Im Untergang


Novenovelle, Jahr 20, Tag 1:
„Zum 20. Jubiläum der Mutantenrevolution geben wir einen Rückblick auf meine alten Nachrichten. Es könnte zu Copyrightsansprüchen meines ehemaligen Arbeitgeber, der Rattel-TV-Nachrichtenshow, kommen, ich bitte sie einfach zu ignorieren, da er keine Macht besitzt diese Ansprüche in unserer Welt durchzusetzen.“

Rattel-TV, 1.7.2xx1, 12:00:
„Heute wurde Jalon Schakal schuldig befunden 203 Patente auf Gene verletzt zu haben. Der Mann hatte vor kurzem einen Virus zur Körperveränderung kostenlos angeboten. Nehmt diese auf keinen Fall an, sonst droht euch, wie ihm, das Einschläfern. Jetzt hören wir noch den Innenminister. Herr Innenminister was für Konsequenzen ziehen Sie aus den Vorfall?“
„Es ist unverantwortlich seinen eigenen Körper so zu misshandeln, deshalb arbeiten wir an Rückverwandlungskliniken und bieten eine Impfung an. Eltern sollten ihren Nachwuchs umgehend impfen, damit dieser sich nicht durch eine Spritze unter Freunden seine Zukunft verbaut.“
„Wie stehen Sie zur Selbstbestimmung über den eigenen Körper?“
„Der eigene Körper darf kein rechtsfreier Raum sein (1). Man hat Verpflichtungen gegenüber seiner Art und der Gesellschaft. Präimplantationsdiagnostik ist aus den gleichen Grund verboten.“
„Wie stehen Sie zur Hinrichtung äh zum Einschläfern von Jalon Schakal?“
„Ich stehe voll hinter seiner Einschläfern. Er hat erstens Patente verletzt und zweitens diese in Körper eingebaut, was logischerweise zu dessen Vernichtung führt, drittens seine Art verraten und viertens ist er ein großes Risiko, was die Vernichtung von Tieren gesetzlich erlaubt.“
„Herr Innenminister, wir danken Ihnen fürs Gespräch.“

(1) Anspielung auf „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum seien.“, Angela Merkel

Rattel-TV, 1.7.2xx1, 17:00:
„Große demonstrierende Massen haben sich vor Jalon Schakals Gefängnis in Stammheim zusammengefunden. Sie alle tragen seine Körpermodifizierung. Der Protest richtet sich vor allem gegen Patente auf Gene und die Einschränkung der Selbstbestimmung über den Körper. Jetzt erklärt Herr Innenminister warum das nötig ist.“
„Selbstbestimmung über uns ist in Ordnung, aber es müssen Schranken gesetzt werden, wenn andere davon betroffen sind, was bei Änderung der Art der Fall ist. Stellen Sie sich vor, Sie wären der letzte Mensch auf Erden, weil alle anderen Monster sind. Das muss unterbunden werden.“

Rattel-TV, 1.7.2xx1, 18:00:
„Die Polizei hat vorsichtshalber alle Demonstranten vor Schakals Gefängnis eingesperrt und überprüft die Rechtmäßigkeit von deren Einschläferung. Streitfragen sind vor allem: Gilt eine menschliche Schimäre als Mensch oder Tier? Und Ist die Rückverwandlung einer Schimäre nicht deren Einschläferung vorzuziehen?“

Rattel-TV, 2.7.2xx1, 0:00:
„Fliehen Sie so schnell Sie können aus Stammheim. Schakal ist der Ausbruch mit seinen Anhängern gelungen. Sie richten alle Menschen in der Gegend hin. Hier Luftaufnahmen.“
Eine Slideshow wurde gezeigt:
Straßenlaternen waren zu Galgen umfunktioniert worden. Einige davon waren unter den Gewicht ihrer Opfer eingeknickt. Nicht alle Toten hingen an Laternen, einige lagen mit zerschmetterten Gesicht oder mit aufgeschlitzter Kehle am Boden.
„Uns erreicht gerade die Meldung, dass die Polizei in diesen Gebiet ausgelöscht wurde. Man fordert nun die Armee an.“

Rattel-TV, 2.7.2xx1, 12:00:
„Verlustreiche Kämpfe toben in ganz Stammheim. Mittlerweile kann man davon ausgehen, dass es außer Armee und Aufständische keine Überlebenden mehr im Gebiet gibt.

Rattel-TV, 3.7.2xx1, 13:00:
„Die Terroristen haben sich in dem Uniformen gefallener Soldaten gekleidet und ein Massaker unter deren lebenden Kameraden angerichtet. Verstärkung wird angefordert. Es gab eine Verhaftungswelle an den Mutanten. Man steckte sie in Hochsicherheitsgefängnisse in Einzelhaft. Die Einschläferung kann, weil die Mutanten jetzt als Terroristen gelten, nicht mehr stattfinden.“

Rattel-TV, 4.7.2xx1, 8:00:
„Das Militär hat gestern trotz Verstärkung erhebliche Verluste erlitten. Der Bau eines Mauer zur Eindämmung des Problems hat begonnen. Hilfskräfte werden dringend benötigt.“

Rattel-TV, 7.7.2xx1, 22:00:
„Mit vereinten Kräften wurde die Mauer vor einer Stunde fertiggestellt. Das Militär zog sich zugleich hinter die Mauer zurück. Die Angriffe nahmen ab. Man geht davon aus, dass das Problem temporär gelöst wurde. Es wird über den Einsatz von Atomwaffen diskutiert. Anwohnern der Grenzregion wird dringend angeraten wegzuziehen.“

Rattel-TV, 8.7.2xx1, 12:00:
„Gestern wurde das spurlose Verschwinden von Markus Klotzmann in der Grenzregion gemeldet. Bei Hinweisen bitte melden.“

Rattel-TV, 14.7.2xx1, 12:00:
„Heute morgen fehlt von einen zweiten Jugendlichen in der Grenzregion, namens Thomas Karta, sämtliche Spuren. Bei Hinweisen bitte melden.“

Rattel-TV, 17.7.2xx1, 12:00:
„Den dritten Jugendlichen in der Grenzregion hat es heute Nacht erwischt. Diesmal verschwand ein Mädchen. Ihr Name ist Klara Kutusku, wie immer bitte bei Hinweisen melden. Bitte passen Sie außerdem gut auf Ihr Kind auf, wenn Sie in der Grenzregion leben. Lassen Sie es nicht alleine in die Nacht raus.“

Rattel-TV, 18.7.2xx1, 12:00:
„Heute Nacht verschwanden nahezu alle Jugendlichen der Grenzregion. Es wird ein Zusammenhang mit den Mutanten vermutet. In den Diskussionen über den Einsatz von Atomwaffen setzt sich eine starke Mehrheit dafür ein.“

Rattel-TV, 19.7.2xx1, 12:00:
„Heute Morgen wurden Atombomben über die Region abgeworfen. Es ist von keinen Überlebenden auszugehen. Die radioaktive Wolke wird sich gegen Abend gelegen haben.“

Rattel-TV, 25.7.2xx1, 12:00:
„Jugendliche verschwinden weiterhin aus ungeklärten Umständen spurlos. Dieses Phänomen hat sich mittlerweile auf Gesamtdeutschland ausgedehnt. Es ist davon auszugehen, dass Mutanten entkommen sind. Bitte bewachen Sie Ihr Kind vor allem nachts.“

Rattel-TV, 30.7.2xx1, 12:00:
„Sämtliche Insassen von Hochsicherheitsgefängissen, welche die Mutantenart beherbergten, sind verschwunden. Die Wärter wurden mit aufgeschlitzter Kehle zurückgelassen. Erste Fälle des Verschwinden sind nun in Gesamteuropa bekannt“

Rattel-TV, 9.8.2xx1, 12:00:
„Das Rätsel um das Verschwinden von Menschen hat sich gelöst. Es wurde ein Tunnel unter der Mauer gegraben. Die Mutanten sind überall. Sie agieren unterirdisch und haben, aller Anschein nach, einen neuen Virus entwickelt, der die Impfung unwirksam macht.“

