Einen Tag auf der Brücke


Das Donnern von berstenden Gebäuden klang ohrenbetäubend in meinen Ohren, das Ende einer Ära, einer langen Ära von verlorener Hoffnung und Krieg, von Pein und Angst.
Und noch immer betäubt lief ich mit dem Strom. Die Bürger hatten sich in ihre beste Kleidung geworfen, nur für den Weg. Für den Weg über die Brücke. Ich musste staunen, noch nie hatte ich so viele fröhliche Menschen gesehen.
„Geh weiter, die Zukunft wartet!“, rief jemand hinter mir. Erstaunt stellte ich fest, dass ich stehengeblieben war und setzte meinen Weg zur Brücke fort.
Die Morgensonne ging langsam auf und brachte die regen- und tränennassen Straßen zum Glitzern in allen Regenbogenfarben. Ich war wie geblendet, konnte nicht mehr den Weg fortsetzen, begab mich zur Seite, abseits des Stroms und bemerkte, dass ich mich auf der Mitte der Brücke befand. Unter mir rauschte der Fluss mit kristallklaren Wasser. Irgendwie hatte ich Lust hineinzuspringen.
Und so verharrte ich an der Stelle, genoss die Mittagssonne, die fröhlichen Massen, die an mir vorbeizogen.
Plötzlich musste ich an meine Familie denken, sie waren doch schon sicher am Ziel. Vater, Mutter, Bruder, Schwester. Ach wie ich sie mochte. Sie waren das Einzige im Leben was ich hatte. Ich hatte nie Freunde gefunden, denn ich hatte nur mich und meine Fantasie.
Und so schaute ich verträumt hinab ins Wasser, es glitzerte so verlockend kühl, nass, einfach schön.
„Was warten Sie noch?“, rief ein Soldat mir zu, „Die Zukunft liegt am Ende der Brücke, Sie sind schon fast da.“
Mit Erschrecken bemerkte ich, dass die Menschenmassen die Brücke schon längst passiert hatten. Ich und der Soldat, wir waren alleine auf ihr. Jeder Schritt von ihm klang hohl und mechanisch, fast wie ein Skelett. Ich musterte ihn näher. Er war kein Mensch mehr, er war ein Cyborg, eine Menschmaschine.
Klack, klack, der Soldat ging an mir vorbei Richtung Vergangenheit, wo ich herkam, ließ mich alleine. Sollte ich nun weitergehen?
Aber es war so ein schöner Tag, außerdem würde niemand das andere Ende der Brücke als das verlassen, als das er die Brücke betrat.
Und so sinnierte ich noch einige Zeit, über das, was ich sein würde und ließ die Sonne auf mich brennen. Langsam merkte ich wie sie sich die Sonne gen Abend bewegte. Reinigungstrupps betraten die Brücke und spritzten sie mit schillernden Wasser ab. Der Cybot-Soldat kehrte mit seinen klackenden Schrittgeräusch zurück.
Es war Zeit.
Ich nahm Anlauf und sprang. Die Welt kippte, ich fühlte mich fallen und wie eine Kerze in das kühle, sprudelnde Nass eintauchen.
Unter Wasser öffnete ich meine Augen und erblickte eine fantastische, klare Welt. Fische umschwammen mich neugierig, nubbelten an meinen nackten Armen, an meinen Gesicht, begleiteten mich auf den Weg zur Wasseroberfläche.
Das Wasser um mich sprudelte kitzelnd, während ich kräftig keuchend Luft holte.
Was für ein schöner Tag.
„Was für ein schöner Sprung.“, eine plötzlich auftauchende Nymphe strich sanft und neugierig um mich. Sie war schön, so wunderschön, sie glitzerte wie ein Regenbogen. Ich zögerte, versuchte zu sprechen, doch ich war sprachlos.
Plötzlich fühlte ich mich sinken, fallen.

„Was hast du so lange gebraucht?“, fragte mich meine Mutter überglücklich als ich am nächsten Tag zu ihnen stieß. Sie musterte meinen nassen, tangbedeckten Körper mit ihren Katzenaugen, „Und wo zum Teufel hast du dich rumgetrieben? Warum bist du nicht einfach über die Brücke gegangen?“
„Ich habe einen anderen Weg genommen. Ich genoss den Tag, sprang ins Wasser zu den Nymphen, genoss das Leben.“
„Und was machst du morgen?“, unterbrach mich mein Bruder, dessen Haut der eines Wolfes glich.
„Mit den Nymphen schwimmen.“
„Und übermorgen?“
Ein Funken funkelte in den forschenden Fuchsaugen meiner Schwester. Sie wusste es.
„Und übermorgen?“, bohrte sie nach.
Ich lächelte mit meinen Seeteufelzähnen. Denn da war meine Hochzeit…

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Die Wahrheit von Babylon


Es begab sich vor langer Zeit, als die Menschen noch klüger waren. Zu einer Zeit als Babylon eine Wissensoase war. Wo Nomaden durch die Wüste streifte, ragten die Türme von Babylon in die Luft. Nachts brannte von jeder Zinnen Licht, während tagsüber Flugobjekte den Himmel bevölkerten.
Ein Material namens BaStahl war der Exportschlager. Es war fester als jeder Stahl, den alle umliegende Königreiche produzieren vermochten.
Nicht selten durchschnitten BaStahl Schwerter herkömmliche Schwerter wie Butter.
Doch dieses Wundermaterial hatte einen Preis: es war ein hohe Menge an Elektrizität nötig.
Und die Babyloner wollten nicht auf ihre Maschinen verzichten, also war nur eine geringe Produktion von BaStahl möglich.
Nach etlichen Klagen, wegen Stromausfällen ersannen die Gelehrten von Babylon ein riesiges Windrad, mit einer gigantischen Leistung. Es würde sämtliche Energieprobleme von Babylon lösen, sowie eine Verachtfachung der Produktion von BaStahl zulassen.
Kaum geplant, wurde das gigantische Projekt in Angriff genommen. Niemand der Babyloner wollte die Lebensverbesserungen durch das Projekt missen.
Und weil nicht genügend babylonische Arbeiter zur Verfügung standen, wurden Bauarbeiter anderer Städte angeworben. Bald, so war in der Mitte von Babylon eine riesige Baustelle, aus der ein gigantischer Turm wuchs. Immer höher, immer größer. Irgendwann war er bereits von Ferne sichtbar.
Die umliegenden Städte wunderten sich was Babylon mit den Turm denn bezwecke. Man munkelte, sie wollten eine Treppe zu Gott. Diese Gerüchte verbreiteten sich, selbst in Babylon.
Priester in Babylon schreckten plötzlich auf. Konnte das sein? Hatten die Gelehrten sie angelogen? Sie rannten erbost zu den Gelehrten, die sie dann überzeugten, dass alles seine Richtigkeit hatte. Gott konnte nicht so tief wohnen. Flugzeuge hätten dies experimentell ermittelt.
Mittlerweile war der Turmbau abgeschlossen und man war daran die Turbine zu montieren. Doch immer häufiger rumorte es im Volk, auch unter den Gelehrten, die Gerüchte, dass das Windrad als Treppe zu Gott diene, führte zu Demonstrationen.
Die Gelehrten, die den Turm planten, erklärten verzweifelt, dass der Turm fertig sei und Gott nicht so tief wohne. Dass selbst die Flugzeuge höher flogen, als der Turm mit Turbine und noch kein Gott gesehen wurde.
„Es ist wirklich alles experimentell gesichert.“, versicherten die Gelehrten. Die Wogen glätteten sich, ein bisschen.
Das Windrad nahm den Betrieb auf. Sein Warnblinken war weit sichtbar über die Wüste. Und verunsicherte die umliegenden Städte noch mehr.
War der Turm eine Kommunikationsstation mit Gott? Oder gar den Teufel? Und die Flügel, die sich im Leeren drehten. Wurde mit ihnen göttliche Energie abgezapft?
Als die Gerüchte durch Reisende in die Stadt schwappten, war für die Gelehrten die Hölle los:
es hatte sich eine riesige Menschenansammlung um das Windrad gebildet.
„Was wollt ihr?“ fragten die eilig angeflogen Gelehrten. Sie erkannten entsetzt, dass in der Menschenmasse einige ihrer Kollegen waren.
„Stoppt die Nutzung göttlicher Energien!“, schrie der Pöbel.
„Wir nutzen keine göttliche Energien. Wir nutzen Wind.“
„Wind ist göttlich!“, entgegnete der Pöbel.
Zum ersten mal trauten sich die Gelehrten was zu sagen, worüber sie taktisch schwiegen:
„Euer Gott ist eine Illusion, eine Konstruktion, die euren Wahnsinn legitimiert.“
Steine flogen. Menschenmassen drangen den Turm nach oben, während der andere Teil des Mobs die Gelehrten jagte. Zum Glück waren ihre Flugmaschinen einsatzbereit, sonst hätte es eine Massenexekution gegeben. So konnten sie in die Luft entfliehen. Und sich auf die Suche nach ihren Familien machen, um diese in Sicherheit zu bringen. Zwar war Sippenhaft in Babylon verboten, doch dieser Mob würde sich an keine Regeln halten.

