Schatten


Ich spüre wie die Schatten sich von mir lösen. Schatten aus der tiefsten Verderbtheit meiner Seele.
Schatten der nicht vergangenen Vergangenheit. Zukunft und Gegenwart verschmelzen mit der Vergangenheit, alle Taten werden allen der drei Zeiten begangen.
Ich schreie vor Schmerzen, mir ist als würde ich brennen. Brennen für die Ewigkeit.
Und ich sehe ein Feuer, nicht fern, nicht nah. Fackelzüge ziehen durch die schwarzen Straßen. Deren Teilnehmer… sie werfen meinen Schatten im flackernden Fackelschein.
In ihren Augen blanker Wahnsinn. Es setzt ein Regen ein, als würde der Himmel weinen, bittere Tränen des Entsetzens.
Mein Feuer brennt stärker und heller, lodert gen Himmel, zerfetzt die Wolken mit einen grausigem Lachen.
Es ist das meine. Ich kann mich nicht mehr halten. Der Wahnsinn zerreißt jede Vernunft. Wie ein Tier springe ich durch die Gassen. Zwei Hörner wachsen aus meinen Geheimratsecken.
Und betrachte das Gemetzel, tausender verrückter Menschen. Jeder gegen jeden, Mann gegen Mann, Frau gegen Frau, Kind gegen Eltern. Nur Wenige, nur vernunftbegabte Menschen standen daneben, ihre Mäuler zu einem entsetzten Schrei geformt.
Und dann berühre ich sie, einen nach dem anderen, korrumpiere ihre reine Seele.

Mich fragt plötzlich eine Stimme: „Was hast du getan?“
Rotes Blut rinnt von meinen Fingern. Und da wird mir klar:
Ich bin der Teufel, korrumpiert vom Menschen. Getrieben von Misanthropie.

Die letzten reinen Seelen nehme ich mit einen tiefen Seufzer mit mir in die Hölle. Zu ihrem Schutz versteht sich. Irgendwann, wenn der letzte Mensch sich ausgelöscht hat, würde ich sie wiederkehren lassen…

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Eiskalte Romanze


Das Liebespaar in vollster Lust
er hungrig schleckte
von scheidestief
nach ihrer Brust
In Ekstase sie sich wandt
In seinen Armen
gar haarig schön
An seinem Herz
gar mächtig kalt
als wäre sie
in seiner Gewalt
Bei jeder Windung
nackte Haut
an dichtem Haar
Sie zwitscherte
ganz laut ganz klar
Da setzt er an
zum Nackenbiss
Blut strömte schnell
aus des Halses Riss
Des Vögleins Puls
gar schnell entschwand
Das Biest schaute
zum Bersten gespannt
Ihr Herz ward kalt
wie Eis und Schnee
Da reicht sie ihm
die haarig Hand
und sprintet los
die Jagd begann…

