Die Wahrheit von Babylon


Es begab sich vor langer Zeit, als die Menschen noch klüger waren. Zu einer Zeit als Babylon eine Wissensoase war. Wo Nomaden durch die Wüste streifte, ragten die Türme von Babylon in die Luft. Nachts brannte von jeder Zinnen Licht, während tagsüber Flugobjekte den Himmel bevölkerten.
Ein Material namens BaStahl war der Exportschlager. Es war fester als jeder Stahl, den alle umliegende Königreiche produzieren vermochten.
Nicht selten durchschnitten BaStahl Schwerter herkömmliche Schwerter wie Butter.
Doch dieses Wundermaterial hatte einen Preis: es war ein hohe Menge an Elektrizität nötig.
Und die Babyloner wollten nicht auf ihre Maschinen verzichten, also war nur eine geringe Produktion von BaStahl möglich.
Nach etlichen Klagen, wegen Stromausfällen ersannen die Gelehrten von Babylon ein riesiges Windrad, mit einer gigantischen Leistung. Es würde sämtliche Energieprobleme von Babylon lösen, sowie eine Verachtfachung der Produktion von BaStahl zulassen.
Kaum geplant, wurde das gigantische Projekt in Angriff genommen. Niemand der Babyloner wollte die Lebensverbesserungen durch das Projekt missen.
Und weil nicht genügend babylonische Arbeiter zur Verfügung standen, wurden Bauarbeiter anderer Städte angeworben. Bald, so war in der Mitte von Babylon eine riesige Baustelle, aus der ein gigantischer Turm wuchs. Immer höher, immer größer. Irgendwann war er bereits von Ferne sichtbar.
Die umliegenden Städte wunderten sich was Babylon mit den Turm denn bezwecke. Man munkelte, sie wollten eine Treppe zu Gott. Diese Gerüchte verbreiteten sich, selbst in Babylon.
Priester in Babylon schreckten plötzlich auf. Konnte das sein? Hatten die Gelehrten sie angelogen? Sie rannten erbost zu den Gelehrten, die sie dann überzeugten, dass alles seine Richtigkeit hatte. Gott konnte nicht so tief wohnen. Flugzeuge hätten dies experimentell ermittelt.
Mittlerweile war der Turmbau abgeschlossen und man war daran die Turbine zu montieren. Doch immer häufiger rumorte es im Volk, auch unter den Gelehrten, die Gerüchte, dass das Windrad als Treppe zu Gott diene, führte zu Demonstrationen.
Die Gelehrten, die den Turm planten, erklärten verzweifelt, dass der Turm fertig sei und Gott nicht so tief wohne. Dass selbst die Flugzeuge höher flogen, als der Turm mit Turbine und noch kein Gott gesehen wurde.
„Es ist wirklich alles experimentell gesichert.“, versicherten die Gelehrten. Die Wogen glätteten sich, ein bisschen.
Das Windrad nahm den Betrieb auf. Sein Warnblinken war weit sichtbar über die Wüste. Und verunsicherte die umliegenden Städte noch mehr.
War der Turm eine Kommunikationsstation mit Gott? Oder gar den Teufel? Und die Flügel, die sich im Leeren drehten. Wurde mit ihnen göttliche Energie abgezapft?
Als die Gerüchte durch Reisende in die Stadt schwappten, war für die Gelehrten die Hölle los:
es hatte sich eine riesige Menschenansammlung um das Windrad gebildet.
„Was wollt ihr?“ fragten die eilig angeflogen Gelehrten. Sie erkannten entsetzt, dass in der Menschenmasse einige ihrer Kollegen waren.
„Stoppt die Nutzung göttlicher Energien!“, schrie der Pöbel.
„Wir nutzen keine göttliche Energien. Wir nutzen Wind.“
„Wind ist göttlich!“, entgegnete der Pöbel.
Zum ersten mal trauten sich die Gelehrten was zu sagen, worüber sie taktisch schwiegen:
„Euer Gott ist eine Illusion, eine Konstruktion, die euren Wahnsinn legitimiert.“
Steine flogen. Menschenmassen drangen den Turm nach oben, während der andere Teil des Mobs die Gelehrten jagte. Zum Glück waren ihre Flugmaschinen einsatzbereit, sonst hätte es eine Massenexekution gegeben. So konnten sie in die Luft entfliehen. Und sich auf die Suche nach ihren Familien machen, um diese in Sicherheit zu bringen. Zwar war Sippenhaft in Babylon verboten, doch dieser Mob würde sich an keine Regeln halten.

