Der Karton auf dem Dachboden


Es stand ein Karton auf dem Dachboden eines verlassenen Hauses. Er war beschriftet mit: „Nicht öffnen, nicht wegwerfen“. Er stand dort schon seit Jahren. Niemand wusste woher er kam oder was sich in seinem Inneren verbarg.
Als ein Verein in dem kleinen, grauen Haus an der Hauptstraße einzog, war die Freude groß. Nie hätten sie damit gerechnet so billig ein Vereinsheim zu mieten zu können.
Vor allem in diesen Zustand. Alles war bereits verfügbar. Fast als hätte das Haus auf sie gewartet.
Die nächsten Wochen waren Michael und die anderen Vereinsmitglieder dabei es sich nach ihren Vorstellungen einzurichten.
Als Michael im Flur eine Lampe an der Decke anbringen wollte, bemerkte er eine Dachbodentür in der Decke.
„Hey“, rief er, „wir haben sogar einen Dachboden.“
Sofort kamen die Vereinsmitglieder angeeilt und man öffnete die Luke.
Der Dachboden war stickig, leer und sauber.
Weder Staub noch Spinnweben waren zu finden, obwohl der Raum schon einige Zeit leerstand. Einzig das Licht funktionierte nicht, sodass Michael auf eine Taschenlampe zurückgreifen musste.
Plötzlich traf sein Lichtstrahl auf ein unscheinbarer Karton. Er stand versteckt im Eck des Raumes.
„Hey hier steht ein Karton von irgendwelchen Vormietern, mit Kram den sie nicht mehr wollen.“, rief Michael, „Lass uns ihn durchschauen und dann wegwerfen.“
Als sie sich dem Karton näherten, sahen sie die Aufschrift: „Nicht öffnen, nicht wegwerfen.“
Der Karton war schwer. Michael ächzte als er sie aus dem Eck in die Mitte des Raums zerrte.
„Wir sollten nicht alle im Dachboden sein, wenn Michael den Karton öffnet. Es könnte eine Bombe oder so sein.“, merkte Tom an.
Dem stimmten die anderen Mitglieder bis auf zwei zu und gingen ihren normalen Aufgaben nach.

Eine Stunde später, wollte Tom nachsehen wie es Michael ging und was sich in der Kiste befand. Als er die Leiter zum Dachboden bestieg, bemerkte er, dass es auf dem Dachboden totenstill war. Vorsichtig spähte er auf dem Dachboden.
Der Karton stand unverändert. Neben ihm lag Michaels Taschenlampe und leuchtete in die Ferne.
„Michael?“
Stille.
„Michael?“
Mit klammer Hand zog er sich herauf und leuchtete den Dachboden mit Michaels Taschenlampe aus. Nichts, kein Lebenszeichen. Michael und die anderen waren verschwunden.
Tom bekam es mit der Angst zu tun. Was auch immer in den Karton war, es konnte Menschen verschwinden lassen.
Vorsichtig, wohlbedacht den Karton nicht zu beschädigen, schob Tom den Karton in die Ecke zurück. Anschließend klebte er ein Schild mit: „Toms Eigentum, wirklich sehr gefährlich“ auf den Karton und erzählte den anderen von dem Verschwinden.
Zunächst wurde er nur ausgelacht, doch als sie Michael anriefen und „kein Anschluss unter dieser Nummer“, bekamen, schluckten sie. Auch wusste Michaels Frau nicht einmal mehr dass es Michael gab. Sie hatte sogar einen anderen Mann. Geschweige denn von seiner Familie, seine Mutter wusste nichts von einen Michael und wunderte sich über den Anruf.
Das Gleiche galt für alle Mitglieder die sich zu der Zeit auf dem Dachboden befunden hatten.

„Was zur Hölle ist in den Karton?“, fragte Tom. Die anderen zuckten.
„Es hieß nur: „nicht öffnen, nicht wegwerfen“. Vielleicht kann ich durch die Löcher des Griffs schauen.“, sinnierte Tom.
Gesagt getan. Mit Spiegeln und einer Taschenlampe durchsuchte Tom den Karton.
Nichts, der Karton war leer. Und dennoch war er so schwer. Achselzuckend stellte er ihn wieder in die Ecke. Manche Rätsel blieben besser ungelöst.

Die Zeit verging, der Verein florierte. Mitglieder starben, neue kamen dazu. Und irgendwann erwischte es auch Tom. Ein Autounfall.
Der Karton geriet mittlerweile in Vergessenheit. Bis nach 50 Jahren einige Vereinsmitglieder ihn entdeckten.
„Tom ist doch vor 20 Jahren gestorben?“, fragte Mike.
„Ja“, bejahten die anderen.
„Dann lass uns doch mal anschauen, was in dem Karton ist.“
„Nein!“, rief man einstimmig. Einige rasten die Leiter hinab, als sich Mike nicht beirren ließ.
Der Rest beobachtete Mike gespannt, als er den Karton öffnete.
Sie sahen wie er staunte und schauten herein. Im Karton war nichts. Mike warf ihn wütend in eine Ecke.
„Moment“, rief jemand, „War der Karton nicht schwer gewesen?“
„Ja“, antwortete Mike verwirrt, „Aber…“
Jemand klatschte. Aus der Ecke kam ein alter Mann:
„Hallo, ich bin Michael, ich hab wie ihr, vor Jahren den Karton geöffnet. Seitdem bin ich in dieser Welt gefangen. Wir sind nicht alleine. Der Karton hat schon seit langer Zeit sein Werk getan.“

Mittlerweile hatten sich die Mitglieder wieder gefangen. Vorsichtig schaute Kevin auf den Dachboden wo Mike den Karton geöffnet hatte. Der Karton stand verschlossen und unversehrt auf dem Dachboden. Von Mike und den anderen keine Spur.
„Ich hab eine Idee: Wir verbrennen den Karton. Wir werfen ihn ja so nicht weg.“, rief Kevin.
Gesagt, getan. Auf dem Gehweg zündeten sie den Karton an. Sahen zu wie er fauchend verbrannte.
„Was auch immer es war, jetzt ist es tot.“, meinte Kevin zufrieden.
Später als er zuhause war, schaltete Kevin den Fernseher an. Viele Sender funktionierten nicht. Und als er einen reinbekam, sendeten sie über Monster, die die Welt tyrannisierten.
„Netter Scherz.“, murmelte er und zappte weiter. Wieder eine Sendung über diese Monster. Und da erkannte er was sich in dem Karton befand. Etwas surrte neben ihm. Ein Rauchfaden materialisierte sich und er sah in das hässlichste Gesicht, dass er je gesehen hatte.
„Danke für das Freilassen!“, zischte der Dämon.
„Gut, dass wir uns in einer Parallelwelt befinden.“, lächelte Kevin, bevor der Dämon ihn köpfte.

