Der Menschenkenner


Böse war er nicht oder war er es? Juno wusste es nicht mehr. Seine Tat war unverzeihlich, aber der Typ hatte es einfach verdient.
Und noch nie hatte er seine Gabe so missbraucht.
„Hallo, Juno. Sei nicht so betrübt, ich weiß er war ein guter Mensch.“, rief die Stimme seiner Freundin Anika oder besser gesagt der Exfreundin seines Opfers…

Juno hatte schon immer gewusst, er hatte eine Gabe, eine ganz Spezielle. Sie war ganz im ganzen ziemlich unnütz als Waffe, denn mit ihr kamen die moralischen Bedenken.
Er hatte die Gabe in Menschen zu schauen, er konnte mit ihnen fühlen, ihre Gedankengänge spüren.
Am interessantesten waren Künstler und fantasiereiche Menschen. Wie sie in ihrer Muße schwammen, war wunderschön. Es gab kaum Vergleichbares in seiner Welt der Maschinen.
Aber auch normale Menschen waren interessant. Ihre Gedanken waren wie Ameisen. Sie wuselten umher nach festen Schema, nach Dogmen, mehr mechanisch wie ein Computer, wie eine Maschine.
Und er war Mechaniker, liebte Maschinen über alles. Nie hätte er gewagt willentlich eine zu zerstören. Bis zu jenem Tag…

„Juno, was ist?“, fragte Anikas Stimme besorgt. Anika, wenn sie wüsste… Ihm kam ein schales Gefühl dem Magen hoch.

Nebenberuflich war er ein anerkannte Künstler, er malte gern, am liebsten Maschinen oder die Gedanken von Künstlern.
Aber er nahm auch Aufträge an, wie zum Beispiel die Deckenmalerei eines Flughafen.
Eines Tages traf er bei einen größeren Auftrag Anika, eine Künstlerin, mit einer Fantasie, so wundervoll, wie er sie noch nie gesehen hatte, fast die eines Engels.
Sie verstanden sich auf Anhieb sehr gut, entwickelten schon bald eine Freundschaft. Und so lud sie ihn zu Hause ein. Was sie nicht wusste, war, dass er in sie verliebt war. Und er auch nicht, er gestand es sich nicht ein.
Denn er wollte ihren Freund nicht verärgern.

Und da geschah es, als sie sich über seine Ansichten über normale Menschen unterhielten, entfleuchte Juno, ein unbedachter Gedanke:
„… normale Menschen sind … wie soll ich sagen? … wie äußerst komplexe Maschinen.“
„Ich bin also eine Maschine?“, erboste sich Arthur, Anikas Freund.
Stille, dann versuchte er den Schaden zu kitten:
„Nein, ich benutze Maschine nur als Sinnbild. Wir wissen Sekunden bevor wir etwas tun,…“
„Deine Erklärung interessiert mich einen feuchten Dreck! Raus!“, brüllte Arthur. Und etwas war in ihm, in diesem Augenblick zerbrochen.

Von da an schien Arthur überall zu sein. Juno fühlte sich verfolgt, selbst zu Hause schaute Arthur einmal zum Fenster rein.
Außerdem weinte Anika häufiger mal, wenn er sie denn mal sah.
Sollte er die Polizei rufen?
Nein, er wollte Rache! Juno spürte seine Hände zu Fäusten verkrampfen.
Rache! Wenn ein Mensch eine deterministische Maschine war, dann war es auch möglich ihn zu hacken. Seine Zunge schien sich zu spalten…