Rattel-TV, 10.8.2xx1, 12:00:
„In Amerika begann das Verschwinden von Jugendlichen. Es scheint sich ein Mutant eingeschlichen zu haben. Sämtliche Flüge und Schiffsfahrten wurden gestoppt. Das Ende der Globalisierung scheint gekommen zu sein.“

Rattel-TV, 19.8.2xx1, 12:00:
„Trotz Stopp des Fernhandels und des Tourismus gibt es nun auch in Japan und China Fälle des Verschwindens. In der USA nahmen diese binnen nur neun Tage um 30000% zu.“

Rattel-TV, 24.8.2xx1, 12:00:
„Das Rätsel um die Verbreitung der Seuche ohne Handel ist gelöst. Satelliten beobachteten die Mutanten bei der Benutzung kleinerer Motorboote und teils beim Schwimmen über das offene Meer. Die Motorboote und der Treibstoff stammen aus einer kleinen Diebesserie. Der Handels- und Reisestopp wurde, aufgrund Wirkungslosigkeit, wieder aufgehoben.“

Rattel-TV, Jahr 2, Tag 1, 12:00:
„Heute jährt sich der Anfang einer globalen Epidemie und ist Beginn einer neuen Zeitrechnung. Die Mutanten sind mittlerweile überall auf der Welt anzutreffen, sofern man bei Verschwinden von Antreffen sprechen kann. In unwirtlichen Gebieten wurden Siedlungen gegründeten, die gegen außen und innen perfekt abgeschirmt sind. Besonders der Untergrund und die Luft wurden berücksichtigt. Statt Himmel gibt es starke Beleuchtungen an einer bemalten Decke, statt weicher Erde gibt es nun ein Fundament aus Stahlbeton, statt Fenster gibt es Bildschirme. Außerdem wird den Kindern schon früh beigebracht, dass Mutanten böse sind und ihr Körper der Gesellschaft gehört. Tattoos und andere Körperverzierungen sind absoluter Tabu, genauso Geschichten über heroische Mutanten. Dafür werden Makellosigkeit und Horrorgeschichten über Mutanten belohnt, außerdem ist Computerspielen absoluter Muss. Trotz allen Versuchen den Kindern ihre neue Welt schmackhaft zu machen, sind die Selbstmordraten hoch. Es wird darüber nachgedacht, ob man Führungen ins Freie anbietet.“

Rattel-TV, Jahr 2, Tag 2, 12:00:
„Die Mutanten sind aufgetaucht. Sie verstecken sich nicht mehr. Es ist unklar, ob sie damit auf unsere letzte Sendung reagiert haben. Es wird dazu aufgerufen sofort die Städte zu verlassen und sich in einen unseren neuen Siedlungen niederzulassen.“

Rattel-TV, Jahr 2, Tag 3, 12:00:
„Trotz unseren Aufrufs, sind viele Menschen in den Städten geblieben. Sie haben den Kampf gegen die Mutanten aufgegeben und versuchen sich mit ihnen zu arrangieren. Herr Innenminister, was sagen Sie zu dieser Entwicklung?“
„Verräter, Helfer von Terroristen. Wir erlassen im Moment ein Gesetz, dass sie von unserer Gesellschaft ausschließt, aber eine Rehabilitation zulässt.“

Rattel-TV, Jahr 2, Tag 3, 18:00:
„Der Ausschluss der Blutsverräter ist nun Gesetz, ein neuer Rekord. Statt Wochen, nur einige Stunden zum Beschluss.“

Rattel-TV, Jahr 2, Tag 4, 12:00:
„Massen sind seit den neuen Gesetz zu Mutanten konvertiert. Mittlerweile bauen die Mutanten eine neue Steinzeitgesellschaft auf. Sie verzichten dabei auf Kleidung, Häuser und andere Annehmlichkeiten der Zivilisation und pflanzen stattdessen Spezialbäume. Es ist nicht zu empfehlen für Menschen bei ihnen zu leben.“

Rattel-TV, Jahr 2, Tag 5, 12:00:
„Erstaunlicherweise gibt es tatsächlich Menschen, die es den Mutanten gleich tun. Unsere Zivilisation scheint an einen Punkt des Abstiegs angekommen zu sein.“

Rattel-TV, Jahr 2, Tag 13, 12:00:
„Entschuldigen Sie meinen Ausfall in Neuneuneu. Ich bekam kurz nach meiner Sendung das Angebot einer Führung in die neue Zivilisation. Unglaublich wie primitiv und doch wie glücklich die Leute dort leben. Man stelle sich vor, die Einwohner sprengen ein Kaufhaus voll mit Waren für mehr Wald. Computer gibt es nicht mehr, stattdessen benutzen die Mutanten ihren Kopf. Sie können anscheinend per Funk Gedanken austauschen. Außerdem haben sie eine hypnotische Sprache entwickelt, die wir Menschen ohne deren Kenntnis sofort verstehen und deren Bilder sich in unseren Sehzentrum bilden. Die neuen Kinos funktionieren durch eine Vorleser für Menschen. Und die Filme erst: Hollywood konnte nicht annähernd so gute Filme in ihren besten Zeiten drehen. Betten, Zahnbürsten, all die Kleinigkeiten, sind dort auch durch biologische Äquivalenten ersetzt.
Der Preis für all die Errungenschaften war die Nacktheit. „Statt Nacktscanner“, war der Scherz bei meiner Einreise. Sie hatten deutlich Angst vor Terroristen.“

Radiofunk, Jahr 2, Tag 13, 13:00:
„Als Reaktion auf meine Berichtserstattung wurde ich von meinem Sender gekündigt. Ich werde privat weitersenden. Möge die Menschheit in Frieden mit ihren Nachfolgern leben!“

Radiofunk, Jahr 2, Tag 17, 12:00:
„Mir wurden, auf Druck des Innenministers, sämtliche Konten gesperrt. Ich werde mich trotzdem nicht von meiner Sendung distanzieren, sondern stattdessen für alle freie Menschen weitersenden. Ich ziehe, unter anderem deswegen, in eine verlassene Sendeanstalt innerhalb der Wäldern der neuen Zivilisation um. Ich bitte den Eigentümer Klagen zu unterlassen, denn es ist Papierverschwendung. Die Mutanten interessieren sich nicht fürs alte Rechtssystem.“