Es stand ein Karton auf dem Dachboden eines verlassenen Hauses …

Das postmoderne Teufelchen


Es begab sich an einen schönen Sonnentag, als es den Proletariern reichte.
Sie wollte nicht mehr nach oben schauen, zu den schönen Häusern der Intelligenzia auf dem Hügel.
Wütend, mit Mistgabeln bewaffnet, machten sie sich auf, diese zu vertreiben.
Doch blieben sie an den mächtigen Zaun, der Intelligenzia-Gemeinschaft hängen.
„Denen werden wir es zeigen!“, rief der Pöbel. Sie rüttelten und hämmerten gegen die Mauer, bis eine kleine Sichtluke in einen Tor aufging.
„Was wollt ihr?“, fragte ein heiserer alter Mann.
„Wir wollen eure Häuser, euren Reichtum, euer Leben! Lasst uns rein!“, brüllte der Pöbel.
„Ich mache euch einen Deal: eure Häuser und Felder gegen unseren Reichtum und unsere Häuser, doch die Mauer gehört uns.“
Der Pöbel willigte ein. Und wie versprochen ließ die Intelligenzia, all ihr Habe zurück, um in den Bauernhäusern und Schmieden zu hausen.
Dort begannen sie mit ihren Kenntnissen die prächtigsten Pflanzen und Schmiedestücke zu schaffen. Mit Hammer und Sichel, verdienten sie ihr verlorenes Vermögen binnen Monaten.
Voller Neid schauten die Proletarierer von den Hügel herab. Zwar hatten sie Geld, doch das Essen wurden langsam knapp.
„Komm fahren wir in die Stadt!“, grunzte ein Bauer, doch schon bald wurde er durch die Mauer aufgehalten. Er versuchte es erneut und erneut, bis er erkannte, dass sie eingesperrt waren.
„Intellektuelle sind voll Scheiße! Sie haben uns eingesperrt.“, klagte er.
Die Zeiten wurden härter, bald schon bekriegte sich der Pöbel für eine Scheibe Brot, als der besagte Bauer rief:
„Wir werden der Intelligenzia ihr Brot klauen und sie umbringen!“
Hysterischer Applaus erschallte vom Pöbel und sie begannen an die besagte Mauer zu klopfen. Als sie erfolglos versuchten sie mit Autos einzureißen, erschien wieder der alte Mann.
„Was wollt ihr diesmal?“, fragte der Mann.
„Wir haben Hunger, wir wollen essen!“, der Pöbel.
„Ich mache euch ein Angebot.“, schlug der alte Mann vor, „Ihr gebt uns all euer Habe und ihr bekommt Essen, sowie eure alten Häuser und Felder zurück.
Der Pöbel akzeptierte notgedrungen, doch gärte, brodelte es. Kaum war das letzte Mitglied der Intelligenzia durch das Tor gegangen, verbarrikadierten die Proletarierer alle Tore, die sie finden konnten.
„Jetzt könnt ihr versuchen euer Geld zu essen.“, lachten und feierten die Proletarier. Die nächsten Tage vergingen friedlich, als plötzlich über ihren Köpfen ein tosender Lärm erschallte. Flugzeuge flogen, um die Intelligenzia zu beliefern. Und sie sahen wie Mitglieder der Intelligenzia mit eigenen Fluggeräten flogen.
„Diese verdammte Intelligenzia!“, rief der Pöbel, „Lass uns all unser Habe verkaufen, um sie vom Himmel zu holen.“
Gesagt, getan. Mit nichts als ihrer Unterwäsche auf dem Körper, dafür mit einen Flugabwehrgeschütz auf dem Marktplatz, standen sie da und warteten.
Und da kam schon die Flugzeuge. Sie schossen eines nach dem anderen vom Himmel, bis das Geschütz leer war.
„Hey!“, rief einer plötzlich, „Das waren ja nur Modellflugzeuge!“
Der Mob explodierte vor Wut. Mit Fäusten bewaffnet, stürmten sie bis zur Mauer. Dort trampelten sie sich gegenseitig tot und bauten aus den Leichen eine Treppe mit der sie dann die Mauer erstürmten. Sie sahen rot, als sie die ersten der Intelligenzia entdeckten. Wie Stiere stürmten sie auf diese zu und fielen tot um.
Denn die Intelligenzia hatte Waffen in der Hand, sie hatten nur auf diese Trottel gewartet. Proletarierer für Proletarierer starb im Kugelhagel bis zum Schluss nur noch deren frierenden Kindern blieben. Diese warteten verzweifelt und mutterseelenallein vor dem mächtigen Tor der Mauer. Auf einmal öffnete sich die Sichtluke und der alte Mann sprach zu ihnen:
„Wir Götter Nifhausen, geben euch Schutz und Kleidung, wenn ihr uns dient.“
„Wo sind unsere Eltern?“, fragte ein Kind.
„Tot durch unsere furchtbare Rache. Sie wollten uns nicht dienen.“
Die Kinder stimmten aus Ehrfurcht zu und verehrte die Intelligenzia wie Götter. Zwar widerstrebte es einigen der Intelligenzia, aber diese List trug zum allgemeinen Wohlstand bei. Nun erwachsen, beteten die Kinder noch immer zu dem Tor. Und erhielten Antworten, wie sie am besten ihr Leben bewältigen konnten. Die Felder gediehen dank dieser Hilfe so prächtig, dass die neuen Proletarierer ihren Zehnten mit Freuden der Intelligenzia erbrachten.
Bald wurde die Mauer zum Tor zu einen Tempel umgebaut und Mitglieder der Intelligenzia als Priester verehrt.

