Banshee


Banshee

Hörst du die Geister?
Hörst du sie singen?
Ihre Stimmen aus Stahl
so scharf wie Klingen.
Sie schneiden
in deine Seele,
quälend langsam,
tief hinein.
Und noch tiefer
bis tödlich der Schmerz
bis rinnend das Blut,
dein Blut.

Und sie es lecken,
hungrig es schlecken.
Du musst schreien,
doch sie singen
mit ihren Klingen
zerreißen dein Herz
zerberstend vor Schmerz.

Der Boden färbt rot
wie Trauer vom Leben.
Ein Schmatzen, ein Schlecken
ein Toben in Reigen.
Noch ein Strecken,
die Lippen lecken.
Und das war das Ende
vom Blut im Gelände.

Version 4

Eiskaltes Herz


Kaniban stieg in den Mitternachtszug wie immer. Noch nie war ihm irgendwas passiert als plötzlich von vorne ein markerschütternder Schrei erklang: „Scheiße, wir rasen in die Hölle!“
Dann war plötzlich alles hell erleuchtet von roten Licht, die Bremsen quietschten. Der Zug fuhr noch paar Meter, dann hielt er ruckend. Die Schienen waren wohl nicht guter Qualität, genau wie der Rest des Bahnhofs. Spinnenweben überall, die ursprüngliche Beleuchtung war völlig ausgefallen. Plötzlich öffneten sich die Türen. „Endstation Friedhof Brock. Aussteigen bitte.“, sagte eine kratzige Stimme durch. Die Tür zum Lokführer öffnete sich und gab eine hässliche, behaarte Kreatur frei. Sie ging aufrecht, obwohl sie eher einem Tier glich. Schreiend rannten die Menschen vor seinen Augen aus den Zug. Wie dumm von ihnen! Die Kreaturen wollten fressen ohne den Zug zu reinigen. Und der richtige Lokführer? Er konnte sich genau erinnern, dass es ein Mensch war, in dessen Zug er stieg. Wahrscheinlich irgendwo auf dem Weg entsorgt. Oder vielleicht hatte sich das Wesen getarnt.
„Aussteigen bitte!“, befahl das Wesen freundlich. Es stand direkt vor ihm. Wie fühlte sich dessen Fell an? Er ließ seine Hand vorsichtig über das Gesicht seines Gegenübers streichen. Wundervoll weich das Fell. Er wollte auch so eins.
„Steigen Sie jetzt bitte aus.“, wiederholte die Kreatur genervt. Das beste wäre nicht auszusteigen, aber dunkle Verlangen peinigten ihn.
„Ich mag dich. Komm verbringen wir die Nacht gemeinsam.“, säuselte er als Antwort. War er verrückt? Doch die Versuchung zu mehr ließ nicht nach.
„Arschloch!“, brüllte ihn das Wesen an und weckte ihn aus seiner Trance. Was war das bloß gewesen? Ein Hieb katapultierte ihn zu den anderen Menschen, einer Traube, die von muskulösen Männern bewacht wurde. Die Türen des Zuges schlossen sich, dann nahm dieser Fahrt auf und verschwand.
„Lasst uns fliehen!“, schrie jemand.
„Genau. Wir müssen uns auftrennen, damit wenigstens einer überlebt.“
Idioten. Den einen Überlebenden würden die Wesen liebend gerne laufen lassen, dafür dass sie leichtes Spiel mit den Rest hatten. Sollte er es dokumentieren? Er war Fotograf. Dann merkte er, dass der Hieb seine Kamera zerstört hatte.
Plötzlich fiel ein schwarzer Schatten mitten in die Traube. Schreiend spritzten sie auseinander. Hätten sie zusammengehalten, wäre das Wesen nicht annähernd so effizient mit den Töten. Zum Beispiel hätte es ausgereicht ihm die Arme festzuhalten und schon wäre es besiegbar gewesen. Warum dachte er nur, warum handelte er nicht? Wie gerne wäre er eines der Wesen. Wie eins der süßen Tier wollte er leben, nicht wie ein Sklave, ein Mensch. Er legte seine kaputte Kamera an den Boden, streckte seinen Rücken, holte einen Kugelschreiber hervor – seine Waffe. Dann fand er auf den Boden ein herumliegendes Taschenmesser – noch besser! Er rannte vorsichtig auf das Wesen zu. Es wollte gerade eine Frau mit seinen Krallen aufspießen als er es mit einen Stein bewarf.
„Komm her. Finde deinen Meister!“, schrie er es an. Das Monster raste auf ihn zu wie ein Stier, er sprang zur Seite, holte aus und traf es an der Kehle. Das Messer hinterließ eine rötliche Spur, dann klappte es ein, direkt auf seine Finger. Kaniban schrie vor Schmerzen auf, während das Vieh verdutzt seine Kehle betastete. Na warte! Dann eben der Kugelschreiber. Er zielte aufs Auge, doch das Biest hielt nicht still. So traf er es im katzenartigen Ohr. Das Wesen brüllte vor Schmerz.
Nun Schlag zwei, auch diesmal verfehlte er das Auge aufgrund einer Bewegung und traf stattdessen die Nase. Warum auch nicht? Hauptsache das Vieh litt. Plötzlich raubte ihm ein Hieb den Atem.
„Gut gekämpft.“, hörte er das Wesen sagen, dann ein Schlag auf seine Schläfe.

Es war höllisch kalt und wo war seine Kleidung? Er stand gegen den Widerstand von sackähnlichen Gegenständen auf und fand sich in einer Kühlkammer wieder. Man hatte die Menschen einfach nackt auf einen Haufen gestapelt – dabei hatte er das Glück einer der Untersten zu sein, die Oberen waren längst erfroren. Es gab auch noch andere Überlebende, aber jene waren zu verängstigt, als das sie nützlich sein könnten. Einige übergaben sich, als er die Knochen aus einer Leiche herausnahm, um daraus eine Waffe zu bauen. Er versteckte sich hinter der Eingangstür und wartete. Nichts. Sein Körper wurde binnen Minuten eiskalt, Durst peinigte ihn, aber keiner trat ein. Er brauchte Kleidung, er brauchte Wasser. Sein Blick fiel auf eine erfrorene Leiche. Warum nicht? Was hatte er noch zu verlieren? Die Würde? Aber hier brachte sie ihm wenig. Erst stach er die Leiche an, trank das Blut, dann schnitt er der Leiche mit seinen Knochenmesser die Haut von den Knochen. Möglichst dick, damit möglichst warm. Es wurde eine schön dicke Hose und ein schöner Mantel. Ein paar Gedärme blieben übrig, wie sollte er beispielsweise eine Niere verwerten? Er drehte sie in seiner Hand. Wie schmeckte die eigentlich? Warum auch nicht? Er biss hinein. Mehr! Ein zweiter, ein dritter Biss, bald war die Niere weg und weitere Organe stillten seinen unersättlichen Hunger.

Es kam ihnen vor wie zwei Tage, es waren alle außer ihm tot, erfroren aus Unvernunft, als endlich jemand sich seinem Gefängnis näherte. Seine Sehnen spannten. Etwas knurrte vor der Tür. Hungrig, nicht wahr? Er auch. Schnell schlich er sich noch näher zur Tür. Sein Angriff musste sitzen. Ein Rad drehte knirschend. Fortunas Schicksalsrad drehte, schneller und schneller. Die massive Metalltür schwang auf, in ihr einige dieser Kreaturen. Er spürte sich abspringen, doch das war nur nebensächlich. Primärziel war die Halsschlagader einer der Kreaturen. Seine spitzen Eckzähne bissen sich tief in die schwache Haut seines Opfers und rissen beim weitersprinten ein beträchtliches Stück heraus. Wie gut, dass er zu den Menschen mit Biss gehörte. Dem zweiten Monster stieß er seine Knochenwaffe direkt ins Herz, wo sie stecken blieb. Drei weitere Monster warteten auf ihre Hinrichtung. Seine Nägel bohrten sich unter die Halsader eines Weiteren und erlaubten ihm diese rauszureißen.
Eine böse Ahnung, Rolle zur Seite, mehrere Hiebe über ihn. Sein Name war Kaniban. Sein Beruf war Fotograf, seine Berufung war tot und kalt.
Schritt nach hinten, Konterangriff mit herausgezogener Knochenwaffe. Nächster tot. Blieb nur noch einer. Er schnellte vor, verbiss sich in seine Lieblingsader, als ein Schlag beide Kontrahenten trennte. Kaniban schlitterte mit einen Fleischfetzen im Mund einige Meter über den Boden und wusste, dass es um den anderen geschehen war.
Sein Blick fiel auf seine Umwelt. Er befand sich in einen technisch aufgerüsteten Grottensystem. Rote Strahler beleuchteten sein ehemaliges Gefängnis. Die Kühlkammer wirkte völlig fehl am Platz, so klein war sie, so groß war die Höhle. Fehlte nur noch ein Ausgang. Doch wo? Seine Augen waren fehl für diese Aufgabe, so blieben nur noch Geruchs- und Hörsinn. Ganz schwach vernahm er das Rattern von fahrenden Zügen. Unter einen Tunnel also. Doch wo ging es nach oben? Er entdeckte einen Treppenvorsprung über sich. Geländerlos führte eine Treppe an der Wand entlang empor. Der Aufgang zu ihr befand sich direkt hinter der einsamen Kühlkammer. Was wenn er erwischt wurde. Er lauschte auf verräterische Geräusche. Außer den monotonen Summen der Kühlaggregate nichts. Ein vorsichtiger Blick zeigte ihm auch keine lebendige Seele. Die Luft war rein, doch wie lange noch? Er raste die Treppe hoch, versteckte sich in Gang und lauschte. Nichts. Der Gang endete an einer großen, schwarzen Stahltür, die wohl Neugierige abhalten sollte. Selbst einem äußerst neugierigen Bahnarbeiter wäre der Aufwand zu groß die Tür aufzubrechen. Dann entdeckte er eine Klinke, vorsichtig drückte er sie. Die Tür schwang quietschend auf. Tausende Augenpaare starrten auf ihn. Eines von ihnen gehörte den Anführer der Wolfsmenschen. Seine majestätische Aura und die vielen Narben brauchten keinen Körperschmuck, um dieses zu beweisen. So eklatant war er noch nie gescheitert. Der Rückweg war auch keine Option. Die Treppe war ein Präsentierteller. Es blieb nur der Weg der Konfrontation. Er betrat mit Würde den Raum. Krachend fiel die Tür ins Schloss. Freudiges Staunen breitete sich aus, der Anführer lächelte: „Na sowas, ein weiterer Teilnehmer. Schau dich ruhig ein bisschen um.“
Kaniban blickte schnell umher. Die Tür hatte auf dieser Seite keine Klinke, aber das war noch nicht das Schlimmste. Er hatte eine Arena betreten. In der Mitte ein Opferaltar auf marmorner Plattform, deren sieben Priester zu den einzigen bekleideten Wolfsmenschen gehörten.
„Verlierer werden geopfert. Bist du bereit?“, fragte der Anführer.
„Noch nicht. Warum bin ich nicht an der Oberfläche? Ich habe Züge gehört.“
„Wir locken unsere menschlichen Kombattanten mit Zuggeräuschen hierher. Jetzt bereit?“
„Noch nicht.“
Die Tribünen waren nicht allzu hoch. Er könnte hineinklettern und von dort fliehen. Aber da waren zu viele dieser Wolfsmenschen. Blieb der Altar. Er könnte die Priester mit in den Tod reißen. Klang gut. Bedächtig schritt er zu ihnen.
„Willst du noch ein Gebet sprechen?“, fragten sie fürsorglich. Ihre Kehlen waren ausgemacht, seine Zähne beißbereit, ja seine Waffe bereit in der Hand. Er schnellte vor, flog durch eine unsichtbare Macht einige Meter zurück. Die Zuschauer johlten vor Schadenfreude. Selbst die Priester grinsten.
„Meinst du, du bist der Erste?“, fragte der Anführer schmunzelnd, „In der Arena kämpfen auch Ungeheuer, die sich nicht an die Regeln halten. Nun bereit für die Säbelzahntiger?“
Er nickte beklommen. Ein Tor wurde scheppernd aufgezogen, in ihm zwei der uralten Schönheiten. Sie bäumten sich triumphierend auf, knurrten vor Hunger, am liebsten hätte er ihnen einen Wolfsmenschen zum essen gegeben, aber nun musste er sie umbringen. Die Viecher wichen seinen Blick, schlenderten als wären sie nicht an ihn interessiert. Ihr prüfender Blick verriet, ihre Absicht von hinten zu kommen. Warum nicht mal deren Wunsch nachkommen? Er drehte sich zur Tür. Kein einziges Geräusch kam von seinen Gegnern. Das war unmöglich! Schnell drehte er sich zurück. Die Wildkatzen, nur noch einige Meter von ihm entfernt, zuckten zusammen. Verdammte Schleicher! Wollten ihm von hinten die Kehle durchbeißen. Er würde das gleiche mit ihnen von vorne machen. Langsam näherte er sich ihnen. Sie wichen weder seinen Blick, noch seinen Schritten. Angst überkam ihn. Nur noch ein Meter, sie schnellten vor. Geistesgegenwärtig konnte er eine der Großkatzen wegkicken, doch die andere schaffte es in seinem Bein zu beißen. Mistvieh! Er setzte sich auf dessen Kopf. Es knackte, doch das Mistvieh wollte einfach nicht den Geist aufgeben. Plötzlich war der zweite Säbelzahntiger verschwunden. Verzweifelt schlug er den Kopf seines Angreifers immer wieder auf den Boden, doch der schmerzhafte Biss wollte sich einfach nicht lockern. Der zweite Säbelzahntiger musste ganz nah sein. Wahrscheinlich die Kehle als Ziel. Und dann kam er. Wie ein Schatten. Kaniban drehte seinen Oberkörper, packte den Kopf der prächtigen Katze, um ihn in den Staub zu schmettern. Anschließend warf er sich auf beide. Ok, er hatte sie nun. Wie sollte er sie jetzt umbringen? Applaus brandete auf. Die Priester kamen und nahmen sie ihn ab wie Kletten. Ein Zauberspruch, sein Bein verheilte. Seine Widersacher wurden auf den Opferaltar getragen, wo sie vergeblich sich gegen die Priester auflehnen versuchten. Ihr Leben endete mit einen Messer im Herzen. Ein Todesgurgeln, bläuliche Energien stiegen auf gen steinernen Himmel, wo sich, wie er bemerkte, ein tiefblauer Edelstein befand. Der Körper hingegen wurde ins Publikum geworfen, wo er binnen Sekunden gefressen wurde.
„Den nächsten Gegner bestimme ich.“, verkündete er der tobenden Menge. Er deutete auf den Anführer. Die gute Stimmung verebbte sofort.
„Willst du wirklich? Weißt du wie viele das vor dir versucht haben? Versaue bitte uns nicht den schönen Abend.“, antwortete der Geforderte.
„Dann eben…“, er deutete wild in die Masse, „irgendwer von euch. Wisst ihr? Ihr seid einfach zu killen. Ich entfloh eurer Kühlkammer nicht ohne Leichen zu schaffen.“
Sofort bildete sich eine Schlange von Kämpfern, der Erste sprang in die Arena. Es war ein eher kleinerer Wolfsmensch.
„Dein Gegner ist ungefähr 16 Jahre alt, etwa auf deiner Stufe. Bereit?“, fragte der Anführer.
„Ja.“
Sie stürmten aufeinander zu, wollten beide die Halsschlagader treffen und trafen mit einen hässlichen Knirschen aufeinander. Kaniban sprang kampfbereit auf, sein Gegner blieb reglos liegen. Applaus. Er schaute den Priestern beim Aufsammeln seines Gegners zu. Es war zu einfach gewesen. Er drehte sich zur Menge. Es begann langsam Spaß zu machen. Er musste gähnen. Schön aber anstrengend. Plötzlich tippte ihm etwas auf die Schulter. Der Jugendliche stand neben zwei toten Priestern.
„Offene Rechnung, verstehst du? Weiter geht’s.“
Der Wolfsmensch kämpfte nicht mehr so ungeschickt wie am Anfang. Gut durchdachte Schlagabfolgen setzen ihm zu. Kratzer zierten seine Brust, sein Gesicht. Er war ständig am zurückweichen. Seine Waffe hatte er beim Angriff der Säbelzahntiger verloren. Wie er sie vermissten, denn Fingernägel konnten sich nicht mit Krallen messen. Dann Ruhe. Irgendwo musste der Gegner eine Schwachstelle haben. Wie hatte er nochmal die Gegner vor der Kühlkammer getötet?
„Kurze Pause bitte. Ich habe schon mehrere Kämpfe hinter mir.“, bat er.
Zu seinem Erstaunen erfüllte man seinen Wunsch. Man gab ihm sogar ein eigenartiges Blutgetränk zum Schlürfen. Sofort fand er seine Kräfte wieder. Wie ein Tier musste er kämpfen. Bilder von einen Katzenmenschen gingen durch seinen Kopf. In Angedenken der Säbeltiger, würde er wie seine Feinde besiegen.
„Bereit?“, fragte er. Sein Gegner nickte. Das Spiel machte jetzt richtigen Spaß. Wie ein Flummi hüpfte er durch die Attacken seines Gegners, ohne aber selbst einen Treffer landen können. Dann sah er die Schwachstelle: Die ständig umherflitzenden Arme. Er duckte sich unter eine Attacke, schnappte mit beiden Händen eine der Hände. Die Krallen standen schön nach vorne, schnell bog er sie nach hinten. Es knackte hässlich als sie brachen, dann hatte er sie in der Hand. Sein Gegner betrachtete verwundert und tränend seine blutende Hand, während er einen Schritt an Distanz gewann. Fehler, warum sollte er denn stoppen? Der Angriff überraschte seinen Feind, ja selbst die Exekution konnte er selbst durchführen, einen Biss in die Kehle.
Der Applaus hielt sich diesmal in Grenzen. Kein Wunder bei den Verlusten. Die Tür, aus welcher er kam, öffnete sich. In ihr, seine Liebe unter den Wolfsmenschen. Sie winkte ihm freudig. Jetzt verstand er. Alles hing von Kampftalent ab. Warum auch nicht? Eine Pause täte ihm gut.