Und es klappte! Als er Arthur mit seiner gespaltenen Zunge ansprach, da wurde er hörig, er wurde zu seinem Sklaven. Zwar war es Juno immer noch unangenehm einen Menschen zu manipulieren, aber der Zweck heiligte die Mittel. Außerdem liebte er Anika über alles.
Zunächst ließ er Arthur sich bei Anika und ihn entschuldigen, dann kittete er die falschen Worte. Sie saßen anschließend häufiger mal bei einen Wein beisammen, wie gute Freunde.
Gute falsche Freunde, wenn die anderen gewusst hätten…
Und das Beste kam noch mit der überwältigenden Dankbarkeit von Anika, weil er Arthur beschwichtigt habe.
So vergingen Monate, als plötzlich in ihm ein dunkler Trieb erwachte.
Woher er kam vermochte er nicht zu sagen. Es war Eifersucht, ein Gefühl, dass er zuvor noch nie verspürt hatte. Warum nur hatte er die Beziehung der beiden gerettet?
Anika hätte ihm gehört, hätte er Arthur nicht manipuliert.
Und nun sollte er für seine gute Tat mit dem Verlust der Liebe seines Lebens bezahlen?
Nicht mit ihm! Nicht für diesen Widerling!
Arthur musste weg, verschwinden aus seinem und Anikas Leben.
Wenn er Arthur dazu bringen würde Anika zu verlassen, würde Anika ihm noch trauen? Nein, sie wäre zutiefst enttäuscht von Männern oder aber sie würde ihn durchschauen und wäre zutiefst angewidert.
Und hacken konnte er sie auch nicht, ihre Fantasie schützte sie wie ein Schild.
Daher gab es nur eine Lösung: Arthur musste sterben, am besten durch einen Gedankenvirus, das perfekte Verbrechen.

„Schatz, woran denkst du gerade?“, Anikas Stimme drang zu ihm, silbern wie die eines Engels. Was hatte er nur getan?
„Ich denke an Arthur. Ich fühle mich so schuldig. Wie er im Wahnsinn dahinsiecht. Seine Schreie und wie abgemagert er nun ist.“
„Juno, du hast doch die Ärzte gehört, er hatte seine Krankheit schon bevor wir uns kennenlernten.“, antwortete Anika mit ihrer sanften Stimme. Wie gut, dass die Psychiater keine Genies waren, die ihm auf die Schliche kommen hätten können.
„Ich weiß.“, murmelte Juno bedächtig. Er musste loslassen. Das Leben wartete und was war schon eine kaputte Maschine? Nur eine Leiche!

Advertisements

Der Wolfsmensch


Er kam aus dem Nichts, aus der Wildnis und stank erbärmlich als er sich als „Tnarrrr von Gor“ dem Einwohneramt von Farnheim meldete.
Man konnte ihn schwer verstehen, als wäre er aus einer anderen Kultur, trotzdem er wie es den Anschein hatte, in Farnheim aufgewachsen war. Viele Details erzählte er, von über sechzig Jahren, die er als sein Alter angab. Doch so alt sah er nicht aus. Er schien noch sehr jung zu sein.

Und noch rätselhafter war es, woher er die Besitzerurkunde von einer verfallenen Hütte im Wald hatte.
Geerbt, so sagte er. Sein Großvater wäre ausgewandert und sei vor kurzem gestorben.
Man glaubte ihn und gab ihm einen Ausweis, als Staatsbürger, als stolzer Einwohner von Farnheim.
Anfangs fürchteten noch einige Einwohner, Tnarrrr wäre ein Betrüger und wolle Sozialleistung erschleichen, ein Argument, dass sich schnell entkräftete, als er eine Stelle als Lagermitarbeiter annahm.
Seine Kollegen wussten von ihm nur Gutes zu berichten, dass er Kraft hatte wie ein Tier und mit Muskelkraft alleine ganze Paletten schleppen konnte.

So vergingen die Jahre. Mittlerweile war die Hütte renoviert und gepflegt und der seltsame Mann hatte sich sehr viele Wölfe angeschafft. Man konnte kaum einen Schritt in seinen Garten wagen, ohne freudig beschnüffelt zu werden.
„Ob das gut geht?“, fragten sich einige Einwohner besorgt. Doch das Tierschutzamt konnte nur vorbildliche Haltung attestieren. Selbst der Kot seiner Wölfe lag nirgendwo herum, nicht einmal auf den Waldwegen.
Doch noch immer schien eine Mauer zwischen Tnarrrr, dem „Wolfsmann“, und den Bürgern zu liegen. Nur selten traute sich jemand zu seiner Hütte, was meist der Postbote war.
Und der Postbote erzählte von befremdlichen Dingen: von einer Freundin, von magischen Runen und von befremdlichen Geschichten über die Hölle.
Die Priester war sofort Ohr, wollte schon Alarm schlagen, als sie bemerken musste, dass Tnarrrr überhaupt nicht aktiv in Erscheinung trat. Jede Mühe wäre vergebens, höchstens schädlich.
Abenteuerliebende Jugendliche könnten elektrisiert von Warnpredigten vom rechten Weg abweichen und den Sünder besuchen kommen, geschweige denn, der Ärger der Atheisten. Einfach nur totschweigen, die seltsame Erscheinung.