Einen Tag auf der Brücke


Das Donnern von berstenden Gebäuden klang ohrenbetäubend in meinen Ohren, das Ende einer Ära, einer langen Ära von verlorener Hoffnung und Krieg, von Pein und Angst.
Und noch immer betäubt lief ich mit dem Strom. Die Bürger hatten sich in ihre beste Kleidung geworfen, nur für den Weg. Für den Weg über die Brücke. Ich musste staunen, noch nie hatte ich so viele fröhliche Menschen gesehen.
„Geh weiter, die Zukunft wartet!“, rief jemand hinter mir. Erstaunt stellte ich fest, dass ich stehengeblieben war und setzte meinen Weg zur Brücke fort.
Die Morgensonne ging langsam auf und brachte die regen- und tränennassen Straßen zum Glitzern in allen Regenbogenfarben. Ich war wie geblendet, konnte nicht mehr den Weg fortsetzen, begab mich zur Seite, abseits des Stroms und bemerkte, dass ich mich auf der Mitte der Brücke befand. Unter mir rauschte der Fluss mit kristallklaren Wasser. Irgendwie hatte ich Lust hineinzuspringen.
Und so verharrte ich an der Stelle, genoss die Mittagssonne, die fröhlichen Massen, die an mir vorbeizogen.
Plötzlich musste ich an meine Familie denken, sie waren doch schon sicher am Ziel. Vater, Mutter, Bruder, Schwester. Ach wie ich sie mochte. Sie waren das Einzige im Leben was ich hatte. Ich hatte nie Freunde gefunden, denn ich hatte nur mich und meine Fantasie.
Und so schaute ich verträumt hinab ins Wasser, es glitzerte so verlockend kühl, nass, einfach schön.
„Was warten Sie noch?“, rief ein Soldat mir zu, „Die Zukunft liegt am Ende der Brücke, Sie sind schon fast da.“
Mit Erschrecken bemerkte ich, dass die Menschenmassen die Brücke schon längst passiert hatten. Ich und der Soldat, wir waren alleine auf ihr. Jeder Schritt von ihm klang hohl und mechanisch, fast wie ein Skelett. Ich musterte ihn näher. Er war kein Mensch mehr, er war ein Cyborg, eine Menschmaschine.
Klack, klack, der Soldat ging an mir vorbei Richtung Vergangenheit, wo ich herkam, ließ mich alleine. Sollte ich nun weitergehen?
Aber es war so ein schöner Tag, außerdem würde niemand das andere Ende der Brücke als das verlassen, als das er die Brücke betrat.
Und so sinnierte ich noch einige Zeit, über das, was ich sein würde und ließ die Sonne auf mich brennen. Langsam merkte ich wie sie sich die Sonne gen Abend bewegte. Reinigungstrupps betraten die Brücke und spritzten sie mit schillernden Wasser ab. Der Cybot-Soldat kehrte mit seinen klackenden Schrittgeräusch zurück.
Es war Zeit.
Ich nahm Anlauf und sprang. Die Welt kippte, ich fühlte mich fallen und wie eine Kerze in das kühle, sprudelnde Nass eintauchen.
Unter Wasser öffnete ich meine Augen und erblickte eine fantastische, klare Welt. Fische umschwammen mich neugierig, nubbelten an meinen nackten Armen, an meinen Gesicht, begleiteten mich auf den Weg zur Wasseroberfläche.
Das Wasser um mich sprudelte kitzelnd, während ich kräftig keuchend Luft holte.
Was für ein schöner Tag.
„Was für ein schöner Sprung.“, eine plötzlich auftauchende Nymphe strich sanft und neugierig um mich. Sie war schön, so wunderschön, sie glitzerte wie ein Regenbogen. Ich zögerte, versuchte zu sprechen, doch ich war sprachlos.
Plötzlich fühlte ich mich sinken, fallen.

„Was hast du so lange gebraucht?“, fragte mich meine Mutter überglücklich als ich am nächsten Tag zu ihnen stieß. Sie musterte meinen nassen, tangbedeckten Körper mit ihren Katzenaugen, „Und wo zum Teufel hast du dich rumgetrieben? Warum bist du nicht einfach über die Brücke gegangen?“
„Ich habe einen anderen Weg genommen. Ich genoss den Tag, sprang ins Wasser zu den Nymphen, genoss das Leben.“
„Und was machst du morgen?“, unterbrach mich mein Bruder, dessen Haut der eines Wolfes glich.
„Mit den Nymphen schwimmen.“
„Und übermorgen?“
Ein Funken funkelte in den forschenden Fuchsaugen meiner Schwester. Sie wusste es.
„Und übermorgen?“, bohrte sie nach.
Ich lächelte mit meinen Seeteufelzähnen. Denn da war meine Hochzeit…

Die Wahrheit von Babylon


Es begab sich vor langer Zeit, als die Menschen noch klüger waren. Zu einer Zeit als Babylon eine Wissensoase war. Wo Nomaden durch die Wüste streifte, ragten die Türme von Babylon in die Luft. Nachts brannte von jeder Zinnen Licht, während tagsüber Flugobjekte den Himmel bevölkerten.
Ein Material namens BaStahl war der Exportschlager. Es war fester als jeder Stahl, den alle umliegende Königreiche produzieren vermochten.
Nicht selten durchschnitten BaStahl Schwerter herkömmliche Schwerter wie Butter.
Doch dieses Wundermaterial hatte einen Preis: es war ein hohe Menge an Elektrizität nötig.
Und die Babyloner wollten nicht auf ihre Maschinen verzichten, also war nur eine geringe Produktion von BaStahl möglich.
Nach etlichen Klagen, wegen Stromausfällen ersannen die Gelehrten von Babylon ein riesiges Windrad, mit einer gigantischen Leistung. Es würde sämtliche Energieprobleme von Babylon lösen, sowie eine Verachtfachung der Produktion von BaStahl zulassen.
Kaum geplant, wurde das gigantische Projekt in Angriff genommen. Niemand der Babyloner wollte die Lebensverbesserungen durch das Projekt missen.
Und weil nicht genügend babylonische Arbeiter zur Verfügung standen, wurden Bauarbeiter anderer Städte angeworben. Bald, so war in der Mitte von Babylon eine riesige Baustelle, aus der ein gigantischer Turm wuchs. Immer höher, immer größer. Irgendwann war er bereits von Ferne sichtbar.
Die umliegenden Städte wunderten sich was Babylon mit den Turm denn bezwecke. Man munkelte, sie wollten eine Treppe zu Gott. Diese Gerüchte verbreiteten sich, selbst in Babylon.
Priester in Babylon schreckten plötzlich auf. Konnte das sein? Hatten die Gelehrten sie angelogen? Sie rannten erbost zu den Gelehrten, die sie dann überzeugten, dass alles seine Richtigkeit hatte. Gott konnte nicht so tief wohnen. Flugzeuge hätten dies experimentell ermittelt.
Mittlerweile war der Turmbau abgeschlossen und man war daran die Turbine zu montieren. Doch immer häufiger rumorte es im Volk, auch unter den Gelehrten, die Gerüchte, dass das Windrad als Treppe zu Gott diene, führte zu Demonstrationen.
Die Gelehrten, die den Turm planten, erklärten verzweifelt, dass der Turm fertig sei und Gott nicht so tief wohne. Dass selbst die Flugzeuge höher flogen, als der Turm mit Turbine und noch kein Gott gesehen wurde.
„Es ist wirklich alles experimentell gesichert.“, versicherten die Gelehrten. Die Wogen glätteten sich, ein bisschen.
Das Windrad nahm den Betrieb auf. Sein Warnblinken war weit sichtbar über die Wüste. Und verunsicherte die umliegenden Städte noch mehr.
War der Turm eine Kommunikationsstation mit Gott? Oder gar den Teufel? Und die Flügel, die sich im Leeren drehten. Wurde mit ihnen göttliche Energie abgezapft?
Als die Gerüchte durch Reisende in die Stadt schwappten, war für die Gelehrten die Hölle los:
es hatte sich eine riesige Menschenansammlung um das Windrad gebildet.
„Was wollt ihr?“ fragten die eilig angeflogen Gelehrten. Sie erkannten entsetzt, dass in der Menschenmasse einige ihrer Kollegen waren.
„Stoppt die Nutzung göttlicher Energien!“, schrie der Pöbel.
„Wir nutzen keine göttliche Energien. Wir nutzen Wind.“
„Wind ist göttlich!“, entgegnete der Pöbel.
Zum ersten mal trauten sich die Gelehrten was zu sagen, worüber sie taktisch schwiegen:
„Euer Gott ist eine Illusion, eine Konstruktion, die euren Wahnsinn legitimiert.“
Steine flogen. Menschenmassen drangen den Turm nach oben, während der andere Teil des Mobs die Gelehrten jagte. Zum Glück waren ihre Flugmaschinen einsatzbereit, sonst hätte es eine Massenexekution gegeben. So konnten sie in die Luft entfliehen. Und sich auf die Suche nach ihren Familien machen, um diese in Sicherheit zu bringen. Zwar war Sippenhaft in Babylon verboten, doch dieser Mob würde sich an keine Regeln halten.

