direktor war angeeilt gekommen. Valentin und er sahen sich tief in die Augen. Feindschaft blitzte, Mordlust stand ihnen beiden in den Augen.
„Jetzt.“, antwortete Valentin, sein Blick durchbohrte den Direktor, „Ich komme wieder, Doktor Fratzen.“
„Dann wird Mina, aber traurig sein.“
Valentin musste lächeln. Der Direktor hatte ihn unterschätzt, behandelte ihn noch wie ein kleines Kind. Hatte Dr. Fratzen seine Verwandlung nicht mitbekommen?
„Sie wird mir schon verzeihen.“
„Das glaube ich kaum.“, konterte Dr. Fratzen. Mochte sein, dass Mina was zustoßen würde, aber er brauchte erst Distanz für eine fundierte Entscheidung, so wandte er sich an seine Anwälte:
„Kann es losgehen? Ich habe seit Jahren nur dieses Waisenhaus gesehen.“
Diese nickten, er stieg in das Auto, sie hörten noch ein: „Das wirst du bereuen!“, dann schlug die Wagentür zu und das Auto setzte sich in Bewegung.
„Seltsamer Kauz, dieser Dr. Fratzen.“, wunderte sich einer der Anwälte. Valentin war sich unsicher, ob es erlaubt war frei zu reden. War er denn in Sicherheit oder war es nur ein Trick?
„Dr. Fratzen hat seinen Titel nicht verdient.“, stocherte Valentin vorsichtig. Erstaunt fragten die Anwälte nach: „Warum?“
Die Anwälte schienen in Ordnung zu sein.
„Gehirnwäsche gegen wehrlose Waisenkinder. Ist das nicht genug?“
Sofort zog der nichtfahrende Anwalt einen Block.
„Erzählen Sie weiter. Wir vertreten Ihre Mutter im Prozess gegen das Waisenheim. Sie sagt, sie hätte keinen Kontakt mehr zu Ihnen gehabt. Stimmt das?“
„Ja. Briefe werden systematisch abgefangen und durchsucht. Außerdem lässt die Gehirnwäsche die Vergangenheit verblassen und unwichtig erscheinen. So weiß ich nicht einmal den Namen meiner Mutter.“
„Steht der Direktor in Zusammenhang mit den zwanzig Morden?“
Valentin erblasste: „Nur indirekt. Sie sind ein Ausdruck von Widerstand der Insassen. Mein vollstes Verständnis, wenn Kinder in dieser Hölle ausrasten.
Vielleicht hilft das: der Unfall vom dicklichen Jugendlichen Franz. Die Wachen vom Waisenhaus schubsten ihn auf die Straße, nachdem sie erfolglos versucht hatten ihn zu fangen.“
Der Anwalt schrieb nieder, schaute auf, fragte:
„Warum?“
„Es gibt so viel zu verbergen in dem Waisenhaus. Esoterischer Unterricht, Pädophilie des Direktors, Fälschung von Beweisen. Apropos hat man das Sperma, das man bei mir fand, auf seinen Ursprung überprüft? Es stammt vom Direktor.“
„Nein. Aber wir werden das sofort angehen.“, der Anwalt zückte ein Mobiltelefon, telefonierte kurz, bekam einen ungläubigen Gesichtsausdruck, legte auf, schüttelte den Kopf:
„Ich fasse es nicht. Die Beweise wurden vernichtet. Es scheint einen tiefen Sumpf zu geben.“
„Die zerbrochenen Kinderseelen folgen widerstandslos Autoritäten, daran liegt es. Das Gleiche in Afrika mit den Kindersoldaten.“

Seine Mutter weinte, seine Großeltern weinten, Valentin weinte im Kreise seiner Liebsten. Kaum war er wieder zu Hause, erzählte er seine Geschichte, verschwieg aber seine Morde. Dann, als alle schon zu Taschentüchern gegriffen hatten, packte er den Hammer aus: „Ich glaube mein Vater hat sich nie an mir vergangen. Wer könnte ihn so etwas antun wollen?“
Stille, Todesstille.
„Was hat er verbrochen, außer zu leben?“
Stille. Seine Mutter packte zitternd eine Zigarette aus. Valentin sah, dass die ganze Wohnung Spuren exzessiven Rauchens trug. Früher war seine Mutter strikte Nichtraucherin gewesen, was nur Grausamkeit aus Menschen machte… Sie zündete ein Streichholz zischend an, hielt es an ihre Zigarette. Wie ein Höllenfeuer, das Leben vernichten wollte, griff die Flamme gierig nach den Papier und verschlang es, langsam und genüsslich.
Plötzlich krähte ein Rabe. Stille. War es seine Schuld, die ihn zur Verantwortung ziehen wollte? War es Dracula, der ihn entführen sollte? Valentin zitterte. Wieder krächzte der Rabe, ohrenbetäubend laut. Es klingelte an der Haustür.
Valentin öffnete die Tür; es war Mina. Sie war bleich und blutig an tausenden Stellen ihres schönen Körpers.
„Was ist passiert?“, fragte Valentin entsetzt.
„Ich sollte Selbstmord begehen.“, ihr Blick glich dem eines Raubtieres, „Ich sollte glauben, du seist tot. Idiot!“, dann brach sie in seine Arme zusammen und schluchzte: „Ich habe sie alle umgebracht, alle, Mädchen, Jungen, Pfleger inklusive natürlich Dr. Fratzen, den Teufel.“, auf ihren Mund zauberte sich ein verrücktes Lächeln, „Alle aufgespießt auf Pfählen.“
Valentin schaute sie tief an. Während sie ihre Freudenstränen für Entsetzen über ihre wahre Natur verschwendete, legte er sanft seinen Arm um sie und flüsterte:
„Es ist vorbei. Es ist vollbracht.“

Nie würde der Massenmord aufgeklärt werden, nie Mina verhaftet, zu tief waren die Polizisten selbst in der Sache verwickelt. Ein Feuer in der Asservatenkammer begnadigte Mina, sowie viele Polizisten. Die Mütter der ermordeten Kinder waren zwar weniger erquickt über dieses Ereignis, aber hatten sich zu sehr von ihren Kindern entfremdet, als dass sie eine Neuaufrollung des Falls beantragen würden.
Mina und Valentin verbrachten ihre letzten Jahre als Jugendliche unter der fürsorglichen Hand von Valentins Mutter, wo sie zu einem stattlichen Paar heranwuchsen, das, kaum waren sie beide volljährig, eine pompöse Hochzeit feierte.