Und so vergingen weitere 20 Jahre. Tnarrrr arbeitete noch immer als Lagerarbeiter, hatte nicht einmal nach einer Gehaltserhöhung gefragt.
Er war körperlich jung wie vor Jahren, im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, die schon vor Jahren in Rente gingen oder als Greise Brotkrumen dazuverdienten.
Auf seine Rentenansprüche hatte er sogar gänzlich verzichtet.
Doch wie die Zeit verging, so verging auch die Toleranz. Die Tierschutzbehörden waren misstrauisch geworden, nachdem sie Jäger-Gerüchte hörten, die Wölfe seien, wie der Wolfsmann, jung geblieben und dann von einem ehemaligen Pfarrer über die Satanismusgerüchte unterrichtet wurden.

Sie kamen nachts, um Tnarrrr auf frischer Tat zu ertappen, schlichen sich heimlich in seinen Garten. Und tatsächlich, es flackerten Kerzen im Inneren der Hütte, während eine seltsame Sprache gesprochen wurde. Dann erblickten die Tierschutzmitarbeiter eine seltsame Rune an der Gartenpforte. Die Gerüchte schienen wahr zu sein.
Sie riefen die Polizei zur Verstärkung und klopften heftig. Plötzlich Stille im Inneren. Ein Trappen, Rennen. Die Polizei rammte die Tür auf und erstarrte vor Unglauben:
zwar hingen überall Kerzen, aber die Hütte war kein Satanistentempel, nur eine normale Wohnung mit vielen Wölfen. Doch Tnarrrr fehlte.
„Moment.“, rief seine Stimme vom Bad her, „Ich komme…“
Die Polizisten wollten nicht warten und rammten die Tür ein, wo sie einen nackter Tnarrrr und eine Wölfin vorfanden.
„Sodomie also.“, staunten die Tierschutzmitarbeiter. Man zerrte Tnarrrr hervor, der daraufhin die Eindringlinge wütend zur Tür zu Schleifen begann.
„Eindringen und mich der Sodomie zu beschuldigen, das ist die Höhe! Komm Farna!“, rief Tnarrrr empört. Etwas tapste, aus dem Bad kam auf einmal eine wunderschöne Frau.
„Seht ihr!“, schnauzte Tnarrrr die Tierschutzmitarbeiter an, „Ihr könnt einfach nicht richtig sehen. Und nun verschwindet!“
„Das wäre zu schön! Beweisen Sie, dass Sie und Ihre Freundin keine Sodomisten sind. Mitkommen! Ab ins Gefängnis!“, antworteten die Polizisten kaltherzig und legten die Handschellen um die Arme des Paares.
„Und was machen wir mit den Wölfen?“, fragte ein Tierschutzmitarbeiter.
„Einschläfern!“, bellte ein Polizist.
„Und die Hütte?“, ein weiterer Mitarbeiter
„Der Kirche schenken. Sie wird sie für gemeinnützige Zwecke nutzen.“
„Wisst ihr warum es den Ort erst seit 200 Jahren gibt?“, knurrte Tnarrrr kochend vor Wut.
„Nein, aber das interessiert uns auch herzlich wenig.“, fauchte der Polizeihauptmann, drehte sich zu den Tierschutzamtmitarbeitern:
„Und ihr passt auf die Wölfe auf.“