Wirtschaft – eine Geschichte des Grauens


Es begann ganz harmlos mit Kaffee. Die Menschen tranken es immer mehr, immer mehr als die Arbeitsbedingungen immer schlechter wurden. Bis sie schließlich zu Leistungsmittel übergingen, da die Konkurrenz Kaffee trank und sie besser sein mussten. Anfang waren es harmlose Medikamente, dann schuf ein ruchloser Wissenschaftler Leistungsdrogen. So knirschten die Zahnräder und niemand nahm es wahr. Man merkte nur, dass es seit den Leistungsmedikamenten mehr Tote gab. Und man fand heraus: die Mörder nahmen keine Drogen, tranken noch nicht einmal Kaffee, waren schlecht in der Schule.
Nach einigen Jahren fand ein Wissenschaftler die Antwort: die ungedopten Kinder hatten keine Chance, weil in den Leistungsberechnungen die Gedopten eingeflossen waren.
So schnell er konnte, wandte er sich an die Öffentlichkeit. Mit viel Eile trug er sein Anliegen vor, doch am Ende des Vortrages klappte er zusammen. Die Zuschauer sahen entsetzt wie ein maskierter Attentäter aus den Saal floh und dann sahen sie sich an. Sie waren nur wenige hundert. Man würde sie jagen, würden sie nichts unternehmen, weil Profit von großen Konzernen auf dem Spiel stand. Nach kurzer Beratung gründeten sie Kommunen, um sich von der Gesellschaft zu möglichst separieren. Kein Attentäter wäre wahnsinnig genug dort einzudringen. Jeder kannte jeden und Besucher wurden genauestens überwacht.
Währenddessen wuchsen drei Firmen durch die Entwicklung von Leistungsdrogen, der Rest dieser Branche starb aus oder wurde aufgekauft.
Dann kam der große Sprung nach vorne: genetische Verbesserungen. An der Spitze der Forschung: die großen Drei. Schnell wurde der Patentschutz des Leben aufgehoben, die Würde des Menschen vergessen. Es gab nun fast ausschließlich proprietäre genetische Verbesserungen. Mit Ausnahme von einer kleinen Minderheit auf den Markt, die von den Kommunen zu kommen schien. Diese hüteten sich ins Leistungsgeschäft einzusteigen, da Konkurrenz von den großen drei Firmen ausgelöscht würde und konzentrierten sich auf ihr nacktes Überleben. Natürlich gab es auch Leistungsverbesserungen und anderen Mainstream, aber das alles wurde im Geheimen innerhalb der Kommunen praktiziert. Und plötzlich verschwand auch der kleine Marktanteil, alle Öffentlichkeitsarbeit der Kommunen wurde eingestellt.
Den Großen war es recht, da nun die kleine Konkurrenz auch verschwand. Zwar gab es einige hundert Übertritte in die Kommunen, aber mit Einschüchterung und Gesetzen wurden es auch weniger, stoppte vollständig. Dabei hätte jemand das Kreischen der Zahnräder vernehmen müssen.
Die Produktion wurde auf eine Dreiklassengesellschaft umgestellt. Die Reichen konnten sich die Mittel für die besten Arbeitsplätze leisten, die Mittleren konnten sich gerade mal Bürojobs erkaufen, während die Untersten Mittel für Arbeiten wie als Müllmann gegen einen Schwur von Treu und Gehorsam gegenüber dem Staat bekamen. Der Rest verreckte auf der Straße oder floh in die Kommunen.
Plötzlich gab es barbarische Berichte über diese: Arenen wären dort, in denen Menschen ihren Geist aushauchten. Die großen Drei waren froh, dass die Gesellschaft verängstigt war, so mussten sie sich die Hände nicht schmutzig machen. Ja, selbst die Verkürzung der Lebenszeit auf die produktiven 50 Jahre und die Eliminierung der Arbeitsunfähigen nahmen die unteren Schichten ohne Widerrede hin.