„Seht nur!“, rief der Anführer des Mobs, „Die Feiglinge sind in die Luft entflohen. Kameraden! Lasst uns den Spuk beenden!“
Eilig kamen zehn Mann mit Brechwerkzeugen an, die eine Sicherung nach der anderen vom Windrad zerstörten.
„Werft die Blasphemie hinab!“, rief der Anführer. Das Windrad knirschte als es gewaltsam aus seiner Verankerung gerissen wurde. Kabel und Öl spritzten, doch die Fanatiker merkten es nicht. Selbst als zwei drei Leute von den heftigen Stromstößen gegrillt wurden. Selbst als die Spitze des Windrades in Flammen stand. Noch bevor das mächtige Rad den Boden berührte.

Die Erde bebte heftig beim Aufschlag, selbst aus sicherer Höhe konnten Gelehrten den Aufschlag spüren. Sie kreisten über Babylon, über den brennenden Turm. Bald wäre es soweit. Sie sahen den Turm schon leicht schwanken.

Wo der Mob sich befand, war ein Schlachtfeld. Das Windrad hatte eine mächtige Schneise geschlagen. Unter seinen Flügeln lagen tausende Tote. Die meisten Überlebenden lagen am Boden, der Aufschlag hatte sie umgeworfen. Über ihnen hörten sie einen herzerschütternden Schrei. Ihr Anführer fiel brennend vom Turm in seinen Tod.
„Ihr Schweine!“, rief ein Aufrührer gen Flugzeuge, „ Seid verdammt, Drecksschweine!“
Man warf symbolisch Steine, die aber nicht annähernd hoch genug kamen.
„Aua!“, schrie wer. Ihn hatte ein Stein getroffen.
„Sei kein Weichei!“, ein anderer, „Wir haben eine göttliche Aufgabe!“

Der Turm fiel. Er stürzte längs über Babylon. Seine Schneise der Verwüstung war nichts, gegen die Verwüstungen durch seinen Staub. Staub presste unter Hochdruck durch jede von Babylons Gassen, zerriss die Stadtmauer komplett.
Es gab kaum Überlebende und die es gab, fielen alsbald in feindliche Hände.
Die Gelehrten machten traurig einen letzten Kreis über Babylon. Nicht wenige weinten über die einst so blühende Trümmerstadt. Warum hatten die Menschen ihnen nicht vertraut?
Sie wollten doch nur das Beste.
„Kursroute: Atlantis.“, meldete ein Bordcomputer.
Mit den Atlantern würden sie fliehen, weit weg von dieser Welt.

Freundschaft


Es war ein kleiner Junge, der am Wegrand mit einer Plastikflaschenrakete spielte. Sie zischte, sie schlitterte durch den Schnee. Der Junge war glücklich, weil seine neue Formel funktionierte.
Das war der Zeitpunkt, wo drei Hipster-Jugendliche ihn sahen. Es wurmte sie, dass dieser kleine Knilch sie schon jetzt übertraf. Was würde er erst in zehn Jahren machen?
Den musste man eindeutig eine Abreibung erteilen. Der Junge erkannte sofort und rannte um sein Leben. Doch die düster grinsende Jugendlichen kamen immer näher. Plötzlich lief er in etwas weiches, ein Mädchen.
„Keine Angst, Kleiner. Ich hab dich vorher gesehen.“, flüsterte sie ihm sanft zu und nahm seine Flasche mit der Raketenflüssigkeit.
„Ich hoffe nur sie taugt was.“, seelenruhig schüttete sie die Flüssigkeit in ihre leere Trinkflasche und steckte einen Stock hinein. Die Jugendlichen waren mittlerweile fast da. Das Mädchen legte an und zielte.
„Ey stell dich nicht in unseren Weg, Hübsche.“, pöbelte einer der Jugendlichen.
Die Flasche schoss einen der Jugendlichen mitten durch die Brust. Ungläubig wankend, langsam realisierend, dass seine Zeit abgelaufen war, wankte er noch zwei Schritte, bevor er mausetot zu Boden stürzte. Die anderen Jugendlichen begannen schreiend zu rennen.
„Hier, hast du wieder.“, das Mädchen gab dem Jungen seine Flüssigkeit wieder, „Es ist immer gut einen guten Freund zu haben.“
Die beiden wurden von dem Augenblick an unzertrennliche Freunde. Während andere Kinder Fußball spielten, bauten sie an Raketen und ritten auf Roboterpferden durch die Nacht.