Fernsehfunk, Jahr 2, Tag 18, 12:00:
„Der Umzug ist dank tatkräftiger Unterstützung der Mutanten heute schon vollendet. Aufgrund der einzigartigen Verfügbarkeit werde ich die Physiologie unserer neuen Nachbarn näher beschreiben. Wir nehmen einen jüngeren Mutanten. Jaukal lege dich bitte mit den Rücken auf die Liege.“
Ein Mutant legte sich auf einer weißen Liege. Als Ohren hatte es Katzenohren, als Kopfhaar ein graues Fell, welches den gesamten restlichen Körper bedeckte, Krallen waren an Füßen und Händen. Der Nachrichtensprecher zeigte auf die grünen Augen.
„Wie ihr sicher erratet haben die Mutanten…“
„Wir nennen uns Nove.“, unterbrach der Mutant vorlaut.
„… der Nove die Augen einer Katze…“
„… und auch verschiedene Haarfarben, blablabla. Das interessiert niemanden. Fang lieber mit unseren Antennen an.“
„Ok.“, der Nachrichtensprecher deutete auf zwei schmale, kurze Hörnchen über Katzenohren, „Damit können sie sich per Funk verständigen. Sämtliche Frequenzen. Und nun zu den Mund.“, der Nove öffnete seinen Mund, „Seht ihr die Zunge? Sie gleicht der einer Schlange. Und die Zähne wachsen auf Kommando des Gehirns. Zeig bitte Jaukal.“, die Eckzähne wuchsen einen Zentimeter, bevor sie wieder eingezogen wurden.
„Und nun …“
„… die Hände.“, der Nove streckte seine Hände zur Kamera, „Statt Finger habe ich kurze Krallen, die deren Funktionalität ersetzen. Doch wie? Wir haben die Lösung, Gelenkigkeit“, seine Hand faltete sich, griff nach einen Ei hinter der Kamera, welches elegant zwischen seinen Krallen gehalten wurde. Er legte es zurück in den Bereich, den die Kamera nicht filmte.
„Damit kann man auch gut Tunnel graben. Luft wird von uns über die Haut aufgenommen…“
„Wir bleiben bei seiner Haut.“, unterbrach der Nachrichtensprecher, zog ein Messer, stach es in den Arm des Nove, das Messer verbog.
„Tja da braucht man etwas Stärkeres, wie unsere Krallen oder… Liebe.“
Schwarze Flüssigkeit spritzte aus den Arm.
„Aufgrund unserer anderen Fortpflanzungsart müssen wir uns nicht bekleiden wie unserer feiner Nachrichtensprecher. Jeder der diese Flüssigkeit auf die Haut bekommt, wird einer von uns. Bei zwei Nove ist natürlich die Folge klar: ein Kind. Dafür scheißen wir, wie Vögel, den Urin..“
„Auch sonst ist ihr Körper dem Menschlichen überlegen.“, unterbrach der Nachrichtensprecher hastig, „Sie vertragen Radioaktivität, sind energiesparsam, trotz ihres hochentwickelten Gehirns und können sogar die tollkühnsten Verrenkung vollführen. Wenn ihr mehr wissen wollt, könnt ihr sie besuchen oder selbst einer werden. Der Weg steht allen offen.“
„Bis auf Terroristen.“

Novenovelle, Jahr 2, Tag 19, 12:00:
„Jaukal ist mein neues Teammitglied. Wir beschlossen unseren Fernsehsender Novenovelle zu nennen.“

Novenovelle, Jahr 2, Tag 23, 12:00:
„Heute kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Nove und mit bewaffneten Grundstückseigentümern, die Schadensersatz verlangten. Der Konflikt wurde durch die Auslöschung oder Eingemeindung der Eigentümer gelöst, wobei nur zwei das Eingemeindungsangebot annahmen.“

Novenovelle, Jahr 2, Tag 24, 12:00:
„Die gleiche Masche wurde heute bei uns versucht, weil wir in einer Insel innerhalb der Noveschen Wäldern leben. Der Anspruch auf Durchreise wurde von Nove abgelehnt, dennoch mussten einige Ungehorsame exekutiert werden. Unter den Hingerichteten findet sich der Eigentümer, was Rechtsfragen in Zukunft verhindern wird.“

Novenovelle, Jahr 7, Tag 5, 12:00:
„Ein junger Mann ist gestern aus einer der neuen Siedlungen ausgebrochen. Seine Erzählungen und die Filme, die er dabei hatte, erschütterten mein Weltbild von den Siedlungen zutiefst. Ich spiele sie euch vor.“
Der Film begann:
„Eins, zwei. Eins, zwei.“, eine riesige Kolonne uniformierter Jugendlicher marschierte auf die Mitte des Zentralplatz. Sie trieben zwei Menschen mit Sack über den Kopf vor sich her, sie flehten: „Ich habe doch nur freies Fernsehen geschaut.“, „Und ich habe nur die Menschen ein bisschen kritisiert. Bitte lassen Sie uns die Sonne sehen.“
Eine Grube, aus der Flammen emporschossen, ging auf, die beiden Verbrecher wurden reingestoßen. Plötzlich brachen hunderte Jugendliche aus der Kolonne aus, um selbst in die sich schließende Grube zu springen.
„Dafür werden eure Kameraden bezahlen. Peitscht sie aus.“
Die Kolonne mussten sich nackt ausziehen, um dann von aneilenden erwachsenen Wachen ausgepeitscht zu werden. Diese suchten die empfindlichsten Stellen aus, bald waren die Jugendlichen nur noch eine blutige, weinende Masse.
Der Film endete, ein Zweiter begann.
Jugendliche verstopften die Lüftung ihres Zimmers und tropften eine gelbliche Substanz auf die Heizung, Rauch bildete sich. Röcheln drang von ihnen und den Kameramann.
„Ich verlasse euch jetzt. Ich möchte noch leben.“, verkündete dieser bevor der Film weiterwechselte.
„Weil eure Kameraden sich mit der Heizung umgebracht haben, ist die Temperatur, mit der ihr heizen könnt, auf 25 °C gesunken.“, verkündete ein Wärter.
Murren unter den Jugendlichen.
„Ich will hier raus.“, schrie ein Mädchen panisch. Ein Schuss knallte, das Mädchen fiel, mit einen Loch im Kopf, in sich zusammen.
„Wer von euch hat ihr diesen Unsinn eingeredet?“
„Es war Paul.“
„Wer war Paul nochmal?“
„Gefangener Nummer 23.“
„Ah, der das freie Fernsehen hier reingebracht hat. Da habt ihr nochmal Glück gehabt.“
Nächster Film:
Kinder fraßen von Plastiktabletts Gefängnisfraß.
Nächster Film:
Überblick über ein Gefängnis. Jugendliche mit leeren Blick aßen von Näpfen in Gummizellen.
„Hier eure Pillen.“, sagte jemand.
Nächster Film:
„Ich kann nicht mehr!“, brüllte ein junger Mann, „Ich ertrag es nicht mehr!“
„Du musst besser werden in der Schule.“, antwortete eine besorgte Mutter.
„Ich kann aber nicht. Ich lerne schon zehn Stunden pro Tag. Ich halte es nicht aus. Bitte tötet mich.“
Ein hereinkommender Arzt gab den jungen Mann eine Spritze. Sofort verstummte dessen Geschrei, schlug in hysterisches Gelächter um.
„Ein ernster Fall.“, meinte der Arzt.
„Was soll ich nur tun?“, schrie die verzweifelte Mutter.
„Vielleicht ist es das Beste ihn auszustoßen. Weit kommen die Jugendlichen ja nicht bei hügeliger Landschaft. Er wird dort entweder verrecken oder zurückkommen.“
Eine Tür wurde vor der Kamera geschlossen. Die Kamera drehte zu den Kameramann, einen hohlwangigen Jugendlichen.
„Mein Name ist Stanley. Ich werde gleich meinen Bruder Kurt die Aufzeichnungen übergeben. Ich hoffe er kommt durch zu den Nove. Und noch was: Ich werde einen Aufstand anzetteln, so kann es nicht weitergehen.“
Die Videopräsentation endete.
„Zurück zu den Flüchtling, wir filmten ihn wie er in der neuen Welt zurecht kam.“
Ein Video begann:
Kurt stolperte über unebenen Waldboden, ruhte sich nach einigen Metern aus.
„Die herangezüchteten Menschen können nicht mehr auf unebenen Böden laufen, wie ihr eben gesehen habt.“, kommentierte der Nachrichtensprecher. Zwei Nove hoben den Mann auf und trugen ihn auf eine verlassene Straße. Der Mann konnte augenblicklich besser laufen.
„Zwei Stunden später.“, wurde eingeblendet.
Der Mann konnte über den hügeligen Boden laufen. Als er sich beim Betreten des Waldes entkleiden sollte, schrie er: „Bitte nicht schlagen.“.
„Wir wollen doch niemanden schlagen, wenn dann kämpfen beide freiwillig.“
„Und warum verlangt ihr das sonst?“
„Wir haben Angst vor Terroristen.“
Der Mann brach in hysterisches Gelächter aus.
„Wir können dich gerne infizieren. Dann hast du keine Probleme mehr mit Nacktheit.“
„Nein, danke. Wer ist eigentlich der Mann, der gerade filmt?“
„Stackshood, unser Nachrichtensprecher. Er hat eine Wohnung in der Nähe, du kannst vielleicht zu ihm ziehen. Er benutzt die Waldwege, so ist seine Verhüllung kein Problem.“
Überblende zu Kurt in ein altmodisch eingerichtetes Esszimmer.
Der Neue schaute erschrocken das Essen auf einen Tisch an.
„Was ist das? Ich kenne nur Nahrungspaste.“
„Das ist Salat.“, der Nachrichtensprecher deutete auf eine Schüssel mit Salat, „Das ist Fleisch.“ „Das sind Nudeln.“
„Und wie isst man das?“
Jaukal hinter der Kamera hervor.
„Stackshood kümmere du dich bitte um die Kamera, ich erkläre es ihm mal schnell.“
Der Nachrichtensprecher verschwand hinter der Kamera. Der Nove begann in seiner hypnotisierenden Sprache zu sprechen, als plötzlich der Mann unterbrach: „Bitte nicht. Ich habe Angst vor eurer Hypnose.“
„Was sonst? Ich kann Menschen …“
„Ich bin einfach nicht geeignet als Mensch zu leben. Bitte verwandle mich.“
Der Mann warf sich vor ihm weinend nieder.
„Da bist du nicht der Einzige. Menschen sind wie fette Glucken, die ihre Kinder zerquetschen. Kaum waren die ersten Kinder der Käfighaltung zu uns geflohen, setzten sie den Rest so unter Druck, dass er zu uns fliehen musste. Die Armen, die jenes nicht vollbrachten, sind jetzt seelisch und körperlich verkrüppelt, wie Legehennen. Hier, drink die Erlösung.“
Ein schwarzer Tropfen drang aus den Arm des Nove, der Mann schleckte ihn ab.
Das Video endete.