„Es gab einen Krieg. Alle Menschen wurden vernichtet.“, diese Worte spukten in dem Ohr des ehemaligen Postboten. Warum hatte er nur soviel geredet? Schnell packte er seine letzten Habseligkeiten in den Umzugswagen ein und fuhr los. Nur schnell weg. Weg von seiner Heimat. Seine Familie war schon gerettet, sicher in einer Nebenstadt mit mehr als nur 200 Jahren Geschichte. Der Mond ging auf, eine rote Schönheit, die von hunderten Wölfen begrüßt wurde. Wunderschön, aber… nun ja, der Krieg hatte begonnen. Seine alten Knie begannen zu Schlottern.
Er mochte den Wolfsmann. Warum hatte er sich nie wieder zu ihm hingetraut? Ein kleiner Abstecher konnte ja nicht schaden. Und so bog er zum Gefängnis ab…

Frieden lag über den Wald. Nur das Rascheln von Tieren durchbrach die Stille. Es war zu friedlich, keine Menschenseele, obwohl es ein Sonntagmorgen war.
Leise und freundlich läuteten die Kirchglocken, automatisch angesteuert. Die Gläubigen kamen aus ihren Häusern und waren die Ersten, die das Massaker betrachten konnten. Polizisten, Hundebesitzer, die verschwundenen Tierschutzamtmitarbeiter, Kinder, ihre Kinder, ihre Kinder, die sie auf den neuen Kirchcampingplatz geschickt hatten.
Ein arg zerfleischtes Kind lebte sogar noch, atmete und wiederholte: „Die Wölfe!“
Doch die Straßen boten nicht nur den Anblick zerfetzter Leichen, sondern auch der sauber zusammengefalteter Kleidung von Bettlern, Nachtspaziergängern, Dieben und anderen finsteren Gesindel als hätten Aliens diese entführt.
Das überlebende Kind winselte, als es die leere Kleidung sah: „In die Nacht verschwunden, zu Wolf geworden.“
Mehr brauchten die Gläubigen nicht wissen.
Die Grenzen waren klar abgesteckt, Schuldige und Kollaborateure gegen den rechten Glauben, sie. Das bedeutete Krieg!

„Bitte habt Erbarmen mit meiner Freundin. Sie ist schwanger!“, flehte Knarrrr vor Gericht, doch der Richter war steinern vor Trauer. In seiner Hand lag das Foto seines toten Sohnes.
„So.“, höhnte er, „So viel Erbarmen hattet ihr mit unseren Kindern. Mein Sohn…“, er warf verächtlich ein Fleischstück auf Tnarrrr, das dieser fing und behaglich zu essen begann.
Stille.
„Mein Sohn… sie fressen meinen Sohn…“, der Richter wurde bleich, bevor er sich fing.
„Schafft das Monster weg! Lebenslang Einzelhaft und getrennt von seiner Freundin. Und sie…, sie soll ins Männergefängnis, Gruppenhaft. Sie soll erfahren, wie sich Sodomie anfühlt, bei der sie beigeholfen hat.“
„Ich plädiere auf befangen.“, zitterte der Verteidiger. Das Dorf lachte, bis auf einen Postboten am Rande der Versammlung. Er wiederholte nur die Worte, die sich ewig in seinen Kopf wiederholten: „Das gibt Krieg.“
In seiner Hand Tnarrrrs Abschiedsgeschenk: das Zeichen des Wolfes.

Es wunderte keinen der verbliebenen Einwohner, dass alle die nur irgendwie zu den näheren Bekannten des Wolfsmannes gezählt hatten, wegzogen waren. Und wenn auch nur um ein Dorf. Stattdessen rüsteten die Bürger die Jäger auf, es galt: ein guter Bürger zahlt die Wolfsjagd.
Besonders die Kirche zweckentfremdete ihre Kollekten für Waffen.
Und dann kam der Tag.
Hunderte von Jägern, marschierten am Morgen vollgerüstet in den Wald…
…um am Abend, nicht zurückzukehren.
Die Handys der Jäger: tot. Verängstigt sahen die verbliebenen Einwohner den neuen Blutmond aufgehen. Plötzlich verkündeten die Nachrichtensender, dass alle zuhause bleiben sollten, denn es gab ein Massenbruch im Gefängnis nach der Geburt eines Babys. Und als in der Stadt, ein Wolfsheulen aus tausenden Kehlen ausbrach, da wussten sie: es war um sie geschehen.