„Die Arenen waren nur eine temporäre Lösung der Kommunen zur Handhabung der Ströme von Flüchtlingen. Sie wurde inzwischen eingestellt.“, vermerkte ein Ethnologe zehn Jahre später, als er sich der Erforschung der weißen Kommunenflecken widmete. „Die Eingeborenen leben arm, haben jedoch unendlichen Reichtum durch Feldfrüchte.“
Echte Feldfrüchte war inzwischen eine Kost für Millionäre geworden. Auch bemerkte er ein paar genetische Veränderungen. Viele waren mit einer schwarzen Lederhaut bedeckt, andere hatten Chamäleonschuppenhaut. Außerdem aßen sie nur sehr wenig, meist nur in seinen Beisein. Einige Geräte entdeckte er, aber ihre Form war so abartig, dass deren Funktionen ihm unverständlich blieben. Kaum veröffentlichte er seine Arbeiten, wurden Werbewände um die Kommunen hochgezogen. Am nächsten Tag zierten die Werbewände den Sockel der Kommunen. Man hatte sie auch angehoben. Verärgert erhöhten die Marketingagenturen erneut ihre Wände. Am nächsten Tag waren sie eingerissen, signiert mit: „Wir brauchen nichts.“
„Schadensersatz“, schrien die Agenturen, „Ihr habt uns Sonne gestohlen“, verteidigten sich die Kommunen. Der Rechtsstreit wurde mit etwas Salat und Baustopp beigelegt, doch die Agenturen gaben nicht auf. Vertreter wurden in Massen hineingesendet, kamen vollbepackt wieder raus.
„Die haben alles.“, stammelten sie verlegen.
„Dann nehmen wir es ihnen. Wozu gibt es sonst Patente?“, schrien die Agenturen fuchsteufelswild und wandten sich an die großen Drei. Die Zahnräder hielten mit letzter Kraft die Stellung, während Ächzen und Stöhnen unüberhörbar schienen. Polizisten wurden gesendet, die massenhaft Patentverletzungen feststellten. Triumphierend trug ein Polizisten eine Maschine aus einer Kommune als plötzlich etwas von hinten ihn erstach. Das war das Titelblatt, einen weiteren „mutigen“ Polizisten gab es nicht.
Anklage wegen Patentverletzungen und Mord sollten zumindest Waren von den Kommunen zu den gierigen Spekulanten treiben, wenn auch der Überfall nicht geklappt hat. Außerdem musste ja die Witwe des toten Polizisten entschädigt werden.
Auch diesmal fügten sich die Kommunen, doch nur halbherzig. Die Reichen, die, statt ihrer üblichen Lebensmittelpaste, von den teuren Gemüse kosteten, bekamen schrecklichen Durchfall.
„Unser Essen ist ungenießbar. Lasst uns in Ruhe! Wir wollen euch nicht!“, schrien die Kommunen per Funk in die Welt. Die Antwort: Krieg. Panzer verwüsteten die Felder, Soldaten durchsuchten, die hastig geräumten Gebäude. Keine Spur von Leben, außer kleine Gänge, die tief in den Untergrund führten. Soldaten drangen in Strömen in sie ein, drangen tiefer und tiefer in die Unterwelt. Plötzlich zischte es, sie bekamen keine Luft mehr. Ein Brausen, ein Tösen, Feuer schoss ihnen entgegen. Sie hatten die Abgastunnel, von Kommunenraumschiffen gestürmt, welche sich nun mit Grazie gen Himmel erhoben.
„Auf das sich die Menschheit selbst auslöscht.“, braune Gläser der Kommunenmitglieder klirrten feierlich. Sie hatten nicht vor den nahenden Krieg militärisch zu verhindern, dazu waren sie zu friedfertig. Sie wollten aber auch nicht ausgelöscht oder versklavt werden.
Die Zahnräder krachten auseinander und mit ihr die Maschine, wozu die menschliche Gesellschaft sich degradiert hatte. Chaos und Krieg tobten sieben Jahre lang, dann wurde es still, totenstill. Die Erde war verwüstet, gar schwarz vor atomaren Feuern. Nur kleine, grüne Triebe triumphierten über dem Massaker des Menschen.