Novenovelle, Jahr 7, Tag 6, 12:00:
„Viele meiner Zuschauer sind nach der letzten Sendung konvertiert. Ich habe gute Neuigkeiten für euch beide, sowohl Menschen als auch Nove: es gab heute einen Aufstand in der hiesigen Siedlung, die Jungen sind frei, die Alten haben hohe Verluste zu beklagen, während die hiesigen Nove Aufnahmelager bilden mussten, um die anströmenden Massen lebenstüchtig zu machen. Für die Verfechter der Menschheit: Nur die Hälfte der Jugendlichen ist konvertiert, der Rest blieb Mensch. Unter den Konvertierten ist Stanley, bekannt dank seiner Filme. Die Nove wollen ihm einen Freiheitspreis verleihen. Um 14:00 neue Informationen.“

Novenovelle, Jahr 7, Tag 7, 14:00:
„Die Aufstände gehen rings um die Welt. Nur wenige Siedlungen sind unbetroffen. Gerüchten zu folge rüsten die Älteren auf.
Stanley erhielt den Freiheitspreis und ist nun, zusammen mit seinen Bruder Kurt, Mitglied unseres Teams.“

Novenovelle, Jahr 7, Tag 8, 12:00:
„Selbst die letzten Siedlungen haben das Feuer der Revolution gefangen. Mittlerweile verhängen die Alten Kollektivtodesstrafen bei Fluchtversuchen. Dennoch fliehen und kämpfen die Verzweifelten ohne Rücksicht auf Verluste.“

Novenovelle, Jahr 7, Tag 9, 12:00:
„Die Revolutionen haben aufgehört, was am Mangel von Protestierenden liegt. Entweder sind sie frei oder tot.“

Novenovelle, Jahr 7, Tag 12, 12:00:
„In einer Langzeitstudie von sieben Jahren haben die Nove festgestellt, dass ihr Alterungsprozess mit den Erreichen ihrer adulten Form aufhört, stattdessen reifen sie geistig. Der Traum von ewiger Jugend und Weisheit ist nun zum Greifen nah.“

Novenovelle, Jahr 15, Tag 1, 12:00:
„Vor exakt fünfzehn Jahren begann der Untergang der Menschheit, vor acht Jahren gab es noch die Hoffnung, dass die Menschheit überlebt, heute muss ich den Hoffenden die Hoffnung endgültig zerschlagen. Es leben noch etwa 1000 Menschen weltweit. Die meisten von ihnen sind alt und vegetieren in den Siedlungen vor sich hin. Die restlichen 48 Menschen, inklusive mir, leben in Freiheit. Die anderen, in Freiheit lebenden, Menschen sind konvertiert. Unter den Jüngeren waren es vor allem Gründe wie Zugehörigkeit und Fähigkeiten, bei den Älteren Sorgen um ihren Tod. Doch nicht aus Egoismus, sie dachten an die Gefühle ihrer ewig jungen Freunde, wenn sie nicht mehr sein würden. Zu dieser Gruppe gehöre ich, Jaukal und Stanley haben mich darum gebeten. Ich werde euch jetzt live die Verwandlung vorführen.“
Der Nachrichtensprecher kniete vor Jaukal nieder, leckte ihm den Tropfen vom Arm ab. Die Haare fielen den Nachrichtensprecher aus, braunes Fell schossen anschließend ihm überall aus der nun nackten Haut. Finger und Zehen rissen vom Körper ab, um den herauswachsenden Krallen Platz zu machen. Zähne fielen ihm aus, Spitzere wuchsen ihm nach. Seine Augen färbten sich grün, während sein Ohr für ein Katzenohr und ein Hörnchen abfiel. Die Verwandlung war zu Ende. Vorsichtig begutachtete er erst seine Hände, verrenkte seinen Körper wie eine Katze.
„Ab heute besteht unser gesamtes Team aus Nove.“

Ende

Nachwort: Die Geschichte ist in einen experimentellen Stil geschrieben, der eigentlich sich mehr für eine Vefilmung eignet. Bei Interesse einfach nach meiner Lizenz (siehe License) verfilmen.