Ende

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Straßen des Todes


Schüsse, schon die ganze Nacht, wie auch jede andere Nacht. Terion konnte trotz Ohrstöpsel nicht gut schlafen, ständig war er müde. Irgendwann musste es doch eine Feuerpause geben. Seine Eltern riefen schon bei beiden Militärführungen an, doch diese antworteten nur:
„Wir müssen diesen Krieg gewinnen. Wir hoffen auf ein schnelles Ende.“
Die Soldaten schossen auf alles Menschliche, weil ein Blizzard tobte und das schon seit Monaten, seitdem die eine Kriegspartei einen Vulkan auslöste, seitdem die Gegenseite mit einen nuklearen Winter antwortete und die andere Seite natürlich auch ihre Atomwaffen losschickte, bevor diese zerstört wurden. Die beiden angrenzenden Straßen, das Dach alles stand unter Beobachtung von Soldaten, Scharfschützen und Drohnen wachten über jedes humanoide Wesen. Kein Schritt raus sonst war man tot. Erstaunlicherweise wurden Tiere nicht angegriffen, Kugelverschwendung hieß es. Und sie waren eine Kugel wert? Sie waren nur Zivilisten. Er schaute zum ersten Mal seit Monaten auf den Kalender. Er erstarrte. Es war der 24. Dezember. Heute hatten sie vielleicht Glück. Ein Knarren drang von der Wohnungstür, seine Eltern wollten heute sicherlich ihrer aller Leben erflehen. Er schaute durch eine Ritze seiner zugenagelten Fenster. Scheinwerferlicht, in ihr seine Mutter. Sie strippte in einem Engelkostüm, bald war sie nackt, aber sie lebte. Alle starrten, niemand schoss. Frieden? Endlich. Sein Vater rannte freudig auch auf die Straße, jubelnd. Der Lichtkegel schwenkte auf ihn, Schüsse durchbohrten seine Brust. Soldaten beider Seiten begaben sich zu seiner weinenden, geschockten Mutter. Einen kurzer Schusswechsel, ein paar Leichen mehr, führte eine stark dezimierter Trupp seine Mutter ab. Sie würde wahrscheinlich als Hure in einen Bordell enden. Von wegen Frieden! Ihre Nachbarn trotzten der Gewalt, sie rannten mutig mit Transparenten, wie: „Es ist euer Krieg, nicht unserer. Lasst uns in Ruhe!“, auf die Straße. Es hielt wohl niemand mehr hier aus. Die Maschinengewehre ratterten, die Gruppe wurde wie Papier durchlöchert, obwohl beide Seiten offiziell Demokratien waren. Grausam, Terion sackte auf sein Bett und weinte, niemand mehr, alles nur verbrannte Erde, nur für einen Ort an der Grenze, den keine der Kriegsparteien ohne den Krieg kennen würden. Tränen schossen förmlich aus seinen Augen, fluteten seine Wangen, sein Bett. Die Welt verschwand für einige Zeit hinter Tränenschleier. Alles fühlte sich nun so nass an, nur er so ausgetrocknet. Mühsam stand er auf und wankte zur Küche. Kalter Wind zog durch die sperrangelweit offene Wohnungstür. Schnell schloss er sie. Sein Durst trieb ihn in die Küche. Die Wasserflasche war schnell geöffnet, gierig trank er. Etwas stank. Der Geruch von Tod. Hatten die Soldaten die Fensterscheiben trotz Holzbarrikade eingeschossen?
Nein, es war ein Fuß, der in einen Bein endete, welches zu einen Körper führte. Eine Leiche von wen und wieso hierher?
Die Leiche war von seinen Vater, ein schneeweißer Wolf saß daneben und fraß gemütlich. Interessant wie die Natur das Schneeproblem in Angriff nahm. Der Wolf blickte mit seinen treuen Augen auf. Niedlich. Sein Hand fuhr sanft über das weiche weiße Fell. Ein tiefes dumpfes Schnurren erklang. Erneut als er die Hand über das Fell fuhr. Und wieder. Wieso war der Wolf nicht scheu? Tollwut? Aber das kümmerte ihn nicht. Wieso auch? Der Tod war allgegenwärtig und lieber starb er durch einen treuen Freund, als im Kugelhagel. Er ließ sich zu den Wolf nieder und schmiegte sich an seine Flanke. Sein Fell war sogar durch den Pyjama kalt. Behaglich schnurrte der Wolf. So saßen sie mehrere Stunden, bis der Wolf aufstand und wegtrappelte. Er folgte ihm. Der Wolf rannte die Treppen hinauf in sein Zimmer im zweiten Stock. Als er dort war, lag dieser schon im Bett und knurrte fordernd. War dieser Wolf dressiert? Er legte sich zu ihm und deckte sie zu. Plötzlich fiepte etwas über ihnen. Eine kleine Fledermaus, auch ein willkommener Gast. Auch sie war zutraulich, setzte sich auf seinen ausgestreckten Finger. Der Wolf schnüffelte argwöhnisch, beruhigte sich aber wieder. Zwar ratterten die Maschinengewehre, feuerte die Artillerie doch zum ersten Mal seit Ewigkeiten, empfand er wieder Ruhe.

„Es ist deren Krieg, nicht unserer.“
„Er muss sich entscheiden.“
Zwei Menschenschemen standen in seinen Zimmer, doch das Morgenlicht blendete ihn. Er richtete sich auf, um sie anzusprechen, als plötzlich eine Explosion donnerte. Sein Bett kippte eine Etage hinab. Zum Glück blieb er im Bett. Die Gestalten entpuppten sich plötzlich als Tiere, denen der beschädigte Boden unter den Füßen wegbrach. Die Fledermaus flog empört zu ihnen herunter, der Wolf hatte weniger Glück. Er landete zwischen auf einer spitzen Metallrippe. Blut spritzte aus seinen Bauch, dann fiel der Wolf kraftlos zu ihm aufs Bett. Leider nicht direkt, sondern auf ihn. Eine riesige Kratzwunde war die Folge. Wenigstens überlebten sie alle. Der Wolf atmete schwer, Blut quoll aus seinen Mund. Nach ein paar Sekunden, hörte die Blutung auf, dann begannen sich die Wunde zu schließen. Terion sprang aus dem Bett und machte vorsichtig ein paar Schritte. Das gesamte Zimmer war ein Saustall. Die Artillerie hatte exakt den Schreibtisch seines Vaters erwischt. Papiere und Essensreste lagen verstreut überall. Das Bett hatte sich an der Tür verkeilt und fiel deshalb nicht mehr tiefer. Dafür saßen sie nun in der Falle. Die Tür war blockiert, das Fenster verschlossen und das Loch durch das Bett zu einen kleinen Tunnel verengt. Schritte, Soldaten tauchten im Raum unter ihm auf. Sie verschütteten eine Flüssigkeit, Benzingeruch stieg ihm in die Nase. Sie mussten fliehen, sofort.
„Kommt Freunde.“, rief er den beiden Tieren zu, „es ist Zeit abzuhauen.“
Verzweifelt öffnete er das Fenster und versuchte die Holzbarrikaden zu entfernen. Der Lichtkegel schwenkte zu den Fenster, er schaffte es gerade noch in Deckung zu gehen bevor das Schussfeuer losbrach.
„Zündet den Scheiterhaufen an. Sie sitzen in der Falle.“, knisterte ein Funkgerät. Ein Streichholz zischte, dann begann das ganze Haus zu knistern. Rauch stieg auf, die Schritte entfernten sich. Die Fledermaus flog durch das Loch, der Wolf blieb bei ihm. Er stupste ihn Richtung Loch. Die Metallstreben des Betonboden glänzten gefährlich scharf, aber er hatte keine andere Möglichkeit. Sein Kopf passte noch problemlos durch, bei seinen Brustkorb war es schon schwerer, dann ging es wieder leichter. Plötzlich hängte er mit den Hemd am Rücken fest, seine Füße strampelten mitten in der Luft. Der Rauch biss ihm ins Gesicht, Die Wärme ließ ihn schwitzen. Vielleicht so.
„Beeil dich du Idiot. Ich wünschte sie hätte dich gebissen.“
Schon wieder diese Stimme, aber sie hatte vollkommen Recht. Verzweiflung schlug in dunkle Ruhe um.
„Stütz meine Füße.“, verlangte er mit tiefen Unterton.
Seine Füße bekamen Halt, er sprang kräftig ab. Hemd und Hose zeriss es, der Rücken bekam einen tiefen Kratzer ab. Aber er war frei, mit einen Salto landete er in den Flammenmeer. Heiß und stickig. Er röchelte vor Luft, sein Rücken konnte ihn nicht mehr tragen und ließ ihn auf alle Viere sacken. Es tat so weh, dass er absprang. Vorwärts sprang und vorwärts sprang. Bald hatte er eine neue Lauftechnik. Doch die Flammen fraßen weiter. Zwar waren seine Hände nun schmerzend heiße Klauen, aber seine Kleidung war Zunder, der lichterloh brannte. Nur raus! Nur raus! Der Hinterausgang kam immer näher. Endlich Schnee! Es zischte als er sich darin wälzte. Endlich Kühle. Wo war sein Partner? Der Wolf brannte und raste jaulend in den Schnee um sich zu Löschen.
„Na Partner.“, knurrte Terion seinen Wolfsbegleiter zu.
Angstschreie, dann flog etwas durch die brennenden Ruinen und landete neben ihnen.
Es war eine schneebleiche Frau in blutroten flatternden Kleid. Ihre Augen glichen Eiskristalle, ihre Zähne der einer Schlange. Sie hielt eine Leiche in ihrem Arm.
„Fresst euch satt. Wie immer. Blut für mich, Fleisch für euch.“, durchschnitt ihre sanfte Stimme die Stille
Terion verspürte einen Hunger, der seine verbliebene Vernunft betäubte.
Er wollte nicht mehr sehen was passierte, alles wurde rot. Menschliche Todesgurgler gellten in seine Ohren. Es musste aufhören. Es musste aufhören!