Feine Asche der Zivilisation rieselte ins feuchte Moos. Nichts deutete mehr auf Dorf oder Kleinstadt hin. Außer ein paar Einträge im Telefonbuch und Erinnerungen der Verbliebenen. Und die Regierung? Als sie sah, dass nichts außer Leichenstücke und Staub übrig war, ließ sie lieber ab weiter nachzuforschen. Denn was kam schlechter im Wahlkampf, als wenn öffentlich wurde, dass die eigenen Leute durch einen sinnlosen Krieg mit einer übermächtigen Macht, eine ganze Kleinstadt ausradiert hatten.

Als die Gedanken noch frei waren


Akt 1:
Prolog (Szene 1):
John Hacker (geht durch die Straßen, sinniert dabei): Ja, das waren noch Zeiten. Mit Menschen konnte man intelligent reden und nun? Ich bin alleine, nur weil ich ein gehacktes BCI habe, um meine Freiheit nicht zu verlieren. Brain Control Implant, wie konnten die Menschen nur so ein Gerät mit Jubel kaufen? Bei den Regierungen, die BCI als Ausweis verschrieben, ist es klar: sie wollten Kontrolle. Doch nun kontrolliert ein Konzern sie alle. Sein Name Man’s End. Man muss es positiv sehen: Monokultur macht anfällig und ich bin der Virus. (Hacker betritt mit dämonischen Grinsen ein Geschäft namens „Super Products“)