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Der Andere


Hans war anders. Er wusste nicht wieso, nur dass er der Gesellschaft auffiel. Er war weder Jude noch Nazi noch in irgendeiner Weise radikal. Seine abstrusen, aber friedfertigen Gedanken verschwieg er, später, nach einigen Jahren Ausgestoßensein, kamen natürlich Mordgedanken hinzu. Er wehrte sich allerdings gegen diese, versuchte das Gute im Menschen zu sehen, doch bekam nur dessen bestialische Seite zu Gesicht.
In der Schule schrieb er nur schlechte Noten, weil die Lehrer ihn nicht verstanden. „Du musst besser lernen.“, rieten ihm die Lehrer. Doch das tat er, zwei Stunden jeden Tag, trotz Mobbing, trotz Gelächter der anderen. In dieser Zeit manifestierten sich seine Mordgedanken, er wollte Rache.
Und stand auf einmal ohne Abschluss auf der Straße, ja selbst seine Eltern hatten ihn verstoßen. Arbeitslosengeld beantragen schaffte er mit Müh und Not, weil er keine Ahnung hatte wohin und was. Irgendwelche Weiterbildungen musste er mitmachen, schaffte sie einigermaßen, Bewerbungen musste er schreiben, worauf aber nur mit: „Es tut mir leid. Sie denken zu abstrus.“, geantwortet wurde.
Endlich kam ein Arzt auf die glorreiche Idee und deklarierte ihn als psychisch behindert.
Es ging ihm besser als zuvor. Er hatte eine Betreuerin mit der er sich unterhalten konnte, hatte Geld zum Zeitungslesen, musste nicht mehr sich bewerben oder Weiterschulungen mitmachen. Die Mordgedanken verschwanden vollständig. Stattdessen schrieb er seine kruden Ideen auf und veröffentlichte sie in einen erfolgreichen Buch, an dessen Gewinn er seine beiden Helfern großzügig beteiligte.
Einige Monate entspannte er sich im Glücksrausch, ging freudig durch die Stadt zu Vorlesungen, machte sich Notizen fürs nächste Buch, welches über die Andersartigen gehen würde. Er las sogar über die Berichte von Anschlägen in den Zeitungen hinweg, sich mehr um Artikel über soziale Probleme kümmernd. Es war traurig mitanzusehen wie sich die Zahl der Anschläge und anderer Morde vervielfachte, als die sozialen Konflikten zunahmen, aber niemand außer ihn den Zusammenhang herstellen vermochte. Plötzlich kehrte er in seiner verwüsteten Wohnung zurück. Aber nein es war kein Anschlag, nein, eine Hausdurchsuchung. Seine beiden Helfer standen leichenblass neben der Haustür, während die Polizei umherwühlte.
„Was soll das?“, schrie er die Polizisten an.
„Hans, Sie sind eine Bedrohung geworden.“, antworteten sie in ernsten Ton.
„Wie kommt ihr drauf? Ich will niemanden schaden.“
„Ihre Ideen stimmen nicht mit der Verfassung überein. Wir sind eine wehrhafte Demokratie.“
„Ja und? Wer gibt euch das Recht die Meinungsfreiheit zu missachten? Geschweige denn eine Wohnungsdurchsuchung ohne handfeste Gründe durchzuführen? Ich kenne kein Gesetz.“
„Ihr Eintrag in der Warndatei, den Ort wo alle Andersdenker festgehalten werden. Leider können wir noch nicht Köpfe durchleuchten, aber bei Ihnen haben wir einen Volltreffer gelandet. Ihre Notizen für das neue Buch sind widerwärtig, wir werden sie konfiszieren. Zum Glück gibt es dafür den Jugendschutz.“
„Was? Ich will bloß ein Buch über Leute wie mich schreiben.“
„Sie kritisieren die Gesellschaft. Alle Attentäter sind Kritiker.“
„Ich kritisiere mit guten Recht. Ich habe unter ihr gelitten, aber töten würde ich nicht.“
„Trotzdem ist es gegen die Menschenwürde die bestialische Seite der Gesellschaft zu beschreiben.“
„Aber genau so führt sich die Gesellschaft auf. Deshalb gibt es die Attentäter. Ich will euch helfen aus eurer Misere zu kommen.“
„Mag sein. Aber Gesetz ist Gesetz.“
„Eure Bibel.“
„Ja unsere Bibel. Und es muss strikt befolgt werden. Abweichler sind Verbrecher.“, bügelte ihn einer der Polizisten mit einen belehrenden Unterton ab. Als wäre er ein Kind. Er war 23.
Die nächsten Tage packte er seine Sachen und wollte ins Ausland fliehen, doch es gab kein Land, das ihn haben wollte. Alle hassten die Fremden, es sei denn sie hatten viel Geld oder Wissen, was er, als mittelklassiger Autor, nicht hatte. Er entdeckte in seinen Helfern wahre Freunde, als diese mit ihm verzweifelten und ihn nicht aus Furcht vor Ausgrenzung verließen. Schließlich kauften sie sich ein solarzellenbetriebenen Fischkutter, Proviant und ein Gewächshaus samt Erde und Samen von diversen, anspruchslosen Feldfrüchten. Sie flohen hinaus auf das offene Meer, die letzte herrschaftslose Zuflucht. Das Funkgerät benutzten sie als Radio, ein wenig Überblick über die Geschehnisse wollte er nun doch behalten. Andersartige wurden entweder abgeschoben oder eingesperrt. Oder in einigen Ländern gar umgebracht. Die bedauernswertesten Andersartigen wurden aus ihrem Asyl in Vernichtungslager „zurückgeführt“. Erbarmen war ein Fremdword geworden.
Hans und seine Freunde waren froh endlich frei zu sein. Als Offshore-Bauern gelang es ihnen im ersten Jahr reiche Ernte einzufahren, was unter anderem daran lag, dass sie sich das perfekte Wetter zusammensuchen konnten. Sie hatten sogar einen so großen Überschuss, dass sie ihn an Regierungen verkaufen mussten, gegen Gold und Schreibmaterial natürlich.
Die letzte Zeile seines neuen Buches vollendet , hörte er im Funkgerätradio, dass die Regierungen begannen Antipiraterieprogramme aufzustellen, dabei war ihnen nicht ein einziger Pirat begegnet. Eine kurze Anfrage per Funkgerät, was das sollte, wurde mit: „Wir brauchen mehr Sicherheit für unsere Frachter.“, beantwortet. Er stellte entgegen, dass noch nicht ein einziger Pirat seinen Weg gekreuzt hatte. Sie lehnten ab mit der Begründung es gäbe irgendwo Piraten. So verging ein weiteres Jahr, es kreuzten immer mehr Kriegsschiffe ihren Weg. Wieder reiche Ernte, diesmal tauschte er sie und die Goldbarren in bessere Motoren, Solarzellen und Akkus um. Länger mehr Geschwindigkeit, sie mussten fliehen können. Es verging ein halbes Jahr Isolation, als plötzlich Kriegsschiffe auf sie zusteuerten.
„Ergeben Sie sich sofort.“, kam es durch das Funkgerät. Sie gaben Gas, das Kriegsschiff ließen sie zurück, doch immer mehr Kriegsschiffe nahmen Kurs auf sie.
„Was soll das? Wir wollen nur in Frieden leben.“, brüllte Hans ärgerlich ins Funkgerät.
„Tut mir leid, Hans. Sie sind anders, Sie sind eine Bedrohung.“
Sie flohen Tag und Nacht, doch das Meer war auch nur eine Pfütze. Das Meer um sie färbte sich schwarz, die Akkus halb leer. Ein paar weitere Tage fanden sie sich umkreist wieder. Wohin sie nur schauten, Kriegsschiffe. Der Kreis zog sich enger, enger. Hans ergab sich, seiner Crew zuliebe. Man „führte ihn zurück“ in sein Heimatland, die Hölle auf Erden.
„Mitkommen!“, schnauzten zwei Polizisten am Hafen und zehrten ihn in einen Gefangenentransporter. Verstörte ängstliche Gesichter, einige beteten, als würde ein Gott sich ihnen erbarmen. Der Transporter hielt abrupt. Die Tür öffnete sich. In ihr zwei Männer mit Elektroschockern, die sie wie Vieh aus dem Wagen, auf den Vorplatz eines Lagers scheuchten.
Alles war rußschwarz von tausenden lodernden Feuern aus Kunst. Rußgeschwärzte Zuschauer bewarfen sie gröhlend mit allerlei Unrat. Einige von ihnen demolierten einen schon verbogenen Metallschriftzug: „Nie wieder“.
Gefangene bildeten eine Reihe, die in ein stacheldrahtumzäuntes Lager hineinführte. Mit gesenkten Kopf trat Hans in der Reihe ein. Sein Vorgänger brüllte: „Ihr seid bestialischer als alle Verbrecher, die ihr unschädlich macht, zusammen.“. Kopfschuss.
Ein Weiterer brüllte. „Scheiß Nazis.“
„Wir sind keine Nazis, wir sind eine wehrhafte Demokratie.“, antwortete ruhig ein Aufpasser.
„Ihr steht nicht mal zu euren Dasein. Erbärmlich.“
Ein weiterer Schuss fiel.
„Die Diktatur des Abschaums war angebrochen.“, dachte Hans insgeheim, „Marxs und Engels Traum ins Grauenhafte verdreht.“
Er bekam im Arbeitslager die Aufgabe, die Toten von den täglichen Exekutionen zu begraben. „Es ist ein Vernichtungslager.“, dachte Hans für sich insgeheim, sprach sich allerdings nicht gegen den offiziellen Namen aus.
Er stand schon in der Reihe der nächsten Toten, als ihm ein Brief von seinen beiden Freunden in die Hand gedrückt wurde. Sie hatten einander geheiratet und bedankten sich bei ihm für sein Opfer. Sein Buch würden sie gut verwahren, bis es veröffentlicht werden konnte, stand versteckt zwischen den Zeilen. Tränen fielen hinab auf den Brief, verwischten die Tinte an einigen Stellen ins Unkenntliche.
„Zeig her!“, forderte ein Aufseher.
„Niemals.“, er zerriss den Zettel in tausend Stücke, die er gen Morgenhimmel flattern ließ. Ein Schmerz durchdrang sein Herz, ein weiterer seine Lunge, dann entschwand sein Geist aus seiner Albtraumwelt.