Schweißgebadet erwachte er in seinen Bett mit den Wolf an seiner Seite. War das alles nur ein Albtraum? Konnte er auf die Straße gehen und kein Krieg würde ihn daran hindern? Etwas tropfte, ihm war es egal was, Wasserhahn, Loch im Dach oder Blut. Die Zeit interessierte ihn, die Außenwelt interessierte ihn. Er wollte auf seine Armbanduhr schauen, doch sie war verschwunden. Müde stand er auf. Es war nicht sein Zimmer, eine nackte Leiche, deren Blut tropfte, saß auf einen Stuhl, eine Digitaluhr zeigte 10:00 Uhr. Wo war er? Und warum hatte er so einen Hunger? Ehe er sich versah, fraß er die Leiche. Schüsse schallten über die Straßen des Hauses. Er war immer noch in der Stadt. Ein Haus glich dem anderen, sie alle waren Todesfallen. Die Treppe zum Erdgeschoss war blutverschmiert, doch keine Leichen. Sie knarrte beim Herabsteigen, Knochensplitter bohrten sich in seine nackte Fußsohle und hinterließen dort blutige Wunden. Verärgert fegte Terion mit seinen Fuß erst über die Stufe, trat dann auf. Hätte er es doch früher gemacht… Seine Wunden hörten auf zu Bluten. Was war mit ihm bloß los? Die Frage konnte er sich selbst beantworten. Er war ein Werwolf. Vorsichtig linste er durch die Bretter eines befestigten Fensters. Seine Sichtweite war beachtlich viel größer als vor seiner Verwandlung. Soldaten überwachten mit Wärmebildkameras die Straßen. Sogar Schützengräben hatten sie. Sollte er einige töten? Nein, sonst würden sie die Häuser unter Beschuss nehmen. Wann war Vollmond? Wann konnte er sich wieder frei bewegen? Ein Kalender mit Mondphasen hing praktischerweise an einer Wand. Nur eine Woche durchhalten. Mal sehen was es zu Essen gab. Er öffnete die Küchenschränke Konservendosen im Überfluss, doch die Symbole darauf gefielen ihn nicht. Alles Bohnen und anderes Grünzeug. Hoffentlich gab es was besseres im Keller. Auch nur vegetarische Dosengerichte. Welch Ironie, dass sie bei einem Vegetarier eingedrungen waren. Das einzige Stück Fleisch im Haus war dieser selbst.
„Carpe noctem“, begrüßte ihn jemand von hinten.
„Carpe noctem.“, antwortete er gelassen. Plötzlich schreckte Terion auf. Wer zum Teufel nutzte „Nutze die Nacht.“ als Begrüßung? Der rötliche Schatten gab ihm die Antwort auf seine Frage. Die Frau stand hinter ihm.
„Wir müssen hier weg sofort!“, schrie sie, dann war sie spurlos verschwunden.
„Die Spur führt hierher, Kameraden!“, rief irgendwer.
Terion spürte wie Zorn in ihn aufwallte. Heute würde er nicht rennen, er würde sich rächen. Kalter Schweiß tropfte von seiner Stirn. Sein Herz raste plötzlich, seine Beine gaben nach.

Stimmen. Man wollte ihn ins Flüchtlingslager bringen. Soldaten waren also doch keine Bestien. Beruhigt schlief er wieder ein. Graue Mauern einer Gefängniszelle. Und so stank es auch, aber besser als der Tod. Terion lachte erleichtert auf. Bald wäre der Krieg vorbei und er endlich wieder frei. Kalter Schweiß ran ihm über sein Gesicht. Er war krank, kein Werwolf, hatte sich bei den Wolf infiziert und anschließend Leichen gefressen. Alles nur Halluzinationen. Manchmal war der Wahnsinn die beste Option, die einen verblieb. Er musste schmunzeln, begann dann zu lachen.
„Wie geht es Ihnen?“, fragte jemand.
„Ich brauche ärztliche Hilfe“
„Freut mich, dass Sie endlich wach sind. Sie schliefen einen Tag. Das Essen steht neben der Tür.“
Das Essen bestand aus Brei, kein Fleisch. Trotzdem schlang er es hinein. Es sättigte überraschenderweise. Jemand klopfte an die Wand.
„Ja?“
„Psst. Wie heißt du?“, flüsterte eine Frau durch den Abfluss in der Mitte seiner Zelle. Er rannte zu ihr. Leer, wahrscheinlich ein Echo aus seiner Nachbarzelle.
„Terion. Wo bin ich?“
„In dem ehemaligen Gefängnis deiner Stadt, nun Kriegsgefangenenlager.“
„Wie verläuft der Krieg?“
„Niemand sieht etwas, alles steht still. Es wird wohl noch einige Zeit dauern bis wir freikommen. Zudem geht denen das Essen zu Neige.“
„Ich hatte einen seltsamen Traum: Ich wäre frei wie Werwolf. Schade, nun endet es also so.“
„Mir geht es ähnlich. Ich träumte, ich wäre ein Vampir.“
„26“, murmelte jemand. Schritte zweier Personen.
„Hörst du das? Das ist der Gerichtsvollzieher.“
„27“
„28“
„29“
Die Tür öffnete sich. In ihr ein Soldat und ein Anwalt.
„Bitte folgen Sie mir.“
Man brachte ihn in ein Gerichtssaal im gleichen Gebäude. Er befand sich anscheinend in einen Justizkomplex. Der Richter begrüßte kurz die Anwesenden, begann die Verhandlung. Anklagepunkte waren Demokratiefeindlichkeit, Mord und Wehrkraftszersetzung. Den ganzen Tag juristische Spitzfindigkeiten. Sogar ein Anwalt, der ihn verteidigte, benutzte sie. Diese kalten Schweißausbrüche vorhin waren Vorboten eines schmerzhaften Krankheitstodes, weswegen nicht ein kurzer Prozess? Er stand in der Verhandlung, die eigentlich nur von den Juristen geführt wurde, auf und begann seine Eigene: „Ich bin krank, bitte bringt mich entweder um oder helft mir.“
„Sie haben das Recht auf eine faire Gerichtsverhandlung, bitte nehmen Sie wieder Platz. Da wir wenige medizinischen Ressourcen frei haben, müssen Sie durchhalten. Setzen Sie sich bitte wieder!“, antwortete der Richter
„Ich möchte für mich sprechen dürfen. Und ich will entweder den Tod oder das Leben!“
Anschließend sperrte man ihn in eine Gummizelle, wegen Selbstmordgefahr. Eine Woche zog sich die Scheinverhandlungen, eine ganze Woche, dann endlich seine letzte Gerichtsverhandlung. Doch diesmal fühlte er sich anders.
„Das Todesurteil ist gefallen. Heute um Mitternacht wird es vollstreckt.“, verkündete der Richter ernst und beendete die Verhandlung.
„Endlich.“, jubelte Terion unter den entsetzten Augen der Jury. Es sollte eindeutig eine Strafe sein, keine Belohnung.