Ende

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Der Waffenhändler


Fröhlich ölte Waffenhändler Schmidt seine Uzis. Jagdgewehre hatte er nicht vorrätig, denn sie entsprachen nicht seiner Gesinnung. Menschen sollten sterben, nicht arme Tiere. Und so war es auch an jenen Tag. Eine Gruppe halbstarker Maskierter stürmte den Laden. Sie bedrohten ihn mit gestrig gekauften Waffen. Es störte ihn nicht, im Gegensatz zu den Demonstrationen gegen seine Spielzeuge. Die Demonstranten waren einfach nicht reif genug, um zu verstehen, dass ihr gefordertes Verbot noch mehr Elend über die Welt brachte.
„Hände hoch! Wird’s bald!“, schrie der Anführer der Rasselbande wütend.
„Was sind eure Pläne?“, entgegnete er gelassen den Maskierten ohne der Aufforderung nachzukommen.
„Was? Ich habe mich wohl verhört.“, der Anführer zitterte. Sein Finger am Abzug zuckte.
„Na los drück ab, dann können wir endlich ins Geschäft kommen..“
Der Abzug beute sich bis zum Point-of-no-return. Die Kugel flog und verschwand in seinen Körper. Kein Kratzer.
„Ihr sagt mir euren Plan und ich gebe euch die passende Waffe dafür.“, wiederholte er sein Anliegen
„Wer sagt, dass Sie uns nicht verraten?“
„Sehe ich so aus als würde ich Menschen lieben?“, brüllte Schmidt und sprang mit einen Salto über die Theke, um den Sprecher auf den Boden festzunageln. Die anderen Maskierten schauten geschockt zu. Sie machten sich nicht die Mühe ihre Waffen abzufeuern.
„Wir wollen einen Geldtransporter ausrauben. Wir haben einen todsicheren Plan.“, antwortete der am Boden liegende Jugendliche zitternd.
„Vergesst den Geldtransporter, nehmt eine Bank. Kommt mit ich habe das perfekte Werkzeug dafür. Wehe euch wenn ihr mich verratet.“
Die Jugendlichen nickten beklommen. Er führte sie in seine Lagerhalle. Alle erfolgreichen Geschäfte liefen im Lagerraum. Diesmal wären die Jugendlichen mit der Seelenpistole gut bedient. Langsam kamen sie ihr näher. Einer der Jugendlichen schrie erschrocken auf als er einen von den toten Verräter sah, die die Polizei rufen wollten. Es war eine Frau, die mit Waffen Bürgerrechte für potentielle Terroristen durchsetzen wollte. Sie wollte nachdem sie die Waffe sah, die er für sie ausgesucht hatte, aussteigen und die Polizei rufen. Er hatte ihr noch einmal versucht zu erklären, dass Verrat bei ihm mit den Tod bestraft wird, aber sie wollte nicht hören. Immer diese selbsternannten Moralapostel.
„Verräter werden umgebracht.“, erklärte er beim Vorbeigehen.
„Aber wie? Ich sehe keine Schusswunden.“
Der Jugendliche sackte kraftlos zusammen. Die Anderen schauten Schmidt entsetzt an.
„Sehe ich so aus als töte ich meine Kunden wegen einer Frage?“
Der am Boden liegende Halbstarke stand stöhnend wieder auf und ächzte: „Welche Waffe passt zu uns?“
„Die Seelenpistole. Eine herrliche Waffe, die im Gegensatz zu ihren heutigen Vertretern, nicht tötet, sondern den Körper übernimmt. Ihr habt damit solange ihr wollt die Kontrolle über eine oder mehrere Personen. Perfekt oder? Ein infizierter Angestellter gibt euch die Goldbarren, das Geld oder was immer ihr wünscht.“
Der Jugendliche schluckte kurz, flüsterte unhörbar für das menschliche Gehör: „Ich brauch doch nur ein bisschen Geld. Bitte Gott lass mich da wieder heil rauskommen.“
„Du kommst heil raus, Junge. Keine Angst. Nach deiner Tat hast du einfach mehr Geld und niemand wird dich strafen..“
„Ok, ich bin dabei.“, hielt dann kurz inne, „Hey Sie können meine Gedanken lesen.“
„Nein, nur ein gutes Gehör. Ihr könnt es aber gleich.“
Schmidt drückte jeden von ihnen eine Seelenpistole in die Hand.
„Schießt damit auf mich.“, verlangte er, die Jugendlichen taten es. Eine mentale Verbindung wurde zwischen ihnen aufgebaut. Die Jugendlichen zeigten sich erst begeistert von der Möglichkeit ihn zu steuern, dann überwältigte sie die Gedankenlesefunktion des Apparats. Sie schauten Lebensdaten, Waffensortiment und Lebensphilosophie nach. Natürlich hatte er Vorsorge gegen den Zugriff auf Geheimnisse getarnt. Sein Lebenslauf – eine einzige Lüge, aber man durfte seinen Kunden bei einer solchen Waffe keine sichtbaren Schranken setzen.
„Wie kommt es, dass Sie so freizügig mit Ihren Gedanken sind?“
Der Junge war echt klug. Schmidt entschied sich für die Wahrheit.
„Indem ich lüge. Auch ich habe meine Geheimnisse. Aber glaubt nicht, dass ein Normalsterblicher diese vor eurer Waffe bewahren kann.“
„Was sind Sie?“
Die Frage traf ihn. Immer freundlich bleiben, immer pseudooffen sein, aber jetzt musste er Schranken setzen. Aber soviel Neugier, soviel Intelligenz. Man sollte es ihm nicht verwehren.
„Wenn du es wissen willst, arbeite bei mir.“
„Nach dem Überfall, Meister.“
Schmidt grinste. Der Junge wusste viel. Und er war auf seiner Seite. Schmidt führte die Jungen zurück in den Verkaufsbereich. Mittlerweile hatte sich eine kleine Schlange gebildet.
„Was fällt Ihnen ein Kindern Waffen zu verkaufen?“, regte sich ein Herr auf.
„Ich regle das gleich.“, rief er der Gruppe hinterher.
„Wiedersehen. Ich komme, versprochen. Schließlich kann ich Sie nicht einsam zurücklassen.“
Der Junge würde alles erfahren. Es war ein Frevel ihn zu vertreiben, wie es die Menschen taten. Tränen rollten über sein Gesicht. Eine völlig neue Erfahrung.
„Und Sie weinen der Bande Kleinkrimineller hinterher?“, brüllte der wartende Mann erbost. Schmidt ließ ihn vergessen.
„Ich bräuchte bitte ein gutes Jagdgewehr. Welches können Sie mir empfehlen? Geld spielt keine Rolle.“
Jugendliche kicherten verhalten in der Warteschlange.
„Tut mir Leid. Ich verkaufe keine Jagdgewehre.“
„Seltsamer Laden.“, fluchte der Mann beim Weggehen. Wenn der wüsste .. , würde der es auch nicht verstehen.
„Für mich bitte eine AK-47. Haben Sie vielleicht auch noch eine Atomrakete?“
Das hatte er vorrätig.