„Seht nur!“, rief der Anführer des Mobs, „Die Feiglinge sind in die Luft entflohen. Kameraden! Lasst uns den Spuk beenden!“
Eilig kamen zehn Mann mit Brechwerkzeugen an, die eine Sicherung nach der anderen vom Windrad zerstörten.
„Werft die Blasphemie hinab!“, rief der Anführer. Das Windrad knirschte als es gewaltsam aus seiner Verankerung gerissen wurde. Kabel und Öl spritzten, doch die Fanatiker merkten es nicht. Selbst als zwei drei Leute von den heftigen Stromstößen gegrillt wurden. Selbst als die Spitze des Windrades in Flammen stand. Noch bevor das mächtige Rad den Boden berührte.

Die Erde bebte heftig beim Aufschlag, selbst aus sicherer Höhe konnten Gelehrten den Aufschlag spüren. Sie kreisten über Babylon, über den brennenden Turm. Bald wäre es soweit. Sie sahen den Turm schon leicht schwanken.

Wo der Mob sich befand, war ein Schlachtfeld. Das Windrad hatte eine mächtige Schneise geschlagen. Unter seinen Flügeln lagen tausende Tote. Die meisten Überlebenden lagen am Boden, der Aufschlag hatte sie umgeworfen. Über ihnen hörten sie einen herzerschütternden Schrei. Ihr Anführer fiel brennend vom Turm in seinen Tod.
„Ihr Schweine!“, rief ein Aufrührer gen Flugzeuge, „ Seid verdammt, Drecksschweine!“
Man warf symbolisch Steine, die aber nicht annähernd hoch genug kamen.
„Aua!“, schrie wer. Ihn hatte ein Stein getroffen.
„Sei kein Weichei!“, ein anderer, „Wir haben eine göttliche Aufgabe!“

Der Turm fiel. Er stürzte längs über Babylon. Seine Schneise der Verwüstung war nichts, gegen die Verwüstungen durch seinen Staub. Staub presste unter Hochdruck durch jede von Babylons Gassen, zerriss die Stadtmauer komplett.
Es gab kaum Überlebende und die es gab, fielen alsbald in feindliche Hände.
Die Gelehrten machten traurig einen letzten Kreis über Babylon. Nicht wenige weinten über die einst so blühende Trümmerstadt. Warum hatten die Menschen ihnen nicht vertraut?
Sie wollten doch nur das Beste.
„Kursroute: Atlantis.“, meldete ein Bordcomputer.
Mit den Atlantern würden sie fliehen, weit weg von dieser Welt.

Freundschaft


Es war ein kleiner Junge, der am Wegrand mit einer Plastikflaschenrakete spielte. Sie zischte, sie schlitterte durch den Schnee. Der Junge war glücklich, weil seine neue Formel funktionierte.
Das war der Zeitpunkt, wo drei Hipster-Jugendliche ihn sahen. Es wurmte sie, dass dieser kleine Knilch sie schon jetzt übertraf. Was würde er erst in zehn Jahren machen?
Den musste man eindeutig eine Abreibung erteilen. Der Junge erkannte sofort und rannte um sein Leben. Doch die düster grinsende Jugendlichen kamen immer näher. Plötzlich lief er in etwas weiches, ein Mädchen.
„Keine Angst, Kleiner. Ich hab dich vorher gesehen.“, flüsterte sie ihm sanft zu und nahm seine Flasche mit der Raketenflüssigkeit.
„Ich hoffe nur sie taugt was.“, seelenruhig schüttete sie die Flüssigkeit in ihre leere Trinkflasche und steckte einen Stock hinein. Die Jugendlichen waren mittlerweile fast da. Das Mädchen legte an und zielte.
„Ey stell dich nicht in unseren Weg, Hübsche.“, pöbelte einer der Jugendlichen.
Die Flasche schoss einen der Jugendlichen mitten durch die Brust. Ungläubig wankend, langsam realisierend, dass seine Zeit abgelaufen war, wankte er noch zwei Schritte, bevor er mausetot zu Boden stürzte. Die anderen Jugendlichen begannen schreiend zu rennen.
„Hier, hast du wieder.“, das Mädchen gab dem Jungen seine Flüssigkeit wieder, „Es ist immer gut einen guten Freund zu haben.“
Die beiden wurden von dem Augenblick an unzertrennliche Freunde. Während andere Kinder Fußball spielten, bauten sie an Raketen und ritten auf Roboterpferden durch die Nacht.