„Seht nur!“, rief der Anführer des Mobs, „Die Feiglinge sind in die Luft entflohen. Kameraden! Lasst uns den Spuk beenden!“
Eilig kamen zehn Mann mit Brechwerkzeugen an, die eine Sicherung nach der anderen vom Windrad zerstörten.
„Werft die Blasphemie hinab!“, rief der Anführer. Das Windrad knirschte als es gewaltsam aus seiner Verankerung gerissen wurde. Kabel und Öl spritzten, doch die Fanatiker merkten es nicht. Selbst als zwei drei Leute von den heftigen Stromstößen gegrillt wurden. Selbst als die Spitze des Windrades in Flammen stand. Noch bevor das mächtige Rad den Boden berührte.

Die Erde bebte heftig beim Aufschlag, selbst aus sicherer Höhe konnten Gelehrten den Aufschlag spüren. Sie kreisten über Babylon, über den brennenden Turm. Bald wäre es soweit. Sie sahen den Turm schon leicht schwanken.

Wo der Mob sich befand, war ein Schlachtfeld. Das Windrad hatte eine mächtige Schneise geschlagen. Unter seinen Flügeln lagen tausende Tote. Die meisten Überlebenden lagen am Boden, der Aufschlag hatte sie umgeworfen. Über ihnen hörten sie einen herzerschütternden Schrei. Ihr Anführer fiel brennend vom Turm in seinen Tod.
„Ihr Schweine!“, rief ein Aufrührer gen Flugzeuge, „ Seid verdammt, Drecksschweine!“
Man warf symbolisch Steine, die aber nicht annähernd hoch genug kamen.
„Aua!“, schrie wer. Ihn hatte ein Stein getroffen.
„Sei kein Weichei!“, ein anderer, „Wir haben eine göttliche Aufgabe!“

Der Turm fiel. Er stürzte längs über Babylon. Seine Schneise der Verwüstung war nichts, gegen die Verwüstungen durch seinen Staub. Staub presste unter Hochdruck durch jede von Babylons Gassen, zerriss die Stadtmauer komplett.
Es gab kaum Überlebende und die es gab, fielen alsbald in feindliche Hände.
Die Gelehrten machten traurig einen letzten Kreis über Babylon. Nicht wenige weinten über die einst so blühende Trümmerstadt. Warum hatten die Menschen ihnen nicht vertraut?
Sie wollten doch nur das Beste.
„Kursroute: Atlantis.“, meldete ein Bordcomputer.
Mit den Atlantern würden sie fliehen, weit weg von dieser Welt.