Nach dem anstrengenden, aber erfolgreichen Arbeitstag, schaltete er den Fernseher an und begann sein Bett für den Jungen vorzubereiten. Er hatte es nur als Tarnung aufgebaut. In Wirklichkeit schlief er auf dem angenehm kalten Boden, wenn er denn überhaupt schlief.
„Achtung! Eilmeldung! Die Angestellten der hiesigen Geldlerbut-Bank schenkte den Kunden Geld in Milliardenhöhe und beschossen die Polizei als diese kam. Einer von ihnen konnte lebendig überwältigt werden. Seitdem schreibt er mit seinen Blut an die Zellenwände: „Für Sie, Meister.“ Es scheint sich hierbei um eine neuartige Psychowaffe zu handeln.“
Schmidt lächelte. Sein Schüler schien ihn zu verehren. Was war dieser eigentlich?
Es klopfte leise an die Ladentür. Wollte er heute schon kommen? Er rannte hinab, öffnete die Tür und fand seinen Schüler vor – diesmal unmaskiert. Narben zierten sein Gesicht, zwei davon waren frisch. Wie konnten es die Menschen wagen?
„Ich habe all meine Schulden beglichen, mich von meinen wenigen Freunden verabschiedet und bin bereit zu dienen.“, strahlte dieser mit ernsten Gesicht.
„Was bist du eigentlich?“
„Mensch, man kann sich seine Eltern leider nicht aussuchen. Menschen hassen mich, ich hasse sie, Meister.“
Der Junge war eine verworfene Perle. Was waren Menschen doch für Idioten!
„Ich auch und verkaufe deshalb Waffen.“
Endlich konnte er mal ehrlich sein. Und das gegenüber einen Menschen.
„Können Sie mich erlösen?“
Ja das konnte er. Er legte seine Hand auf die Stirn seines Schülers und begann die Menschlichkeit auszusaugen. Viel Menschlichkeit war nicht in seinen Adepten drin, fast alles ersetzt durch Schmerz und Hass. Dessen zahlreichen physischen und psychischen Narben heilten.

Ende

Unersichtliche Anspielung: Geldlerbut-Bank – Blutgelder-Bank
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Reise durch das Schlaraffenland – ein Reisebericht