Ende

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Dr. Nox


„Danke, Herr Nox. Ich kann jetzt endlich die dunklen Seiten der Welt besichtigen und nehme keine Drogen mehr.“, verabschiedete sich eine Patientin.
„Keine Ursache. Die Geblendeten müssten eigentlich auch ins Dunkle schauen, stattdessen nehmen sie wie Sie Drogen.“
„Was ist das Leben schon ohne dunkle Gefühle wie Angst? Nur ein Warnzeichen, warum gab ich bloß früher soviel drauf?“
„Gesellschaftsideale. Sie werden den wehrlosen Kindern eingeimpft, damit sie schwach und sanftmütig sind. Gewalt ist absolut verpönt in unserer Gesellschaft, wie früher die Sexualität. Man möchte Opfer keine Täter, wobei Täter, von sich aus, die Lügenmauer durchbrechen und eine Schafherde vorfinden. Haben Sie schon mal was von Zivilcourage gehört?“
„Ja klar. Bürger stehen für Bürger ein, verteidigen sie mit ihrem eigenen Blut. Die Verteidiger wandern allerdings ins Gefängnis, wenn es zu einen Kampf kam.“, sie wurde sarkastisch, „Komisch, oder?“
„Sie werden verhaftet, weil sie das Gewaltmonopol des Staates verletzen. Deshalb sorge ich dafür, dass meine Präsenz alleine die Angreifer verscheucht. Ich bin finster und furchteinflößend genug, was man von Ihnen nicht gerade behaupten kann.“
Es klopfte an der Tür.
„Ich werde Sie empfehlen. Darf ich Doktor zu Ihnen sagen?“
„Offiziell bin ich keiner.“, lachte Nox.
„Wieso eigentlich nicht?“
„Ich habe die dunkle Seite analysiert. In meiner Krankenakte steht etwas von psychopathisch, depressiv. Schwachsinn. Ich beschäftige mich halt mit der Dunkelheit im Menschen.“
Das Klopfen wurde energischer.
„Na dann gehe ich mal lieber, Doktor. Tschüss“
„Tschüss.“
Sie öffnete die Tür und wurde fast von zwei Polizisten überrannt.
„Na hoppla.“, entgegnete sie überrascht, dann wurden Handschellen an ihre Arme befestigt.
„Was soll das?“, schrie sie entsetzt.
„Rein prophylaktisch. Zu ihrer eigenen Sicherheit.“ , entgegnete ihr einer der Polizisten. Einer groß und bärtig, einer klein und hässlich.
„Wieso?“
„Dieser Psychopath hat sie verführt. Gegen ihn wird wegen psychischer Manipulation, Amtsanmaßung und Anstiftung zu Mord ermittelt.“
„Moment einmal.“, griff Nox ein, „Ich habe nie behauptet ich sei Doktor. Die Patienten sagen es nur zu mir, aus Anerkennung. Und psychische Manipulation?“, er schnaubte verächtlich, „Deswegen ging schon Sokrates drauf. Nur weil die Gesellschaftsideale anders sind.“
„Spulen Sie zurück.“, forderte der Große den Kleinen auf.
„…Offiziell bin ich keiner.“
„Nicht so weit.“
„… Na dann gehe ich mal lieber, Doktor. Tschüss.“
„Es ist doch wohl nicht verboten, wenn jemand Doktor zu einen sagt, obwohl er weiß, dass man keiner ist, Herr Doktor Polizist.“
„Beleidigung gegen einen Polizisten.“, schrieb der Große auf. Plötzlich hatte dieser die Handschellen der Frau würgend um seinen Hals.
„Ich habe was gegen Polizeigewalt gegen Zivilisten. Zivilcourage zeigen“, brüllte sie. Der Kleine steckte das Diktiergerät weg, griff zur Pistole. Nox rempelte den Giftzwerg um, schmiss sich auf ihn. Die Pistole rutschte weit über den Boden.
„Falsche Vorwürfe anhängen. Wo sind wir den hier?“, schimpfte die Frau verächtlich.
„Du perverses Schwein hast meinen Sohn umgebracht.“, tobte Noxs Opfer.
„Ich habe nie jemanden umgebracht. Bei mir traute sich, bis jetzt, niemand mich in eine solch missliche Lage zu bringen.“, wunderte sich Nox gelassen.
„Aber eine deiner Klientinnen. Sie brachte meinen Sohn um, weil er sie lieben wollte.“
„Ich hasse Vergewaltiger. Und du Arschloch hast Mitleid.“, die Frau war stinkwütend. Ihr Opfer hatte längst den Anschein schon tot zu sein, doch würgen tat sie weiter.
„Ja, ist ein Männerinstinkt.“, keuchte der Kleine.
„Wenn Instinkte straflos sind… Endlich Rache. Doktor Nox musste mir meine Albträume heilen, heute werde ich meine Angst überwinden.“, ihre Augen wurden schmal, ein dämonisches Lächeln zauberte sich auf ihren Mund. Sie durchlöcherte den Großen mit seiner eigenen Waffe. Loch im Kopf, Loch ins Herz, Beine, dann lud sie nach. Die Waffe schwenkte zum Kleinen.
„Ist alles nur ein Instinkt. Auch die Frau, die deinen Sohn umbrachte hat nur nach ihren Instinkt gehandelt.“
„Aber es war mein Sohn. Sie hat sich gewehrt, Gewalt angewendet!“
„Arschloch!“
Ein Schuss traf den Polizisten zwischen die Augen.
„Puh, das haben wir nochmal überlebt. Lasst uns abhauen!“, zwinkerte sie ihm vergnügt zu, das Lächeln wurde extremer. In dem Moment stürzte eine Spezialeinheit rein und nahm sie beide fest.

Die Gerichtsverhandlung begann. Einige seiner Patienten saßen benebelt in Medikamentenrausch auf der Anklägerbank.
„All ihre Patienten haben sich verteidigt, über die Hälfte ist abgetaucht.“, begann der Richter ohne Begrüßung.
„Ja und? Man muss sich doch wehren dürfen. Vor allem gegen Machtmissbrauch. Es ist Machtmissbrauch, wenn der Staat einen wegen vorgeblichen Vorwürfen einsperren will. Wir sind hier immer noch in einer Demokratie und ich nur ein inoffizieller Seelenklempner, der Geheimtipp ohne Ausbildung.“
„Schauen Sie sich Ihre Patienten an. Wir müssen sie mit Beruhigungsdrogen und Antidepressiva vollstopfen.“
„Warum? Nur damit sie nach Schema F funktionieren?“
„Abweichung von der Normalität ist krankhaft. Wenn Sie diese hervorrufen, ist es schwere Körperverletzung.“
Nox schaute zu seinen Patienten herüber. Einer von diesen zog heimlich die Waffe eines Polizisten. Langsam und vorsichtig. Er ließ seinen Blick weiter über die Anklagebank streifen. Abschaum und Polizisten in Bandagen. Seine Patienten mussten sich heftig gewehrt haben.
„Was guckst du?“, blaffte ein bandagierter Jugendlicher.
„Ich schaue die Lügner an, die für Frieden morden. Ich schaue die Lügner an, die Frieden als Vorwand für Gewalt benutzen. “, Nox schüttelte den Kopf, „Schade, dass sie euch nicht gleich umgebracht haben.“
Ein Schuss knallte, der Richter stürzte. Alle schauten sie ihn an. Zwei Schüsse, seine Wachen starben, er frei. Die Ankläger stürzten in Panik hinaus, hinaus in den Tod, wie er den Todesschreien entnehmen konnte. Er wartete bei seinen Patienten, versuchte sie aus ihren Rausch zu wecken. Keine Chance! Zu viele Drogen. Wie Zombies folgten sie ihm ins Freie, wo sie von seinen Anhängern weggetragen wurden. Ein letzter Blick in den Gerichtsaal, keiner blieb zurück.