Nahezu jeder Knochen schmerzte als er die Arena betrat. Er hatte Wolfmenschen völlig unterschätzt. Wie sie ihm im Bett durchgewalkt hat, außerdem traf ihm der Schwanz eines frei herumlaufenden Drachen. Warum war er nicht geflohen? Ruhm und Ehre als Fotograf waren für ihn unmöglich. Die Menschen interessierten sich mehr für Lebendiges. Er hätte Filme drehen sollen. Nun aber blieb nur der Kampf. Wen nun? Er ließ sich überraschen. Das Tor ging auf. Ein Drache, doppelt so groß wie er, watschelte in aufrechten Gang heraus. Eiserne Klauen waren an Flügel und Füßen befestigt. Fast süß. Aber man durfte seine Gegner nicht unterschätzen. Vorsichtig musterte er die gebogenen Krallen des Untiers. Wie diese durch die Holzspäne wühlten. Verdammt Holzspäne!
„Bereit?“
Er nickte. Sofort spie der Drache Feuer auf ihn. Er wich aus, doch das Holz am Boden entzündete sich. Verzweifelt versuchte er einen holzfreien Raum zu schaffen, doch die andauernden Angriffe des Drachen zwangen ihn immer wieder auf den brennenden Boden zurück. Es reichte! Der Drachen würde bezahlen. Ungeachtet des Schmerzes rannte über die rauchigen Feuerfelder zum Drachen. Seitenstechen, Keuchen. Verdammtes Feuer, verdammter Rauch! Der Drache entpuppte sich als Rauchklon von jenen. Genarrt, auch noch das. Wo ging es zurück zu seiner feuerfreien Zone? Jetzt auch noch die Orientierung. Plötzlich regnete es Wasser. Zischend erlosch das Feuer mit heftigen Rauchschwaden. Auch diese wurden wie durch Zauberhand entfernt.
„Ich hoffe jeder ist mit meiner Entscheidung einverstanden.“, verkündete der Anführer, „Irgendein Trottel hat Drachen und Holzspäne gemischt.“
Der Drachen hingegen hockte wie ein begossener Pudel auf der anderen Seite der Arena. Na warte! Kaniban sprintete nun problemlos zum Drachen, doch dieser flog einfach empor in die Luft. Er schwor sich nie wieder gegen Drachen zu kämpfen. Die Sache stank zum Himmel. Wuusch. Gerade noch schaffte er es den Drachenfeuer von oben auszuweichen. Wenigstens entzündete sich der Boden nicht mehr, dafür war sein Gegner für ihn unantastbar. Gab es keine Möglichkeit ihn runterzuholen? Ärger stieg in ihm auf.
„Was soll das?“, schrie er ins Publikum, „Ich kann ihn ja nicht einmal berühren.“
„Warte. Runter kommen sie immer.“
Aber derweil müsste er tanzen. Feuerfontäne links, rechts, Krallenhiebe, die ihn köpfen würden. Schweiß brach aus ihm aus. Wies sollte er diesen Kampf überleben? Wenn der Drache runterkam, wäre er zu sehr geschwächt. Dieses Getränk…, doch auch der Drache würde sich erholen dürfen. Etwas blinkte weißlich vor ihm. Seine Waffe. Na warte Drache! Eine Rolle unter dessen Krallenhieb, ein schneller Sprint, schon war er bewaffnet. Fernkampf konnte er nun auch. Eine seltsame Ruhe überkam ihn, als er auf das Herz zielte, seine Waffe warf. Wie ein Pfeil durchpflügte sie die Luft, um an den Schuppen abzuprallen, wenigsten fiel sie ihm direkt zu Füßen. Aber irgendwo musste der Drache eine Schwachstelle haben. Die Flügel sahen vielversprechend aus. Nur dünne, schuppenbedeckte Haut.
Diesmal durchbohrte das Geschoss die Haut, der Drache taumelte blutend in der Luft, bevor er sich mit einen gewaltigen letzten Satz seiner Flügel aus der Luft neben ihm katapultierte. Die Pulsader pulsierte kräftig. Er biss hinein und traf auf schmerzenden Stein. Wieso musste der Drache auch dort so starke Schuppen haben?
Auf einmal befand er sich in der Flügelklaue des Drachen. Langsam und gemächlich, Schritt für Schritt watschelte der Drache auf den Opferaltar zu. Er versuchte an die Waffe in den Flügel ranzukommen, doch der Drache achtete bedacht darauf, ihn mehrere Meter vom Körper und den verletzten Flügel, entfernt zu halten, schließlich hatte dieser einen riesigen Schwanz zum Ausbalancieren. Sanft wurde er auf den Opferaltar absetzt, vom den seine Füße nicht entkommen vermochten. Magische Fußfesseln.
„Löst die Fußfesseln, ich will weiterkämpfen.“, keuchte Kaniban.
„Geht nicht. Zauber deines Gegners. Das musst du schon selbst, aber versprich dir keinen Erfolg, du der keine Magie beherrscht.“, die Priester zuckten mit der Schulter.
Warum war er nicht geflohen, als es noch nicht zu spät war? Warum musste er weiterkämpfen? Kein Gott der Welt hatte es ihm befohlen.
Ein letztes Aufbegehren startete er noch:
„Das ist unfair! Wie soll jemand einen Drachen besiegen?“
Der Anführer grinste, sprang in den Ring. Sofort erzitterte der Drache, dem nun das Ende schlug. Binnen Sekunden hatte sich der Anführer auf den Drachen aufgeschwungen, weitere Sekunden später war der Drache blind, die Flügel gebrochen, der Kehlkopf zerstört. Nicht einmal ein Flämmchen konnte der Drache mehr schießen.
„Es geht noch schneller mit Magie. Aber die beherrscht du nicht.“, verkündete der Anführer stolz.
„Leg dich hin.“, forderten die Priester.
„Lasst mich noch ein letztes Gebet sprechen.“
Wieder wurde sein Wunsch akzeptiert. Er sah vor seinen inneren Auge, wilde Säbeltiger streifen, ja die Welt der Dinosaurier.
Weiter ging es zu dem was er als Wolfsmenschen kannte. Es waren Anhänger eines Blutkults, welcher Wölfe anbetete. Der Grund warum er alles sah, war, dass der Altar das Wissen aller seiner Opfer gespeichert hatte. Vorsichtig dachte er an Katzenmenschen – Wendigos. Eine Möglichkeit einer zu werden hatte er schon erfüllt, er hatte Menschen und Wolfmenschen gefressen. Er fasste auf sein Herz, es pochte wild. Schade, hatte nicht funktioniert. Es blieb noch die Möglichkeit des Traumes einer zu werden, doch sein inneres Auge sperrte. Schweiß lief ihm die Stirn hinab Zeit für das Gebet:
„Oh Herr der Finsternis
Oh Herr von Feuer und Eis
Erkalte mein Herz
dein Reich soll es schlagen
dein Recht soll es verkünden“
Sein Herz schlug immer noch. Langsamer, aber es schlug. Sein Blick wanderte hoch zum Edelstein über seinen Kopf. Er lief spitz zu, die Spitze war direkt auf den Altar gerichtet. Es musste das Zentrum der Macht sein. Vielleicht konnte er fliehen. Verzweifelt riss er an seiner Fußfessel, doch sie war unbarmherzig, wie elastischer Kleber. Warum hatte der Drache jenes nicht in der Arena eingesetzt? Sein Blick fiel auf die Späne. Er konnte nicht.
„Endlich bereit?“, fragte ein Priester genervt.
„Ja.“, antwortete er trocken. Was machte sein Tod noch für einen Unterschied? Er gehörte weder hierher noch zurück in die Menschenwelt. Sein Herz war gespalten. Er legte sich aufs Altar, einer der Priester hob den Dolch. Todesangst durchfuhr ihn.
„Moment.“
Er schloss die Augen, versuchte seine Angst zu bekämpfen. Ein Windhauch des herabfahrenden Dolchs streifte seine Seele, Panikschweiß brach aus. Etwas berührte seine Brust. Es war geschehen. Klink. Der Dolch war durch seine Brust, doch komischerweise verspürte er keinen Schmerz. Klink. Wieder berührte etwas seine Brust, nein sogar sein Herz. Und warum war sein Schweiß so kalt und zugleich so heiß?
Er öffnete seine Augen, sah in die Verängstigten der Priester. Roter Feuerschein spiegelte sich in ihnen, als würden seine Augen brennen.
Vorsichtig näherte er einen Finger seinem Auge, näher, näher. Eigentlich müsste er es jetzt berühren können, doch noch weiter konnte er den Finger reinstecken ohne auf irgendetwas zu treffen, stattdessen sah er das Innere des Fingers. Nett. Seine Kräfte mussten getestet werden. Zuerst einmal der Drachenzauber – ein Wisch und er war weg, dann die Priester, ein härteres Kaliber. Ihre gebündelten Zauberkünste waren nahezu dem seinen ebenbürdig, so musste er mogeln. Er nutzte die Macht des Kristalles für eine derartig heftigen Vampirismuszauber, dass die Körper der Priester sofort zu Staub zerfielen. Gestohlene Lebens- und Zauberkraft durchflutete seinen durstigen Körper. Macht! Nun brauchte er nur noch einen Zaubergehilfen. Sein Blick fiel auf den Drachen. Mächtig und elegant. Kalt und zugleich warm. Ein Freund der Magie. Er hatte sich entschieden. Seine Zauber brachen die Barriere in tausend Eisplitter, die ihn in Form einer schwebenden Kugel verfolgten. Ein weiterer Zauber heilte den Drachen, bevor er ihn: „Willst du mein Partner sein?“, fragte und ihm vorsichtig die Hand hinstreckte. Der Drache öffnete sein Maul, doch statt Zähne oder ein Flämmchen kam eine raue Zunge, die ihm seine Hand leckte. Plötzlich blieben seine Fingernägel hängen. Ein Ruck, ein Schmerz, sie waren draußen. Unter ihnen herrliche Tigerkrallen.
„Danke.“
Kaniban riss sich die Nägel seiner zweiten Hand aus, bevor er sie an den Anführer testete. Tiefe Furchen rissen sie, perfekt.
„Du willst kämpfen?“, staunte der Anführer.
„Ja, such dir einen Gefährten. Wir werden im Team kämpfen.“
„Nein Einzelkampf. So sind die Regeln.“
Das war seine Schwäche, bemerkte Kaniban. Mochte sein, dass er alleine stark war, aber der Anführer war eben kein guter Teamspieler.
„Na gut mein Drache kämpft. Moment.“
Er verzauberte seinen Drachen. Zauber eins erhöhte die Geschwindigkeit, Zauber zwei die Stärke und Zauber drei verlieh den Drachen die Reibung von Eis.
„Los geht’s. Bereit?“, fragte er den Anführer und verschwand von der Arena auf die Marmorplattform. Eigentlich ging da noch mehr. Das nasse Holz gab das Wasser ab, welches er zu ewigen Eis gefrieren ließ.
Der Anführer nickte grinsend. Sofort schoss eine bläuliche Stichflamme aus dem Rachen seines Drachen. Rauschen eines Bunsenbrenners erfüllte den Raum. Der Anführer wäre bei einen Treffer sofort tot gewesen, doch zum Glück wich er aus. Das machte die Sache noch lustiger. Die trockene Holzspäne entzündete sich sofort, die Asche des vorherigen Feuers wirkte als Brandbeschleuniger. Binnen Sekunden stand die Arena in rauschenden Flammen. Ein Zauber des Anführers ließ die brennenden Scheite auffliegen und als glühende Geschosse gegen ihn fliegen. Er wehrte mit seinen Eisplittern ab und lachte sein knöchernes Lachen. Was für ein Idiot, musste jetzt tanzen gehen. Doch soweit kam es nicht. Der Anführer schlitterte grinsend an ihm vorbei. Ein Windzauber trieb ihn Kurs Drache an, sprang auf ihn. Oh das konnte lustig werden. Das Publikum musste lachen als der Anführer abrutschte und mit verdatterten Gesichtsausdruck auf den Boden plumpste. Und dann traf ihn eine Klaue des Drachen. Bis ans andere Ende der Arena flog er, knallte mit den Kopf gegen die Wand. Das Lächeln war ihm vergangen. Ihre Augen trafen sich. Blanker Hass, erkannte Kaniban. Und so war es nicht überraschend, als der Anführer hinter ihm erschien und ihn angriff. Er, der Hexer, sollte sterben, damit die Zauber einfacher beziehungsweise überhaupt von den Schwächling gebrochen werden konnten. Nicht mit ihm. Er hatte sie nun beide herausgefordert.
Lächelnd parierte Kaniban die Schläge seines Angreifers. Endlich hatte er die Kraft dazu. Dann schnappte er sich beide Arme, hielt den Angreifer fest und brüllte: „Feuer!“
Alles wurde blau, alles wurde heiß, nach einigen Sekunden endete die Flamme. In seinen Armen, der Anführer tot, verkohlt bis auf die Knochen.
Das Publikum schwieg ehrfurchtsvoll geschockt. Kaniban musste zugeben, das zwei gegen eins war ein bisschen unfair gewesen, der Angriff gegen ihn Hexer allerdings auch. Nach den Regeln der Wolfkultisten wäre er nun ihr Anführer, doch dieses Angebot würde er ausschlagen, so verlockend es war. Sein Drache wollte Freiheit, spürte er und die würde er ihm schenken. „Brenn uns ein Loch.“, befahl er seinen Drachen gedanklich. Dieser hob nickend den Kopf. Die Decke glühte in der Stichflamme seines Drachen, heiße Lava tropfte auf die Zuschauer, welche sich schreiend mit Zaubern schützten, jeder für sich, die Schwachen sollten untergehen.
„Armselig. Habt ihr nicht die Konsequenzen eures Systems durchdacht? Ein System in dem Schwache eliminiert wird, ist selbst schwach, da es unlebenswerte Schwachheit gebiert.“
Vollmondschein fiel ein.
„Lebt wohl.“, er schwang sich auf seinen Drachen, dessen mächtige Schwingen die Haare der Wolfsmenschen flattern ließen. Langsam hoben sie von der Erde ab, immer schneller, doch wacklig. Der Drache hatte nie gelernt jemanden zu fliegen. Allerdings lernte er schnell. Als sie das Loch erreichten, war sein Flug nicht mehr zittrig.
Ein Ruck, des Drachens Schwinge war gegen einen Felsen geknallt.
„Brauchst du Hilfe?“, fragte Kaniban vorsichtig.
„Nein.“, der Drache war beschämt. Ehrgeizig schlugen seine Flügel, gaben ihnen einen mächtigen Schub hinaus in die Freiheit. Eine Gruppe Menschen standen am Krater in der Straße und schauten ehrfürchtig zu. Bis einige Polizisten sie zwei anschnauzten: „Was glauben Sie was Sie hier machen? Zerstören fremdes Eigentum und behindern den Verkehr.“
Wie engstirnig, wie primitiv. Da waren selbst die Wolfsmenschen noch weiter.
„Wir wollten in die Freiheit entfliehen. Streiten Sie sich bitte mit den Wolfsmenschen da unten.“, und sie flogen weiter in die Höhe. Einfach nicht ärgern, einfach nicht aufregen. Bald küssten niedrige Wolken ihre Gesichter. Endlich Freiheit. Sie stiegen weiter. Immer dichter wurden die Wolken. Wie dichte Waschlappen leckten sie ihre Gesichter, dann Sonne sie waren durch. Über den Wolken schien die Freiheit grenzenlos zu sein. Bis ein fauchendes Geräusch ihre Zweisamkeit störte.
Ein Kampfgeschwader nahm Kurs auf sie. Oder taten diese das wirklich? Was hatten sie den verbrochen, außer kein Mensch zu sein. Mal sehen was die Piloten einander zu sagen hatten. Ein einfacher Zauber erlaubte es ihm mitzuhören.
„Ziel in Sicht. Lasst sie nicht über ausländischen Luftraum! Sie sind zu wertvoll, um mit der Welt geteilt zu werden.“, befahl eine Bodenstation.
„UFO-Fangroutine, z10-2 ausführen.“
Weitere Flugzeuge erschienen, diesmal von vorne. Es reichte!
Er ließ die Triebwerke vereisen. Die Flugzeuge stürzten wie untergehende Schiffe. Den Bug voraus ins kalte tosende Meer. Die Piloten retteten sich mit Fallschirmen, doch wie lange? Sein Drache fraß eines der segelnden Wesen, er hingegen entflammte den Rest. Fallschirm futsch, Ersatzschirm futsch, die Gesichter vor Schmerzen verzerrt.
Wamms. Der Fallschirm des Opfers seines Drachen schlug ihm ins Gesicht, bevor er weiter gen Boden flatterte. Endlich Freiheit, endlich Ruhe.