Verfahren


Kinder spielten an den Straßenrand, die aus blühenden Blumenwiesen bestanden, doch er fuhr verbissen weiter auf der Straße. Der Tacho zeigte 180 km/h, der Motor begann langsam zu überhitzen.
Schöne Frauen huschten im Seitenspiegel vorbei, so schnell wie der Wind. Sie winkten ihm zu, doch er gab nur weiter Gas. Plötzlich leuchteten Warnleuchten im Auto auf und Stimmen forderten ihn auf, auszusteigen, rauszugehen zu den Frauen. Doch er gab nur weiter Gas. Er kannte sein Ziel nicht, doch er verfolgte es. Die Stimmen wurden lauter, immer penetranter, Rauch füllte das Cockpit.
Dann sah er sein Ziel, eine Betonmauer. Später durften Psychiater die Überreste seiner Seele abkratzen.

Der Aufstieg Alumers


Es begann alles mit… eine abgedroschene Phase, widerlich, doch es begann mit einen Blitz. Alles wurde kurz weiß und plötzlich wusste ich die Antworten. Etwas hatte mein Gehirn zurückgesetzt:
Früher als Kind galt ich mathematisch begabt, doch irgendwann war diese Gabe verschwunden. Stattdessen galt ich als plumper, träger Schüler. Meine Noten waren im Keller, und während andere Mitschüler ihr Leben genossen, saß ich in meiner Kammer und arbeitete an den Hausaufgaben (wofür ich gut das doppelte der Zeit brauchte), wenn ich nicht planlos mich an eigenen Projekten probierte (wobei ich mit keinen fertig wurde).
Es war als hätte sich ein Schleier um mein Gehirn gelegt. Und dann kamen die Stimmen, Geister aus längst vergangenen Kriegen, sie befahlen mir Morde, versprachen alle möglichen verlockende Geschenke und Gaben. Doch ich lehnte ab. Mir war es zuwider mich auf Kosten von anderen zu bereichern. Wenn dann nur an Feinden, doch ich hatte keine menschlichen Feinde, nur die Klausuren…

Vernebelt von dem Schleier, saß ich mal wieder in einer Klausur.
5*23, was war das nochmal? Ich begann zu zerlegen. 5*2=10, 3*5=15, addieren 125
Doch das konnte nicht sein. Ich rechnete nach: 115.
„Noch zehn Minuten.“, sagte plötzlich der Lehrer. Ich war gerade bei der Hälfte. Schnell rechnete ich die anderen Aufgaben, zumindest versuchte ich es. Bei ¾ aller Aufgaben war die Zeit um.

Etwas Warmes, Feuchtes weckte mich am nächsten Tag. Blut. Ich hatte mich mal wieder gekratzt. Und laut Eltern Zähne geknirscht. Wie üblich nach Klausuren.

Und wie üblich war die Korrektur leicht nachzuvollziehen. War es wirklich ich gewesen, der diese dämlichen Fehler gemacht hatte? Aber ein Grund zu Jubeln gab es: ich hatte eine 3, bis auf Chemie und Informatik meine beste Note. Ja selbst in Religion oder Wirtschaft hatte ich schlechte Noten. Man riet mir sogar die Schule zu wechseln, doch konnte oder sollte es keine Magie sein im Gymnasium zu bestehen.

So vergingen die Jahre. Ich schaffte es mit Ach und Krach mich durch das Schulsystem zur Oberstufe zu boxen. Mittlerweile waren meine Mitschüler häufig auf Partys, hatten Freundinnen, während ich noch immer verbissen und verwirrt in meiner Welt lebte. Mittlerweile wurde das Klausurenproblem noch schlimmer, ich murmelte unabsichtlich während der Klausur. Die Lehrer, ratlos was sie mit mir machen sollten, steckten mich in einen seperaten Raum.

Dann kam der Tag… Es war auf dem Schulweg, ich war gerade dabei eine Straße zu überqueren als mich der Blitz sekundenlang ausschaltete. Ich erwachte wieder als ich die Straße überquert hatte. Als ich kurz zurückblickte, merkte ich, dass sich mein Blickwinkel geändert hatte. Ich sah die feinen Details, das nasse Gras, die 30 blauen und roten Autos, der graue Himmel, spürte die kalte Luft an meiner Jacke rütteln.
„Hast du einen Geist gesehen?“, fragte mich plötzlich ein rothaariges Mädchen, das mit ihren Freundinnen neben mir hielt. Ihr Name war Tarina.
„Nein. Mich hat die Sonne geblendet. Tarina, oder?“
„Ja“, antwortete sie verwirrt, um dann mit ihren Freundinnen zu tuscheln.
Ich verstand jedes Wort, auch wenn sie flüsterten:
„Er hat mir geantwortet. Meinst du er ist in mich verliebt?“, Gekicher
„Kannst es ja versuchen. Mir hat er nie geantwortet.“
Ich fand ja auch nur die Rothaarige attraktiv, was bis vor paar Minuten auch nicht der Fall war.
„Tarina, hättest du Lust…“, ich musste kurz nachdenken. Eigentlich wollte ich sie nach gemeinsamen Klausurvorbereitungen fragen und morgen nach der Klausur zum Kino einladen, aber überlegte es mir anders.
„…heute mit mir ins Kino gehen? Ich lade dich ein.“
Schweigen.
„Morgen ist eine Schulaufgabe.“, Tarina schaute mich fragend an.
„Stimmt, wie wäre es mit morgen?“, meine Stimme blieb, trotz Nervosität, stabil.
„Morgen habe ich… Heute wäre besser…“, sie schwieg kurz, „Kannst du mir mit Mathe helfen?“
„Klar.“, antwortete ich, obwohl mir bei meinen Noten flau war.

Ignoranz ist manchmal eine Tugend. Ich ignorierte meine warnenden Stimmen, als ich für uns beide ein Ticket kaufte. Ich hätte nie gedacht, dass sie Spaß an Horrorfilmen hätte.
Am Anfang schwitzten wir beide Angstschweiß, ich konnte ihn auf einmal riechen. Dann als der Horror zu einer plumpen Liebesgeschichte wurde, spürte ich eine Hand um meine Hüfte. Den immer schlechter werdenden Film ignorierte ich und kümmerte mich um meine Freundin. Ich legte ihren Kopf auf meine Schulter und streichelte sie sanft. Die Stimmen in mir jaulten kurz auf, waren dann für immer verschwunden. Ich war die Stimme, die einzige.
Als endlich der Film vorbei war, begann sie kurz mit ihren Freundinnen zu chatten.
Klar über mich, über wen sonst? Der Film war nicht sehenswert.
„Hättest du Lust bei mir zu übernachten?“, fragte sie urplötzlich, „Wir wären alleine.“
„Ja.“ und küsste sie.