Elatra hatte kein einziges Wort mehr wechseln können seit Terion weg war. Selbst im Gemeinschaftsraum nicht. Kein anderer hatte Zeit, alle redeten sie über eine Fußballweltmeisterschaft, um sich von der ewigen Gefangenschaft abzulenken. Missmutig quetschte sie sich an die Gitterstäbe eines geöffneten Fensters. Endlich Ruhe. Sie würde hier ihr restliches Leben verharren.

Terion wurde nahezu unbekleidet in den „Garten“ gestoßen. Hier also sollte sein Ende besiegelt werden. Und das vor Publikum! Von dem beheizten „Vorgarten“ schaute man zu. Es waren fast die ganze Jury vertreten, aber auch einige Soldaten und normale Einwohner.
Konnte man fliehen? Ein Kältehauch ließ Terion zittern. Vorsichtig, Schritt für Schritt, verließ er den vom Vorgarten beleuchteten Bereich. Der Wind begann zu jaulen, doch es war auf einmal nicht mehr kalt, auch erschreckte er nicht bei dem Anblick einer leichengespickten Stacheldrahtwand. Er hatte eine Mission. Neugierig schaute er die Leichen auf den Stacheldraht nochmal an. Ihr Blut war zu kleinen, roten Eiszapfen gefroren. Lustiger Effekt. Nun war es Zeit die Mission zu erledigen. Fröhlich schlenderte Terion zurück zum Vorgarten, als wäre die hoffnungslose Lage der schönste Tag seines Lebens. Die Lage war hoffnungslos, doch er hatte eine Mission. Er schlug gegen die Scheiben des Vorgartens. Panzerglas, das Feinste vom Feinstem. Doch eine Explosion? Der Vollmond war fast am höchsten Punkt, sah, fühlte er, obwohl er durch den Schneesturm nichts sah.
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Frazil dachte auf seinen Weg von den Vorgarten zu den Wachraum an den Kaugummi, den er im inneren Lesegerät des Vorgartens, installiert hatte. Heute Mitternacht, würde der Spaß losgehen. Niemand konnte fliehen, jeder war Wolfs- und Vampirfutter. Sein lächelndes Gesicht deformierte sich zu einen Wolfsgesicht, das aufrechte Gehen wurde anstrengend. Niemand außer einen aneilenden Wachmann, sah es, denn alle waren sie zu sehr mit der Hinrichtung seines Freundes beschäftigt. Nachdem der Wachmann erledigt war, ging es weiter Richtung Hof. Ein Gefangenenaufstand stand an. Der Mond stieg und stieg. Seine Kleidung begann zu kratzen, weshalb er sie schnell ablegte. Eine vereiste Pfütze zeigte seinen Anblick. Ein weißer Riesenwolf auf zwei Beinen.
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Zwei vergitterte Fenster des Gemeinschaftsraumes wurden regelrecht zerfetzt. Die Gitterstangen sprengte es weit in die Ferne, Stille, Gefangene quollen trotz Kälte in die Freiheit, wo sie in ihren dünnen Gefängnisanzügen zu zittern begannen.
„Ich habe Kleidung für jeden, einen Pelz der euch vor dieser Kälte schützt.“, verkündete er.
Die Köpfe drehten sich zu ihm.
„Wer will?“
Alle Hände schnellten in die Luft.
„Bildet Gassen!“
Er rannte mit seitlich ausgestreckten Klauen durch die Menschengassen, bald hatte fast jeder einen Pelz anstatt einen Gefängnisanzug und ging auf allen Vieren. Den Rest gab er Nachhilfe. Anschließend führte er sie durch die toten Tore des Gefängnisses in die Innenstadt, einem gesicherten Gelände, weil es strategisch günstige Gebäude beinhaltete und einfach zu sichern war.
So war es die letzten drei Jahre gewesen, heute wurde es binnen Minuten in einen unglaublichen Blutrausch seiner Armee leergefegt. Kein einziger Überlebender, weder Soldaten noch Zivilisten.