Wie viele Menschen hatten es schon vor ihr versucht? Oder hatten das Pech der beiden Jagdzügen zum Opfer zu fallen? Sie konnte die unzähligen, abgenagten Skelette nicht mehr zählen. Zum Glück war sie weder Mensch noch bewaffnet, wenn man von ihren Krallen absah. Mit diesen hatte sie den großen Zauberer Kaniban vor seiner Verwandlung massiert. Gerne hätte sie ihn als Liebhaber behalten, doch er bevorzugte nun seinen Drachen Morgenglanz. Vielleicht würde er von seinen Labor auf den Zauberberg herabsteigen und sich für ihre Seite entscheiden. Er musste, schließlich hatte er den Krieg provoziert. Er hatte ihren Kult den Menschen offenbart. Zunächst verlief alles friedlich, sogar friedlicher als zuvor. Nicht mehr Verlierer, sondern Verbrecher wurden geopfert. Verbrecher beider Seite, die Menschen lieferten den Großteil.
Dann eskalierten ihre Wertevorstellungen. Der Staat wollte sein Recht bei ihnen durchsetzen, sie dagegen unabhängig bleiben.
Zunächst sollte ihr neuer Anführer gegen deren antreten – Hinrichtung. Tausende Soldaten gegen ihn, deren Anführer nicht einmal anwesend. Feige Schweine! Immerhin starben drei Soldaten.
Dann der dritte Anführer in einen Jahr. Krieg war sein Verlangen, wie das seines Volkes. Hatten sie zuvor ohne Waffe gekämpft so kämpften sie nun mit Verzauberten. Verstaubte Kampfzauber wurden dem Wissenskristall und den Bibliotheken entlockt, doch auch ihre Gegner waren zäh. Atomraketen, mechanische Soldaten, Fluggeräte und Verstärkung durch nahezu dem Rest der Welt. Nur einige kleine Länder der Menschen nahmen nicht an den Weltkrieg teil.
Eine mächtige Burg aus Eis türmte sich aus den Schneesturm vor ihr auf. Aus einem der Schornsteine schoss grüner Rauch – das Labor. Was für eine Verschwendung. So wenige der Räume wurden benutzt. Ein kleiner Weg führte zu einen mächtigen Tor, der einzige Zugang zur Festung.
Vorsichtig klopfte sie mit den eiskalten Türklopfer in Form eines Drachenkopfes ans Tor. Ein klirrender Donnerhall antwortete ihr. Was für mächtige Magie.
„Schön dich zu sehen. Was willst du?“
Ein schwebendes Auge mit Kanibans Stimme begutachtete sie. Seine Worte gaben ihr Hoffnung, die Hoffnung, dass ihre Liebe nicht tot war, nur eingefroren.
„Deine Hilfe. Ich geb dir alles.“
„Um was geht es? Ach, lass mich raten: ich soll die Menschen für euch vernichten.“
„Richtig.“
„Und für was? Für Mord und Totschlag. Verschwinde!“
„Die Arenen sind alternativlos. Wir sind unsterblich, wir müssen sterben, aber ich will nicht. Bitte hat dir den das Kämpfen kein Spaß gemacht?“
Kanibans Ton wurde versöhnlicher: „Es ist falsch. Und wir haben eine Wahl.“
Er hatte das Desaster zu verantworten und nun tötete er sie durch Egoismus.
„Weißt du den Grund für den Krieg zwischen uns und den Menschen?“, ihre Stimme überschlug sich vor Wut, „Du hast unsere Welt dem Feinde geöffnet, du hast die Menschenleben auf deinem Gewissen.“
„Möge dir mein Segen genügen.“
Ihr Leben war am Verwirken.
„Bitte. Ich sterbe. Ich habe einen…“
Sie wachte auf den Opferaltar auf.
„Dein Deal hat nicht funktioniert.“, einer der Priester zückte seine Augenbraue, der Anführer den Dolch, das ihr Herz durchbohren würde.
„Weiter!“, forderte sie erstarkt. Sie sprang auf, mitten in den herabfahrenen, gestoppten Dolch. Tief bohrte er sich in ihr Herz.
„Entschuldigung.“, murmelte der Anführer. So starb sie nun. Durch einen Unfall. Schade, dass sie nicht noch eine Nacht mit Kaniban verbringen konnte, stattdessen mit den Rücken auf den Altar niederlag. Schwach, sie war schwach.
„Ich lass dich nicht leiden.“, sagte jemand.
Das Messer durchdrang erneut ihr Herz. Der letzte Blick auf den Kristall an der Decke wurde trübe. Dann stieg ihre Seele empor ins wutverzerrte Gesicht von Kaniban.

Der Schrei war so markerschütternd, dass Menschen, wie Wolfsmenschen die Waffen fallen ließen. Alle magischen Barrieren wurden durch eine sanfte, kalte Druckwelle weggefegt, alle Zauber verpufften im Wind. Dann ertönte der Himmel in feuerfarbenen Wogen. Ein Drache und sein zürnender Reiter brausten über das Schlachtfeld nahe dem Zauberberg, einen schneeumstürmten Gletscher inmitten der gemäßigten Breiten, während brennende Flugzeuge wie Steine abschmierten.
Und dann traf der wütende Gott mit seines Drachen Feuer die Armeen. Nicht allzu stark, denn sie sollten leiden. Besonders in Fahrzeugen versteckte Menschen traf es hart, Plastik schmolz, um sich mit der brandblasenüberdeckten Haut zu verbinden. Und wieder fuhr er hinab um zu garen. Die Schreie wurden Musik des Teufels, während jener die Erdplatten unter den Armeen in Flammensäulen aufzureißen schien. Lebewesen, die von den Flammen getroffen wurden, waren sofort Asche.

Nie würde der Gott den Sündern verzeihen, es sei den Osiris würde wiedergeboren. Die wölfischen Zuschauer legten vorsichtig den zerstörten Leib zusammen, einer spuckte das fehlende Auge aus, und schauten ängstlich empor zum Loch im Dach der Arena. Sie beteten sogar Kaniban an, bauten ihre stärksten Zauberbarrieren auf. Doch das alles nützte ihnen nichts. Der anbrausende Gott sprang vom Drachen, vereinigte sich unter einen unendlich hellen Lichtblitz mit der Leiche. Die Zuschauer der Liebenden wurden eiskalter Staub, welche noch im Zerfall, die unvergängliche Schönheit der Beiden bewunderten, dann verwirbelten die machtvollen Schlägen der Drachenflügel sie. Vom Auge des sterbenden dritten Anführers sprang noch eine Träne.

Triumphierendes Feuer eines zweiten Drachen wendete die Schlacht. Panzer schmolzen wie Butter, Schreie gellten von den Insassen als flüssiges Metall ihre geschundenen Körper peinigte. Nicht viele starben deshalb, doch die Menschen außerhalb eines Schutzes hatten es dreckiger, wenn auch kürzer. Ihre Haut löste sich wabelnd unter der Hitze, ihre Augen platzten und Schmerzen überall selbst im Körper. Die nächste Sekunde waren sie tot. Der Drache setzte erneut zum Angriff an, so schnell sie konnten, rannten Menschen gen Heimat. Formationen wurden aufgelöst, Waffen und Ausrüstung liegen gelassen. Der Drache ließ ab, überließ es den Wolfsmenschenhorden, welche mit triumphierenden Gebrüll den fliehenden menschlichen Soldaten folgten. Wie Schafe wurde ein Soldat nach den anderen gerissen, bis die Armee stark dezimiert die Schwelle einer Stadt betrat. Der eine Drachenreiter verkrampfte sich vor Anstrengung, als er den Boden aufbrechen ließ und glühende Lavafontänen die Stadt verschlangen. Da ergaben sich die Soldaten der Gnade der Wölfe.

Wolosira zufolge, zerteilte Kanibans Herz sich aus Liebe, um sie, seine Freundin, wiederzubeleben. Sie war der einzige Kontakt zu Kaniban und selbst eine imposante Erscheinung, die selbst den neuen Anführer im Schatten stellte. Deswegen widmeten die Wolfsmenschen ihnen zwei riesige Statue, die binnen Stunden mit Hilfe von Menschensklaven errichtet wurden. Menschensklaven gab es zu Haufen, denn viele Menschen liefen über, um den Tod zu entgehen. Entweder kämpften sie anschließend in der Arena und wurden – wenn sie überlebten – vollwertige Mitglieder, was hauptsächlich Soldaten versuchten oder verkrümelten sich in die Sklaverei, den Weg der Masse.
Sklaven konnten sich nicht vor den Krieg drücken. Sie mussten Latrinen reinigen, magische Barrieren aufbauen. Es gab nicht wenige, die ihre Entscheidung überdachten und als vollwertige Mitglieder zurück in die Schlacht rannten. Verluste gab es kaum, denn die Front der Feinde war gebrochen. Nur einige Amateure versuchten sie in die Luft jagen und wurden dafür von den übergelaufenen Soldaten auf magischen Feuern gegrillt. Bald besaßen sie den ganzen Kontinent, den Rest der Welt konnten die Menschen ihretwegen behalten. Statt Menschen wurden nun Schafe gezüchtet und gefressen, die Wildnis von ihnen und ihren Zoo besiedelt. Es war genug für alle da, selbst für gefräßige Drachen.
Doch es gab keinen Frieden. Permanent wurden Dronen und Atomraketen geschickt, die mit Höllenlärm an den magischen Barrieren abprallten.