Die Nacht war einmalig. Es gab nicht viele Worte als wir bei ihr zuhause waren. Ich half ihr beim Ausziehen, sie gab mir ein Kondom und wir gingen gleich zu Bett.

Am nächsten Morgen, wachte ich ich etwas früher als normal auf. Das Radio zeigte 5 Uhr an. Verdammt! Heute war die Schulaufgabe. Ich schüttelte sie vorsichtig.
„Schatz was ist?“, fragte sie verschlafen.
„Schulaufgabe!“
Sie fuhr hoch wie eine Rakete und schleuderte mich fast aus ihren Bett.
„Verdammt! Ich habe noch nicht gelernt!“
„Ich auch noch nicht. Lass uns schnell noch lernen.“
Als wir schnell noch lernten, merkte ich, dass ich eigentlich mathematisch begabt war.

Hand in Hand gingen wir zur Schule. Als ihre Freundinnen an uns vorbeifuhren, wären sie beinahe vom Sattel gefallen. Und auch in der Schule zogen wir alle Blicke an.
Eine Lehrerin fragte mich verstört:
„Alumer, du hast Tarina vor der Schulaufgabe…“
„Ja.“
Ich küsste Tarina noch ein letztes Mal bevor sich unsere Wege trennten. Ich musste in den Keller, sie in den Klassenraum.

Dieses mal war die Klausur anders. Ich fühlte Stärke durch meine Adern fließen als ich die Blätter umdrehte. 23*3=69. Kopfrechnung. Keine langen Rechenwege. Alles war offensichtlich, die Zahlen sprangen mir ins Gesicht. Es war als hätte ich das alles Jahre lang trainiert, keine Unsicherheit mehr.

Und auch Tarina fühlte sich sicher mit einer Eins, als ich sie nachher fragte.
„Danke, du introvertierte Mathematiker“, sie küsste mich.
„Heute was vor?“, fragte ich. Sie strahlte:
„Eigentlich tanzen. Aber lass uns in die Disko gehen.“

Entgegen meiner Erwartungen führte sie mich nicht in einer dieser Absteigen mit vielen gröhlenden Halbstarken, sondern in eine etwas versteckt in einer Gasse. Laute Metal-Musik begrüßte mich, meine Musikrichtung.
Und das war erst der Anfang einer unbeschreiblichen Nacht.

Die Noten, die wir rausbekamen, waren besser als wir dachten:
1+, jeder von uns beiden. 0 Fehler, obwohl die Klausur fies war, wie mir später auffiel. Alle anderen hatten 3,4 oder schlechter, selbst unser Mathe-Ass. Doch das war nur der Anfang. Über die restlichen Schuljahre hinweg hatten wir nur gute Noten.

„Und nun?“, fragte sie, als wir das Abitur ausgehändigt bekamen.
„Ja… und nun? Was willst du später machen?“, fragte ich sie.
„Ich mag die Natur, aber ich möchte keine Viecher zerschnippeln.“
„Wie wäre Chemie? Du könntest dich später auf biologische Chemie spezialisieren.“
„Und du?“
„Ich nehme Biologie. Später können wir dann gemeinsam forschen.“
Sie strahlte und küsste mich.

Biologie war weniger die Natur erforschen als die Natur auseinanderzunehmen, nebst viel Theorie zu lernen. Aber dazu war ich nun in der Lage. Ich war sogar häufig Bester in Mathe.

Und so vergingen die Jahre, und während viele Partnerschaften unserer ehemaligen Mitschülern auseinandergingen, wuchs unsere aufs Innigste zusammen.
Wir verließen Europa, um zu forschen und in die Welt hinauszuschauen. Paper schreiben wurde unsere lästige Pflicht, die wir zum Glück, nach unserer Abschlussarbeit, endlich an wissenschaftlichen Mitarbeitern übertragen konnten.

Und dann kam der Krieg. Er kam urplötzlich, überraschte uns zu Hause. Soldaten unseres Landes überfielen ein Nachbarland.
„Sollen wir fliehen?“, fragte mich Tarina entsetzt.
„Ja. Pack die Sachen.“, ich hatte ein übles Gefühl.
„Unser Verbündete Amerika befreit China von der Diktatur. Ein nukleare Präventivschlag war unerlässlich um…“, ich hörte dem Radio nicht mehr weiter zu. Andere Länder, waren wohl nicht mehr bereit ein europäisches Forscherpaar aufzunehmen.
„Weltkrieg?“, fragte Tarina vorsichtig.
Ich nickte.
„Wohin?“
„In die Berge, Wälder, was auch immer. Wir sind Biologen, unser Terrain. Ich hol noch schnell etwas Forschungsausrüstung.“, antwortete ich.

10 Jahre Krieg. Verwüstung überall, viele Tote, Waisen, Witwen. Doch wir waren weit fern, weit in der Wildnis, hatten glücklich vier Kinder. Und forschten nach Bioenhancements, die unser Leben erleichtern würden. Und forschten an Menschen, wir fingen die fliehenden Soldaten, wie Zivilisten. Tarina hatte keine Probleme mehr mit Schnippseln an lebendigen Lebewesen…

Doch das war nicht das Ende. Der Krieg ging vorbei und wir waren die Einzigen mit Laborausrüstung und Expertise im Bereich Bioenhancements. Was folgte war, wir gründeten eine Firma und wurden reich. Dass wir Menschen ermordeten, Kriegsverbrechen begingen für unseren Traum, fiel nicht mehr ins Gewicht, hie und da waren Schmerzensgelder notwendig. Aber 9 von 10 Menschen tragen nun unsere Enhancements, wir sind Weltmarktführer, wir haben das Geld.