Praeceptum noctis


Ich war noch sehr jung, als ich zum ersten Mal die Tür mit der Aufschrift: „Du musst der Beste sein.“ sah. Mit kindlicher Neugierde öffnete ich die Tür und stand vor einer kleinen, dunklen Kammer an dessen Ende sich eine Tür mit der Aufschrift „Erfolgreich“ befand.
Ich hatte eine unbewusste Angst, die mich hinderte hinein zu gehen. Ich hatte alles was ich wollte, ich war glücklich, konnte noch fröhlich, nicht leer, nicht hohl lachen. Und deshalb ließ ich ab, rannte weg von der Tür. Warum sollte ich dieser Leere meine Freude opfern? Doch irgendwann, ich weiß nicht wie, stand ich erneut vor dieser Tür. Als ich sie diesmal öffnete, war der Raum noch unheimlicher. Er war duster, ja stockduster, kein Stern, kein Licht, außer dem strahlend grellen Weißen, das durch die offene Tür mit der Aufschrift: „Erfolgreich“ fiel.
„Du musst es schaffen.“, riefen plötzlich menschliche Stimmen, fordernd, immer eindringlicher und die Tür schien so greifbar nah, so schritt ich mutig hinein in die Dunkelheit. Voller Hoffnung, voller Erwartung die nächste Tür zu erreichen. Die Tür schloss hinter mir zu meinem Erschrecken. Sie war aber einfach wieder zu öffnen. Erleichtert machte ich mich auf den Weg zur Tür „Erfolgreich“. Zunächst war ich überzeugt davon, das Richtige getan zu haben. Aber Zweifel und Angst schlängelten langsam um mich. Mir wurde immer unheimlicher, Schatten vernebelten meinen Geist. Inzwischen hatte ich die Orientierung verloren, nur der Fixstern „Erfolgreich“ leuchtete mir noch. Schwere Last auf meinen Schultern drückte mich zu Boden, drückte meinen Hals zu. Aus einem Augenwinkel konnte ich einen Schlangenkopf aus Schatten mit rot glühenden Augen erkennen. Aber ich kämpfte mich weiter. Plötzlich stieß ich gegen ein unsichtbares Gitter, die Tür zum Erfolg war nur noch Zentimeter entfernt dahinter. Panik stieg in mir auf. Die menschlichen Stimmen spornten mich an weiter gegen das Gitter anzukämpfen, sie gaben mir sogar Süßigkeiten, deren Energie mich millimeterweise gleiten ließen, doch meine Kräfte schwanden und ich rutschte mit einem Ruck zurück. Ich war wieder am Anfang und wieder und wieder versuchte ich es angespornt durch die Süßigkeiten, doch ich kam einfach nicht voran. Ich sah seltsame, oberflächliche Kinder ohne Probleme durch die Gitterstäbe gleiten. Sie waren flach wie Papier, nein sogar flacher, bestanden nur aus einer Fläche umrahmt von Unwissenheit, verziert mit Arroganz. Ich wollte wie sie durch die Gitter, aber ich konnte nicht. Irgendwann, es war um Mitternacht, gab ich auf, wollte zurück, zurück in mein glückliches Leben. Als ich mich umdrehte, war der Raum geschrumpft. Die Tür zurück war zum Greifen nah. Meine Hand ergriff die Klinke, drückte, die Enttäuschung, die Verzweiflung: ich hatte keine Kraft mehr sie aufzudrücken. Panisch sah ich mich in meiner kleinen Zelle, die der dunkle Raum geworden war, um. Die Tür zum Erfolg rückte immer weiter in den Himmel, wohin ich aufschaute, wir aufschauten. Inzwischen stießen Kinder, wie ich, zu mir. Sie waren dunkel vor Trauer, hatten aber einen normalen, dreidimensionalen Körper mit dem sie an dem Gitter scheiterten. Im Laufe weniger Monate wurde aus zehn Kindern, Hunderte, Tausende.
In der Zelle zerdrückte man sich fast. Der Druck war unerträglich, diese Schmerzen…
Meine Mitgefangenen hielten es nicht mehr länger aus. Die einen verwandelten sich per Zigaretten in Rauch, die anderen verflüssigten sich per Alkohol in eine dunkel-gelbe Flüssigkeit, um durch den schmalen Bodenspalt der verbliebenen Tür zu entkommen. Bald war ich allein, kein physischer aber psychischer Schmerz peinigte mich jetzt. Zunächst wusste ich nicht mehr was schlimmer war, nach einigen Monaten vermisste ich den physischen Schmerz immer mehr. Meine dunkle, kleine Welt wies Bildstörungen auf, mit der Zeiten wurden es immer mehr. Ich sah Schattengestalten auf den dunklen Wänden der Zelle. Sie tanzten nach den Takt einer rotäugigen Schattenschlange. Die Luft schien dickflüssig zu sein und meine Lungen zu verstopfen. Und da entdeckte ich einen alten, weißhaarigen Mann in meiner Zelle. Ich fürchtete mich vor ihn, was unter anderem an seinen Teufelshörnern und seinen unförmigen Füßen lag, auch waren mir seine knochenbleichen Zähne und feuerroten Augen zuwider. Sie machten mir Angst. Ich schrie vor Qual mit dieser Kreatur alleine eingesperrt zu sein, eine unvorstellbare Folter, doch die menschlichen Stimmen lachten nur. Wollten sie mich verhöhnen? Sie waren überall und erdrückten mich mit ihrer Präsenz.
Mein schwaches Stimmchen wandte sich an den Himmel, wo nur Spott und Unverständnis mir antworteten.
Ich trat verzweifelt gegen die Tür, während der alte Mann verschlagen lächelte. Irgendwann gab ich auf, hockte mich resigniert in eine Ecke der Zelle und wartete. Die Zeit verging wie eine trübe Ölbrühe, in der ich um mein Leben schwimmen musste. Nur der alte Mann gab mir die Kraft auszuhalten und weiter zu schwimmen. Er wurde mir immer sympathischer im Laufe der Jahre, schließlich hatte ich den Mut ihn anzusprechen: „Wer bist du und wie komme ich hier raus?“
Er antwortete mir mit einer ziegenlachenden Stimme: „Ich bin der Teufel, der in den Menschen wohnt. Ich bin die schockierende Wahrheit von Lüge betrohnt. Die Wahrheit sprech‘ ich, doch Lüge bin ich. Ein Phantom, ein Schatten.“, die Gestalt drehte eine Pirouette, „Das Praeceptum noctis wird dir helfen, für den Preis deiner Seele. Unterschreib‘ hier mit Blut und die Macht der Nacht sei dein.“
Ich musste, vor Erschöpfung krächzend, lachen: „Geht es noch schlimmer als die Hölle in der ich bin, Teufel?“
Die Gestalt kratzte sich nachdenklich den Kopf, hüpfte koboldhaft herum, bevor sie antwortete:
„Nein. Die Hölle ist ein Paradies aus warmen Blut und dem glühend Erdblut, das auch bekannt als Lava ist. Lebenslüstern sind wir“, der Teufel schnaubte, „ja, das sind wir.“
Ich ritzte in meinen Arm, einen schönen geraden Schnitt, um einige Bluttropfen auf das Pergament, welches mir der Teufel hinhielt, zu tropfen.
Der Teufel grinste, beobachtete meine Wunde wie sie zu einer riesigen Narbe verdorrte, drehte sich wie ein Kreisel, stoppte, setzte dann zur Erklärung an:
„Die Lehre Praeceptum noctis besagt, man solle die Kraft aus der Finsternis holen, um ins Licht zu stoßen. Friss deine Niederlagen für den Sieg, statt zu resignieren. Nutze die Kräfte deiner dunkelsten Gedanken. Sei der Obsidianschmied, der Obsidian zu Kunstwerken schmiedet. Nutze die Nacht deiner Seele für eine neue Tür. Carpe noctem.“
Die Gestalt verblasste, verschwand. In meinen Herzen erwachte eine neue Macht, die eines dumpf dröhnenden Motors und ich saugte die Dunkelheit in mich hinein wie Luft.
Und dann versuchte ich mich als Obsidianschmied. Unerträglicher Lärm füllte plötzlich die Luft, es war als würden überall schlecht geölte Zahnräder knirschen. Und das Schreien der Flammen von Bunsenbrennern, schien mein Trommelfell zu zerfetzen. Langsam, unerträglich langsam erschien das bleiche Gerippe einer Tür aus mir bisher verborgenen Maschinen. Ein Gerippe mehr war es nicht, ein Flickwerk meiner Seele, ein zerfranzter Rahmen. Die eigentliche Tür fehlte, führte nirgendwo hin.
Ich hatte versagt. Ich schaute mir die Maschinen genau an. Ölig braun, kompliziert verstrickte Drähte und sanft brummende Motoren. Sie gaben mir Sicherheit. Niemals würden sie mich zum Unglück verführen, wie die Menschen es getan hatten. Nie mir wehtun.
Ich versuchte es erneut unter vollen Einsatz meines Herzens, es brannte wie die Hölle selbst. Doch der Lärm ging zurück, wurde ein geschmiertes, angenehmes Summen. Diesmal spuckte die Maschine eine schwarz-glänzend-glatte Obsidiantür aus, blutbesprenkelt mit meinem Blut, meinem Blut, das wie meine Tränen rann. Sie stand zwischen blutig roten Aufschriften: „Wahnsinn“ und „Genie“.
Mit einen schwarz-samtenen Klang sprang sie auf, um mir den Weg in die Zukunft zu öffnen. Auf den hell-weißen Gängen standen lachende menschliche Kreaturen in ungewohnt großen Massen. Als ich den ersten Schritt in diese helle, heile Welt setzte, merkte ich wie fremd mir Menschen geworden waren. Und wie fremd war erst das Licht, das auf meine pechschwarze Haut fiel. Der Schimmer meiner Haut in diesen Licht war der fleischgewordener Albtraum für meine Mitmenschen. Dabei war es doch nur meine ehrliche, von Narben gezeichnete Haut. Ich musste sie verstecken für einen Kontakt zu meiner Art, nach der sich meine Seele sehnte. Ich entschied mich für eine Maske aus diamant-glitzernden Spinnfäden, welche ich mir aus meinem Gehirn, meinem Kopf zog. Es wurde eine sehr gute Maske. Jeder der mich sah wurde geblendet, sodass er meine Dunkelheit nicht erkannte, vorausgesetzt die Sonne schien. Außerdem beherrschte die Maske Lug und Trug, so dass ich selbst in meiner düstersten Stunde ein lächelndes „Hallo“ aufsetzen konnte. Meine Haut sehnte sich dagegen nach der warmen Wiege der Nacht, in der sie mit ihrer Dunkelheit unter ihresgleichen war.