Kaniban schritt gemächlich durch seine Festung. Überall auf den Gängen begegneten ihn Früchte seiner Forschung. Was für ein Jammer, wenn diese Unikate bleiben würden. Eine Atomrakete explodierte lautstark am magischen Schild über ihm. Wolosira hatte Recht. Er musste zurückkehren. Weltfern zu leben brachte nichts. Aber warum? Die Menschen waren zwar Bestien, aber sie hatten ihm nichts getan. Außerdem schmeckten sie zu gut, als dass er sie auslöschen würde. Für eine Ausrottung würde ihre ausgearteten Gesetze sprechen. Statt Vernunft Gesetz, was Freibrief für alle möglichen Untaten war. Ein dumpfer Knall erklang von einer kollidierten Drone. So wie hier. Alle Menschchen hielten sich brav an die Regeln der Oberen. Doch wollten sie wirklich den Schrecken des Krieges? Bei seinen Raubzügen auf benachbarte Kontinente hatte er nicht das Gefühl gehabt. Wie sie schrien, wie sie abstritten was mit den Krieg zu tun zu haben. Pech, dass er und Morgenglanz nur hungrig waren.
Etwas erwachte in ihm, ein nie gekanntes Gefühl von Hass. Sein stummes Eisherz begann zu vibririeren, seine Augen verengten sich zu Schlitzen. Plötzlich gaben seine Beine nach bevor eine ungekannte Macht die Kontrolle darüber übernahm.
Sein Körper marschierte, obwohl er versuchte den Wahnsinn zu stoppen. Der Wahnsinn breitete sich rasend aus. Konnte er noch seine Arme zum Festhalten benutzen, entglitten sie seiner Kontrolle. Sein Mund wollte schreien, doch rief nur nach Wolosira. Was wenn das Monster in ihm sie ermordete? Die Realität entglitt.

Er fand sich in einer längst vergessenen Erinnerung wieder. Es war ein schöner Tag auf dem Heimweg von der Schule. Schwarze Fetzen von Angst wirbelten in seinem Kopf. Er hatte versagt. Seine Noten waren nicht gut genug. Außerdem hielten die anderen Schüler ihn für ein Spinner. Er drehte sich mit seiner Kamera zu der Schule um und knipste ein Foto, dass er später nachbearbeiten würde. Weiter ging sein Weg durch die glücklich schwatzenden Menschenmassen eines Gehwegs. Wie seine Mitmenschen sich amüsierten. Dann tauchte er aus und war alleine. Ein weiteres Foto.
Zuhause schaltete er seinen Computer an und lud die Fotos hinauf.
Das Bild von der Schule wurde schwarz-weiß. Es sah so gut aus, vorallem kamen die fernen düsteren Wolken hinter ihr zur Geltung. Und die Menschenmasse zierte die Schule als Schatten. Er speicherte, schaffte es noch den Computer herunterzufahren, bevor er weinend zusammenbrach. Eine abgefallene Reißzwecke bohrte sich in seine Hand. Er schrie vor Wut auf, riss sie raus und warf sie gegen die Wand, wo sie erstaunlicherweise stecken blieb.
Blut tropfte, er schaute interessiert eine Stunde zu. Anschließend legte er sich ins Bett und schlief. Warum hatte niemand ihn gehört? Sein Schrei war laut gewesen.
Die Wunde wurde zu eine Beule. Es waren die Chemikalien seiner Pinnwand. Doch wo war seine Familie? Niemand bemerkte seine Wunden, alle waren sie zu sehr beschäftigt sich gegenseitig zu unterhalten. Es reichte! Er agierte, anstatt zu reagieren. Er brach in deren Gesprächen ein und wurde verärgert rausgeworfen. Dann ging er zu einen Arzt um sich die Wunde untersuchen zu lassen. Er wurde rausgeworfen. Man wollte seine Eltern sehen, denn ein Zehnjähriger konnte schlecht die hohe Rechnung bezahlen.
So wandte er sich mit der Wunde an Lehrer, doch sie hatten keine Zeit. Zuletzt versuchte er mit seinen Eltern über die Wunde ins Gespräch zu kommen, aber diese wollten schlafen. Frustriert tat er es ihnen gleich.
Seine Wunde war am nächsten Tag verheilt, doch er konnte das Gefühl nicht lassen, dass sie immer noch existierte. Als er von der Schule kam, ergänzte er das Bild um einen roten Ton , bevor er im Sitz einschlief.
Am nächsten Tag hatte er einen Verweis, wegen Amoklaufgefahr. Sein Bruder hatte das Bild heimlich veröffentlicht. Es wäre nicht schlimm gewesen, hätte er wenigstens einen Ansprechpartner gefunden, doch der Verweis war sein einziger Begleiter.
Zuhause lachte ihn sein Bruder aus, das letzte Mal. Ein irrsinniger Hass hatte ihn erpackt, doch er hielt stand und beugte sich der Schmach. Man wollte ihn nur aussortieren, aber würde dem widerstehen. Doch kaum war die Standpauke zu Ende war es, als hätte sich etwas in ihm entzweit.
Seitdem hatte er auch keine Probleme mehr mit Menschen.
Plötzlich befand er sich in seinem verhängnisvollen Bild. Die Schatten schienen zu höhnen, immer größer wurden sie. Und dann sprach eine helle Stimme mit ihm:
„Ich bin das Feuer, dass in deine Seele brennt.“
Das Feuer loderte stärker.
„Und ich dein Eisherz.“, verkündete eine dunkle Stimme
Wolosiras Abbild verabschiedete sich von ihm.
„Habe ich nicht deine Freundin wiederbelebt? Habe ich nicht dein nacktes Leben gerettet? Nun bezahle! Töte sie, die widerlichen Kreaturen, die mich einsperrten!“
„Warum? Sie schmecken lecker. Ich werde ein Teufel tun und Kaviar wie sie für irgendeine Macht auslöschen.“
„Ach komm. Bitte setz‘ ein Zeichen für mich.“
„Na gut. Dann wollen wir mal.“
Kaniban spürte seine Seele sich vereinen. Die Welt wurde in seinen Augen immer klarer.
Er war aus der Reihe getanzt und einen eigenen Willen entwickelt, ein Sakrileg. Das ganze menschliche Gesetzeswerk zielte darauf ab den Einzelnen zu entmündigen. Wozu sonst die vielen Regeln? Alles! Alles sollte gelenkt werden. Wer sich daran nicht hielt, wurde verstoßen. Rache! Selbst sein eigener Körper hatte ihn verdrängt und hatte seine Freunde, die Wolfsmenschen, verraten. Hass überflutete ihn. Schlachtenlärm drang in sein erwachendes Gehirn. Er würde dem Menschenfeind nehmen was ihm zweimal durch ihn geraubt wurde: eine Heimat.

Feuer tanzte um seinem eisigen Körper, in seiner Hand ein flammendes Schwert. Morgenglanz ging in den Sturzflug über.
„Alles ok?“, fragte sein Drache ihn telepathisch.
„Ja, ich bin zurück. Mit voller Macht!“
Feuer schoss aus seinen Mund. Immer schneller raste der Erdboden auf ihn zu.
„Bist du sicher, dass du es mit den Menschen alleine aufnehmen kannst?“
Er blickte sich um. Nur er und sein Drache.
„Ja. Ich werde das Herz der verlogenen Bestien durchbohren. Genieß das Schauspiel Morgenglanz.“
Immer näher kam die Stadt mit den Regierungsgebäude. Die gläserne Kuppel schimmerte wundervoll in der Abenddämmerung, als er absprang und mit blutrot glänzenden Scherben die Kuppel durchstieß. Er landete genau vor den Redner. Kanibans Blicke kreuzten sich kurz mit denen der verängstigten Schlange, dann enthauptete er diese. Die anderen Politiker standen auf und wollten fliehen, doch sein Schwert war unbarmherzig. Selbst aus der großen Distanz zerschnitten seine Hiebe die Politiker. Einer schaffte es tatsächlich die Tür zu durchqueren. Nützt euch nichts, Schlangen! Feuerwogen brachen aus seinen Körper, zischten vernichtend über den Boden. Wie Tiere suchten sie selbstständig ihre Opfer. Er meditierte für den mächtigen Zauber. Die Welt verschwamm in feuerroten Energieströmen, die es nun zu entfesseln galt. Ein kleiner magischer Stoß aus seinen Körper ließ die Luft brennen, ein Weiterer entbändigte das Feuer. Die satten Feuerwogen kehrten zu ihm zurück und gaben ihre Energien an das entfesselte Feuer. Er ward Kern einer rauschenden Feuerexplosion. Der Boden, er löste sich in Dampf und stieg in einer Säule gen Himmel, das hungrige Feuer, entfesselt verwandelte sich in hungrige Tiger auf der Suche nach Menschenfleisch. Woge für Woge löste es sich von der Flammensäule. Und war eine von ihnen satt, so teilte sie sich in drei. Der ganze Kontinent würde brennen. Bald bestand die Flammensäule nur noch aus aufsteigenden Dämpfen, die langsam aufstiegen und Kaniban freigaben. Kein Feuer tanzte mehr um ihn, doch in seinen Augen glänzte die Wildheit der Natur.
„Wundervoller Zauber. Gratuliere!“, rief Morgenglanz.
„Danke. Hol mich bitte ab. Ich will den Menschen brennen sehen!“
Er hatte seine Heimat gefunden und keiner würde sie ihm mehr nehmen.

Ende

Wer „Midnight Meat Train“ gesehen hat wird am Anfang Ähnlichkeiten feststellen. Hat mich inspiriert der Film^^.

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Die Diktatur des Menschen


Der Menschen Verstand verdorren
die Gesellschaft schlecht
Doch wer sie schuf?
Doch wer spricht Recht?

Die Diktatur des Menschen
all Leben verderbend
Millionen Tiere täglich sterbend!
Doch es ist Recht

Ein Elefant aus Not ein’n Menschen stampfen
eine Schlange aus Angst ein’n Menschen beißen
ein Tiger aus Hunger ein’n Menschen reißen
Doch es ist schlecht

Welch bittere Ironie,
des Menschen Recht ist gleich
Der kräft’ge Mächt’ge reich
die Schwächsten der Tod färbt bleich

Sie sind lebende Leichen
versklavt und ausgebeutet
Doch ohne Verwendung
ihre Todesglocke läutet

Unnütze müssen umbarmherzig menschlich Willkür weichen
Ja wir Menschen lieben stumme, starre, steinern Leichen
Wir trauern falsche Todesfeiern
und klagen verlogene Todesleiern

Ach wie sehr ich es verachte
ein animalisch Mensch zu sein
meine Art besteht aus Bestien
und auch ich höllisch gemein

Menschenleben


Sie schlichen von Baum zu Baum von Graben zu Graben. Der Mond, ihr Feind, war voll. Immer näher kamen sie dem Kernkraftwerk. Dem Wissenschaftler, der Leiter der dreiköpfigen Gruppe, schlotterten die Knie. Was wenn sie versagten und das Kernkraftwerk morgen in Betrieb genommen wurde? Das Kraftwerk war eine einzige Katastrophe, wegen den drohenden Bankrott der Betreiberfirma, war kein Preis zu hoch es ans Netz zu bringen.
Schnell kletterten sie über die Absperrung, rannten im Schatten der Nebengebäude Richtung Zentralgebäude.
„Vorsicht!“, flüsterte jemand.
Der Wissenschaftler schaffte es gerade noch über eine Pfütze unbekannter Herkunft zu springen. Interessiert hielt er den Geigerzähler an das Wasser. Es knatterte heftig.
„Wer da?“, rief ein Wachmann.
Die freie Hand des Wissenschaftlers zitterte, die Härchen standen ihm zu berge.
„Was ist mit Ihnen?“, fragte die Naturschützerin in seinen Team. Er schluckte eine weiße Pille..
„Nachwirkungen meiner Experimente. Immer wenn ich mit Strahlung in Berührung komme.“
Harte Schläge gegen ihre Köpfe raubten ihnen das Bewusstsein.
Der Täter, ein Vorstandsmitglied des Konzerns, stand erleichtert daneben. Man würde einen guten Preis für sie bezahlen.
Falsch gedacht, es kam eine Frau und zog ihn mit ihrem wunderschönen Körper über den Tisch. Die Nacht war schön, doch sie währte nicht ewig, bemerkte er mit seinen unterentwickelten Gehirn entsetzt im Morgengrauen.