Terion spürte die Realität sich aufspalten, kurz bevor seine Hände den Boden berührten. Sein Rücken änderte seine Form.
Nochmal von den Soldaten demütigen lassen? Es reichte!
Er raste die Treppe hinauf, Soldaten standen am Treppenabsatz. Ein Klicken, ihre Maschinengewehre waren entsichert. Die Kellertreppe bot keine Ausweichmöglichkeit. Schneller! Die Läufe zeigten mittlerweile auf seinen Kopf, die Finger wanderten zum Abzug, als plötzlich ein Wolf die Gruppe seitwärts umriss. Ein kräftiger Sprung, dann war er am oberen Treppenabsatz.
„Verdammt sie jagen im Rudel!“, schaffte noch einer der Soldaten zu rufen, bevor er seine kräftigen Fänge sich in dessen Hals schlug. Blut schoss ihm entgegen, viel Blut, das seine Sicht kurzzeitig trübte. Einer der ganz Klugen wollte den Augenblick nutzen um seine Waffe zu ziehen, doch auch ohne volle Sehkraft konnte er ihn entdecken und mit den Raub dessen Herzens abstrafen. Das Herz schmeckte gut, pumpte sogar noch. Sein Wolfskumpan hatte mittlerweile Spaß daran gefunden, die Schädel, der noch lebenden Soldaten, mit einem Maschinengewehrkolben zu zerschmettern. Stille, wäre da nicht noch dieses angsterfüllte Wimmern. Terion sprang auf. Seine wackligen Wolfsbeine trugen ihn sehr unsicher. Vielleicht hätte er doch seine menschlichen Beine geschützt mit einen Fell hernehmen sollen, um sicherer aufzutreten. Aber als er das störende Stück Mensch sah, packte ihn Mitleid. Es war ein junger Soldat, der seine Waffen schon längst weggeworfen hatte. Er stand zitternd in der Ecke, was wollte man da machen, außer ihn mitzunehmen? Mit seinen ungeeigneten Wolfsbeinen stakste Terion auf den Überlebenden zu. Der Soldat verkrampfte sich noch mehr.
„Hey Kleiner. Komm, ich will dir nicht wehtun. Nur ein kleiner Biss und du bist Teil des Rudels.“
Sein Gegenüber begann zu lachen: „Keine Schmerzen oder nun doch Schmerzen? Oh man, wenn Werwölfe so bescheuert sind, müsst ihr darum kämpfen.“
Die Wortwahl war wohl nicht so glücklich gewesen, denn plötzlich riss ihn ein Fußfeger die Beine weg. Er fiel nach hinten. Der Soldat wollte es wohl auf die harte Tour. Sein Kopf schlug heftig auf den Boden auf, kurz darauf folgte ein Knie auf seinen Bauch. Nichts da! Er riss seine Beine hoch, um den Mann zu kratzen. Tief bohrten sich die Krallen in den Rücken seines Gegners. Terion erwartete Schreie, doch sein Widersacher erwiderte lächelnd nur: „Scherz. Klar bin ich dabei. Ich bin Frazil und du?“
„Terion.“
„Und ich Lofwa.“, stellte sich sein Wolfsbegleiter vor. Dieser hatte sich als Halbmensch aufgerichtet und sah auf sie wie ein lächelnder Yeti hinab. In seinen Händen glänzte einer der Maschinengewehre. Er bedeutete ihnen mitzukommen. Sie folgten ihm an die offene Haustür. Der Schnee stand kniehoch, dennoch hatte jemand das Haus verlassen. Lofwa deutete ihnen in Gebärden sich am Türrahmen zu verstecken. Vorsichtig linste er hinaus, sie folgten seinen Beispiel. Einer beugte sich über oder unter den anderen. Die Frau im roten Kleid hatte ihr Kleidung abgelegt, nur ein Schwarm von Soldaten bedeckte ihre Blöße. Die Herzen seiner Kameraden schlugen höher, schlugen wie ein Presslufthammer, spürte Terion. Auch das seine war verführt von dieser Frau. Wie die Soldaten sich auf sie stürzten, sie verführerisch lachte, er wollte auch. Hoffentlich wurde mal ein ordentliches Stück Oberkörper frei. Die Hoffnung zerplatzte aufgrund weiterer aneilenden Soldaten. Immer mehr, nur Scharfschützen waren noch auf ihren Posten zu sehen.
„Perfekt!“, nuschelte Lofwa leise.
„Fledermaus!“, mit diesen Worten raste er aus der Tür und schoss mit den Maschinengewehr in die Menge der Soldaten, aus der eine kleine Fledermaus mühsam in den Schneesturm emporflog. Die vordersten Soldaten griffen nach ihren Waffen, um sie im Tod gezogen zu haben. Einige feuerten mit letzter Kraft einhändig eine Feuersalve ab, was die Waffen zum Feind ihrer Kameraden verwandelte, denn sie schlüpften aus der Hand ihres Besitzers, rammten den Bauch ihrer Hintermänner, die wie Dominosteine den Nächsten beim Umkippen mitrissen. Lofwa nahm demonstrativ eine Hand vom zuckelnden Maschinengewehr, um damit die lebenden totgeweihten Soldaten zu beeindrucken. Kopf per Kopf wurden sie, die nun freie Ziele, massakriert. Ungläubige Blicke schauten auf seinen nackten, vibrierenden Arm. Stille. Der Schnee färbte sich langsam rot. Der Schneewitwer war gekommen und verschwand nun unter Scharfschützenfeuer zu ihnen ins Haus. Er hechelte vor blutiger Freude wie ein Hund, kein Wunder als Werwolf. Schüsse zerschmetterten die Fenster, durchsiebten den Flur. Sie warfen sich hin und warteten. Die Zeit zog sich. Der Schusshagel wollte einfach nicht enden. Hatten die Scharfschützen unendlich Munition? Wahrscheinlich.
„Los! Rennt als Wölfe durch das Feuer. Vergesst nicht eure Kleidung abzulegen!“, brüllte Lofwa. Terion war der Erste. Die Kleidung juckte schon in seinem Fell. Der Schlafanzug flog in hohen Bogen, wurde durchlöchert. Vorsichtig trottete er aus ihren Versteck. Sofort verstummten alle Schüsse. Man dachte anscheinend sie hätten die Menschen, auf welche sie schossen, gefressen. Er trabte voran durch den dichten Schnee. Ein Schnaufen zeugte davon, dass die anderen ihm folgten. Mal sehen was sie vor die Zähne bekamen. Auf einen der Hochhäuser konnte er eine blutrot gekleidete Frau ausmachen. Ihr langes, schneeweißes Haar flatterte im Wind, als sie sich zu ihnen umdrehte. Diese eiskristallfarbenen Augen… er kannte sie…
Sie war es, die ihm sein erstes Fleisch beschafte. Zäh und trocken, denn alles Blut hatte sie ausgesaugt.
„Stör sie nicht! Jeder, der sie stört, zahlt bei ihr einen hohen Blutzoll.“, knurrte Lofwa freundschaftlich.
Dann eben ein anderes Hochhaus. Direkt neben ihnen war eines. Zwei Soldaten auf Wache schlürften in der Eingangshalle gemütlich Kaffee. Ein Lagerfeuer wärmte sie. Konnten sie einen notleidenden, zahmen Wolf widerstehen? Einer der Wachen stand auf und deutete auf ihn. Zeit die Show abzuspielen. Plötzlich krachte ein Mülleimer vor ihm auf die Straße. Die Anderen schienen die gleiche Idee zu haben. Terion wühlte wie ein hungriger Wolf herum, zog raus was er konnte. Es schmeckte schon widerlich den Müll in die Schnauze zu nehmen, aber als er einen vergammelten Hotdog herauszog, wurde ihm schlecht. Er schoss rückwärts aus der Tonne direkt in die Arme eines Menschen.
„Komm Kleiner. Wir versorgen dich und deine Freunde.“, schmeichelte eine freundliche Stimme, während man ihn hochhob. Sollte er strampeln und sie infizieren? Nein, er würde seine Gastgeber nicht verletzen. Irgendwann würde der Zufall es bringen. Sie passierten die gläserne Drehtür, anschließend wurde er auf den Boden gesetzt. Das Lagerfeuer knisterte angenehm. Er fläzte sich neben es. Sein Fell heizte sich durch die Wärme angenehm auf. Wärme wie in seinen Elternhaus als seine Eltern noch lebten. Wie schön war doch die Zeit vor den Krieg. Jetzt musste er betrügen und töten. Für immer. Nie wieder Frieden mit den Menschen. Nur als Hochstapler. Ein Klingeln schreckte ihn auf. Es war ein Fahrstuhl, in dessen Kabine sich jemand mit köstlichen Leckerlis befand.