Ende

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Reise durch das Schlaraffenland – ein Reisebericht


Die Straße wurde immer heller, immer greller bald waren wir da beim Schlaraffenland. Das gelobte und das verachtete Land der Wünsche. Uns empfing eine Art Mantel aus Bäumen, an denen Leichen von jungen Menschen hingen. War es eine Schutzmaßnahme an der Besucher scheiterten? Vor den Wald stand ein alter Mann, unschlüssig ob er ihn verlassen sollte. Wir gingen zu ihm und fragten was mit den Bäumen los sei.
„Ach, die hielten es nicht aus.“, krächzte er, „Wollt ihr eine Führung?“
„Klar, immer gerne.“
„Gut, dann kommt mit.“
Wir gingen durch den schaurigen Wald. Noch schauriger wurde uns zumute als eine hübsche junge Frau eine Leiche wiedererweckte.
„Komm Sohn. Ich geb dir alles was du willst, leb weiter.“
„Nein. Mutter. Nein!“
Schlingen wickelten sich um seine Beine, die ihn mit seiner Mutter verknüpften. Plötzlich flog er, wie auf einen Luftkissen, empor, dann zog ihn seine Mutter Richtung Inneres des Waldes.
„Tja, das ist die dunkle Seite des Schlaraffenlandes.“, kicherte der alte Mann, „Es geht weiter.“.
Der Wald endete in einer unendlichen Lichtung. Gleich an ihren Rändern tummelten sich nackte Liebespaare bestehend aus Mann oder Frau und Dutzende des anderen Geschlechts. Sie alle sahen perfekt aus wie nach den griechischen Körperidealen. Kein Wunder, wenn man sein Körper anpassen konnte. Und worauf, besser gesagt worin sie lagen. Ein wundervoller Garten der sich an sie schmiegte. Ein paar Meter mindestens sanken sie in den Rasen aus bunten Gräsern deren Halme in allerlei Köstlichkeiten endeten. Oder schillerndes Wasser, um nur einige der Milliarden unterschiedlichen Terrains aufzuzählen.
„Wollt ihr eine kleine Pause machen? Ich rufe euch mal welche.“, krächzte der Alte vorfreudig, „Ich schaue gerne den jungen Paaren zu.“
„Was ist mit den daraus resultierenden Kindern?“
„Keine Sorge, ohne Kinderwunsch gibt es hier keine. Genießt einfach.“
Es war schön, zu schön, aber das Glück währte nur knappe zwei Tage, obwohl sämtliche erquicklichen Terrains ausprobiert wurden. Ich hätte nie gedacht, dass man genug von Lust und Wonne bekommen konnte. Meinen Begleitern ging es ähnlich. Nachdem wir wieder gepackt hatten, folgten wir den Mann weiter. Mittlerweile kamen wir zu Paaren, die nur aus einen Mann und einer Frau bestanden. Eine schrie auf, weil der Mann sie aus Versehen kratzte.
„Die sind schon vernünftiger. Ihr müsst wissen, es sind beides echte Menschen, keine Geister in Menschenform, wie ich sie euch rief. Sie haben ihre Fehler, sie sind brutal.“
Ein Paar war schon ganz zerkratzt vom jeweiligen Partner. Andere einzelne bekleidete Individuen standen daneben und schauten über die Welt der Lust, Beobachter wie wir.
„Weiter geht’s.“
Mehr der Beobachter, mehr von diesen Paaren. Die Paare schliefen nun auf harten, stachligen Betonboden. Dann Arenen, in denen sich Männer und Frauen fetzten. Im wahrsten Sinn des Wortes. Kleidungs- und Hautfetzen flogen zusammen mit Blut durch die Gegend, Schreie schallten zu uns herüber.
„Die Sieger dürfen jeweils über den ihm Unterlegenen verfügen. Die werden so noch lange ihren Spaß haben.“, brummte der Mann.
„Wie können die noch Spaß haben?“, fragte eine Journalistin aus meinen Team entsetzt.
„Belohnung ist nun schwerer zu kriegen, zudem äußerst schmerzhaft. Lasst uns weitergehen. Ihr werdet die Hölle sehen.“
Wir kamen an seltsamen Peitschweiden vorbei, die ihre Kunden auspeitschten, dann an Plutonium gefasste Seen in denen krebsrote Menschen planschten, schwammen, kämpften. Der Dampf, der daraus, aufgrund der hohen Zerfallwärme, aufstieg, allein verbrannte uns fast die Lungen. Zum Glück waren wir im Schlaraffenland, wo Krebs ein Fremdwort war.
Dachten wir wirklich das wäre schlimm? Wir hatten noch nicht die darauf folgende Höllenseite gesehen. In ihr war das Vorankommen mühsam und alles andere als erquicklich. Der Dampf des Sees war nichts gegen den Rauch der hier herrschte. Man fühlte sich schlapp, erbärmlich, dennoch gab es hier einige Menschen in der Einöde. Meist in größeren, gedrängten Gruppen, die aussahen als würden sie eine Sauna genießen. Bei näheren Hinsehen schwammen sie gegen einen reißenden Lavasog. Eingesaugte kamen über einen Lavafluss wieder zur Oberfläche, Minuten später. Sicher kein Spaß keine Luft zu bekommen und stattdessen diese Lava zu atmen. Einmal badeten wir zum Test in einen der höllischen Flüsse aus Lava. Die Pein war unerträglich, sodass wir schleunigst aus der Lava rasten. Sprachlos mussten wir uns mitanschauen wie sich Leute auf Steinkrallen aufspießten und vor Schmerz lachten. Viel zu sagen gibt es nicht über die seltsame Welt, weil sie zu brutal war. Wir kamen irgendwann tatsächlich zu einen Höllenzugang, einer tiefen Schlucht. Und die Seelen kreischten, im Gegensatz zur christlichen Vorstellung, nicht, sondern lachten vor Schmerzen.
Der alte Mann schmunzelte: „Ich weiß jetzt was Leben bedeutet: Schmerz und Vernunft. Ich gehe kein Risiko mehr ein, dass ich in den Himmel komme, wo man mir das Hirn mit Glückseligkeit rauspustet. Lebt wohl.“
Er sprang hinab in den Abgrund. Wir hörten sein krächzendes Kichern, wir hörten die höllischen Folterknechte ihn bearbeiten. Seine Entscheidung, nicht unsere. Ein paar Fotos, dann machten wir uns auf den Rückweg. Die giftigen Dämpfe schwanden, die Seen kamen, vorbei an den verbissenen Liebespaaren, einen sehnsüchtigen Blick auf die Glückseligen. Ein paar von ihnen standen auf, zogen sich an, gingen Richtung Hölle oder kamen mit uns Richtung Wald. Der Wald war düster von jener Seite aus betrachtet. Zum Glück lag es aber nur an der Verblendung durch die Glückseligkeit. Langsam normalisierte sich der Wald, wurde nur in einen leichten Schatten gehüllt. Es war schön wie der Wald rauschte, wir konnten ihn richtig genießen. Bis zu jenen Zeitpunkt als wir die Leichen hängen sahen. Wir sahen sie weil sich einige unserer Begleiter dazuhängten. Aber die Abhilfe war einfach, wir ließen die Bäume die Leichen essen. Endlich kamen wir vom Wald auf die Straße, die uns hierher geführt hatte. Sie glühte nicht mehr, sie war aus puren Stein auf denen zahlreiche schwachleuchtende Fußspuren zu sehen waren. Wahrscheinlich hatten diese uns geblendet und so die Illusion einer leuchtenden Straße vermittelt. Es war nun die Zeit Richtung Heimat aufzubrechen. Langsam entfernten wir uns vom Schlaraffenland, es tat zwar in der Seele weh, aber niemand von uns wollte dahin je wieder zurück. Auch die anderen Mitreisenden nicht. Unsere Reise endete an einem Portal, das überall hinführte. Reisen war hier gratis, warum also den Fußweg? Wir landeten sanft in unserer Redaktion.