Szene 2:
(John Hacker steht mit randvoller Einkaufstasche vor der Kasse eines Supermarktes. Vier Kunden hinter ihm.)
Kassiererin: Das macht 120 europäische Dollar
John Hacker (steht still, die anderen Kunden werden ungeduldig, des Hackers Gesicht verkrampft, dann entspannt es sich wieder; die Kunden stehen plötzlich als wäre nichts geschehen): Ich habe bezahlt.
Kassiererin: Vielen Dank für Ihren Einkauf.
(John Hacker tritt vor)
John Hacker: Verdammtes Update. Ich musste meinen Hack neu anpassen. Wie gut, dass die BCIs vernetzt mit dem Internet sind und zugleich per Funk kommunizieren können. So konnte ich die Anleitung für die Anpassung herunterladen und zugleich die IP-Adressen der Kassiererin und der anderen Kunde einfach über Funk bestimmen.
Hacker++ – Schließ dich unseren Reihen an? Wtf? Wer hat mir dieses Addon geschickt?
Mal sehen was auf der Produktbeschreibung steht:
Du bist Hacker, du bist frei, aber allein?
So geht es vielen von uns und deshalb haben wir das Non-Plus-Ultra für den einsamen Wolf gebaut. Zehn eigene Gesprächskanäle, Zombiefrei und das Beste: Ultrasex, so verführst du jede Zombiefrau.
Was für ein komisches Zusatzfeature. Ich will es mal ausprobieren. Vor allem, wen meinen die Hacker mit Zombies?
(John Hacker geht zurück zur Kasse)
John Hacker (murmelt): Addon installiert aktiviert, Broadcast
(die Kassiererin streckt ihren Arm nach ihn aus und faucht animalisch. Die Kunden hinter ihm stürzen ob Mann oder Frau auf ihn zu.
John Hacker: Oh oh. Schnell deaktivieren. (Die Angreifer werden wieder ruhig und gehen verwundert zurück zu ihren ursprünglichen Positionen.)
John Hacker (tritt vor): Was steht da noch in der Beschreibung? (lacht) Achtung: nicht auf Broadcast setzen, geschweige denn auf Kinder richten, es sei denn du hast „spezielle“ Vorlieben.
Aber trotz meinen kleinen Missgeschick: jetzt weiß ich endlich wen die anderen Hacker mit Zombie meinen: die Normalos, die nicht kapiert haben, dass Man’s End nichts Gutes für sie bedeutet. Eigentlich sollte ich ihnen helfen aus ihrer Unfreiheit zu entkommen, aber warum? Selbst schuld.
Außerdem habe ich jetzt Gesprächspartner. Chat an.
Computerstimme: Dein Name bitte.
John Hacker: John Hacker.
Computerstimme: Algorithmus entdeckte Künstlername, bitte gib deinen richtigen Namen an.
John Hacker (seufzt): Tom Jard.
Computerstimme: Überprüfung erfolgreich. Vielen Dank. Betritt nun die freie Welt der Hacker.
John Hacker (verträumter Blick ins Publikum): Nicht wahr? (Pause) Hammer! (Pause) Einfach nur Klasse. Und diese Benutzer-Icons erst: höchste Kunst. Zeit meines zu verbessern. (Pause) Schon besser.
P0wnMa (stellt sich leicht versetzt neben John Hacker, Blick ins Publikum): Cooles Benutzer-Icon. Ich, Paul Mal übrigens, schickte dir das Addon.
John Hacker: Danke. Habt ihr eigentlich es geschafft einen Menschen zu hacken?
P0wnMa: Nein. Nur Man’s End hat es verstanden tiefer als in der Peripherie des Gehirns einzudringen. Noch immer sind nur sie in der Lage die Erinnerungen und den Charakter zu ändern. Wir dagegen müssen uns mit billigen Tricks wie Unsichtbarkeit und kleine Erinnerungslücken begnügen. Etwas fehlt uns. Wahrscheinlich ist es ein einfacher Trick.
Hättest du Lust bei uns mitarbeiten? Wir sind ein fünfköpfiges Entwicklerteam. Unsere Ausstattung ist erste Klasse, wenn man mal von Man’s End absieht.
John Hacker: Gerne. Wo seid ihr?
P0wnMa: Im Heimatland des Kapitalismus: Amerika. Irgendwie lustig: das Land der Freiheit verhinderte nicht die Sklaverei. Stattdessen waren sie sogar die Ersten, die die BCI-Pflicht einführten, um den Terrorismus zu stoppen. Als wenn sie eine solch mächtige Organisation wie Man’s End kontrollieren könnten… Nicht einmal die Bevölkerung hat aufgeschrien, obwohl die Freiheitsorganisationen vor der Gefahr gewarnt haben.
John Hacker: Gibt es die Organisationen noch?
P0wnMa: Natürlich. Ohne Zuhörer sind sie keine Gefahr. Demonstrieren tun nun die auch nicht mehr, nachdem die Zombies ohne sie anzusehen an sie vorbei gelaufen sind. Das, was sie jetzt versuchen, ist die Machthaber darum zu bitten die Zombies freizulassen.
John Hacker: Und wer ist so bescheuert ein Haufen Bestien freizulassen? Menschen sind Mörder!
P0wnMa (lacht): Die Machthaber von Man’s End ganz bestimmt nicht. Sie wissen schließlich am Besten wie die Jagdinstinkte ihren Geist umnebeln.
John Hacker: Haben diese sich eigentlich auch BCIs eingepflanzt?
P0wnMa: Die denken, sie hätten alles unter Kontrolle. Außerdem seien wir ehrlich: wer möchte auf einen mobilen, leistungsfähigen Computer im Kopf verzichten? Vorallem bei den vielen Klickibunti, das Man’s End ins BCI standardmäßig eingebaut hat.
John Hacker (grinst): Ein Menschenhack und wir besitzen die Welt.