„Kommt her. Schaut was ich hier habe.“, rief eine Stimme. Nichts lieber als das. Terion sprintete zusammen mit seinen Kumpanen in die Kabine und fraß genüsslich. Wie funktionierte eigentlich der Aufzug ohne Strom? Etwas vibrierte. Langsam nahm er ein Summen von oben wahr. Generatoren zum Betrieb befanden sich wohl im Wartungsraum des Aufzugs. Das Summen wurde lauter und lauter, der Aufzug hatte sich in Betrieb gesetzt. Sein Ziel war das Dach. Ein Klingeln überließ sie den Spiel der Winde, die durch zerschossene, brettergeflickten Fenster brausten. Sie waren in der obersten Etage, von der Ausstattung eine Art Basiscamp, das richtige Leben, der Kampf, fand jedoch auf den Dach statt. Wieder ein Leckerli, diesmal dafür, dass sie sich auf das Dach begaben. Die starken Winde zerzausten ihr Fell. Scharfschützen suchten mit eng anliegenden, weißen Kleidung Schutz hinter erhöhten Gartenanlagen, deren Ränder einer Sammlung Blumentöpfe glich.
Die Scharfschützen schossen schnell, als hätten sie ein Ziel ausgemacht. Was mochte dieses bloß sein? Lofwa winselte plötzlich und rannte abwärts. Ihr Aufpasser hastete ihn fluchend hinterher. Was hatte bloß Lofwa? Kurze Zeit später tauchte der Mann zusammen mit Lofwa wieder auf. Ein triumphierender Gesichtsausdruck lag auf seinen Wolfsgesicht, während der Mann ihm gut zuredete. Sogar ein Leckerli samt Streicheleinheit gab es für ihn. Wie oft hatte Lofwa schon zahmen Wolf gespielt, dass er sich so gut auskannte? Ihr Herrchen klatschte in die Hände, „Alle mal herhören. Dies sind meine Wölfe. Sie sind äußerst zahm und stellen keine Gefahr da.“.
Die Scharfschützen liefen kreideweiß an, als sie uns sahen. Einer sprang sofort vom Dach.
„Leute, was habt ihr?“
„Du Idiot. Diese Wölfe sind brandgefährlich. Sie haben Rebellen ausgelöscht. Ihre Kleidung haben wir fliegen sehen. Total durchlöchert.“, schrie der Kommandant der Scharfschützen in Todesfurcht.
„Könnte es nicht einfach sein, dass ihr eine Wäscheleine abgeschossen habt und diese Tierchen sich zufällig darunter befanden. Letztes Mal war es das Gleiche.“
„Springt! Widerstand ist zwecklos.“, brüllte einer der Scharfschützen. Sofort sprangen diese vom Dach, selbst der Kommandant. Etwas klapperte unter ihnen. Es waren paar Nachzügler, die die Fenster des oberen Stockwerks benutzten.
Ihr menschlicher Begleiter war sprachlos vor Entsetzen. Er rieb sich seine Augen, als würde es alles eine Einbildung sein. Ein Funkgerät knisterte irgendwo: „Springt! Der Feind ist übermächtig und übernatürlich.“
Der Soldat war in Panik, seine Augen weiteten sich, als die Scharfschützen der anderen Hochhäusern sprangen.
„Eine Seuche.“, stammelte er, „Eine Seuche, jawohl. Kommt Wölfe, wir fliehen. Sofort!“
Sie fuhren mit den Fahrstuhl zurück ins Erdgeschoss.
„Achtung eine Seuche!“, brüllte der Soldat, alsbald die Türen sich öffneten. Stille und Dunkelheit. Das Feuer war erloschen. Zudem zog kalter Wind hinein in die Fahrstuhlkabine. Jemand kicherte. Plötzlich krachte etwas mit einen dumpfen Knall in die Kabine, ein Körper. Der Soldat schloss sofort die Türen, um anschließend in Sicherheit die Leiche zu wenden und siehe da: es war einer der wachhaltenden Soldaten. Kein einziger Tropfen Blut im Leib. Ihr Herrchen fing an zu kreischen und hysterisch zu werden. Lofwa sprang plötzlich auf, um den Öffnen-Knopf zu betätigen. Die Türen, welche sie von der Eingangshalle trennten, öffneten sich. Eine rote Gestalt sprang zu ihnen in den Fahrstuhl. Es war die Frau. Sehnsüchtig blickte sie auf die Halsschlagader ihres potentiellen Opfers. Die Miene von diesem hellte sich auf.
„So so. Nur Werwölfe und Vampire. Ich dachte schon an etwas Schlimmes. Tschüss.“
„Nicht so schnell.“, die Frau klammerte sich an ihn fest, „Du musst dich entscheiden.“
„Ich will Mensch bleiben. Es sei denn du überzeugst mich.“
„Kennst du die Geschichte der Nachtwesen?“
„Nein.“
„Vor langer langer Zeit als es noch die Dinosaurier gab, entwickelte sich eine Affenart namens Mensch. Sie stritten und zankten wie heute, doch nicht mit Menschen sondern mit den intelligenten Riesenechsen, die ihren Lebensraum nicht für den Fortschritt opfern wollten. Ein großes Problem war das Fehlen natürlicher Grenzen. Sie alle lebten auf einer Kontinentenplatte Deshalb bauten die Menschen eine der mächtigsten Bomben und zündeten sie über das Feindesland. Zunächst zerbrach die Platte, dann bildeten sich Vulkane, die, zusammen mit den aufgewirbelten Staub, eine Eiszeit auslösten. Vor allem große hungrige Tiere, wie die Echsen, wurden geschwächt, sodass die Menschen sich ihrer Feinde leicht entledigen konnten. Doch kurz bevor die Menschen die letzten Dinosaurier ausrotteten, schlossen sich diese zu einen Rat zusammen. Sie berieten wie sie überleben konnten, kamen aber auf das Ergebnis, dass sie keine Chance hatten und opferten sich in ihrer Verzweiflung sich um eine Art zu gebären, die den Menschen Einhalt gebieten würde. Ihr gefrierender Lebensatem wurde zu den ersten Eisgeistern. Sie lebten von Menschenseelen und versuchten durch Temperaturen unter -30 °C sich neue Nahrung zu schaffen, doch die Menschen hatten eine Möglichkeit gefunden aus Leichen Wärme zu erzeugen und isolierten ihre Behausungen gut. Deshalb schuf man Antiarten gegen die Menschen. Dieses waren wir, die Nachtwesen. Wir schlugen uns gut. Vampire, wie ich, konnten dank unserer verführerischen Art in die Behausungen eindringen und dort morden. Die Werwölfe lauerten draußen auf Flüchtende. Unsere Jagdmethoden waren erfolgreich. Wir konnten nahezu die gesamte Menschheit ausrotten, doch mussten feststellen, dass sich einige Menschen auf zersprengten äquatornahen Kontinenten geflüchtet hatten, wo weniger Staub den Himmel bedeckte. Die Eisgeister hatten in diesen Regionen keine Macht, zudem war die Sonne ein natürliches Schutzschild gegen unser Wirken. Nun standen wir hungrig auf den Trockenen. Die Sonne schmolz zu aller Unglück die Macht unserer Beschützer dahin, welche ohne Seelen sich in eine Ruhephase begeben mussten. Wir folgten deren Beispiel und froren uns in Gletscherspalten ein. So vergingen paar Jahrtausende Warten. Wir kamen frei in einer sorglosen Gesellschaft von Menschen von denen wir uns heimlich und heimtückisch ernährten. Unauffällig, damit die Menschen nicht flohen, weil wir jetzt klüger waren und wussten, dass wir die Menschen brauchten. Dann kam dieser Krieg. Er weckte die Eisgeister aus ihren Schlaf. Da eine globale Eiszeit herrscht, besitzen sie momentan Macht über die Erde. Sie wollen diese nicht mehr verlieren und hecken deshalb Pläne aus, die Menschen zu züchten. Willst du wirklich als Zuchttier enden?“
„Wenn euer Staatsputsch scheitert, seid ihr wieder Eisklötze. Zudem möchte ich auch ein Tagleben haben, nicht mich in der Nacht verkriechen müssen.“
„Musst du nicht als Werwolf. Nur eine Vollmondnacht zwingt dich in die Werwolfform.“, warf Lofwa ein.
„Vergiss den Tag. Ich biet mich dir gegen eine Verwandlung in einen Vampir an.“, die Vampirin setzte ein verführerisches Lächeln auf.
„Du weißt genau was ich will.“