„Wo sind wir?“, war die erste Frage, die die Naturschützerin stellte, als sie aufwachte.
„Ihr wurdet an unser Forschungsprojekt gegen Krebs verkauft.“, antwortete ein Lautsprecher mit verzerrter Stimme. Etwas tropfte, Schatten von vorbeihuschenden Passanten fielen durch ein Kellerfenster, streiften über die Betten und den klinisch weiß gekachelten Boden. Nur das Licht des Kellerfensters beleuchtete ihr Gefängnis
„Wie weit seid ihr?“, fragte der Wissenschaftler neugierig.
„Entweder beschleunigt das Mittel den Krebswachstum oder der Patient wird verkrüppelt.“
„Ja ja.“, sinnierte der Wissenschaftler. Plötzlich schrie die Naturschützerin panisch auf.
„Was ist los?“, fragte die unbekannte Stimme.
„Ihr habt meinen Freund in Stücke gerissen.“
„Was?“
Strahlend helles Licht wurde angeschaltet. Der Freund der Naturschützerin war reduziert auf einen tropfenden Kopf unter dem sich eine Blutpfütze gebildet hatte. Sofort stürmten die Ärzte rein, eine Ärztin war dabei.
„Herr Goldmann?“, fragte sie erstaunt als sie den Wissenschaftler sah.
„Ja, Frau Cabal.“
„Und Sie.“, er türmte sich vor seinem ehemaligen Chef auf, „Wenn Sie erst soweit sind, sind Sie eine Niete. Ich bin schon dabei eine neue Art zu schaffen.“
„Wenigstens habe ich keine Persönlichkeitsstörungen, weil ich Gedanken an Moral verschwendet habe.“
„Zu fein für Selbstversuche. Dafür durfte ich vorkosten wie es sich als eine unverwüstliche Kriegerart lebt. Leider verwandelt sich mein Körper immer wieder in einen Menschen zurück.“
„Deshalb habe ich Sie auch rausgeworfen. Sie sind ein Spinner. Was, wenn Ihre Art ausbricht? Die Menschheit wäre tot.“
„Tot, tot.“, murmelte der Wissenschaftler, „Tod, der ewige Schlaf.“
„Wir müssen ihn zu erst als Forschungsobjekt hernehmen. Er wird sonst auch seine Begleiterin umbringen.“, flüsterte sein ehemaliger Chef.
Cabal nickte, Goldmann kam lammfromm mit. Man schnallte ihn auf eine Liege, injizierte ihm etwas. Andere Wissenschaftler kamen angerannt, um das Schauspiel zu betrachten
Cabal sah traurig, dass das neue Serum immer noch nichts taugte. Das Röcheln ihres Opfer schwächer und schwächer, während schwarze Flecken sich auf der Haut bildeten, dort wohin der Krebs seine Tentakel ausstreckte. Das Röcheln verschwand samt Herzschlag. Sie wunderte sich über die Gleichzeitigkeit und warf ihn auf den Boden.
„Der Nächste bitte.“
Man trug die kreischende Naturschützerin in den Raum, schnallte sie fest. Das zweite Serum war an der Reihe. Nur leicht unterschiedlich vom ersten, hoffte sie, dass die Patientin den Krebs besiegen konnte. Falsch gedacht. Tentakel bohrten durch die Haut der Patientin. Für Cabal war es als schaue sie in ihr Spiegelbild, zerfressen von Krebs. Übelkeit überkam sie, man trug sie raus. Die Naturschützerin krümmte sich vor Schmerzen.
„Nicht verzweifeln. Ich lebe noch, meine böse Menschenseite ist tot. Gibt es hier irgendwo ein Spiegel?“, Goldmann stand fröhlich wieder vom Boden auf. Die Naturschützerin zeigte mit angstgeweiteten Augen hinter ihn, er drehte sich um und bewunderte seinen neuen Körper.
Sein Körper war einen Meter gewachsen, seine Finger waren Krallen, seine Haut war kugelfestes Leder, aus dem grau-braunes Fell spross, sein Gesicht glich eher einem Wolf als einen Menschen.
„Mach mich frei.“
„Ein Vergnügen.“, er ritzte die Bänder mit seinen Krallen auf, hinterließ dabei blutige Kratzer.Die Frau schrie auf als sie ihre Hände betrachtete. Die Wolfshaut verdrängte den Krebs wanderte zu ihren Kopf.
„Was ist?“
„Ich will kein Monster werden.“, keuchte sie. Ihr Herz stockte kurz.
„Halte durch. Ganz ruhig.“
„Ich will nicht!“, brüllte sie und schlug ihre Arme gegen einen Tisch. Ihre Atmung setzte zeitweise aus.
„Sie sind krank. Sie sind am genesen. Beruhigen Sie sich!“
„Nein. Tötet mich!“, forderte sie die anrasenden Ärzte auf, „Er hat mich infiziert.“
Eine Spritze später lag sie tot am Boden.
„Sie Bestie, sind infektiös. Tötet ihn im Namen der Menschheit!“, schrie der Vorgesetzte von Cabal.
„Ich bin lieber eine Bestie als ein Mensch.“, mit diesen Worten zermatschte Goldmann dessen Kopf an der Wand, brach in Kampfgebrüll aus. Die Ärzte zückten ihre Spritzen, ein Schlag, die Nadeln waren weg, ein Zweiter, die Köpfe folgten. Cabal trat gerade ins Zimmer ein, wich dann angsterfüllt wieder zurück.
„Sie brauchen keine Angst haben. Es ist nur ein kleiner Kratzer“
„Ich möchte Mensch bleiben. Meine Schönheit…“, vorsichtig betrat sie das Zimmer.
„Keine Angst. Ich finde Wolfsmenschen schön.“
„Ich möchte Mensch bleiben. Für die Menschheit!“, sie fiel ihren Chef um seinen kopflosen Hals und schluchzte: „Mein Mann. Wir haben vor kurzem geheiratet.“
Der Wissenschaftler schnaubte verächtlich: „Menschen, diese widerlichen Kreaturen. Ich konnte nur im Schlaf raus, verwandeln, töten, zerfleischen. Diese Menschen haben mir eingeredet ich sei Mensch. Nur nachts, wenn der Körper zu mir sprach, erfuhr ich meine wahre Natur, konnte sie entfesseln. Heute wird ein glorreicher Tag für die Wildnis.“, er brach in einen Kampfgeheul aus.
„Du bist verrückt.“
„Verrückt? Verrückt ist Abweichung von der Norm. Du bist verrückt, wenn der Tag zu Ende geht. Du wirst vor Einsamkeit um Hilfe schreien, doch nur ein Heulen wird dir antworten. Ich komme wieder, überleg es dir gut.“, er schnupperte einem Tier gleich um den Ausgang zu finden. Der Geruch von vielen Menschen drang von einer Treppe. „Diese war die Richtige.“, wusste Goldmann instinktiv und rannte hinauf. Die Treppe endete in der Eingangshalle eines Krankenhauses. Dichtes Gedränge herrschte, man hielt ihn sogar für ein Werbegag.
Krallenschlag links, Krallenschlag rechts, er bahnte sich seinen Weg ins Freie, Menschen rannten schreiend davon. Einige von ihnen trugen jetzt sein Mal, die Infektion.
Schilder, die den x-ten Fachkongress der Atomindustrie würdigten, der noch bis zum Ende des Tages gehen würde.
Ein riesiger Polizeiaufgebot war am Ende in der Straße vor seiner Nase. „Es musste eine Antikernkraftwerkdemonstration sein. Wahrscheinlich die Kesselformation.“, dachte der Wissenschaftler. Es kam ihm gelegen, denn er würde sie überreden können bei seinem Kreuzzug gegen die Menschheit mitzumachen.
Er brach in ein Kampfgeheul aus, dann stürmte er los. Polizeiwagen, Polizisten, Journalisten, all das flog aus seinen Weg. Krallenschlag links, Krallenschlag rechts. Ein Aufschrei verkündete ihm, dass er durch den Kessel der Polizisten gebrochen war.
„Erschießt ihn!“, brüllte jemand. Kleine,harmlose Geschosse piekten in seine Oberhaut. Die Polizei erregte seinen Ärger. Der Helm von ihnen taugte nicht zum Abwehren ihrer Schläge, ebenso wenig deren Schilde. Zwei Schläge das Schild war kaputt, weitere zwei der Polizist. Man konnte bald nicht mehr von einen Kessel reden, sondern nur von einen Haufen schreiend fliehender Polizisten. Die Demonstranten jubelten ihm zu, er antwortete mit einen Kampfgebrüll. Der Jubel wurde lauter.
„Wollt ihr zurück in die Natur?“, fragte Goldmann mit seiner rauen, wilden Stimme.
„Ja“, ertönte es einstimmig.
„Spürt ihr die Kraft der Wildnis in euren Herzen?“
„Ja.“
„Wollt ihr sie entfesseln?“
„Ja.“
„Kommt zu mir. Es ist nur ein Kratzer.“
Die Demonstranten schmissen sich förmlich in seine Krallen. Ein Freudengeheul brach aus, kaum war der letzte Mensch verwandelt.
„Wer Lust auf Dämme hat, kommt mit mir. Wer Lust auf Straßensperren hat, der isoliert die Stadt. Und wer Lust auf die Jagd hat, bewacht diese.“
„Und wer übernimmt die Stadt?“, fragte jemand.
„Die Menschen selbst. Sie werden sich gegenseitig verraten. Verrat, ja das schmerzt.“, Goldmann brach in triumphierendem Geheul aus.
Eine kleine Gruppe von Ingenieuren kam mit ihm. Sie trampelten über die Wiese mit den vereinzelten Bäumen, sprangen über die Gräben und den Zaun des Kernkraftwerks.
„Stehen bleiben!“, rief eine Wache, geköpft mit einen Schlag. Eine Stange wollte seinen Kopf treffen, Goldmann parierte instinktiv. Das entsetzte Gesicht des Vorstandsmitlied, als er ihm die Stange entriss, befeuerte seine Blutgier. Auf und ab flog die Stange, sein Opfer war zur Unkenntlichkeit entstellt. Er brach in Blutgeheul aus. Von überall stimmte man mit an.
„Ihr staut den Fluss über dem Ansaugrohr des Kernkraftwerks, ich entfessele das Uran.“, befahl er.
Betonmauern von Nebengebäuden wurden zum Dammbau niedergerissen. Er stürmte ins Reaktorgebäude. Alarmsirenen heulten. „Bewacht den Kontrollraum! Ein Wahnsinniger!“, wurde durchgesagt. Völlig falsch hatte man ihn eingeschätzt. Er öffnete lächelnd gewaltsam den Zugang in den Sicherheitsbehälters. Die Steuerstäbe wurden gerade in den Reaktordruckbehälter versenkt als er behände über die Stangenkonstruktion zu ihnen sprang und sie einzeln aus dem Reaktor riss.
„Der Teufel ist im Reaktorgebäude.“, schrien die Lautsprecher, völlig unwichtig. Sein Werk war vollendet. Zufrieden verließ er das Reaktorgebäude. Der umgeleitete Fluss umspülte seine Beine kniehoch.
„Tut mir leid Freunde. Ich muss noch jemanden abholen.“, brüllte der Wissenschaftler gegen das tosen der Natur stromaufwärts und ließ sich samt viel Unrat ins Krankenhaus treiben.
Cabal war einsam schluchzend im ersten Stockwerk, den kopflosen Körper ihres Mannes in der Hand haltend.
„Du bist verrückt, umarmst einen Toten. Schau dich um: lebt hier noch irgendein Mensch?“
„Sie herzloser Mörder.“, schrie sie.
„Höre auf dein Herz!“
„Es sagt: Sie Mörder, lassen Sie mich allein.“
„Nein. Höre auf die dunkle, wilde Seite. Hörst du nicht wie es mit jeden Herzschlag das Blut eines Mörders durch deine Adern schießt? Hörst du nicht wie die Pulsschläge denen deiner Opfern ähneln, welche du kaltblütig für die Wissenschaft geopfert hast?“
„Ich gebe zu, dass ich ein Mörder bin. Aber ich mache es für einen guten Zweck.“
„Ich auch. Ich bin deine wilde Seite, ich bin das Einzige was dir noch bleibt. Komm mit.“
Es gab eine Explosion, die die Fenster klirren ließ.
„Was war das?“, fragte Cabal panisch.
„Die erste Explosion im Kernkraftwerk, der Überdruck ließ den Reaktor platzen. Geh zum Fenster, genieße das Schauspiel.“
Eine Staubwolke von tödlicher Eleganz wehte zu ihnen Richtung Stadt. Die Fenster erbebten erneut, sie konnten beobachten wie das Reaktorgebäude zusammenbrach.
„Und diese Explosion?“
„Das Brennmaterial hat sich zum Grundwasser durchgebrannt. Die Temperatur des Grundwassers stieg schlagartig und mit ihm dessen Volumen.“
„Heißt das, dass das Wasser unter uns nun radioaktiv ist?“
„Ja. Du bist Gefangene.“
„Ich will als Mensch leben.“, Tränen flossen über ihre Wangen.
„Leb wohl.“, er wandte sich zur Treppe, stieg sie langsam hinab.
„Warten Sie!“
Er ließ ein Heulen erklingen, das von überall beantwortet wurde, ging dann weiter.
„Lassen Sie mich nicht allein!“
Der Wissenschaftler watete ungerührt ins Wasser.
„Bitte! So reden Sie wenigstens.“
Mittlerweile reichte das Wasser ihm bis zu den Knien. Sie rannte ihm hinterher, hielt ihn fest.
„Warten Sie! Ich habe es mir anders überlegt.“
Der Wissenschaftler kratzte sie grinsend an der Stirn, dann schwammen sie hinaus in die Freiheit. Horden von Wolfsmenschen trieben stromabwärts wie sie. Einige von ihnen weinten, eine Wolfsfrau schluchzte: „Mein Mann wollte mich umbringen. Ich musste ihn töten.“
„Hat er Radio gehört?“, fragte ein männlicher Wolfsmensch.
„Ja. Man hat durchgesagt, dass Wolfsmenschen um jeden Preis eliminiert werden sollen. Jeder Lebende sei Verrat an der Menschheit. Ich will Rache, blutige Rache.“

Die Mitglieder des Atomkongress erstarrten bei den Anblick der Staubwolke über den Atomkraftwerk. Sofort stiegen sie in ihre Autos und flohen in einer Karawane, bis eine Straßensperre sie aufhielt.
„Was soll das?“, schrien sie entsetzt.
„Rache. Tod den Verrätern!“, knurrten paar Wolfsmenschen hinter den Barrikaden.
„Was zum Teufel ist das?“
„Herren, oh eure Not ist groß.
Uns Geister, die ihr wecktet
werdet ihr nie wieder los.“, mit diesen Worten erreichte der Fluss den Straßenabschnitt und fegte ihn leer. Die Wolfsmenschen genossen die Kühle des Wassers, während die Herren der Atomkonzerne wegen der Strahlung rot anliefen. Noch eine halbe Stunde hätten sie zu leben. Doch so lange lebten sie nicht, denn die Wolfsmenschen waren auf der Jagd. Das Wasser färbte sich rot, blutrot.

Bomber umkreisten und bombardierten die überflutete Stadt mit Atombomben.
„Für die Menschheit!“, feierten die Piloten die Abwürfe. Was sie nicht wussten war, dass sie damit nur die letzten menschlichen Überlebenden der Atomkatastrophe verrieten. Den Damm, der einzige Posten der Wolfsmenschen innerhalb der Stadt, hatten diese längst für umliegenden Ortschaften aufgegeben, wo sie nun wüteten und sich immer mehr Verzweifelte ihnen anschlossen.

Ende

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Der Arme


Franz wusste schon bevor er die Schulaufgabe ausgeteilt wurde, dass es eine Sechs war. Dabei hatte er doch alle Antworten zu den Fragen aufgeschrieben. Bloß leider schweifte er ab. Er konnte sich nicht mehr konzentrieren. Sein, von den Dauerstress erschöpftes, Gehirn konnte keine Leistungen mehr hergeben. Egal wie lange er büffelte beziehungsweise gründlich Hausaufgaben machte, er schaffte es nicht mehr psychisch. Vor drei Jahren hatte er noch nur Einsen und Zweier. Auch sein Gesicht hatte sich verändert: Ringe unter den Augen, weil er alles erledigen wollte. Einmal hatte ihn ein Mitschüler erklärt, dass es nicht schlimm sei, wenn man die Hausaufgaben nicht mache, schließlich gäben die Lehrer extra viel auf, damit auch die Faulpelze was lernten. Wahrscheinlich hatte sein Mitschüler recht, doch es war zu spät, er würde das Jahr nicht mehr schaffen. Seine Wiederholungschance war abgelaufen, er war draußen. Warum nicht gleich die Schule schmeißen? Auf jeden Fall würde er es ruhiger angehen. Er machte gleich im Unterricht ein Nickerchen. Zwar störte ihn seine Lehrerin, doch mit: „Ich schaffe es eh nicht mehr.“, rührte er sogar ihr Herz. Von der Schule gleich ins Bett, die Hausaufgaben warteten, doch nie mehr würden sie gemacht.
Er wachte erst am nächsten Schulmorgen auf. Endlich ausgeschlafen. Seine Eltern waren bestürzt und traurig zugleich: „Wir haben dich gefördert. Warum hast du es versaut?“
„Wisst ihr? Ich fühle eine gigantische Last von mir genommen.“
„Die Schule ist wichtig, nimm sie nicht auf die leichte Schulter.“
„Oh doch.“
Dieser Morgen war anders, sie schrieben eine Stegreifaufgabe. Entgegen zu der in der letzten Woche, ratterten die Antworten durch sein Hirn aufs Papier. Bei der Hälfte der verfügbaren Zeit war er bereits fertig, der Lehrer stutzte: „Was ist mit dir los? Warum nicht gleich so“
„Ich habe Ballast abgeladen.“, grinste Franz.
Doch sein neuer Lebensstil half nicht mehr. Er fiel durch, trotz schlagartiger Besserung der Leistungen. Warum hatte er sich nicht wie der Mainstream verhalten? Es ging in der Schule nicht um Intelligenz, sondern um angepasstes Verhalten. Warum hatte er es nicht schon früher gemerkt?
Dachte er, Schule wäre Horror? Der Horror ging am Tag nach dem Zeugnis los. All seine Zeit wurde durch eine spezielle Ausbildung zum Juristen geopfert. Man förderte ihn bis zum Biegen und Brechen, es war als würde ein Loch sich auftun und ihn verschlingen. Er galt als Sonderling, sein Verhalten war gezwungen und er verpatzte natürlich Prüfungen. Als er seinen Abschluss unter Gelächter der anderen in die Hand gedrückt bekam, wusste er schon, dass er nicht bestanden hatte. Die Anderen hatten etwas namens Freundschaft, wofür er leider keine Zeit hatte. Wieder war er unangepasst gewesen, warum nur? Wie ein streuender Hund schlenderte er zurück nach Hause. Es war ein strahlender Tag an denen Andere feiern würden, doch er musste in Schweiße seines Angesichts nach Hause latschen und Rüge bekommen. Nur noch zwei Kilometer. Er sah einen herrlich breiten Schatten unter einer Eiche. Warum nicht kurz ausruhen? Gesagt getan. Es war so schön.