Die Straße wurde immer heller, immer greller bald waren wir da beim Schlaraffenland. Das gelobte und das verachtete Land der Wünsche. Uns empfing eine Art Mantel aus Bäumen, an denen Leichen von jungen Menschen hingen. War es eine Schutzmaßnahme an der Besucher scheiterten? Vor den Wald stand ein alter Mann, unschlüssig ob er ihn verlassen sollte. Wir gingen zu ihm und fragten was mit den Bäumen los sei.
„Ach, die hielten es nicht aus.“, krächzte er, „Wollt ihr eine Führung?“
„Klar, immer gerne.“
„Gut, dann kommt mit.“
Wir gingen durch den schaurigen Wald. Noch schauriger wurde uns zumute als eine hübsche junge Frau eine Leiche wiedererweckte.
„Komm Sohn. Ich geb dir alles was du willst, leb weiter.“
„Nein. Mutter. Nein!“
Schlingen wickelten sich um seine Beine, die ihn mit seiner Mutter verknüpften. Plötzlich flog er, wie auf einen Luftkissen, empor, dann zog ihn seine Mutter Richtung Inneres des Waldes.
„Tja, das ist die dunkle Seite des Schlaraffenlandes.“, kicherte der alte Mann, „Es geht weiter.“.
Der Wald endete in einer unendlichen Lichtung. Gleich an ihren Rändern tummelten sich nackte Liebespaare bestehend aus Mann oder Frau und Dutzende des anderen Geschlechts. Sie alle sahen perfekt aus wie nach den griechischen Körperidealen. Kein Wunder, wenn man sein Körper anpassen konnte. Und worauf, besser gesagt worin sie lagen. Ein wundervoller Garten der sich an sie schmiegte. Ein paar Meter mindestens sanken sie in den Rasen aus bunten Gräsern deren Halme in allerlei Köstlichkeiten endeten. Oder schillerndes Wasser, um nur einige der Milliarden unterschiedlichen Terrains aufzuzählen.
„Wollt ihr eine kleine Pause machen? Ich rufe euch mal welche.“, krächzte der Alte vorfreudig, „Ich schaue gerne den jungen Paaren zu.“
„Was ist mit den daraus resultierenden Kindern?“
„Keine Sorge, ohne Kinderwunsch gibt es hier keine. Genießt einfach.“
Es war schön, zu schön, aber das Glück währte nur knappe zwei Tage, obwohl sämtliche erquicklichen Terrains ausprobiert wurden. Ich hätte nie gedacht, dass man genug von Lust und Wonne bekommen konnte. Meinen Begleitern ging es ähnlich. Nachdem wir wieder gepackt hatten, folgten wir den Mann weiter. Mittlerweile kamen wir zu Paaren, die nur aus einen Mann und einer Frau bestanden. Eine schrie auf, weil der Mann sie aus Versehen kratzte.
„Die sind schon vernünftiger. Ihr müsst wissen, es sind beides echte Menschen, keine Geister in Menschenform, wie ich sie euch rief. Sie haben ihre Fehler, sie sind brutal.“
Ein Paar war schon ganz zerkratzt vom jeweiligen Partner. Andere einzelne bekleidete Individuen standen daneben und schauten über die Welt der Lust, Beobachter wie wir.
„Weiter geht’s.“
Mehr der Beobachter, mehr von diesen Paaren. Die Paare schliefen nun auf harten, stachligen Betonboden. Dann Arenen, in denen sich Männer und Frauen fetzten. Im wahrsten Sinn des Wortes. Kleidungs- und Hautfetzen flogen zusammen mit Blut durch die Gegend, Schreie schallten zu uns herüber.
„Die Sieger dürfen jeweils über den ihm Unterlegenen verfügen. Die werden so noch lange ihren Spaß haben.“, brummte der Mann.
„Wie können die noch Spaß haben?“, fragte eine Journalistin aus meinen Team entsetzt.
„Belohnung ist nun schwerer zu kriegen, zudem äußerst schmerzhaft. Lasst uns weitergehen. Ihr werdet die Hölle sehen.“
Wir kamen an seltsamen Peitschweiden vorbei, die ihre Kunden auspeitschten, dann an Plutonium gefasste Seen in denen krebsrote Menschen planschten, schwammen, kämpften. Der Dampf, der daraus, aufgrund der hohen Zerfallwärme, aufstieg, allein verbrannte uns fast die Lungen. Zum Glück waren wir im Schlaraffenland, wo Krebs ein Fremdwort war.
Dachten wir wirklich das wäre schlimm? Wir hatten noch nicht die darauf folgende Höllenseite gesehen. In ihr war das Vorankommen mühsam und alles andere als erquicklich. Der Dampf des Sees war nichts gegen den Rauch der hier herrschte. Man fühlte sich schlapp, erbärmlich, dennoch gab es hier einige Menschen in der Einöde. Meist in größeren, gedrängten Gruppen, die aussahen als würden sie eine Sauna genießen. Bei näheren Hinsehen schwammen sie gegen einen reißenden Lavasog. Eingesaugte kamen über einen Lavafluss wieder zur Oberfläche, Minuten später. Sicher kein Spaß keine Luft zu bekommen und stattdessen diese Lava zu atmen. Einmal badeten wir zum Test in einen der höllischen Flüsse aus Lava. Die Pein war unerträglich, sodass wir schleunigst aus der Lava rasten. Sprachlos mussten wir uns mitanschauen wie sich Leute auf Steinkrallen aufspießten und vor Schmerz lachten. Viel zu sagen gibt es nicht über die seltsame Welt, weil sie zu brutal war. Wir kamen irgendwann tatsächlich zu einen Höllenzugang, einer tiefen Schlucht. Und die Seelen kreischten, im Gegensatz zur christlichen Vorstellung, nicht, sondern lachten vor Schmerzen.
Der alte Mann schmunzelte: „Ich weiß jetzt was Leben bedeutet: Schmerz und Vernunft. Ich gehe kein Risiko mehr ein, dass ich in den Himmel komme, wo man mir das Hirn mit Glückseligkeit rauspustet. Lebt wohl.“
Er sprang hinab in den Abgrund. Wir hörten sein krächzendes Kichern, wir hörten die höllischen Folterknechte ihn bearbeiten. Seine Entscheidung, nicht unsere. Ein paar Fotos, dann machten wir uns auf den Rückweg. Die giftigen Dämpfe schwanden, die Seen kamen, vorbei an den verbissenen Liebespaaren, einen sehnsüchtigen Blick auf die Glückseligen. Ein paar von ihnen standen auf, zogen sich an, gingen Richtung Hölle oder kamen mit uns Richtung Wald. Der Wald war düster von jener Seite aus betrachtet. Zum Glück lag es aber nur an der Verblendung durch die Glückseligkeit. Langsam normalisierte sich der Wald, wurde nur in einen leichten Schatten gehüllt. Es war schön wie der Wald rauschte, wir konnten ihn richtig genießen. Bis zu jenen Zeitpunkt als wir die Leichen hängen sahen. Wir sahen sie weil sich einige unserer Begleiter dazuhängten. Aber die Abhilfe war einfach, wir ließen die Bäume die Leichen essen. Endlich kamen wir vom Wald auf die Straße, die uns hierher geführt hatte. Sie glühte nicht mehr, sie war aus puren Stein auf denen zahlreiche schwachleuchtende Fußspuren zu sehen waren. Wahrscheinlich hatten diese uns geblendet und so die Illusion einer leuchtenden Straße vermittelt. Es war nun die Zeit Richtung Heimat aufzubrechen. Langsam entfernten wir uns vom Schlaraffenland, es tat zwar in der Seele weh, aber niemand von uns wollte dahin je wieder zurück. Auch die anderen Mitreisenden nicht. Unsere Reise endete an einem Portal, das überall hinführte. Reisen war hier gratis, warum also den Fußweg? Wir landeten sanft in unserer Redaktion.