Akt 2:
Szene 1:
(John Hacker sitzt in einen Zug. Bildschirme zeigen eine vorbeirasende Landschaft, wo Fenster sein sollten.)
John Hacker (sinniert): Manchmal lobe ich mir doch die moderne Technik. Zwar sind die Menschen Zombies, aber für die Freien gibt es nun Luxus, der unter früheren Umständen nicht möglich gewesen wäre. Immer hätte es einen Idioten gegeben, der alles zerstören musste. Jetzt kann ich mit 300 Sachen in einem Tunnel unter dem Meer sausen und die Landschaft bewundern.
Kontrolleur (kommt von irgendwo her): Die Fahrkarten bitte! Danke! (geht an John Hacker vorbei ohne ihn anzuschauen)
John Hacker (sinniert): Wie ein Geist schleiche ich durch die Welt. Niemand sieht mich, ja nicht einmal meiner Taten kann ich mich rühmen. Ich hoffe die anderen werden mich würdigen.
(Das Licht geht kurz aus.)
weibliche Computerstimme: Wir haben unser Ziel erreicht.
John Hacker (hält sich den Kopf, schaut verzweifelt in die Oberbeleuchtung): Diese Angriffe… Ich halte es nicht aus. Ich mache meine Firewall restriktiver. Diese Werbung und die ganzen Angriffsversuche erst.
(Polizist1 und Polizist2 gehen zu John Hacker und überreichen ihm zwei Zettel)
John Hacker (schreit ungläubig): Was? Ich wurde wegen Patentverletzungen angeklagt? Das Patent (er stockt) beschreibt eine Methode Werbung zu blocken. Und das zweite Patent (John Hacker blättert um zum zweiten Zettel) patentiert eine Methode zur Abwehr von Angriffen über das Internet. Hey Moment mal. (liest sich die Blätter erneut durch und lacht) Idioten! Sie haben nur meinen falschen Namen von meinen BCI abgelesen und so wie ich die Geräte und Menschen kenne, reicht eine am Namen angehängte Eins aus, um sie zu täuschen. Willkommen im Land der Freiheit!

Akt 3:
Szene 1:
(John Hacker, P0wnMa und vier Kapuzengestalten stehen um Polizist1 und Polizist2, welche mit geschlossenen Augen auf dem Boden liegen. Sie befinden sich in einer schmalen Gasse.)
P0wnMa: Ruhig Blut John. Du hättest sie nicht niederschlagen müssen. Es wird noch Ärger und eine Großfahndung geben.
John Hacker: Ruhig. Ich fühle wie sich in mir was regt. (zu Polizist1) Steh auf! (John Hackers Hand greift in die Luft und tut so als würde er den Polizisten hochziehen. Polizist1 steht mit noch immer geschlossenen Augen auf.)
P0wnMa: Wie hast du das geschafft?
John Hacker: (zu Polizist1) Stirb! (Polizist 1 zittert, fällt auf den Rücken und bleibt so liegen) (zu P0wnMa) Ich fühle etwas Brutales in mir. Es wird immer stärker.
(Polizisten umzingeln sie. Polizist2 steht auf, geht zu seinen Kollegen)
Polizist2: Ich tat nur bewusstlos und habe Verstärkung angefordert. Ihr seid verhaftet
John Hacker: Ist mir egal, was lebende Tote sagen.
Polizist2: Was?
John Hacker: Ihr seid nur Zombies. Kehrt zurück zu dem Ort, den ihr Himmel nennt! (Die Polizisten zittern, kippen dann zu Boden)
P0wnMa: Puh. Nochmal gut gegangen. Lasst uns abhauen!