Schatten


Ich spüre wie die Schatten sich von mir lösen. Schatten aus der tiefsten Verderbtheit meiner Seele.
Schatten der nicht vergangenen Vergangenheit. Zukunft und Gegenwart verschmelzen mit der Vergangenheit, alle Taten werden allen der drei Zeiten begangen.
Ich schreie vor Schmerzen, mir ist als würde ich brennen. Brennen für die Ewigkeit.
Und ich sehe ein Feuer, nicht fern, nicht nah. Fackelzüge ziehen durch die schwarzen Straßen. Deren Teilnehmer… sie werfen meinen Schatten im flackernden Fackelschein.
In ihren Augen blanker Wahnsinn. Es setzt ein Regen ein, als würde der Himmel weinen, bittere Tränen des Entsetzens.
Mein Feuer brennt stärker und heller, lodert gen Himmel, zerfetzt die Wolken mit einen grausigem Lachen.
Es ist das meine. Ich kann mich nicht mehr halten. Der Wahnsinn zerreißt jede Vernunft. Wie ein Tier springe ich durch die Gassen. Zwei Hörner wachsen aus meinen Geheimratsecken.
Und betrachte das Gemetzel, tausender verrückter Menschen. Jeder gegen jeden, Mann gegen Mann, Frau gegen Frau, Kind gegen Eltern. Nur Wenige, nur vernunftbegabte Menschen standen daneben, ihre Mäuler zu einem entsetzten Schrei geformt.
Und dann berühre ich sie, einen nach dem anderen, korrumpiere ihre reine Seele.

Mich fragt plötzlich eine Stimme: „Was hast du getan?“
Rotes Blut rinnt von meinen Fingern. Und da wird mir klar:
Ich bin der Teufel, korrumpiert vom Menschen. Getrieben von Misanthropie.

Die letzten reinen Seelen nehme ich mit einen tiefen Seufzer mit mir in die Hölle. Zu ihrem Schutz versteht sich. Irgendwann, wenn der letzte Mensch sich ausgelöscht hat, würde ich sie wiederkehren lassen…

Wolfsromanze – schwarze Romantiker version


Wo war sie nur? Die Eltern von Rosmarina waren verzweifelt. Überall hatten sie schon gesucht. In den Schränken, in den Wald. Das konnte, durfte nicht sein! Ihre Rosmarina. Verzweifelt setzten sie sich an den Schreibtisch ihres Kindes und weinten.
„Pass doch auf!“, rief der Vater und zog einen Zettel vor den hinabfallenden Tränen der Mutter weg.
„Schatz, schau doch. Eine Nachricht von ihr.“, rief die Mutter aufgeregt.

„Liebe Eltern, ich werde wo hingehen, wo ihr euch mir zu folgen nicht trauen werdet.
Nein! Kein Selbstmord, wahre Liebe.
Es begann in einer Nacht im Wald. Da sah ich ihn, ein Wolf, ein schüchterner Kerl. Er huschte sofort weg, doch das Feuer meiner unser Liebe war entbrannt.
Ihr werdet mich für verrückt halten, aber das tatet ihr schon seid Anbeginn meiner Tage.
Vorsichtig ließ ich mich nieder auf allen Vieren und begann einen Wolfsruf zu imitieren. Na gut, gelang mir nicht sehr gut, aber dennoch, der Wolf kam näher.
Er beschnupperte mich, schwänzelte um mich herum um anschließend mein Gesicht zu lecken.
Ein zahmer Wolf. Doch er hatte keine Tollwut, das wussten unsere Herzen zu gut. Und so saßen wir schweigend nebeneinander. Wir hätten uns gerne Geschichten erzählt, doch trennten uns unsere Arten wie ein Ozean.
Und so mussten wir uns wieder trennen, im Anlitz der Sonnenstrahlen.

Den Rest der Geschichte kennt ihr ja. Ich kam wie betäubt aus den Wald, was bald nur noch eine Horrorgeschichte war, die ihr gerne Verwandten erzähltet.
Aber wusstet ihr auch, dass sich was in mir fundamental geändert hat?
Die Jungs schon, sie umflirteten mich mit ihren abertollsten Tricks, doch ich blieb meinen Wolf treu.
Jede Woche, jeden Sonntag am Abend rief ich nach ihn. Doch ich sah ihn nicht mehr. Er war da, aber doch nicht. Irgendwo hinter den dornigen Gestrüpp, wartend lauernd darauf, dass ich den ersten Schritt machen würde.
Doch ich konnte nicht. Und so erfüllte Dunkelheit mein Herz.
Erinnert euch nur an die Mittelstufe, wo ich als einsame Außenseiterin mich durch die Schule schlug. Zwar waren meine Leistungen gut, aber der Neid und der Hass gegen mich groß.
Aber ich konnte damit umgehen und die anderen von mich isolieren.
Dennoch, die einsame Verzweiflung fraß in mein Gemüt. Ich suchte nach echten Freunden.

Und dann, ich weiß noch wie ihr weintet, weil ihr dachtet ihr hättet mich in der Dunkelheit verloren, schloss ich mich einer Gruppe dunkler Romantiker an.
Mutter, wie du aufschriest als du die schwarze Blume auf meinen blauen T-Shirt sahst. Den Gesichtsausdruck werde ich nie vergessen.
Wir waren eigentlich ganz harmlos, hatten nur Interesse an die dunkle Seite der Fantasie. Zwar trugen wir alle schwarz, teilweise finster aussehende Lederkluften, aber wir waren absolut harmlos. Nur eine Gruppe Fantasten. Trotzdem wurden wir von den wahren Teufeln beobachtet und belauscht. Einer unserer Gruppe fand sogar eine Wanze. Scheint unsere Regierung hinter den Terror zu sein.
Es wurde mit der Zeit schlimmer und schlimmer, ich ging seltener und seltener zu den Treffpunkten. Und noch immer verfolgten mich die Gestalten.

Vor ich weiß nicht wie viel Tagen, ich war verzweifelt. Und so ging ich in den Wald und hoffte auf den Wolf.
Wie sooft. Und wie sooft dachte ich würde nur das Wispern des Waldes antworten. Und so begab ich mich auf allen Vieren. Mein nacktes Knie berührte den matschigen Boden.
Und dann heulte ich. Doch diesmal war es was anderes. Mein Ruf war klar wie der eines Wolfes. Ein Schatten kam aus den Gestrüpp. Es war der Wolf, so schön wie die Erinnerung an ihn.
Ich streichelte ihn so sacht es ging, und er leckte mir mein Gesicht. Ich erzählte ihn von meinen Leiden und dieser Welt, auch wenn uns Arten trennten.
Seine Schnauze liebkoste mich derweil wie verrückt.
So verging die Nacht, und plötzlich wurde ich schläfrig. Ich konnte nicht mehr Reden, setzte mich neben ihn. Und wir schwiegen wie in unserer ersten Nacht.