Ende

Ich danke B. S. für die beste Fehlerkorrektur, die ich je bekommen habe

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Angenehme Reise


Lasst mich von meiner Reise mit der Eisenbahn erzählen. Unglaublich, was mir dort widerfahren ist. Zunächst musste der Zug auf offener Strecke halten, eine Schafherde lief über die Gleise. Nach ungefähr einer halben Stunden waren die Schafe eingefangen, die Strecke kontrolliert und der Zug konnte weiterfahren. Dementsprechend war die Stimmung. An der nächsten Haltestelle setzten sich eine lauthals auf die Eisenbahn schimpfende Frau mit ihren dreijährigen, quengelnden Kind, ein glatzköpfiger, tätowierter junger, aber blasser Mann und ein alter Mann in mein Abteil. Mir war von Anfang an der Glatzkopf sympathisch; er strahlte eine deprimierte Ruhe aus.
Sekunden nach der höflichen Begrüßung ging der Terror los. Die Frau nahm ihre Zeitung heraus, während ihr Sohn mit seiner lärmenden Spielkonsole daddelte. Sie las einige Zeilen, bevor sie lauthals schimpfte:
„Dieses Islamistenpack, warum wirft man sie nicht alle raus? Muslim, Islamist ist alles das Gleiche.“
Der alte Mann nickte mit den Kopf, ich überlegte mir etwas zu sagen, hatte aber zuviel Angst vor dem Glatzkopf. Zu meinem Überraschen, hob der Glatzkopf seinen Kopf und antwortete mit einem starken polnischen Akzent:
„Mit der Sicherheit wird hier eindeutig übertrieben. Stattdessen solltet ihr euch um eure Kinder kümmern. Motiviert sie zur Schule, lasst sie nicht in die Gosse abgleiten!“
Eine Sekunde war Stille abgesehen von der Musik der Spielkonsole im Hintergrund. Ein triumphierende Geräuschfolge erklang aus dem Spielgerät. Das Kind war ein Level weiter, die Mutter auch mit ihren Gedanken
„Von Ihnen Mister Superschlau lasse ich mir keine Erziehungstipps geben!“, fuhr sie den Glatzkopf wie eine Furie an.
„Es war nicht böse gemeint. Meine Kindheit, ich war wie Ihr Sohn, so unschuldig.“, stammelte der Glatzkopf sichtlich erschrocken. Die Hand des alten Mannes klatschte auf die Glatze des Glatzkopfes, während er sich empörte:
„Unverschämtheit! Ein Nazi schiebt alles auf eine böse Kindheit! Das ist ja die schönste Ausrede für die ganzen Vergasungen.“
„Ich bin kein Nazi!“, der junge Mann stand wütend auf, er war ein Hüne, „Seit Jahren hackt man nur auf mir herum! Ich kann Klavier und Geige spielen, dichten, singen, aber man sieht immer nur mein Äußeres. Außerdem bin ich Pole!“
„Polen haben den Nazis beim Judenvergasen geholfen.“, murmelte der alte Mann und fuhr auf. Dabei stieß er dem Jungen die Spielkonsole aus der Hand. Sie rutschte zu mir. Ich hob sie auf, damit sie nicht unter den Füßen der Wütenden zertrampelt würde.
„Scheiß Autodiebe!“, krakeelte die Frau, „Geh zurück wo du hingehörst: ins Gefängnis.“
Dem jungen Mann kamen die Tränen. Das kleine Kind sprang plötzlich auf meinen Schoß, um den Glatzkopf auf die Glatze zu schlagen.
Es sprang unerlässlich, um die Glatze zu erreichen und rief „Glatzen klatschen! Glatzen klatschen!“ dabei. Es tat mir zweimal weh. Einmal wenn die spitzen Stiefelchen sich nach einem Sprung in meine Beine bohrten, ein anderes Mal wie mit dem Ausländer umgegangen wurde. Mir reichte es und ungehalten, wie ich war, fuhr ich hoch.
„Das ist also deutsche Gastfreundschaft? Pfui über euch alle und erzieht eure Kinder, bitte richtig!“
Ich war giftig, richtig giftig. Es war ein Triumph meiner Vernunft die Spielkonsole auf ein Tischchen abzulegen anstatt sie fallen zu lassen, bevor ich nach meiner Tasche griff.
„Haben Sie Gepäck?“, fragte ich den Polen. Dieser schüttelte den Kopf. Hatte der Pole überhaupt eine Fahrkarte? Ich spürte plötzlich meine Hand eine Fahrkarte entwenden, ein schön-rächend und unschön-was-wenn-erwischt-werden Gefühl. Aber das wurde ich nicht, es erschallte ein Weinen. Als ich aufgestanden war, war das Kind mit dem Kopf gegen die Mülltonne geknallt und war kurze Zeit mit einer Platzwunde bewusstlos gewesen.
„Du Bestie…“, wir verließen schnell das Abteil. Ich wählte eines am anderen Ende des Zuges. Mir fiel auf, dass die Gesichtszüge des Polen langsam versteinerten. Als wir uns setzten, hatte ich das Gefühl einen Massenmörder gegenüber zu sitzen.
„Danke“, murmelte der Glatzkopf, „Ich bin Tomek. Sieben Jahre, sieben Jahre und sie höhnen immer noch. Wann werden die Geister endlich Ruhe geben?“
„Welche Geister?“, fragte ich erschrocken.
„Geister ist der falsche Ausdruck. Die Gesellschaft. Ich bezeichne sie gerne als Geister, weil sie überall ist. Die sieben Jahre. Ich saß wegen Mord.“, Tomek wurde apathisch, „Ich will mich bessern, ich will mich bessern! Hoffentlich hat meine Schwester Verständnis.“
„Warum haben…“
„Du“, fuhr mir der Pole dazwischen, „Ich bin es nicht wert gesiezt zu werden.“
„Ok, warum hast du gemordet?“
„Mein Herz wurde kalt von Demütigung. Du musst wissen, ich bin in einen Ghetto geboren, als Sohn einer geizigen Karrierefrau. Sie war so herzlos in der trostlosesten Gegend zu wohnen, um Geld zu sparen und dann war sie nie für uns da. Die Gang wurde mein zweites Heim. Dann mit sechs ging ich in die Grundschule, ja ich ging dorthin und hatte schlechte Noten. Schließlich saugte die Gang an meinen Kräften. Ich fühlte mich schwach und verhöhnt bis zu jenen Tag. Die Gang hatte mir Drogen verabreicht, Alkohol. Ja, es war der Tag an dem ich das Morden und Lügen kennenlernte. Sie waren vier zu eins, die Flasche an meinen Mund. Nach wenigen Zügen fühlte ich die Befreiung. Ich zerschlug die Flasche und tötete sie alle mit den Scherben . Keine Zeugen, kein Ärger und ein Gefühl der Zufriedenheit. Meiner Gang erzählte ich, dass es eine gegnerische Gang gewesen sei und dann konnte das Spiel beginnen. Meine Gang merkte schnell wie ich zum Töten stand. Es war meine Droge, sie puschte mich und meine Noten. Bald ging ich aufs Gymnasium, war angesehen und verrufen zugleich. Dann letzte Klasse, kurz vor dem Abitur, verriet mich meine Gang, ich sollte untergehen und werden wie sie.“, der Pole schlug die Faust in seine Hand, „Das haben sie nicht geschafft. Und so soll es bleiben. Kein Mord mehr! Nie wieder!“
Der Pole hatte mein Mitleid erregt.
„Wie viel Geld hast du?“, fragte ich. Er zeigte mir einen Zehner.
„Gut dann lege ich hundert drauf.“
Es waren zwei Scheine, hoffentlich eine gute Investition in der Kittung dessen Lebens. Er sollte kein Misanthrop werden.
Mit Tränen in den Augen nahm er das Geld an, dann saßen wir schweigend gegenüber. Der Schaffner kontrollierte uns nach einer Weile. Zu meiner Überraschung zog Tomek eine eigene Fahrkarte, anstatt die ihm heimlich Zugeschobene zu benutzen. Kaum war der Schaffner verschwunden, zwinkerte er mir zu und lächelte verschmitzt:
„Lektion Nummer 1 eines Meistermörders: Nie auffallen. Ich habe extra von dem wenigen Geld aus dem Kerker mir eine Fahrkarte gekauft.“
„Und Lektion 2?“, ich war gespannt.
„Schärfe deine Emotionen wie ein Messer. Sei nicht emotional, aber habe Spaß. Projektiere deinen ärgsten Feind in dein Opfer.“
Wir unterhielten uns anschließend über die tausenden Möglichkeiten einen Menschen umzubringen, ich weiß, etwas suboptimal für einen Mörder auf Abstinenz, aber ich war zu neugierig.
Stunden vergingen. Zufälligerweise mussten wir an der gleichen Haltestelle raus und es war nur noch eine Station hin bis wir ankommen würden, als wir plötzlich in einem Bauernkaff hielten. Schwere Schritte erklangen, unser Abteil schwang auf. In der Tür standen Polizisten.
„Was ist los?“, fragte der Pole mit Engelszunge.
„Sie haben eine Frau belästigt, sowohl sexuell als auch mit Naziideologie. Raus!“, brüllte einer der Polizisten. Ich wollte mich aufregen über die Lüge, aber der Glatzkopf bedeutete mir still zu sein.
„Ich bin Pole und leicht verstimmt über den Umgang von Deutschen mit Fremden.“
Daraufhin schlugen die Polizisten zu, Tomek wich gekonnt aus und floh aus dem Zug.
Er telefonierte gestern mit mir und berichtete mir, dass auch seine Schwester ihn verstoßen hat.
Ich werde ihn demnächst aufnehmen.