Freundlich schien die Sonne auf ihn hinab. Hatte er verschlafen?
„Aufstehen!“, brüllte eine harte Stimme. Die Sonne wurde zum warmen Licht einer Deckenlampe. Er lag nackt auf einer Pritsche, eingezäunt durch weiße Mauern eines… Gefängnis! Schnell zog er sich die herumliegende Kleidung an, dann wurde schon seine Zellentür geöffnet.
„Na du Pussy. Mach gefälligst dein Bett!“, schrie ihn der menschliche Wecker an. Es war als wäre Vakuum. Seine Hände ballten sich zu Fäusten um einfach zuzuschlagen. Schlagen, schlagen, treten. Etwas verpasste ihn einen elektrischen Schock.

Wieder erwachte er durch ein: „Aufwachen!“. Schnell machte er das Bett, nachdem er sich angezogen hatte.
Diesmal war es das Duschen. Eigentlich wollte er nicht, doch Wärter zwangen ihn. Vorsichtig ging er mit seinen Handtuch zu den Duschen. Es war ein gefliester Raum, in dem ausnahmsweise keine Wärter waren. Wieso? War das nicht gefährlich? Kaum war der Gedanke zu Ende, stürzte er schon. An die fünfzig Gefangene auf ihn.

Diesmal erwachte er in einen Gerichtssaal. Schlimmer konnte es nicht mehr kommen. Er stand einfach auf. Seine Glieder schmerzten. Er fiel ächzend wieder auf den Stuhl zurück. Zweiter Anlauf. Er kam auf die Beine und fragte verwirrt: „Wo bin ich? Was wird mir vorgeworfen?“
Plötzlich stand sein Vater neben ihm und verpasste ihn eine Ohrfeige, mit den Worten: „Du bist nicht mehr mein Sohn. Das hier ist mein letztes Geschenk an dich.“
Das Verfahren ging weiter. Man warf ihn Herumlungern als sittenwidriges Verhalten und gefährliche Körperverletzung vor.
Wieder stand er auf: „Entschuldigung für die Körperverletzung euer Ehren. Ich bin, wie alle sehen, ein bisschen verwirrt gewesen. Es war eine echt anstrengende Zeit gewesen.“
Er hätte besser in die Klägerbank sehen sollen, alles Verbrecher. Unter ihnen einer fast vollständig in Gips. Sie liefen rot an: „Scheiß Ausrede. Für solche Ausraster sitzen wir im Knast.“
„Ich hatte nicht mal zehn Minuten mich zu orientieren als ich im Gefängnis aufwachte.“
„Normale Menschen brauchen nur eine Minute. Ich habe eine Studie.“, erklärte der Anwalt der Ankläger. Eine Statistik wurde an eine Leinwand projektiert. Sie belegte exakt dieses, hatte aber einige Ausreißer.
„Ich bin einer der Ausreißer in der Statistik.“, verteidigte sich hastig Franz.
„Mag sein. Aber Sie gelten trotzdem als normaler Mensch, deswegen gilt diese Ausrede nicht.“, entschied der Richter, der Hammer knallte, „Die Verhandlung ist geschlossen. Fünf Jahre.“.

Seine Mitgefangenen demütigten ihn auf diverse Arten, bis er zu Alkohol griff. Es fühlte sich gut an alle Sorgen zu vergessen. Die Zeit verging in einen Rausch, sie alle lallten glücklich miteinander, er hatte sich endlich angepasst und wurde nicht mehr gemobbt. Sie redeten mit ihm wie einen Bruder, erzählten ihre tollkühnsten Taten und führten diese theatralisch vor. Dann war er frei, vogelfrei und allein. Er erwachte mit einer leeren Flasche unter einer Brücke. Keine Erinnerungen mehr an gestern, seine Freilassung. Er musste aufhören. Plötzlich überkam ihn ein Schwall von Sorgen. Wie sollte er überleben? Wo bekam er zu essen? Was war mit seinen Eltern? Er legte sich wieder hin.

Er erwachte durch das Lachen von besoffenen Jugendlichen, Jungen und Mädchen, die miteinander anbandelten, ansonsten die schwache Schwärze der Nacht. Er würde auch so werden, ein willenloser Spielball der Gefühle, wenn er nicht sofort aufhörte zu saufen. Er hob eine herumliegende Eisenstange auf und golfte mit aller Kraft seine Bierflasche. Sie flog nicht mehr, sie zerbrach gleich in tausend Trümmergeschosse.
Die tote Nacht erfüllte sich mit Leben. Millionen Lebewesen wichen den Splittern aus. Nein, er würde nie wieder trinken. Zufrieden stützte er sich auf der Stange ab und genoss die Lichter der Stadt.
„Schau mal den Penner an, verschandeln unsere Stadt durch ihr Aussehen.“, keifte ein Mädchen.
„Wieso?“, antwortete er gelassen, „Ihr seid es doch, die uns schaffen. Nicht alle überstehen eure Gleichschaltung.“
„Nun werd‘ mal aber nicht frech.“
„Wer hat mich zu dem gemacht? Ihr. Habt mich ins Gefängnis gesteckt, zum Säufer gemacht und wollt mich nun loswerden. Es ist genug Platz für uns alle.“, seine Stirn begann zu pulsieren.
„Können wir euch berechnen? Nein, ihr seid frei, ein Risiko.“, das Mädchen wurde lauter und schriller, „Wir Hochwohlgeborenen können nicht mit euch zusammenleben. Wir könnten vergewaltigt werden. Schnappt ihn euch Jungs!“
Morden ängstigte ihn. Einfach wie ein Test vorstellen! Bloß, dass der Test nicht für ihn, sondern für andere tödlich wäre. Die Stange schwang hoch in die Luft, holte aus und traf ein Gesicht wie eine Zielscheibe. Ruhe, ausholen. Die Bastarde aus der selbsternannten hohen Gesellschaft, sein Schläger traf eine weitere Zielscheibe und zermatschte sie, wollten Blut, sein Blut, doch nicht sterben, nicht sterben! Ein weiteres Opfer. Das Ende der Stange war spitz. Konnte er damit zustechen? Ja, er konnte. Einer der Jungen, starb wie ein Vampir. Herrlich, diese menschliche Wärme, wie sie seine Füße umfloss. Wie konnte er den gefährlichen Konsequenzen der Situation entfliehen? Niemand durfte davon erfahren. Er schnitt den restlichen Angreifern, den Fluchtweg ab, um mit quergestellter Stange sie in den Fluss zu schieben. Schläge prasselten auf seinen Körper als er wie Stier alle in das tödliche Wasser schubste und dort ertränkte. Blutfäden lösten sich von seiner Kleidung und verschwand in der Ferne des Flusses. Der Fluss wurde kalt, besonders nachdem jeglicher Widerstand seiner Opfer aufhörte.
Zehn Minuten wartete er, dann war er sicher, dass es keine Überlebenden gab. Was war mit ihm los? Er war doch kein Mörder? Test bestanden, Zweifel entledigt. Er stieg aus den Wasser.
Heute würde er in den einzigen anonymen Hotels der Stadt übernachten: Bordellen oder wenn es gut lief Privatwohnungen der Prostituierten. Geld hatte er genug. Zweihundert Mäuse konnte er den Toten entnehmen. Sah jetzt wohl aus wie ein Raubüberfall, aber das war ihm egal. Herumlungern war auch strafbar und heute war er mal weg von der Straße.
Seine Waffe steckte er auf seinen Weg schnell in lockeren Boden, so dass es aussah als wäre sie ein Pfosten, Minuten später war er schon in der Gasse mit all den Prostituierten.
Die Hübschesten, Erfahrensten wendeten sich von ihm ab, er war wohl kein lohnendes Ziel. Dachten vielleicht an ein bisschen Hartgeld. Wenn sie wüssten. Eine blutjunge Prostituierte wurde immer wieder abgebügelt. Sie war verzweifelt, würde ihn nicht verpfeifen. Und so hielt er Kurs auf sie.
Sie war so nervös, dass er nicht verstand was sie ihm sagen wollte. Ständige Versprecher, Selbstkorrekturen. Ersteinmal legte er seine Hand sanft auf ihr Rücken und folgte ihr in ihre Arbeitsstätte, eine kleine Wohnung, perfekt.
Eine ältere, aber immer noch hübsche Prostituierte, klatschte Beifall.
„Na endlich. Ich sehe du wirst erwachsen.“, lobte sie sie.
„Er hat mir nachgeholfen.“, wisperte sie verlegen
Die Mutter wandte sich an ihm: „Ich muss meiner Tochter mein Handwerk beibringen. Danke dass du dich ihr angenommen hast.“
„Irgendwie ist sie nicht für deinen Job gemacht.“, antwortete Franz.
„Mag sein, doch hat sie eine Wahl? Ich hab versucht ihr eine gute Ausbildung zu verschaffen.“
„Aber du hast aufgrund des Drucks versagt. Kenn‘ ich das Problem.“, unterbrach Franz an das Mädchen gewandt. Sie nickte schüchtern. Er streichelte ihren Kopf, die Anspannung der Nacht fiel von ihm ab. Die Mutter schüttelte ihren Kopf: „Die Welt ist krank. So blutjung und schon kaputt. Mein Junge, ich sehe, du bist ein Mörder, doch hast ein gutes Herz. Gib deine Kleidung her, ich wasche sie.“
In den Augen der Mutter spiegelten sich Tränen der Sorge, in der der Tochter Tränen der Angst.
„Was hast du getan?“, fragte sie ihn ungläubig.
„Ich wurde angefallen, hatte eine Mordswut.“, eine grausame Faszination überkam ihn, „Stell dir vor es wäre ein Test und du müsstest Menschen töten statt Fragen beantworten.“
„Was?“
„Entschuldigung. Ich weiß nicht was über mich gekommen ist.“
„Aber ich.“, die Mutter deutete auf sein Herz, „Es hat gesprochen. Du bist ein guter Mensch, weil du menschlich bist. Menschlich ist nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen, sondern auch Hass, Niedertracht und Schmerz. Lass dich nicht einlullen! Alle menschlichen Instinkte sind gut, doch der Verstand muss sie in richtige Bahnen lenken, sonst endest du als menschlicher Abschaum.“
Er nickte andächtig. Die Frau war sehr weise trotz ihrer niedrigen Stellung. Das Gesellschaftssystem war falsch.

Kaum war er aufgewacht, nagte sie ihm das Ohr ab mit ihren Problemen. All ihre Ängste, vorallem wegen Gewalt. Schuldbewusst dachte er an seine gestrigen weiblichen Opfer, doch halt. Sie waren Bestien, im Gegensatz zu ihr. Er erfuhr, dass sie Justizia hieß. Welch bittere Ironie. Die gesetzliche Justizia verkaufte sich auch, nur an mächtige Unternehmen statt armen Privatpersonen.
Mit dieser Feststellung rang er ihr ein Lächeln ab. Sie fuhr fort. Angst, Angst, Angst.
Zeit es zu durchbrechen: „Warum hast du vor allem Angst? Warum zum Beispiel vor einen Raubüberfall?“
„Ich würde sterben. Entweder ich werde erschossen oder verhungere ich ohne Kohle.“
„Dann kämpf doch und biete als Geschenk, wenn er dich besiegen sollte, eine Gratisnacht.“
„Und was wenn er grob im Umgang mit Frauen ist?“
„Dann verlier nicht. Gestern Abend war ich mindestens zehn zu eins unterlegen. Wer hat gewonnen? Ich.“
„Was wenn mich ein Messer geschweige denn eine Kugel trifft?“
„Das Risiko muss man eingehen. Und du hast es als Frau eh besser als ich. Kannst sie doch einfach verführen und im geeigneten Augenblick abstechen.“
„Ich kann nicht kämpfen.“
„Du kannst. Komm mit!“