Sie warteten in der Eingangshalle. Einige Stunden vergingen., als plötzlich ihr ehemaliges Herrchen im Treppenhaus stand. Nicht ansatzweise bleich. Zur Demonstration piekte er sich in den Daumen. Rote Blutstropfen.
„Kommt kämpft!“, gurrte er ihnen zu. Terion rannte, schlug, traf auf eine Mauer. Seine Krallen spritzten in alle Himmelsrichtungen. Den Anderen erging es nicht besser. Dann schlug der Soldat zurück. Hammerschläge erpackten sie, fetzten sie durch die Luft. Na warte! Sie rannten erneut auf den übermenschlichen Menschen zu, nur Frazil fehlte. Terions Instinkt schrillte Alarm, doch er konnte nicht mehr stoppen. Helles Licht. Schwärze.

„Bin es nur ich, der die Magie liebt?“, fragte Frazils Stimme.
„Nein. Aber ich bin nur halb so verrückt wie du.“
„Ich musste Waffentests durchführen. Zudem wer hat dich verführt?“
„Du planst sehr gut. Warten wir bis die anderen aufgewacht sind.“
Terion schlug die Augen auf. Die Vampirin und Frazil unterhielten sich. Keine Spur mehr vom fremden Soldaten, dafür irrsinnige Schmerzen.
„Was ist passiert?“, keuchte er.
„Ich habe euch in die Luft gejagt. Naja, nur so halb. Wenn ich meinen Klon aufgeladen hätte, würden eure Gedärme die Wände zieren.“
„Warum das alles?“
„Weißt du wer in den Gefängnissen meiner Seite, der Demokratischen Friedlichen Union, hockt?“
„Verbrecher?“
„Kriegsgefangene, die auf ihre Hinrichtung warten. Verbrecher werden sofort eliminiert. Aber nun zu meinen Plan: Ich schleuse eure Doppelgänger ein, befreie und transformiere die Gefangenen, um ein Massaker unter der Kasernenbevölkerung zu begehen. Lasst uns beginnen!“
Frazil begann irgendwas auf den Boden zu zeichnen, anschließend hineinzugehen, um zu dirigieren. Eine leise Melodie schien zu erschallen, immer lauter wurde sie. Sie riss Terion mit. Es drang ihn aufzustehen und mitzumachen. Den anderen schien es genauso zu ergehen. Ihr Gesichtsausdruck: Ekstase, wie sie ihn überfallen hatte. Sie ritzten sich ihre Pulsadern auf, um Blut in eine gezeichnete 24-Stunden-Uhr zu spritzen. Die Zeiger standen auf Mitternacht. Immer schneller dirigierte Frazil, immer schneller wurde der Tanz, grelle Lichtblitze zuckten über ihre Körper, Frazil murmelte etwas. Die Realität verzerrte sich. Fremde Erinnerungen schossen durch seinen Kopf. Die Vampirin war Elatra aus der Nachbarzelle, er war Gefangener im Gefängnis, verlogenes Gericht, schmerzvolle Kälte.
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Der Spuk endete. Er fühlte sich müde, die Wunde war verheilt. Den anderen schien es nicht besser zu gehen. Nur Frazil ging es blendend. Er verabschiedete sich strahlend mit einen: „Carpe noctem, erholt euch gut.“

Die Zeit verging wie im Flug. Es war schön, einfach mal sich, ohne den ständigen Artilleriehagel, ohne die ständigen Schusswechsel, ausruhen zu können. Kein Mensch traute sich mehr in die, von ihnen besetzten Gebiete. Die wenigen Mutigen, die es versuchten, waren ein gutes Jagdziel. Rennen konnten diese, jagen konnten sie aber besser. Werwolf von vorne, von hinten, Vampir von überall. Armer Frazil, der in den Militärbasen den Ausbruch vorbereitete. An Vollmond stießen er und einige Neue zu ihrer Gruppe, blutrot ihr Fell. Es war vollbracht.
„Carpe noctem.“, hechelte Terion freudig.
„Einfach mal ausruhen. Der Kasernendienst war hart, selbst für einen Werwolf.“, ächzte Frazil, fiel in den Schnee. Seine Augen schlossen sich, er begann zu schnarchen. Welch eine Idylle.
Falsch gedacht.
„Achtung. Achtung. Der Krieg ist vorbei. Die Demokratische Friedliche Union hat aufgrund einer ungewöhnlichen Wettersituation gewonnen. Der Gegner wurde ausradiert.“, brüllte jedes Radio, jedes Handy, jeder Lautsprecher. Die Ruhe war damit sofort gestorben. Immer wieder wiederholte sich die „freudige“ Nachricht.
Die Straßen füllten sich mit jubelnden Menschen. Der Schneesturm ließ nach, doch die hervorkommende Sonne strahlte schwärzlich, verbreitete aber Wärme und Licht, sie verbreitete Leben für sie und ihr Futter. Etwas kribbelte in ihm, es war als schiene ein zweiter Vollmond. Was zum Teufel war das?
„Wir, die Kältegeister, haben die Sonne eingenommen. Die Welt gehört nun uns Nachtwesen, Tag und Nacht. Besonderen Dank gilt Frazil für sein Massaker, das uns endlich genügend Seelen verschaffte.“, hörte er die Sonne rufen. Was war mit den Vampiren? Schadete ihnen dieses spezielle Sonnenlicht nicht? Elatra hatte ein seliges Lächeln im Gesicht als sie sich in eine Fledermaus verwandelte und sanft abhob in die Weite des Tages sanft abhob in die Weite des Tages, ihr aller neues Reich.