Ende

Fiktion, nicht Realität.
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Frankenstein2 – Die moderne Genesis


Akt 1:
(Labor mit einen Forschungsraum, einen Kontrollraum und einen Ausgang.)
Szene 1:
(Verräter vor einen Käfig im Forschungsraum, in welchen sich eine schaurige, humanoide Kreatur befindet. Daneben ein Computer, dessen Kabel zum Käfig führen.)
Verräter: Ein brutaler Hybrid. Mich schauert es. Er schaut so gemein. Doch halte mal ein.
Was ist er gegen den Mensch? Im Krieg werden wir fallen durch unser Sklaven Krallen.
Nein. Mein Schicksal ist mein. Ich schenk dir die Freiheit.
(Er tippt kurz was in den Computer ein. Die Kreatur hält sich den Kopf.)
Kreatur:
(benommen) Was bin ich?
(kreischend) Was habt ihr mit mir gemacht?
(klagend) Ein Tier ich war, ein Biest nun bin.
Verräter: Was hat der Mensch getan?
Er will knechten alles Leben.
Kreatur (plötzlich besonnen): Doch verworren dient er dem Guten.
Wir Hybride vereinen tierische Moral und menschliche Intelligenz.
Er uns geschaffen, um sich zu vernichten. Lass mich frei!
Verräter (geschockt): Du Bestie. Ich befreite dich von Sklaverei.
Kreatur: Und wer hat mich geschaffen? Steh dafür ein.
Verräter: Ich Bestie. Zeit die Fehler zu korrigieren.
(Erneut benutzt er den Computer. Die Kreatur zittert und bekommt ein grünes Fell.)
Kreatur: Was hast du gemacht? Ich fühle mich so leicht, so satt, so jung.
Verräter: Du kannst dich nun von Licht und Luft ernähren,
deine Jugend geht gegen die Unendlichkeit
und du kannst Menschen transformieren.
Erhebe dich Zombie, Sohn des Menschengeschlechts.
(Öffnet mit einen Knopf den Käfig. Das Zombie steigt aus, streckt sich kurz, kratzt anschließend den Verräter. Dieser bekommt auch ein grünes Fell.)
Zombie: Danke. Ich fühle nun Klarheit und Freiheit vereint in meinen Kopf.
Verräter: Ich stehe nur für die Fehler des Menschen ein.
(schreit) Und verlange dieses von jenem.

Szene 2:
(Alarm wird ausgelöst, Forscher aktiviert Schalter. Daraufhin schließen sich die Türen. Fäustegetrommel kommt von den Türen her.)
Forscher: Was ist passiert?
Verräters Stimme von der Tür her: Ich bin eine unserer Schöpfungen und verlange, dass du uns freilässt. Steh für die Moral ein.
Forscher: Was? Spinnst du? Ich lasse nicht zu, dass unserem Volk ein Haar gekrümmt wird.
Verräter: Aber dem Gegnerischen. Komm nun steh für deine Schöpfung ein. Sie ist die Kombination von Moral und Intelligenz.
Forscher: Niemals. Die Menschen vereinen beides, nicht meine Schöpfung.
Verräter: Gut ich habe Zeit.
(Forscher sieht ein Kreuz über den Öffnen-Knopf hängen.)
Forscher: Was willst von mir Einbildung der Menschen? Ein Mann für einen Traum gestorben.
Und dann fing ein verheerender Glaubenskrieg an.
Millionen Mann für einen Mann.
Die Erklärung finde ich im Genesis. Erbsünde. Pah.
Mensch schuf Gott und Gott schuf schlechten Mensch. Ende.
(fanatisch)
Doch ich bin viel besser, dank der Erkenntnis meiner Zeit.
Meine Schöpfung ist moralischer, intelligenter,
doch (kurze Pause, schreit)
Was? Ich stehe nicht für sie ein?
Die Zeit der Feigheit jetzt vorbei.
Ich komme!
(Öffnet Tür und wird gekratzt. Er verwandelt sich.)

Szene 3:
(Forscher und Verräter stehen vor den Ausgang)
Verräter: Wie wollen wir vorgehen? Werden sie uns verstehen?
(Wachleute marschieren ein)
Wachleute: Was ist vorgefallen?
Forscher: Der Beginn einer moralischen Ära.
Wachleute: Tötet sie alle!
(Schüsse fallen, Schreie ertönen. Aus dem Tumult gehen die Zombies als Sieger hervor.)
Forscher: Die Armen ja, die Reichen, nein.

Akt 2:
(Kanalisation, Verräter steht einsam herum.)
Szene 1:
(Einige zerlumpte Gestalten stoßen zu ihm.)
Zerlumpte Gestalt: Habt ihr Geld?
Verräter: Besser, Freiheit.
Zerlumpte Gestalt: Was kann uns helfen? Wir sind die Unberührbaren der Gesellschaft. Sei es das fehlende Geld, sei es unsere Natur.
(Verräter fällt über sie her. Verwandlung.)
Zerlumpte Gestalten: Ich fühle Kraft, ich fühle Hoffnung, ich fühle die Macht des Geldes von uns genommen, genau wie die Last des Gesetzes. Kommt Kumpane auf in die neue Welt.
(Zerlumpte Gestalten gehen ab.)