Stürme brausten, es schüttete wie aus Kübeln. Er zog Justizia trotz ihrer Bedenken hinaus. Langsam wich ihre beide Kleidung auf, während sie Richtung Kampfplatz, einen verlassenen Fabrikgelände, den er von Kindheitserinnerungen her kannte, schlenderten. Seine Kleidung wurde nasser und schwerer, seine Bewegungen arg gehemmt. Aber auch so reichte es aus, um ihr die Tränen ins Gesicht zu treiben. Und sie? Nicht mal einen Schlag hatte sie auf ihn landen können.
„Pause!“, rief sie ihm mit hochroten Gesicht zu. Sie lehnten sich an eine Mauer. Regen prasselte, ein Blitz zuckte am Himmel, ein schwacher elektrischer Schlag durchfuhr ihre Körper.
„Komm gehen wir rein.“, flüsterte er ihr zu. Sie nickte fröstelnd. Das Innere der Fabrik war düster, perfekt für eine Häuserkampfübung.
„Was ist das eigentlich für eine Maschine?“, Justizia deutete auf eine verstaubte kastenartige Anlage. Er ging näher ran, um sie besser zu betrachten können.
„Es ist eine Walzmaschine.“, stellte er fest. Stille. War ihr etwas zugestoßen?
„Justizia?“, er drehte sich um, sie war verschwunden.
Fremde Stimmen wurden hörbar. Plötzlich rollte eine Metallstange vor seine Füße. Die Richtung aus der sie kam, Schwärze.
„Justizia? Lasst uns abhauen“, brüllte er nochmal durch die Hallen
Die Stimmen kamen näher.
„Justizia?“, ein kläglicher Schrei. Die Stimmen waren da. Wieder solche neunmalkluge Jugendliche wie die gestern.
„Was machst du in unseren Territorium?“, blaffte ihn der Anführer an. Justizia war geflohen, hatte ihn zurückgelassen und schaute aus sicherer Entfernung zu. Dessen war er sich sicher.
„Ich trainiere. Was dagegen?“, konterte er selbstsicher.
„Ja. Der Ort gehört uns.“
Pistolen wurden auf ihn gerichtet, doch wie. Wie in Filmen, nicht wie es ihm seine Zellengenossen gezeigt hatten. Vor diesen Dilettanten brauchte er keine Angst haben. Der Anführer kam näher, ein Butterfly in der Hand.
Er lachte hämisch: „Vor solchen Dilettanten habe ich keine Angst. Nicht einmal entsichert habt ihr.“
Mit diesen Worten griff er an. Seine Stange vibrierte von den Aufprall auf den Kopf des Anführers. Betonschädel halt. Klick. Klick. Ungläubig schauten die Pistolenträger auf ihre Pistolen, liefen rot an als sie ihre Waffen wieder entsicherten. Doch da war er schon bei ihnen. Einer riss die Pistole hoch direkt vor seine Stirn.
„Man ist die schwer.“, der ausgestreckte Pistolenarm sackte nach unten, die Kugel flog zwischen seinen Beinen durch, bevor der Rückstoß den Angreifer die Pistole ins Gesicht schleuderte. Ein Stöhnen, der Typ hielt seine gebrochene Nase. Ein männlicher Jugendlicher schrie in der Dunkelheit auf, es tropfte Blut. Justizia war auf seiner Seite.
Alle drehten sich zur Dunkelheit, bis auf ihn, er erschlug den Anführer.
Fünf Schüsse erklangen, den Angreifern spritzte Gehirnmasse aus den Kopf, sie fielen zu Boden. Justizia hatte eine der Pistolen in der einen, ein schön geschwungenen Dolch in der anderen Hand. In ihrem Gesicht ein irres Grinsen als sie ihren blutigen Dolch mit den Butterfly verglich.
„Schweine wie ihr haben meinen Bruder Derik eingeknastet. Wegen Urheberrechtsverletzungen. Und das auf Werken, die er selbst geschrieben hatte. Raubkopiert und den Urheber eingeknastet… Schweine.“, ein Schuss knallte durch das Hirn eines Toten, „Und ratet mal wer die Peiniger sind?“
Stille.
„Betriebswirtschaftler, Leute, die schon dafür kassieren, dass sie Arbeiter ausbeuten, anstatt unnötig lizenzteure Software zu entsorgen. Wenn man auf beide verzichtet, könnte man den Arbeitern einen besseren Lebensstandard gewähren. Zudem sind es die Arschlöcher, die ihr Geld missbrauchen, um das Gesetz auf ihre Seite zu ziehen. Den Autor seine Urheberrechte zu entziehen ist das Mieseste. Dazu brauchen Betriebswirtschaftler Juristen, die nur allzu freudig mitmachen. Patente, die es verdienen Patente genannt zu werden, von kleinen Firmen oder erfinderischen Einzelpersonen, werden missachtet und diese Kleinen haben nicht das Geld sich zu verteidigen. Oder diese werden gleich ausgeschaltet wie mein Bruder.“
Franz legte ihr sanft eine Hand auf die Schulter.
„Lass uns einen Plan schmieden. Es kann so nicht weitergehen. Wir müssen kämpfen.“
„Gut.“
Sie schoss den Anführer in den Kopf, um sicherzugehen. Anschließend sammelten sie die nützlichen Gegenstände der Jugendlichen auf. Vorsichtig schauten sie nach draußen. Das Unwetter war vorbei. Die Blitze zuckten in weiter Ferne, jetzt war ein guter Zeitpunkt zurückzugehen.
Schweigend planend gingen sie durch die stillen, nassen Gassen.
„Weißt du? Du brauchst Verbündete. Meine Mutter ist eine meisterhafte Menschenkennerin. Frag sie zu diesen Thema.“, strahlte Justizia.

Zuhause war festliche Atmosphäre. Ein blutverschmierter, finster blickender Mann öffnete ihnen die Tür.
„Derik!“, schrie sie erheitert und fiel ihm in seine haarigen Pranken.
„Justizia. Lange nicht mehr gesehen. Hast du deine Ausbildung geschafft?“
„Nein, zu viel Druck. Deshalb bildet mich Mutter in ihren Gewerbe aus.“
„Nein wirklich? Hast du deine Angst abgelegt?“, Deriks Gesicht hellte sich auf.
„Ja. Wie kommt es eigentlich, dass du frei bist?“
„Ich bin bei einen Ausbruch dabei gewesen.“
„Ach nein. Nicht schon wieder eine Hausdurchsuchung.“
„Lasst uns es erst einmal feiern. Schwester hier sind 50 Mäuse als Belohnung, wenn du es schaffst.“
„Wirklich?“, strahlte sie.
„Ja.“
Die beiden verschwanden in ihr Zimmer. Er schaute sich ein bisschen im Tageslicht um. Schicke Wohnung trotz ärmliche Verhältnisse.
„Na. Habt ihr euch beide amüsiert.“, fragte die Stimme der Mutter.
„Nein. Trainiert.“
Die Frau lächelte, Tränen liefen in ihr Gesicht.
„Danke. Ich dachte schon sie würde es nicht packen. Komm mit, ich bin erfahrener als meine Tochter.“
„Gerne. Könnten wir uns dabei ein bisschen unterhalten? Ich habe einen Plan, Frau…“, er stockte.
„Eva, sag einfach Eva.“
Eva schloss hinter ihm die Tür einer anderen „Arbeitsstätte“, einem noch schöneren Schlafzimmer.

Klingeln schreckte sie aus den gemütlichen Ränkeschmieden.
„Polizei.“, murrte sie, zog sich langsam an, er schnell. Hier musste sein Plan beginnen. Er beeilte sich als Erstes an die Tür zu kommen.
„Guten Tag. Ich dachte, ich würde hier Frau Eklase treffen.“, begrüßte ihn einer der vier Polizisten.
„Der gute Tag hat für uns alle begonnen. Kommen Sie mit. Vergessen Sie den Urheberrechtsverbrecher. Sie stehen hier vor einen Massenmörder.“
Es war ihm egal, dass er nicht mal Schuhe angezogen hatte. Er führte sie barfuß durch die nassen Gassen.
„Sind Sie frei, ein Vogel in der Luft?“, fing er harmlos an. Die Polizisten lachten herzlich.
„Nein, es gibt immer noch das Gesetz. Und das ist sinnvoll Kleiner.“
„Was zählt mehr? Gesetz oder Moral?“
„Das Gesetz entspricht der Moral, es ist der Versuch einer Festhaltung.“
„Bilderbuchantwort. Aber ihr glaubt doch nicht jeden Scheiß. Wacht auf, ihr seid keine kleinen Kinder mehr.“
Die Polizisten sahen sich verwundert an. Er setzte nach: „Habt ihr nie ein Gesetz ausführen müssen, dass euch missfiel?“
Beide nickten verschämt.
„Wie sieht es mit eurer Unabhängigkeit aus? Ihr macht die Drecksarbeit der Legislative und Judikative.“
„Willst du uns vom Staat lösen? Nein, wir sind nicht bestechlich.“
„Aber eure Chefs.“
Das saß.
„Was schlägst du vor, Kleiner? Willst du den Hitlerputsch wiederholen?“
„Nein. Ich will euch vereinen und eine neue, bessere Demokratie schaffen. Das Problem an der heutigen Demokratie ist, dass jeder mitwählen kann.“
„Das ist doch genau der Sinn.“
„Damit kommen aber auch viele Idioten an die Spitze. Auch euer Erzfeind Hitler. In dem System, das mir vorschwebt, beweisen sich die Wähler erst, dass sie würdig sind. Doch nach welchen Kriterien? Raten Sie mal.“
„Moral?“
„Falsch. Moral kann man nicht messen, dafür aber Kampftalent und Motivation. Nur solche sollen nach meinen Putsch wählen können, der Rest muss sich anpassen.“
Die Polizisten begannen herzhaft zu lachen.
„Gut, dann beweise ich es euch.“
Der nun schwierigste Test stand bevor. Wie sollte er Nazis von irgendwelchen neuen Ideologien überzeugen? Nazis suchten Sicherheit und Kameraden… Sie erreichten die berüchtigte Gegend und schon kam eine Gruppe Stiefelträger auf sie zu.
„Hey Kleiner, suchst du Ärger?“, ein muskulöser Hüne trat aus der Gruppe hervor.
Er bedeutete den Polizisten zu warten.
„Nein, ich suche Freunde.“
Der Hüne war verdutzt.
„Vergiss die Juden, vergiss die Ausländer, doch nicht die Freiheit. Es ist die dumme Masse. Sie wollen Frieden, nehmen den Freien die Waffe aus der Hand.“
„Nicht aus unserer.“, lachte der Nazi.
„Mag sein, doch könnt ihr frei sein? Die Waffengewalt muss im Volk liegen, nur motivierte Krieger sind gute Staatsbürger. Eine kleine Minderheit hat keine Chance.“
„Hast du je gekämpft? Ich war bei der Armee. Unhaltbare Zustände dort, weswegen ich ausstieg und mich den Nazis anschloss. Man stelle sich vor, man darf das Funkgerät nicht in den Wagen ummontieren. Raus in den Tod rennen mussten wir. Ich will einen Führer, der uns wenigstens gute Waffen gibt, die wir dann auch benutzen dürfen.“
„Ich habe gekämpft, gegen irgendwelche hirnverbrannte Jugendliche. Hab sie umgebracht mit einer Eisenstange und meine Freundin hat auch welche erschossen.“
„Wirklich?“
„Komm kämpfen wir, doch bitte nicht bis zum Tod.“
Er zog sein Hemd aus, der Nazi stutzte kurz bevor ein Dämon hinter seinen Augen erwachte.
Die Schläge des Nazis waren die eines Hammers. Seine ungeschützte Haut, der Amboss auf den seine Konterschläge bis zu ihrer Vollendung geschmiedet wurden. Der Nazi wurde immer schwächer, seine Schläge immer effizienter. Er warf den Nazi über sein Bein auf den Boden. Ein Schrei, aus dessen Bein quoll Blut. Wieso? Eine runde Ausbuchtung war in dessen Hosentasche zu sehen. Vorsichtig zog er den Gegenstand aus dessen Fleisch heraus, ein Butterfly. Man war das erbärmlich seine Waffe nicht richtig zu sichern, sodass sie bei Körperkontakt gleich einen selbst verletzten. Nazis waren auch nur Kiddies.
„Ihr seid unter meinen Niveau. Könnt auch nicht mit Waffen umgehen. Tschüss.“
Die Nazis waren peinlich berührt, während sich die Polizisten schadenfreudig ins Fäustchen lachten.
„Warte!“
Sekunden später war er Anführer einer ansehnlichen Armee.
„Polizisten sind nicht böse genausowenig wie die Armee. Lasst euch nicht gegen das Volk aufhetzen! Werdet Teil von ihm.“
„Soll ich einen Bekannten in der Armee anrufen? Nehmen wir den Politikern auch noch ihr liebstes Spielzeug weg.“, fragte einer der Nazis
„Gerne. Wollen wir auch das Stadtgefängnis in unsere Kontrolle bringen?“
„Mit dir ja, Führer.“
Franz machte einen kleinen Umweg zum Gefängnis um sich die aufgegebene Eisenstange wieder anzueignen. Sie steckte noch fest als Pfosten als er sie herauszog. Erstaunlich, dass niemand den Betrug bemerkt hatte. Dann erreichten sie sein altes Heim. Vor nur einen Tag war er noch Insasse, nun konnte er von draußen das Ungetüm verachten. Es beherbergte Millionen, eingesperrt durch eine unendlich hohen Mauer aus Stahl und Stacheldraht. Er erinnerte sich zurück an seine Zeit im Knast. Wie konnte er die Wärter überzeugen? Gar nicht! Wurden Menschen als Wärter gezwungen, so hatten sie eine Wahl und nur ein Teil entschied sich für gnadenlose Kontrolle. Die hier hatten aber sich jenes selbst ausgesucht. Das hieß Macht um jeden Preis über die Gefangenen. Wehe ein Revolutionär. Sie traten im Empfangsschalter ein.
Deriks Stimme lachte: „Mit wen ich im letzten Monat Sex hatte? Meine Schwester.“
Man hatte ihn verarscht, eine zweite Streife geschickt, um die Eklase abzuholen.
„Was für ein Schwein sich an seine Schwester zu vergehen. Sperrt ihn ein.“
Justizias Stimme: „Nein, ich bin Prostituierte.“
Er erreichte harmlos das Foyer. An dem Tresen die Familie Eklase. Derik wurde gerade in den Knast gebracht.
„Beweis es! Kommt her!“
Wärter strömten eilig von überall herbei in ein Nebenzimmer. Sollte er die Zellen öffnen? Eva gab ihm mit einer Handgeste zu verstehen, er solle warten.
Gefühlte zehn Minuten vergingen, als plötzlich etwas tropfte. Blut, es floss unter der Tür hervor. Sie flog auf, in ihr Justizia, ihren Dolch blutgetränkt in der Hand, die Augen glichen die eines Raubtiers, doch die Kleidung war weiß wie die Unschuld.
„Ich weiß jetzt warum Justizia blind sein soll: um die Machenschaften der ehrlichen Bürger nicht aufzudecken.“, höhnte sie, sie fügte mit Funkeln im Augen hinzu: „Holen wir beide meinen Bruder? Der Dolch meiner Vorfahren dürstet nach Blut.“.
„Ja.“
Es dauerte nur zwei Tote um an ihren Bruder ranzukommen, zehn weitere, um in den Gefangenentrakt einzudringen. Mitten im zentralen Wachraum, betätigte er die elektronische Entriegelungsmechanik für alle Zellen, um anschließend mit den Verbrecherstrom ins Freie zu fliehen. Plötzlich kam ihnen ein Verbrecher mit entstellten Gesicht entgegen.
„Entschuldigung für meine Beleidigung damals und den Rachefeldzug. Du bist ein toller Kumpel.“
Das war der Typ, welchen er zusammengeschlagen hatte, erinnerte sich Franz.
„Entschuldigung für meinen Ausraster.“
„Du bist einer von uns. Jeder rastet mal in dieser Gesellschaft aus.“, des Deformierten Gesicht strahlte.
„Lasst uns erst mal ungesiebte Luft riechen.“
Draußen hatte sich ein riesiger Halbkreis um den Ausgang gebildet.
„Wohin Meister?“
„Folgt mir.“
Die Masse setzte sich hinter ihm in Bewegung und teilte sich vor ihm. Sein Ziel war ein Protestmarsch auf der Hauptstraße zum zentralen Platz. Alle Feinde würden sich ihnen in den Weg stellen und zermalmt oder überzeugt werden. Einer der Polizisten drängte sich verängstigt zu ihn vor: „Stoppen Sie das Massaker. Ich weiß Sie haben Herz.“
„Kennen Sie Stanfords Gefängnis Experiment?“
Der Polizist nickte.
„Eure Vorgesetzten haben euch gegen Bürger aufgehetzt. Schauen und hören Sie sich unter den Verbrechern um. Ausgestoßene, die zu ihre Taten getrieben wurden.“
„Aber die Strafe …“
„… muss sein. Deshalb marschiere ich. Auf den Tod der Oligarchie! Keiner der sich in den Weg stellt wird überleben.“
Eine Horde Jugendliche schimpften an einen Straßeneck mit einen Verkäufer lautstark.
Interessiert ging er näher.
„… Die Spiele mussten eingezogen werden. Sie enthielten zu viel Gewalt für euch. Anordnung des Staates“, forderte der Verkäufer.
„Was? Die Ersatzspiele sind einfach nur Scheiße. Nicht mal schießen kann man, nur Händchen geben.“
„Wir wollen keine Amokläufer.“
„Ihr habt panische Angst vor Gewalt, vor Amokläufern und so weiter. Erbärmlich.“, sprang Franz ein. Der Verkäufer erstarrte, bevor er ihn anfuhr: „Was fällt dir ein? Es könnten Menschen zu Tode…“
Franz drehte seine Metallstange mit den blutigen Ende zum Verkäufer.
„Es kommen Menschen zu Tode in unseren Putsch. Wir wollen Freiheit, keine Sicherheit.“, er wandte sich an die Jugendlichen, „Kommt mit. Lasst euch nicht von solchen blöden Spielen zähmen. Seht die Realität und diese ist brutal.“
Franz stach zuerst dem Händler Herz bevor er seine Stange rauszog und solange auf des Toten Kopf schmetterte bis die Gehirnmasse in alle Himmelsrichtungen spritzte. Jubel erschall und er hatte neue Anhänger. Der Polizist bekreuzigte sich.
„Glauben hilft Ihnen nicht. Machen Sie es Luther gleich. Revolutionieren sie das Gesetz bevor es zu spät ist.“, merkte Franz an.
Er nickte bedrückt, zog das Funkgerät.
„Chef, wir müssen das Gesetz temporär stürzen. Es bahnt sich etwas Großes an.“
„Nein. Wir sind nicht befugt.“
„Scheiß auf die Befugnis. Jeglicher Verzug wird tausende Menschenleben fordern. Sie haben das Militär.“
„Das wollen wir sehen. Tschüss.“
„Verdammtes Arschloch!“, brüllte der Polizist verzweifelt, piepte seine Kollegen an und erklärte die Lage, dann rannte er voraus.