Ende

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Unter Vampiren


Die Glocke läutete, wie so oft, um die Gläubigen in die Kirche zu retten. Ein Vampir hatte jemanden erwischt. Die Vampirnacht würde bald beginnen. Denn ein einzelner Vampir kam selten allein.
Sie rannten um ihr Leben, Alte stürzten, wurden aufgeholfen, rannten weiter. Alle hinein in die Kirche, den einzig sicheren Ort. Die Vampire waren geschickt, sie kamen sogar in Bunker bloß die Kraft Gottes hielt sie fern.
Er schaute amüsiert zu und dachte an die Vampire, die ihn verführen wollten. Hübsche, junge Frauen, perfekte Haut. Vorsorglich nahm er eine seiner noch reichlich vorhandenen Tabletten aus seiner speziellen Medikamentenschachtel, schloss seine Fenster lichtdicht, schließlich wollte er als Langschläfer keine Vampire töten. Die Vampire kamen, klopften an den Fenstern, klopften an den Türen. Als die Weibchen seine Schritte Richtung Haustür hörten, wurden sie wild. Sie rasten hungrig zur Tür. Männliches Blut schmeckte ihnen besonders gut. Er bat sie höflich herein und machte den üblichen Deal: Sie schliefen mit ihm, er gab ihnen Blut.
Wie immer verbrachte er eine schöne Nacht und wachte am nächsten Tag neben zig schnarchenden Vampiren in seinen riesigen Doppelbett auf. Seine Sonnenlichtpille war genial. Vampire wurden beim Schlürfen seines Blutes bewusstlos und vergaßen die Erlebnisse der letzten Nacht. Das bisschen gesaugte Blut reichte nicht für die Transformation in einen Vampir, weshalb er jeder Vampirnacht gefahrlos genießen konnte, während die Kirchgänger immer Verluste zu beklagen hatten. Nun musste er nur noch die Frauen in die Särge des Abflugkellers verfrachten, um ihnen nach ihren Schönheitsschlaf, die Freiheit zu gewähren sich erneut in sein Bett zu verirren. Ja ja, die Moralapostel hatten keine so schöne Zeit wie er.

Ende

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