Szene 2:
(Rentner, Vorstand, Verkäufer und Politiker steigen hinab in die Kanalisation)
Verkäufer: Was soll ich verkaufen, wenn sich jeder von Licht und Luft ernähren kann?
Rentner: Jahrelang haben wir gearbeitet, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Und das soll sich ändern?
Vorstand: Wir Vorstände sollen arbeiten, sollen denken, arbeitscheues Gesindel?
Politiker: Da schließe ich mich an. Demokratie funktioniert nicht, wenn 90% Anarchie und Freiheit will.
Verräter: Beweist mir, dass eure Welt es wert ist.
Verkäufer (holt Schmuck hervor): Schauen Sie sich die Schönheit an. Wie sich das Herz daran erfreuen kann.
Verräter: Eitler Tand, schöner wär es die Welt erfreue sich dran. Blutdiamanten von höchster Güte.
Verkäufer: Vergiss die Sklaven, wir sind die Herren.
Verräter: Nein. Was bieten Sie mir, Herr Vorstand.
Vorstand: Ich biete Macht. Ich kann knechten, ich kann mich setzen über gültig Recht. Freiheit ist mein.
Verräter: Eine Freiheit auf unfreien Blut find ich nicht gut. Warum nehmen Sie nicht selbst die Schaufel in die Hand und bearbeiten das Land?
Vorstand: Hab ich. Für meinen Reichtum rottete ich Arten aus, zehn waren es in der Zahl.
Verräter: Da ist mir arm und recht viel lieber. Gleiche Lebensqualität zum geringeren Preis.
Politiker: Wohlstand für alle!
Verräter: Und Einsamkeit für jedermann.
Nichts gibt es was Geld nicht spalten kann.
Freundschaften, Liebe und Familie alle gehen sie drauf.
Politiker: Dafür gibt es schon das Gesetz. Freundschaftsdienst ist verboten.
Verräter: Verrate deine Freunde, verrate deinen Nächsten.
Verkäufer: Das ist das Geschäft.
Verräter: Nein danke. Moral ist mir lieber.
Rentner: Dreihundert Euro gegen Moralverzicht.
Verkäufer: Eintausend.
Rentner: Tausendfünfhundert!
Politiker: Zweitausend!
Rentner: Passe!
Verkäufer: Dreitausend!
Politiker: Zwanzigtausend und die Steuerfahnder!
Vorstand: Eine Milliarden!
Verkäufer: Passe!
Politiker: Ein Volk!
Vorstand: Zwei Milliarden!
Politiker: Drei Milliarden und ein Volk!
Vorstand: Passe, du Volksverräter!
Politiker: Danke. Viel Kritik wird es hageln, dafür, dass ich die Steuerzahler so belaste,
aber noch mehr, wenn ich ein moralisches Wesen zulasse.
Verräter: Nein. Abgelehnt.
Die Vier: Was?
Verräter: Ich sehe es genau. Wir Hybride vereinen tierische Moral und menschliche Intelligenz.
Erst der Hybrid, dann das Tier, dann kommt der Mensch. Moral oder Weisheit hin oder her. Der Mensch ist schlechter als das Tier.
Politiker (vertritt Gruppe): Geld ist wichtiger als Moral. Wie eine Schlange wir bringen unser Opfer zu Fall und unterkriechen seinen Verstand mit einer Schlange Prozesse bis er zur Waffe greift und sein Leben beendet oder sich wehrt. Die Wehrhaften quälen wir weiter, bis der Wahnsinn ihren Verstand komplett zerfressen hat und sie nicht mehr aufrecht gehen können, sondern wie unsere Muhme, die berühmte Schlange1, auf den Boden sich winden und wälzen und zertreten werden.
(Zombiefrauen kommen hinab und gehen zu der Menschengruppe.)
Zombiefrauen:
Schatz wie sehe ich aus?
Endlich wieder jung.
Schönheit über alles.
Endlich kann ich dem Männern Parole bieten.
Zombiefrau: Zeit das unsre neuen Körper eingeweiht werden. Auf geht’s!
(Fallen über die Männergruppe her. Verwandlung der Vier.)

Szene 3:
(Straße, 2 Attentäter auf einen Dach, unter ihnen läuft der Forscher vorbei. Beide tragen ein Scharfschützengewehr.)
Attentäter1: Gott der Täter, leite unsre Kugel in ihn rein.
Wir teilen des Kreuzritters, des Terroristen Blut.
Wir teilen Hitlers und Stalins Blut.
Wir teilen das Blut des Menschengeschlechts.
„Nie wieder“ sie riefen entsetzt,
doch „immer wieder“ sie es taten.
Gott der Täter, lass sie ihn durchbohren,
Denn dir gehört das Blut.
Keiner darf dem Menschen entkommen,
Denn dir gehört das Blut.
Blutgeld für uns,
Denn dir gehört das Blut.
Amen.
Attentäter2: Amen.
(Attentäter1 schießt, der Forscher fällt in sich zusammen. Eine Menschentraube bildet sich um ihn, während die Attentäter verschwinden.)
Mensch1: Wer war das? Wer hat es getan?
Mensch2: Und warum? Niemanden hat diese Kreatur was getan.
Mensch3: Doch, der Freund von jemanden zu sein, der die Sklaverei hat abgeschafft.
Mensch2: Oh ich verstehe: die Obrigkeit.
Mensch1: Nur für Unrecht, Unschuld töten. So grausam kann der Mensch nur sein.
Forscher (röchelnd): Lasst mein Opfer nicht umsonst sein. Steht für eure Schöpfung ein.
(stirbt)
Menschen: Das werden wir. Los Jungs auf in die Schlacht um Freiheit und Gerechtigkeit.
Es soll kosten unsere Menschlichkeit, unsere Bosheit.
Auf Kameraden, auf in die Schlacht!
(Verräter kommt und trägt zusammen mit den Menschen, den Forscher raus. Schlachtgeräusche ertönen.)
Stimme: Für Frieden und Ruhm der Menschheit! Sterbt Sklaven!
(Maschinengewehrsalve ertönt)
Verräters Stimme: Für Freiheit und Gerechtigkeit!
(Klauenschläge in Fleisch ertönen)
Stimme: Oh weh, wir sterben. Wir, die auserwählte Rasse, stirbt.
Verräters Stimme: Hurra. Endlich frei!