Ende

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Sie fürchten die Hölle nicht


Es waren, ihrer zerlumpten Arbeitskleidung zu urteilen nach, Arbeiter. Sie hatten alle einen glasigen Gesichtsausdruck. Was machten sie vor der Kirche und gleich in so großer Masse? Der ganze Kirchplatz war blockiert und dieses kurz vor einer wichtigen Messe.
Schmutzige Leinenstreifen mit Aufschriften wurden wie nasse Spinnenweben gehisst, eine Demonstration also. Doch vor einer Kirche?
Der Pfarrer rückte seine Brille zurecht, die Schilder wurden lesbar:
„Abzocker! Glauben ist teuer.“
„Verführer zum Elend!“
„DAS ist der Lohn für die Befolgung der Gebote?“
„Kollaborateure der Rechten und der Wirtschaft!“
„Wir wollen leben, nicht knechten! Weder für Gott noch Industrie!“
Der Pfarrer lief rot an und brüllte:
„Ihr kommt alle in die Hölle. Christlicher Glauben, christliche Tugend und christliche Arbeit sind die goldenen Himmelsschlüssel.“
„Wir fürchten die Hölle nicht. Lieber frei in Höllenqualen, als zerrütteter Sklave der Erde und des Himmels.“
Der Himmel verfinsterte sich, doch nicht durch Gott, sondern durch Waffendunst. Die Armee war eingerückt, so brutal, so blutrünstig, so friedlich lagen die Arbeiter am Boden, als träumten sie von der Freiheit.

Ende?

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Unter Vampiren


Die Glocke läutete, wie so oft, um die Gläubigen in die Kirche zu retten. Ein Vampir hatte jemanden erwischt. Die Vampirnacht würde bald beginnen. Denn ein einzelner Vampir kam selten allein.
Sie rannten um ihr Leben, Alte stürzten, wurden aufgeholfen, rannten weiter. Alle hinein in die Kirche, den einzig sicheren Ort. Die Vampire waren geschickt, sie kamen sogar in Bunker bloß die Kraft Gottes hielt sie fern.
Er schaute amüsiert zu und dachte an die Vampire, die ihn verführen wollten. Hübsche, junge Frauen, perfekte Haut. Vorsorglich nahm er eine seiner noch reichlich vorhandenen Tabletten aus seiner speziellen Medikamentenschachtel, schloss seine Fenster lichtdicht, schließlich wollte er als Langschläfer keine Vampire töten. Die Vampire kamen, klopften an den Fenstern, klopften an den Türen. Als die Weibchen seine Schritte Richtung Haustür hörten, wurden sie wild. Sie rasten hungrig zur Tür. Männliches Blut schmeckte ihnen besonders gut. Er bat sie höflich herein und machte den üblichen Deal: Sie schliefen mit ihm, er gab ihnen Blut.
Wie immer verbrachte er eine schöne Nacht und wachte am nächsten Tag neben zig schnarchenden Vampiren in seinen riesigen Doppelbett auf. Seine Sonnenlichtpille war genial. Vampire wurden beim Schlürfen seines Blutes bewusstlos und vergaßen die Erlebnisse der letzten Nacht. Das bisschen gesaugte Blut reichte nicht für die Transformation in einen Vampir, weshalb er jeder Vampirnacht gefahrlos genießen konnte, während die Kirchgänger immer Verluste zu beklagen hatten. Nun musste er nur noch die Frauen in die Särge des Abflugkellers verfrachten, um ihnen nach ihren Schönheitsschlaf, die Freiheit zu gewähren sich erneut in sein Bett zu verirren. Ja ja, die Moralapostel hatten keine so schöne Zeit wie er.

Ende

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Der Patentkindergarten


Es war einmal ein Kindergarten namens BWL. In ihm ging ein kluger Junge zusammen mit normalen Kindern. Das kluge Kind zitterte als es mit den 20€-Schein in der Hand ins Gruppenzimmer eintrat. Heute war ein spezieller Tag. Man übte Patentieren.
Kind1 gab sich Urheberrechte an „Alle meine Entchen“ und gab den 20€-Schein der Erzieherin.
Kind2 war schon schlimmer. Es patentierte Rülpsen. Die Erzieherin lobte es als es ihr das Geld übergab.
Kind3 patentierte sich Weglaufen und wurde für Voraussicht gelobt.
Kind4 patentierte sich Atmen. Die Erzieherin klatschte Beifall.
Kind5 meldete Schutzrechte für Denken an. Das kluge Kind erschrak, während die Erzieherin erneut Beifall klatschte.
Nun war das kluge Kind an der Reihe. Es sagte zitternd: „Sehe ich aus wie ein Mörder? Ich patentiere nichts.“ und behielt das Geld. Es wurde ausgebuht und bekam eine Ohrfeige von der Erzieherin. Die weiteren Patentanträge wurden abstruser und schlimmer. Eines patentierte sich sogar den Menschen. Ein anderes die Kindheit.
Teil zwei der Patentierübung begann.
Jeder sollte sein Patent verteidigen. Kind4 verklagte Kind1 für atmen. Dieses verklagte wiederum Kind4, weil es „Alle meine Entchen“ kannte. So ging es weiter. Alle verklagten munter jeden anderen. Kind3 war ein bisschen traurig, dass noch niemand floh, aber fasste sich. Das kluge Kind saß still weinend in einer Ecke. Noch hatte niemand es bemerkt. Dann plötzlich drehten sich alle zu ihm um.
„Du atmest doch?“, fragte Kind4.
„Nein, ich weine.“, verteidigte sich das kluge Kind.
„Aber denken tust du?“, Kind5.
„Beweise!“, verlangte es.
„Aber du bist ein Kind.“, einer der übrigen Kinder, „Und du bist Mensch.“, ein weiteres.
„Siehst du? Du bist ohne Patent machtlos und wirst uns ab jetzt als Sklave dienen.“, verkündete die Erzieherin. Das kluge Kind rannte hinaus, das Kind3 mit den Worten: „Du rennst weg, du verletzt mein Patent.“, hinterher. „Ich renne nicht weg. Ich hole mein Argument.“, erwiderte der kluge Junge panisch, während es sich in der Küche ein Küchenmesser besorgte, mit dem er seinen enttäuschten Verfolger abstach. Anschließend rannte er zurück.
„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – die Lüge der freien Wirtschaft bevor sie ihre Opfer zermalmt. Nicht mich!“, verkündete es und stach der erschrockenen Erzieherin durch das Kinn ins Hirn. Sie starb sofort. Traurig machte es sich auf den Heimweg. Währenddessen tobte in der Gruppe ein Streit wer wessen Patent verletzte. Es galt das Recht des Stärkeren. Die Schwächeren starben sofort, die Stärkeren erst später, bis auf Kind4, der Sieger und einzig Überlebender des Streits. Es meldete sofort, an dem dortigen Münztelefon (Geld hatte es zwar jetzt genug, aber zum Glück war die Nummer kostenlos), das Massaker des klugen Kindes bei der Polizei. Das kluge Kind wurde vor seiner Haustür geschnappt. Es erschrak als im Gerichtssaal Kind4 als alleinigen Zeugen sah und fragte: „Was ist mit den anderen?“.
„Die habe ich umgebracht.“, gestand das andere Kind kaltherzig.
„Herr Richter. Meine Morde dienten der Selbstverteidigung gegen diese Bestien.“, rechtfertigte sich das kluge Kind vor Schrecken aufgewühlt.
„Das Handeln des Kindes war von wirtschaftlich motiviert und somit gedeckt, deines hingegen pur egoistisch zur Verteidigung deines Lebens.“, erwiderte der Richter gelassen und verurteilte das kluge Kind mit 20 Jahren Gefängnis.
20 Jahre später wurde der nun kluge Mann freigelassen. Er verließ jedoch nicht nur das Gefängnis, sondern auch das Land und nahm chinesische Staatsbürgerschaft an.

Ende

Nachwort: Ich bin hier ziemlich heftig, ich hoffe es stößt sich niemand arg.

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