Ende

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Kranichflug


Die Sonne strahlte, tauchte die Straße in milder Wärme. Ein Mädchen spielte auf den Bordstein. Das neunjährige Mädchen schaute furchtvoll empor, als ein Röhren erklang. Düsenjäger, sie rannte Richtung Schutzkeller. Ihre Schühchen flogen wie der Wind, ein unachtsam verlegter Schlauch kam dazwischen, der sie stürzte. Ihr Köpfchen krachte auf eine Bordsteinkante.
Sie war ein Kranich, majestätische kreiste sie über der Stadt. Die Düsenjäger gaben einen wunderschönen Windschatten und wärmten mit ihren Abgasen. Unter ihr gingen Bomben hoch. Schöne Explosionen, bloß leider zerstörerisch. Häuser stürzten zusammen, die schöne Stadtkirche war nur noch ein Schuttberg. Dort irgendwo unten musste der Luftschutzbunker sein. Bauernhöfe und Felder rasten an ihr vorbei. Sie erblickte ein schönes, matschiges Feld. Wasser und Samen im Überfluss, doch auch viel Konkurrenz. Vorsichtig ging sie in den Landeanflug. Klappern von Storchen, die sie vertreiben wollten. Doch sie wand sich durch und fraß bei einen Schwarm Artgenossen.
„Anna, halte durch.“, schrien ihre Eltern durch eine Art Höhle. Sie schaute auf. Dunkelheit, Regen plätscherte durch ihr Gefängnis, ein zusammengestürztes Haus wie sie an den Trümmern erkannte. Das Haus hatte ein Freiraum über sie gebildet. Sie war von den Trümmern verschont geblieben, dennoch litt sie Schmerzen an Knien und Handfläche durch den Sturz. Sie begann zu weinen.
„Wir kommen, Schatz. Danke, dass du lebst.“
Langsam glitt sie wieder in ihre Träume ab.
Der Kranich flog mit den Wind, ein Röhren hinter ihn, Flugzeuge, die Bomber von vorhin. Sie hatten anscheinend nur eine große Schleife geflogen. Sie musste ihre Eltern warnen.
„Passt auf! Die Bomber kommen wieder.“, schrie sie mit ihrer kindlichen Stimme.
„Da hätten uns die Sirenen gewarnt. Schatz, du bist gleich frei.“
War es nur ein Albtraum? Sie öffnete die Augen. Durch ein schmales Loch sah sie in die Augen ihrer besorgten Mutter. Erleichtert seufzten beide auf. Bald war das Loch Bierdeckel groß. Ihre Eltern schauten entsetzt auf, etwas vibrierte, dann waren sie weg, tot, getroffen. Sie musste selbst graben, aber ihre Hände schmerzten höllisch. Mühsam grub sie eine Öffnung durch die ihr Köpfchen passte. Leichen überall, ihre Eltern waren splittergespickt, doch lebten noch.
„Schatz, grab weiter.“, befahl ihre Mutter. Sie grub und grub, schlief vor Erschöpfung ein.
Der Kranich flog durch den Nieselregen in die zerstörte Stadt. Es war grauenhaft wie zerstört sie war. Ein Ziegel fiel geräuschvoll von einen Dach. Langsam näherte sie sich der Straße in der sie lag. War der Kranich real? Oder nur ein schöner Traum? Die Straße, in der sie lag, war eine einzige Trümmerlandschaft in der ihre Eltern schmerzgekrümmter Haltung lagen, tot. Sie sahen schlimm aus. Der Kranich musste daran denken, dass er ebenso leicht enden konnte und wollte deshalb nicht durch das Loch zu ihr schlüpfen. Zu leicht gab es einen Ruck, der ihn zerquetschen würde.
Sie öffnete ihre Augen, streckte ihre Hände durch das Loch in die Freiheit. Etwas landete auf ihnen, der Kranich. Also kein Traum. Der Vogel pickte eifrig einige nervende Hautfetzen ab. Sie streichelte ihn im Gegenzug vorsichtig und entfernte anschließend Ungeziefer in seinem Gefieder. Morgen wäre sie frei und würde mit ihm den ganzen Tag verbringen. Doch erst einmal benötigten sie beide etwas Schlaf. Ein schönes warmes Gefühl durchfloss ihre Hand, während sie einschliefen.
Ein Brummen, dass sie durch seine Ohren vernahm, weckte sie. Neue Bomber in Anflug. Sie katapultierte ihn hoch in die Luft, wo er erschrocken in die regennasse Nacht hinweg flog. Würde der Schuttbunker standhalten? Sie verkroch sich tief in ihn und konzentrierte sich auf den Kranichflug, um die finsteren Gedanken zu vertreiben. Das Brummen drang nun auch in ihr menschliches Ohr.
Sie umkreiste neugierig das ankommende Flugzeug. Es war langsam und trug etwas unter seinen Bauch. Eine andere Bombenart? Atombombe, ja genau Atombombe, hatte ihr Vater dazu gesagt als er mit ihr die Bombenarten und ihre Gefahren durchging. Wie er ihr dabei durchs Haar streifte, nun war er tot und sie musste fliehen. Atombomben hatten riesigen Sprengradius, wusste sie. Die einzige Möglichkeit aus der Stadt ohne von der Bombe getroffen zu werden, war dem Flugzeug mit der gefährlichen Fracht zu folgen. Eine einfache Aufgabe. Es klickte, die Bombe fiel hinab auf die Trümmerstadt. Der Flieger beschleunigte, sie auch, doch der Jet war so schnell und ermüdete, im Gegensatz zu ihren Muskeln, nicht. Plötzlich flog das Flugzeug eine Kurve, es wollte das Schauspiel beobachten.
„Nicht in den Atomblitz schauen.“, hatte ihr Vater sie vor den gefährlichen Atomen gewarnt. Nur weg, weiter weg. Nicht zurückschauen. Ein weißer Lichtblitz erleuchtete kurz die ganze Umgebung, wie Blitzlicht, ein übergroßes Blitzlicht.
Schmerzen durchfuhren ihren gesamten menschlichen Körper. War da nicht irgendwas mit einer Atomerkrankung? Strahlenkrankheit genannt.
Ihre Augen öffneten sich, doch nichts als Schwarz. Ausgebrannt in ihren Höhlen, obwohl sie die Augen geschlossen gehabt hatte. Und ihre Haut – auch verbrannt. Ihr wurde übel.
Der Kranich wendete und flog ihr zur Hilfe. Es dauerte fast eine Ewigkeit bis er ihre Position wieder erreicht hatte. Sie sah durch seine Augen, dass das Loch fast wieder verschüttet war. Ihre Eltern waren nur noch Schatten auf den Trümmern. Ein letztes Mal die Hand ausstrecken und sich von ihren gefiederten Freund verabschieden. Mit eisernen Willen grub sie das Loch trotz höllischer Schmerzen wieder neu. Der Kranich setzte sich auf ihre Hand und kribbelte. Ein Röhren, nicht schon wieder. Sie holte den Kranich durch das Loch, küsste ihn zum Abschied und warf sie ihn durchs Loch zurück in den Himmel. Ihre Augen schlossen für immer, der Kranich flog hoch, flog in den Windschatten des umherkreisenden Jets. Die heißen Abgase trockneten ihr nasses Gefieder. Sie war nun der Kranich und zwar für immer. Das Flugzeug beendete seine Kurven. Auch sie musste weg, weg von Karthago. Im Windschatten flog sie Richtung neuer Heimat, der Welt. Was sie nun schützen würde, wäre ein strenger Naturschutz und die Tatsache, dass Tiere dem Menschen egal waren.

Ende

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Der Attentäter und der Polizist


(Straße, Gedränge, Attentäter läuft an sein Opfer vorbei. Kurz nachdem er es passiert hat, kippt dieses zu Boden. Die Menge gerät in Panik, der Attentäter geht weiter, betritt ein Gebäude und versteckt sich dort in einem dunklen Abstellraum hinter verstaubten Möbeln. Das Licht wird gedimmt ausschließlich auf den Raum fokussiert. Kurze Zeit später erscheint ein Polizist in den Raum. Er richtet sich seine Uniform, plötzlich richtet er sich auf und durchsucht den Raum. Er entdeckt den Attentäter und dieser ihn.)
Polizist (entschlossen): Sie sind verhaftet
(Attentäter und Polizist ziehen gleichzeitig ihre Pistolen.)
Attentäter: Patt. Regeln wir das ohne Waffen.
Polizist. Einverstanden. Legen wir die Waffen auf den Boden und entfernen uns vier Schritte.
(Sie legen die Waffen auf den Boden und entfernen sich die vier Schritte)
Attentäter: Wollen wir wirklich stehen?
(Holt zwei verstaubte Stühle aus den Gerümpel der herumstehenden Möbel hervor. Beide setzen sich.)
Polizist: Wieso morden Sie überhaupt? Sie sind ein anständiger Kerl.
Attentäter: Und Sie? Warum führen Sie das Gesetz aus ohne es zu hinterfragen? Denken Sie doch mal an die Gewaltenteilung. Sie sind kein Werkzeug der Herrschenden sondern ein freier Mensch.
Polizist (verlegen): Geld.
Attentäter: Bei mir das Gleiche. Wir sind beide die Exekutive, die armen Schweine, die den Geldgebern gehorchen müssen.
Polizist: Aber ich höre nur auf das Gesetz, ich bin nicht bestechlich.
Attentäter: Aber dieses wird von Reichen geschrieben. Also sind Sie indirekt bestechlich.
Polizist (erbost): Ich verbitte es mir. Wir sind eine Demokratie.
Attentäter (höhnisch): Und wer bedankt sich bei den Politikern mit riesigen Geldsummen? Also Oligarchie der Unternehmen.
Polizist: Mag sein, dennoch töte ich nicht im Gegensatz zu Ihnen.
Attentäter: Würden Sie Leute töten, wenn das Gesetz es befiehlt?
Polizist: Ich würde mich herausreden. Ich könnte dieses nicht verdrängen.
Attentäter: Würden Sie Bürger dingfest machen, wenn Sie wüssten, dass diese misshandelt, wenn gar getötet werden?
Polizist: Wie weit liegt Ihr Polizeiwissen zurück? Das ist heute Standard. Deshalb sollte das Gesetz in der Hand einer vertrauenswürdigen Institution liegen. Ich wähle aus diesen Grund eine solche Randpartei. Hoffentlich kommt sie irgendwann an die Macht.
Attentäter: Das kann dauern. Benutzen Sie lieber rechtsstaatliche Grundsätze als Verweigerungsgrund.
Polizist: Spinnen Sie? Dann bin ich meinen Job los.
Attentäter (seufzt): Leider. Wir sind beide Auftragskiller, die den Befehl unseres Meisters mit unseren Leib und ohne Einspruchsrechte ausführen.
Polizist (zerknirscht): Sie haben Recht.
Attentäter: Mein nächstes Opfer wird übrigens die Lobby, die Sie manipuliert. (Hebt seine Pistole auf. Geht bitter lachend ab.)
(Der Polizist dreht sich zum Publikum und hebt hilflos die Arme. Der Vorhang fällt.)

Ende

Mackie Messer lässt grüßen ^^.

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