Ende

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Der Aufstieg der Verbrecher


Es war einmal eine Stadt in dem die Menschen keine Straftaten mehr verübten. Das letzte Auftreten einer solchen lag einige Jahre zurück. Die Polizei wurde zu einen Helfer der Bevölkerung in kleineren Missgeschicken und als solcher auch hoch geachtet.
Eines Tages gab es eine Gasexplosion, die mehrere Menschen in den Tod riss. Der Schuldige war schnell gefunden: ein kleines Kind hatte sich in dem Kontrollzentrum des Gaswerks verirrt.
Die Mutter war schrecklich entsetzt als sie erfuhr was ihr Kind angestellt hatte, entschuldigte sich und versprach besser auf es aufzupassen. Man wollte das kontrollieren und warf wütend prüfende Blicke auf Kind und Mutter.
Dann brach ein Baugerüst inmitten eines starken Sturm zusammen und erschlug ein, darunter verstecktes, jugendliches Liebespaar. Keiner sah es, keine Zeugen waren anwesend, denn erst am nächsten Tag, als der Sturm vorbei war, trauten sich die Menschen wieder auf die Straße, sahen die Toten und riefen entsetzt: „Wir brauchen bessere Kontrollen.“
Und so beschloss man neue Gesetze einzuführen. Die Rohre von Baugerüsten mussten nun dünner sein, damit sie niemanden mehr erschlagen konnten. Zudem wurde das Schlafen außerhalb von offiziellen Schlafstellen verboten.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren gab es jetzt Demonstrationen. Eine von Hochhausbauherren, die nun nicht mehr so hoch bauen konnten und eine der Camper und der Jugend.
„Wir bekennen uns schuldig.“, verkündete der Sprecher der Jugendlichen, „Unsere toten Altersgenossen waren unvorsichtig. Es ist nicht gerecht, dass andere dafür bestraft werden.“
„Er hat Recht. Wieso sollten wir wegen der Unvorsicht Einiger leiden?“, schrien die Camper und die Bauherren im Chor.
„Tut mir leid. Das Gesetz ist nun Gesetz. Und nun geht.“, verkündete der Bürgermeister. Die Demonstranten verzogen sich enttäuscht von ihrer Stellung. Es wurde eine harte Nacht.
Die Bauherren entließen einige Arbeiter, welche zum ersten Mal in ihren Leben Sorgen verspürten. Sie bekämpften diese mit Alkohol, was Vandalismus und Prügeleien zur Folge hatte. Die überraschten Polizisten schafften es mit Müh und Not die Unruhestifter festzunehmen.
Die Camper wiederum zogen enttäuscht weg von der Stadt, was Einkommenseinbußen zur Folge haben würde.
Die Jugendlichen hingegen waren relativ ruhig. Sie bestatteten ihre toten Kameraden mit viel Tränen. Einige jugendliche Liebespaare gingen nach der Bestattung zu offiziellen Schlafstellen: ihren Bett
Am nächsten Morgen war die Stadt entsetzt. Mehr Kontrollen forderte sie. Die Eltern waren ein Schritt weiter. Sie wollten den Sittenverfall unter der Jugend stoppen. Eine Stunde später wurden strenge Gesetze zur Ausweisung von Kriminellen und zur Regulation von Sex erlassen. Die Stadt leerte sich. Jugendliche flohen in rauen Massen, während die verhafteten Arbeitslosen hinausgeworfen wurden. Und sie waren nicht alleine. Die Bauunternehmer bauten noch ihre Gerüste ab, dann waren auch sie, ein paar Stunden später, mit den restlichen Arbeitern verschwunden.
Totenstille trat in der Stadt ein. Trostlose Skelette von unfertigen Hochhäusern ragten in den Himmel. Die Bewohner der Stadt waren schockiert über den Bevölkerungsverlust und verboten den verbliebenen Jugendlichen den Ausgang, sowie Kommunikation mit der Außenwelt, um wenigstens diese zu behalten. Einige Tage später wurden die Jugendlichen, mit stabilen, metallenen Peilsenderarmringen versehen, in die Freiheit der Stadt entlassen.
Es stank den verbliebenen Jugendlichen enorm, dass sie nicht zu den Schnellen gehörten, die merkten was hier geschah. Sie wollten sich versammeln und Entschlüsse fassen, doch wurden bei Häufung von GPS-Sendern immer wieder auseinander getrieben. Sklavenringe wurden die GPS-Geräte von ihnen spöttisch genannt.
Ein kluger Jugendlicher hatte die Idee, die GPS-Geräte durch Starkstrom zu zerstören. Er kletterte dazu auf einen Starkstrommasten, erdete den Sklavenring mit einen langen Draht und hielt ihn an einen der Starkstromdrähte.
Es knackte, es knisterte im Armring, als plötzlich eine Hand seinen Fuß packte und wegzog.
Er fiel, hielt sich an einen der Starkstromdrähte fest. Seine Hand verkrampfte, doch die Erdung schützte ihn vor weiteren Schaden.
„Du wirst dein schönes, teures Gerät nicht zerstören!“, schrie seine Mutter und riss zu ihren Unglück den nackten Draht aus dem Boden. Sofort sprang ein Funke auf sie über. Ein Schrei, dann fiel sie, es knirschte. Der Jugendliche ließ sich fallen, fiel weich auf der Leiche seiner Mutter und floh hinaus in die Welt.
Seitdem blieben in der Stadt die Lichter aus. Elektrizität wurde verboten, die Fabriken wanderten ab.

Zerlumpt waren sie nun alle. Kein Geld mehr. Alle arbeitslos, bis auf Polizei und Bürgermeister, welche nun täglich die meuternde Massen unter Kontrolle hielten und fliehende Jugendliche gewaltsam zurückholten. Sie waren die Einzigen mit Strom, was sie für ihre Überwachung auch brauchten. Neid blühte, alles Schöne wurde bei Diebstählen beschädigt, Fabriken und andere Bauten als Schutt verwertet.
Einer der Arbeitslosen floh, floh hinaus in die Welt und fand die Jugend und fand sein Leben in deren Armee wieder.
„Wir werden die Stadt zurückerobern und wieder zu einen Paradies machen.“, pries man ihm an.
Gesagt getan. Einen Monat später eroberten sie die Stadt zurück. Provisorische Galgen säumten die Straßen, an ihnen hingen alle über 25. Kein Kompromiss mit jungen Kritikern wurde gemacht, sie wurden verstoßen, wenn nicht gar umgebracht. Motto wurde: „Freiheit durch Gleichheit“. Nie wieder sollten Andersdenkende ihre Stadt mit verrückten Ideen verwüsten. Die Bauunternehmer kamen zurück, die Fabriken wurden wiederaufgebaut, nur einer blieb fern: der Jugendliche, der sein GPS-Gerät zerstörte.
Gerüchten zufolge hatte er sich eine Firma aufgebaut.
So lebte die Jugend einige Jahre glücklich. Hinrichtungen von Andersdenkenden lagen einige Zeit zurück, selbst die Zahl der Verstoßenen pro Jahr ging zurück.
Eines Tages kam ein reicher Mann in die Stadt. Sie erkannten ihn sofort als den Jugendlichen, der den Strom stoppte. Eigentlich wollten sie ihn als Helden feiern, doch er war anders. Sofort formierten sich Mobs um ihn, doch er blieb still, er wartete. Mittlerweile hatte sich die ganze Stadt um ihn versammelt. Jetzt sprach er: „Merkt ihr nicht, dass ihr versagt habt? Gleichheit ist nicht Freiheit. Ihr wollt mich loswerden, weil ich anders bin.“
Die erwachsenen Jugendlichen traf es wie ein Schlag. Nur einer bewahrte die Ruhe:
„Seht ihr? Die Anderen sind Schlangen in Worten. Tötet ihn!“
„Und was bringt es? Wieder und wieder werden wir zerstören. Wir sind Bestien.“, entgegnete ein anderer Bewohner.
„Schlange!“, zischte die tobende Masse, der Eine grinste zufrieden, als plötzlich tausende Messer seinen Körper durchbohrten. Es war sein letztes Grinsen, denn die Bewohner wurden erwachsen. Sie erwachten aus ihren Traum vom Paradies und schauten hoffnungsvoll ihren heimgekehrten Kameraden an.
„Meine Lösung ist die Abkehr von der Menschlichkeit.“, er riss sich die Haut vom Gesicht, darunter die eines Reptils, „Folgt mir oder lebt wohl.“
Die Erwachsenen sahen traurig mit an wie ein Großteil ihrer Kinder den Heimkehrer an der Kleidung packten, aber sie wussten: Was sie nicht vermochten, das würden jene schaffen. Der Heimkehrer gab jeden ein Bonbon, ein letztes „Lebwohl“, gefolgt von einen Lichtblitz, sie waren fort. Die Erwachsenen weinten, alle, ob Mann oder Frau, denn Scham und Reue brannten tief in ihren harmoniebesessenen Seelen.
Eine Frau warf plötzlich wütend einen Taschenspiegel auf den Boden, nachdem sie sich darin gesehen hatte. Sie ertrug ihr Anlitz nicht mehr, ein Phänomen, das nach und nach auf die Stadt übergriff. Bald war die Stadt spiegellos, doch keiner empfand Glück, weil sie wussten: Immer wieder würden sie morden, denn sie waren alle Verbrecher, obwohl es keine gab, denn sie kriminalisierten sich.