Bis er den Anfang wagte. Er zog sanft mit seiner Schnauze an meiner Kleidung, bedeutete mir zu folgen.
Wir gingen zu einen nebligen See, der wie das Meer roch, wie die Leidenschaft. Um ihn herum standen steinerne Statuen für die Liebenden Wache. Niemand, der nicht liebt, würde fähig sein diesen Ort zu sehen.
Und so im Schutz des Sees der Liebenden entledigte ich mich meiner Kleidung, um ihm ins tiefe Wasser zu folgen.
Doch plötzlich formte sich der Nebel um den Wolf zu einen Mann. Ich schwamm durch das Meer zu ihn, wohl wissend, dass ich die Ozeane, die uns trennten, überquerte.

Er war ein verfluchter Krieger. Verflucht von sich selbst. Verflucht aus Scham vor seiner eigenen blutigen Taten.
Frauen entehrt, Kinder enthauptet, mit Kriegsgefangenen zum Spaß das Spiel das Todes ausgefochten, wobei natürlich immer gewann, um nur einige seiner Schandtaten zu nennen.
Und dann war der Krieg vorbei, er kehrte zurück in sein Dorf, doch da war kein Mensch mehr am Leben. Er hatte sie ja alle umgebracht.
Und doch suchte er verzweifelt Haus für Haus, Stall für Stall. Zerborstene Türen, Schränke, Tränken erinnerten ihn an sein Massaker. Die Hoffnung Leben zu finden, schwand mit jedem Gebäude.
So zagte er vorm Betreten des letzten Gebäudes, dem Rathaus. Tränen flossen über seine unheiligen Hände, die sich auf sein Schwert stützten, als er dachte eine Stimme aus dem Gebäude zu vernehmen.
Gestärkt von neuem Mut rannte er hinein, stürmte durch die leeren, zerschlagenen Räume, um sich dann in der Ratshalle einem Rudel Wölfe Aug in Aug wiederzufinden.
Junge Wölfe tollten wild, spielten, bissen sich, aber ohne dem anderen zu schaden. Die Großen waren weniger verspielt, mehr um die Sicherheit besorgt.
Schwarze vorwurfsvolle Augen blickten in die seinen. Sie schienen ihm in seine Seele zu blicken. Unbehagen wuchs in ihm, doch nicht gegen die Wölfe, sondern gegen sich.
„Soll ich?“, fragte er die Wölfe. Diese schienen zu nicken.
„Dann sei es.“, er rammte sich sein Schwert in die eigene Brust.

Sein Fluch ging mit meinen Kuss auf mich über. Wir sind nun ein Wolfspaar, aber keine Angst es geht uns gut. Und die dunklen Romantiker? Die führten wir in eine neuen Heimat, in einer Parallelwelt, die nur von Sehenden gesehen werden kann.

Der Vater legte den Brief zitternd weg. Die Mutter war baff. Sollten sie das glauben? Schweigen. War ihre Tochter verrückt?
Etwas heulte vor der Haustür, ein Wolf. Es war Zeit.
„Gehen wir?“, fragte der Vater. Die Mutter nickte nur schwach, fiel dann entkräftet auf den Boden.
„Gut, so sei es.“, wisperte er und setzte an zum zärtlichen Nackenbiss…

Vielleicht lade ich irgendwann die andere Version noch hoch, hab aber Angst, dass sie noch nicht vollendet ist

Der Bäcker ohne Brötchen


Es war einmal ein reicher Bäcker. Er besaß eine riesige Bäckerei und war weltbekannt für seine Brötchen. Einen Sohn hatte er, einen fleißigen Schüler, Studenten und bald fähigen Geschäftsmann.
Hand in Hand erwirtschafteten sie sich Millionen.
Bis zum traurigen Tag als der Vater starb…

Der Sohn erbte, voll Vorfreude an einen boomenden Geschäft. Und die Kunden kamen. Aßen bei ihm mit Genuss. Doch sein Geschäftsinstinkt sagte ihn, es sei nicht genug.
So bot er zusätzlich edle Schokoladen an, die weggingen wie seine warme Semmeln.
Zu seinem eigenen Unglück war der Profit ihm immer noch nicht groß genug und so erweiterte er sein Sortiment um Haushaltsmittel. Immer mehr und mehr, bis ihm keine Zeit mehr zum Backen blieb.

Zuerst waren noch immer viele staunende Kunden in seiner Bäckerei. Doch es wurden immer weniger. Nach ein paar Jahren konnte er seine Besucher an der Hand abzählen, Ausnahme eine Touristengruppe verirrte sich zu seinem Geschäft.
Die Einnahmen sanken dramatisch. Zum ersten mal im negativen Bereich. Doch er ließ sich nicht beirren. Immer größer wurde sein Sortiment.
Gegenüber eröffnete eine andere Bäckerei.
Und die Kunden blieben fast ganz weg, nur ein paar neugierige Touristen kamen noch zu ihm.
Die Einnahmen fielen fast auf 0. Nur das angesparte Geld half ihm solvent zu bleiben.
Eines Tages kamen zwei Journalisten vorbei, die ihn nach allerhand fragten, auch seinem Geschäftsmodell.
„Stimmt es, dass Sie keine Brötchen mehr backen?“, fragte einer der Journalisten.
„Ja. Ich hab keine Zeit mehr dazu. Das Sortiment will erweitert werden.“

Zwei Tage passierte nichts, dann auf einmal war der Laden voll,
mit Schaulustigen, die nichts zahlten, die nichts nutzten.
Immer wieder wurde er gefragt, ob er wirklich keine Brötchen mehr backen würde.
Einer der Schaulustigen, setzte dem die Krone auf:
Er kam mit einem Brötchen, von dem Bäcker gegenüber, zu ihm.

Eines war klar: Die Journalisten waren schuld und der gegenüberliegende Bäcker, der Konkurrent.
Klagen würde helfen, niemand würde seinen Genius in Frage stellen.
Der Bäcker setzte sich an seinen Schreibtisch,
seine Füller war bereit, die ruinösen Klagen zu schreiben,
seine Gedanken voller Rache,
als sein Blick auf einen angestaubten Ordner fiel.
Geschäftsgeheimnisse, die Rezepte für die Brötchen.
Als ein Strahl der Erkenntnis sein Gehirn durchfuhr.
Er wollte Brötchen backen…
er brauchte Gehilfen…

Die konkurrierende Bäckerei schloss, wie vereinbart. Die Einnahmen waren so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Und Brötchen aus seiner Bäckerei Verkaufsschlager. Sollte…
Sein Konkurrent oder besser gesagt Mitarbeiter schlug ihm kräftig auf die Schulter.
„Komm jetzt. Sinniere nicht über Finanzen. Die Brötchen…“