Sie kamen an einen völlig verwüsteten Polizeirevier vorbei, blutbespritzte Polizisten knieten sich in ihren Weg, ihr Münder formte ein Wort: „Bitte.“
„Wir haben das Gesetz in unsere Hand genommen. Bitte stoppt den Aufstand!“, flehte einer von ihnen. Franz bedeutete seiner Kolonne „Stopp“.
Es war vorbei, sie hatten gewonnen. Zumindest in dieser Stadt.
Die Polizisten kippten gleichzeitig tot um, ein Loch im Hinterkopf. Des Rätsels Lösung verkündeten die Funkgeräte: „Verräter können wir nicht leben lassen.“. Scharfschützen! Seine Gruppe deformierte sich, um Schutz in den nahen Gebäuden zu suchen.
Neben ihm telefonierte einer seiner Anhänger mit den Militär.
„Was? Eine Elitetruppe wurde geschickt um den Aufstand niederzuschlagen? Kannst du mir helfen?“, dann verkündete dieser erleichtert den Umstehenden: „In paar Minuten wird eine Rakete das Parlament auslöschen.“
„Und mein Kumpel schaltet gleich diese Scharfschützen aus. Haltet euch die Ohren zu!“
Die Scheiben zersprangen bei den ohrenbetäubenden Explosionen. Franz sah brennende Hochhäuser einstürzen. Der Bürgerkrieg hatte begonnen. Mit einen Schlachtschrei rannte er hinaus auf die gesicherte Straße. Eine Armee aus den Abschaum der Stadt kam ihnen entgegen. Waffenfuchtelnde Jugendliche und Erwachsene jeglicher Nation, wütende Friedensaktivisten und natürlich die Profiteure ihrer Misere, Mittelschichtsjugendliche und ihre Eltern. An deren Front seine Eltern, gefesselt.
„Mein Geschenk an euch: Ihr müsst nicht in dieser Welt leben. Ihr seid nicht mehr meine Eltern“, mit diesen Worten lieh er sich eine Waffe, um diese zu erschießen. Es wurde still, sie marschierten weiter.
„Verdammte Nazis!“, schrie einer der Verteidiger.
„Ich bin Afrikaner.“, antwortete ein Dunkelhäutiger aus seiner Armee.
„Und ich Jude.“, ein Weiterer seiner Gruppe
„Und ich habe sie vereint.“, Franz.
„Egal. Stoppt!“, hauchte einer der Gegendemonstranten vor Angst.
Unbarmherzig rannten sie in die Gegenseite, bahnten sich ihren Weg. Stangen erschlugen, Messer erstachen und die zahlreichen Schusswaffen erschossen. Die Verteidiger wichen und wichen weiter zurück, doch noch immer war es ein blutiges Massaker, weil die Hinteren die Vorderen immer wieder zurück in die Schlacht schubsten. Bewaffnete waren kein Problem, keine Erfahrung. Deren tote Körper und ihr Blut schon. Im knöcheltiefen Blut rutschten viele auf den Leichen aus. Eine kleine, etwas abseits liegende, friedliche Demonstration auf den Zentralplatz überlebte als Einzige.
„Stoppt! Bitte! Werden Sie kein Diktator“, flehten ihre Mitglieder.
„Ich gleiche Hitler, ich gleiche Stalin, ich gleiche euch, denn ich bin ein Mensch wie wir alle. Ihr solltet versuchen zu verstehen wie es zu dieser Gewaltorgie kam.“, entgegnete er kaltherzig. Dann begann er mit der Staatsneugründung. Sollte er seine Position ausnutzen, um die Welt von Ungerechtigkeit zu befreien? Mit seiner Armee andere Länder überrennen?

Kratin wusste nicht wie ihm geschah als er plötzlich ohne Henker-Job dastand. Er war die ganze fleißig den Anweisungen gefolgt ohne zu denken. Als wäre das nicht schlimm genug, kamen seine Kinder mit 6-ern nach Hause. Dabei hatten sie die Antworten gelernt und sogar auf ihren Alkoholrausch verzichtet. Sie heulten was von, sie müssten Zusammenhänge verstehen und ihre Fantasie spielen lassen. Und nicht einmal Hausaufgaben hatten sie, jetzt musste er sie unterhalten. Morgen würde er sich beschweren.

Kratin sprach mit einen Schulleiter und Kampfsportlehrer namens Franz. Was war das für ein ungebildeter Kerl? Und machtmissbrauchend war er auch. Als Schulleiter gönnte er den Schülern Ruhepausen und brachte ihnen das Denken bei. Nicht einmal nach IQ-Richtlinien sondern nach Kreativität und Arbeitsergebnisse benotete er. Da konnte selbst die langsamste Schnecke eine Eins bekommen. Unhaltbar. Das Land brauchte willige Untertanen.
Dann erfuhr er, dass dessen Frau Justizia Justizministerin geworden war. Durch die Wahl von deren Partei unter den selbsternannten Kriegern. Die Frau war unmöglich, hatte Mitleid mit Verbrechern. Sentimental wie Frauen halt waren. Deshalb sollten diese nur in Haus und Küche arbeiten, auf keinen Fall als Justizministerin oder Prostituierte, ein Grund mehr sie zu ächten.

Kratin mit seiner Familie landete nach einen Jahr auf der Straße. Unter anderem weil die Schulden nicht mehr kollektiviert wurden. Sie, die Hochwohlgeborenen, sollten sie alleine zahlen, die sogenannte „Umschuldung“. Unfassbar, ein Krieg wäre nötig gewesen. Seitdem die Unterschicht die Führung übernommen hatte, ging es mit ihm bergab. Nicht mal ausreisen konnte er, denn andere Staaten waren von alleine dem Beispiel gefolgt. Wut stieg in ihm auf. Der Unterschicht würde er ihren Platz zeigen, ganz unter, unter ihnen, den Hochwohlgeborenen. Ein Benzinkanister stand unbewacht herum. Er würde sich damit Molotowcocktails bauen, die Stadt damit auf seine Lage aufmerksam machen, die Flaschen könnte er sich schnell bei seinen Kindern besorgen. Welch bittere Ironie. Sie hatten zum Alkohol gegriffen. Keine Zukunft mehr, einfach nur vergessen. Er genoss das Gefühl auch und gesellte sich deshalb häufig zu ihnen. Aber nun zur Tat. Mit leisen Schritt schnappte er sich den Kanister, schaute sich verstohlen um. Niemand hatte ihn gesehen. Pech, dass die neuen Herrscher der Stadt die Kameras abmontiert hatten. Sicherheit durch Talent. Er lachte. Man sah ja wohin es führte. Er machte sich auf den Heimweg zur Brücke, die ihnen nebst Alkohol wenigstens ein wenig Wärme schenkte. Noch so ein Punkt. Warum wollte ihn niemand anstellen oder aufnehmen? Es waren doch alles Arschlöcher. Mittlerweile war er bei seiner neuen Heimat angekommen, weit reisen konnte er ohne einem Auto nicht und die gesamte Stadt war autofreie Zone. Mit Fahrrad fahren? Zu anstrengend.
Leere Flaschen standen in großer Anzahl neben seinen schlafenden Kindern, das Benzin ran gierig durch den schmalen Hals hinein. Stoff bräuchte er noch und ein Feuerzeug, beides besorgte er sich bei seinen Kindern. Es würde niemanden auffallen, dass deren Lumpen nun noch zerfetzter waren. Gesagt getan und seine Kinder schnarchten weiter. Ekelhaft ihr Atem.

Das erste Molotow-Cocktail warf er mitten in einer Menschenmenge, das zweite in ein Kaufhaus. Brennende Menschen spritzten auseinander, der Feueralarm heulte, doch keine Panik brach aus. Ein Passant löschte schnell das Feuer im Kaufhaus, der Rest wälzte sich das Feuer aus und schaute ihn wütend an. Waren nur selbsternannte Krieger, warum fürchten?
„Hey Arschlöcher, wieso habt ihr mich auf die Straße abgeschoben und die Schulden überlassen?“
„Weil du ein Arschloch bist.“
„Ich verbitte mir diesen Ton.“
Es formierte sich ein Menschenkreis um ihn. Immer mehr Zuschauer kamen und verstopften sämtliche Fluchtmöglichkeiten. Na gut, dann würde er sich eben einen Weg bahnen. Er zündete ein weiteres Molotow-Cocktail und warf es in die Menge. Einer fing es auf und warf es zurück. Flammen züngelten um ihn, Schmerzen in ihn. Verdammtes Arschloch.
„Warum rennt ihr nicht?“, keuchte er schmerzerfüllt, auf den Boden wälzend. Das Feuer erlosch, die Schmerzen blieben.
„Sehen wir feige aus? Wir sind Krieger! Los auf ihn.“
„Haltet ein. Ihr seid doch gute Christen.“
„Christen? Nie gewesen. Gottgewollt arm und unfrei? Man sieht das Gegenteil, wir haben dafür gekämpft. Freiheit muss mit Blut verteidigt werden.“
„Du aber bist ein Jude.“, Kratin deutete schweißnass auf einen alten Klassenkamerad, von dem er wusste, dass er jüdisch war.
„Jude? Nie gewesen.“
„Irgendwelche Gläubigen?“, ein verzweifeltes Aufstöhnen.
Die Masse schüttelte den Kopf. Ein Jugendlicher schnauzte ihn an: „Warst du nicht mal ein großer Verfechter der Todesstrafe?“
„Nein.“, log er. Sicher wussten es die Anderen. Angst weitete seine Augen.
„Sicher. Du hast meine Kumpels umgebracht. Tötet diese Schlange!“
Messer wurden in ihn gerammt. Er sah nur des Blutes Rot, dann nichts, nie mehr.

Ende

Nachwort: Diese Geschichte ist ziemlich heftig. Ich hoffe es stößt sich niemand daran.

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Die Arbeitnehmer


Treffen sich zwei Arbeitnehmer.
Arbeitnehmer1: Freust du dich schon auf deinen psychischen Zusammenbruch?
Arbeitnehmer2: Oh ja, ich werde feiern, wenn ich arbeitsunfähig aus der Klinik komme. Und du?
Arbeitnehmer1: Ich werde erst einmal ausschlafen. Aber ich weiß nicht ob ich durchhalte. Es könnte auch sein, dass ich springe.
Arbeitnehmer2: Denk an deine Familie. Die müssen den Schaden und Arbeitsausfall bezahlen. Nimm lieber eine Überdosis.
Arbeitnehmer1. Hab ich versucht, aber überlebt. Seit meiner Entlassung trage ich Fußfesseln und darf die Firma ohne Erlaubnis nicht verlassen.
Arbeitnehmer2: Rauchst du?
Arbeitnehmer1: Wer nicht? Meine Mutter pflegte zu sagen: „Kürzeres Leben, kürzere Qual“. Außerdem beruhigt es ungemein.
Arbeitnehmer2: Nimm lieber Leistungsdrogen, die gefühlstaub machen. Die werden sogar von den Firmen gesponsert.
Arbeitnehmer1: Ich habe Familie. Ich will ihr das nicht antun.
Die Pausenglocke klingelt.
Arbeitnehmer1: Ich muss los. Auf den Zusammenbruch!
Arbeitnehmer2: Auf den Zusammenbruch!
Ihre Wege trennen sich und finden nie wieder zusammen.

Ende

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Der stampfende Elefant


Immer und immer wieder brannte man mit glühenden Eisen das Sklavenzeichen in seine Haut. Monate der Qual vergingen, dann wurden es Jahre und die Peiniger unaufmerksamer.
Der Elefant löste sich von seinen Fesseln, nahm Anlauf und rannte seine Peiniger über den Haufen. Sie starben sofort, doch damit nicht genug. Der Elefant sah in jedem Menschen einen Peiniger und trampelte eine Lehrerin und ein Kind tot. Weiter ging es mit Polizisten, Anwälten. Dann ein Abstecher in die Börse, um anschließend in die Regierung einzubrechen. Doch kaum war er drin, traf ihn etwas am Kopf. Blut schoss neben seinem Ohr aus dem Kopf, sein Verstand vernebelte. Er richtete sich ein letztes Mal auf, um vor Schmerz und Triumph zu trompeten. Dann starb er, aber er starb nicht umsonst. Seine Nachfolger würden sein Werk vollenden.

Ende

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