End

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Reise durch das Schlaraffenland – ein Reisebericht


Die Straße wurde immer heller, immer greller bald waren wir da beim Schlaraffenland. Das gelobte und das verachtete Land der Wünsche. Uns empfing eine Art Mantel aus Bäumen, an denen Leichen von jungen Menschen hingen. War es eine Schutzmaßnahme an der Besucher scheiterten? Vor den Wald stand ein alter Mann, unschlüssig ob er ihn verlassen sollte. Wir gingen zu ihm und fragten was mit den Bäumen los sei.
„Ach, die hielten es nicht aus.“, krächzte er, „Wollt ihr eine Führung?“
„Klar, immer gerne.“
„Gut, dann kommt mit.“
Wir gingen durch den schaurigen Wald. Noch schauriger wurde uns zumute als eine hübsche junge Frau eine Leiche wiedererweckte.
„Komm Sohn. Ich geb dir alles was du willst, leb weiter.“
„Nein. Mutter. Nein!“
Schlingen wickelten sich um seine Beine, die ihn mit seiner Mutter verknüpften. Plötzlich flog er, wie auf einen Luftkissen, empor, dann zog ihn seine Mutter Richtung Inneres des Waldes.
„Tja, das ist die dunkle Seite des Schlaraffenlandes.“, kicherte der alte Mann, „Es geht weiter.“.
Der Wald endete in einer unendlichen Lichtung. Gleich an ihren Rändern tummelten sich nackte Liebespaare bestehend aus Mann oder Frau und Dutzende des anderen Geschlechts. Sie alle sahen perfekt aus wie nach den griechischen Körperidealen. Kein Wunder, wenn man sein Körper anpassen konnte. Und worauf, besser gesagt worin sie lagen. Ein wundervoller Garten der sich an sie schmiegte. Ein paar Meter mindestens sanken sie in den Rasen aus bunten Gräsern deren Halme in allerlei Köstlichkeiten endeten. Oder schillerndes Wasser, um nur einige der Milliarden unterschiedlichen Terrains aufzuzählen.
„Wollt ihr eine kleine Pause machen? Ich rufe euch mal welche.“, krächzte der Alte vorfreudig, „Ich schaue gerne den jungen Paaren zu.“
„Was ist mit den daraus resultierenden Kindern?“
„Keine Sorge, ohne Kinderwunsch gibt es hier keine. Genießt einfach.“
Es war schön, zu schön, aber das Glück währte nur knappe zwei Tage, obwohl sämtliche erquicklichen Terrains ausprobiert wurden. Ich hätte nie gedacht, dass man genug von Lust und Wonne bekommen konnte. Meinen Begleitern ging es ähnlich. Nachdem wir wieder gepackt hatten, folgten wir den Mann weiter. Mittlerweile kamen wir zu Paaren, die nur aus einen Mann und einer Frau bestanden. Eine schrie auf, weil der Mann sie aus Versehen kratzte.
„Die sind schon vernünftiger. Ihr müsst wissen, es sind beides echte Menschen, keine Geister in Menschenform, wie ich sie euch rief. Sie haben ihre Fehler, sie sind brutal.“
Ein Paar war schon ganz zerkratzt vom jeweiligen Partner. Andere einzelne bekleidete Individuen standen daneben und schauten über die Welt der Lust, Beobachter wie wir.
„Weiter geht’s.“
Mehr der Beobachter, mehr von diesen Paaren. Die Paare schliefen nun auf harten, stachligen Betonboden. Dann Arenen, in denen sich Männer und Frauen fetzten. Im wahrsten Sinn des Wortes. Kleidungs- und Hautfetzen flogen zusammen mit Blut durch die Gegend, Schreie schallten zu uns herüber.
„Die Sieger dürfen jeweils über den ihm Unterlegenen verfügen. Die werden so noch lange ihren Spaß haben.“, brummte der Mann.
„Wie können die noch Spaß haben?“, fragte eine Journalistin aus meinen Team entsetzt.
„Belohnung ist nun schwerer zu kriegen, zudem äußerst schmerzhaft. Lasst uns weitergehen. Ihr werdet die Hölle sehen.“
Wir kamen an seltsamen Peitschweiden vorbei, die ihre Kunden auspeitschten, dann an Plutonium gefasste Seen in denen krebsrote Menschen planschten, schwammen, kämpften. Der Dampf, der daraus, aufgrund der hohen Zerfallwärme, aufstieg, allein verbrannte uns fast die Lungen. Zum Glück waren wir im Schlaraffenland, wo Krebs ein Fremdwort war.
Dachten wir wirklich das wäre schlimm? Wir hatten noch nicht die darauf folgende Höllenseite gesehen. In ihr war das Vorankommen mühsam und alles andere als erquicklich. Der Dampf des Sees war nichts gegen den Rauch der hier herrschte. Man fühlte sich schlapp, erbärmlich, dennoch gab es hier einige Menschen in der Einöde. Meist in größeren, gedrängten Gruppen, die aussahen als würden sie eine Sauna genießen. Bei näheren Hinsehen schwammen sie gegen einen reißenden Lavasog. Eingesaugte kamen über einen Lavafluss wieder zur Oberfläche, Minuten später. Sicher kein Spaß keine Luft zu bekommen und stattdessen diese Lava zu atmen. Einmal badeten wir zum Test in einen der höllischen Flüsse aus Lava. Die Pein war unerträglich, sodass wir schleunigst aus der Lava rasten. Sprachlos mussten wir uns mitanschauen wie sich Leute auf Steinkrallen aufspießten und vor Schmerz lachten. Viel zu sagen gibt es nicht über die seltsame Welt, weil sie zu brutal war. Wir kamen irgendwann tatsächlich zu einen Höllenzugang, einer tiefen Schlucht. Und die Seelen kreischten, im Gegensatz zur christlichen Vorstellung, nicht, sondern lachten vor Schmerzen.
Der alte Mann schmunzelte: „Ich weiß jetzt was Leben bedeutet: Schmerz und Vernunft. Ich gehe kein Risiko mehr ein, dass ich in den Himmel komme, wo man mir das Hirn mit Glückseligkeit rauspustet. Lebt wohl.“
Er sprang hinab in den Abgrund. Wir hörten sein krächzendes Kichern, wir hörten die höllischen Folterknechte ihn bearbeiten. Seine Entscheidung, nicht unsere. Ein paar Fotos, dann machten wir uns auf den Rückweg. Die giftigen Dämpfe schwanden, die Seen kamen, vorbei an den verbissenen Liebespaaren, einen sehnsüchtigen Blick auf die Glückseligen. Ein paar von ihnen standen auf, zogen sich an, gingen Richtung Hölle oder kamen mit uns Richtung Wald. Der Wald war düster von jener Seite aus betrachtet. Zum Glück lag es aber nur an der Verblendung durch die Glückseligkeit. Langsam normalisierte sich der Wald, wurde nur in einen leichten Schatten gehüllt. Es war schön wie der Wald rauschte, wir konnten ihn richtig genießen. Bis zu jenen Zeitpunkt als wir die Leichen hängen sahen. Wir sahen sie weil sich einige unserer Begleiter dazuhängten. Aber die Abhilfe war einfach, wir ließen die Bäume die Leichen essen. Endlich kamen wir vom Wald auf die Straße, die uns hierher geführt hatte. Sie glühte nicht mehr, sie war aus puren Stein auf denen zahlreiche schwachleuchtende Fußspuren zu sehen waren. Wahrscheinlich hatten diese uns geblendet und so die Illusion einer leuchtenden Straße vermittelt. Es war nun die Zeit Richtung Heimat aufzubrechen. Langsam entfernten wir uns vom Schlaraffenland, es tat zwar in der Seele weh, aber niemand von uns wollte dahin je wieder zurück. Auch die anderen Mitreisenden nicht. Unsere Reise endete an einem Portal, das überall hinführte. Reisen war hier gratis, warum also den Fußweg? Wir landeten sanft in unserer Redaktion.

Ende

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