Szene 2:
(Die Hacker verlassen die Gasse und schlendern unauffällig auf der Hauptstraße, auf der einige anderen Passanten.)
John Hacker: Habt ihr zufällig ein BCI für mich? Ich habe eine Theorie
P0wnMa (holt einen ovalen Zylinder hervor und gibt es John Hacker): Hier! Hacke es!
(John Hackers Gesicht ist angestrengt. Plötzlich zerspringt das Gerät. John Hackers Gesicht entspannt sich)
John Hacker (stolz): Und so starben die Polizisten: durch die Splitter und Stromschläge des zerstörten Gerätes. (Die anderen Hacker stöhnen enttäuscht auf.) Aber immerhin komme ich näher.
Fanatiker (Stimme): Da ist er! Fangt ihn!
(Die Hacker rennen weg, nur John Hacker bleibt zurück. Ein überlegenes Grinsen ziert sein Gesicht. Polizisten, der Fanatiker und dessen Anwalt kommen angerannt.)
John Hacker: Was wollen Sie?
Fanatiker: Meine Patentgebühren einfordern.
John Hacker: Wie kommen Sie darauf, dass ich Patente verletzt habe?
Fanatiker: Gleich nachdem die Polizisten Ihnen die Zettel übergeben haben, schossen sie jeweils ein Foto mit ihren BCIs und sendeten es mir. Das Auge ist trotz einiger Unzulänglichkeiten eine gute Kamera. Man fokussiert perfekt auf die Körperdetails, die sich nicht so schnell wie ein Name ändern.
John Hacker (erschrocken): Woher wissen Sie das ich meinen Namen ändern kann?
Fanatiker: Wir, die „wahren Menschen“, haben BCIs schon immer als Teufelszeug abgelehnt und haben eine Ausnahmegenehmigung bekommen, keine BCIs tragen zu müssen. Stattdessen alte Ausweise. (Der Fanatiker zückt einen Ausweis. Schüttelt sich)
Ekelhaft, diese Moderne… Am liebsten würden wir in der Steinzeit leben.
John Hacker: Ich aber nicht. Ich will eine bessere Welt, keinen Rückschritt.
Fanatiker: Genau deswegen gibt es Patente. Mit Patenten bekommt die Menschheit in die Steinzeit zurück, denn Wissen verstrickt sich in immer stärker werdenden Einschränkungen, bis es letztendlich komplett verboten wird und der Mensch wieder zurück zu seiner Natur findet.
John Hacker: Wie ist die wahre Natur des Menschen?
Fanatiker (fanatisch): Die wahre Natur… sie ist wundervoll. Jagen, zerfetzen, durch Wälder hetzen. Ja. Hunger, Durst, Schmerz und Befreiung. (seufzt) Katharsis.
John Hacker (seufzt) : Ja. Katharsis. Einfach mal der sein, der man ist. Freie Assoziationen.
Fanatiker: Ja, gut Junge. Komm zu uns. Wir entfernen dein BCI und dann bist du wieder Mensch
John Hacker (traurig): Tut mir leid. Ich komme nur in die Hölle.
Fanatiker: Sag das nicht. Jede Seele kann gerettet werden. Man muss sich nur reinigen.
John Hacker: Ich habe das wahre Wesen des Menschen erkannt: er ist das Böse. (macht schlangenartige und langsame Bewegungen vor den Augen des Fanatikers mit den Händen. Der Fanatiker fällt in Trance.)
John Hacker: Sie werden mir all Ihren Besitz übereignen als Entschädigung für die falsche Anschuldigung.
Fanatiker: Ja Meister.
John Hacker (tritt vor, triumphierend): First man hacked! Die Menschheit wird mir folgen und zwar in die Hölle. (bricht in dämonisches Gelächter aus, geht anschließend wieder zurück in seine Position)
Anwalt: Ich werde das nicht zulassen. (zieht eine Pistole).
John Hacker: Ach wirklich? Ich habe einen Massenhack gestartet, ein Overflow in dem TCP-Stack. Schön versteckt, auch vor den Augen meiner Kollegen, aber nicht vor mir!
(Die Hacker (außer John Hacker; kommen aus dem Dunklen) samt Passanten stürzen von hinten wie Zombies auf den Anwalt. Als dieser am Boden liegt, werfen sie sich auf ihn. Schmatzlaute sind zu vernehmen)
John Hacker (zum Publikum): Tja Menschengewürm, ihr habt mich geschaffen. Ach war ich doch ein unschuldiger, kleiner Hacker, so wurde ich durch eure Bosheit zum Teufel. Die Welt ist mein.
Boss (tritt auf und stellt John Hacker zur Rede): Nicht so voreillig. Wir von Man’s End waren zuerst dran. Lass die Zombies und vor allem deine Kollegen frei. Wir können jede vernünftige Seele bei unserem Phönixprojekt brauchen.
John Hacker (erstaunt): Phönixprojekt? (Die zombifizierten Hacker stehen auf und lauschen, während die Passanten schuldbewusst den Körper des Anwalts wegschleppen.)
Boss: Wenn das Phönixprojekt vollendet ist, werden wir, von unseren mächtigen Schwingen aus, hinabsehen wie die „wahren Menschen“ die Welt in Schutt und Asche legen. Nachdem wir uns satt gesehen haben, werden wir der Phönix sein, der dieser Hölle entsteigt und sich nach neuen Lebensräumen umsieht. Mars zum Beispiel. Die Menschen dagegen, werden in der selbstgeschaffenen Hölle untergehen. (lacht dämonisch; Vorhang fällt)

Ende

Nachwort: Es wird wahrscheinlich noch einige Änderungen geben.

Zurück zur Startseite