Das postmoderne Teufelchen


Es begab sich an einen schönen Sonnentag, als es den Proletariern reichte.
Sie wollte nicht mehr nach oben schauen, zu den schönen Häusern der Intelligenzia auf dem Hügel.
Wütend, mit Mistgabeln bewaffnet, machten sie sich auf, diese zu vertreiben.
Doch blieben sie an den mächtigen Zaun, der Intelligenzia-Gemeinschaft hängen.
„Denen werden wir es zeigen!“, rief der Pöbel. Sie rüttelten und hämmerten gegen die Mauer, bis eine kleine Sichtluke in einen Tor aufging.
„Was wollt ihr?“, fragte ein heiserer alter Mann.
„Wir wollen eure Häuser, euren Reichtum, euer Leben! Lasst uns rein!“, brüllte der Pöbel.
„Ich mache euch einen Deal: eure Häuser und Felder gegen unseren Reichtum und unsere Häuser, doch die Mauer gehört uns.“
Der Pöbel willigte ein. Und wie versprochen ließ die Intelligenzia, all ihr Habe zurück, um in den Bauernhäusern und Schmieden zu hausen.
Dort begannen sie mit ihren Kenntnissen die prächtigsten Pflanzen und Schmiedestücke zu schaffen. Mit Hammer und Sichel, verdienten sie ihr verlorenes Vermögen binnen Monaten.
Voller Neid schauten die Proletarierer von den Hügel herab. Zwar hatten sie Geld, doch das Essen wurden langsam knapp.
„Komm fahren wir in die Stadt!“, grunzte ein Bauer, doch schon bald wurde er durch die Mauer aufgehalten. Er versuchte es erneut und erneut, bis er erkannte, dass sie eingesperrt waren.
„Intellektuelle sind voll Scheiße! Sie haben uns eingesperrt.“, klagte er.
Die Zeiten wurden härter, bald schon bekriegte sich der Pöbel für eine Scheibe Brot, als der besagte Bauer rief:
„Wir werden der Intelligenzia ihr Brot klauen und sie umbringen!“
Hysterischer Applaus erschallte vom Pöbel und sie begannen an die besagte Mauer zu klopfen. Als sie erfolglos versuchten sie mit Autos einzureißen, erschien wieder der alte Mann.
„Was wollt ihr diesmal?“, fragte der Mann.
„Wir haben Hunger, wir wollen essen!“, der Pöbel.
„Ich mache euch ein Angebot.“, schlug der alte Mann vor, „Ihr gebt uns all euer Habe und ihr bekommt Essen, sowie eure alten Häuser und Felder zurück.
Der Pöbel akzeptierte notgedrungen, doch gärte, brodelte es. Kaum war das letzte Mitglied der Intelligenzia durch das Tor gegangen, verbarrikadierten die Proletarierer alle Tore, die sie finden konnten.
„Jetzt könnt ihr versuchen euer Geld zu essen.“, lachten und feierten die Proletarier. Die nächsten Tage vergingen friedlich, als plötzlich über ihren Köpfen ein tosender Lärm erschallte. Flugzeuge flogen, um die Intelligenzia zu beliefern. Und sie sahen wie Mitglieder der Intelligenzia mit eigenen Fluggeräten flogen.
„Diese verdammte Intelligenzia!“, rief der Pöbel, „Lass uns all unser Habe verkaufen, um sie vom Himmel zu holen.“
Gesagt, getan. Mit nichts als ihrer Unterwäsche auf dem Körper, dafür mit einen Flugabwehrgeschütz auf dem Marktplatz, standen sie da und warteten.
Und da kam schon die Flugzeuge. Sie schossen eines nach dem anderen vom Himmel, bis das Geschütz leer war.
„Hey!“, rief einer plötzlich, „Das waren ja nur Modellflugzeuge!“
Der Mob explodierte vor Wut. Mit Fäusten bewaffnet, stürmten sie bis zur Mauer. Dort trampelten sie sich gegenseitig tot und bauten aus den Leichen eine Treppe mit der sie dann die Mauer erstürmten. Sie sahen rot, als sie die ersten der Intelligenzia entdeckten. Wie Stiere stürmten sie auf diese zu und fielen tot um.
Denn die Intelligenzia hatte Waffen in der Hand, sie hatten nur auf diese Trottel gewartet. Proletarierer für Proletarierer starb im Kugelhagel bis zum Schluss nur noch deren frierenden Kindern blieben. Diese warteten verzweifelt und mutterseelenallein vor dem mächtigen Tor der Mauer. Auf einmal öffnete sich die Sichtluke und der alte Mann sprach zu ihnen:
„Wir Götter Nifhausen, geben euch Schutz und Kleidung, wenn ihr uns dient.“
„Wo sind unsere Eltern?“, fragte ein Kind.
„Tot durch unsere furchtbare Rache. Sie wollten uns nicht dienen.“
Die Kinder stimmten aus Ehrfurcht zu und verehrte die Intelligenzia wie Götter. Zwar widerstrebte es einigen der Intelligenzia, aber diese List trug zum allgemeinen Wohlstand bei. Nun erwachsen, beteten die Kinder noch immer zu dem Tor. Und erhielten Antworten, wie sie am besten ihr Leben bewältigen konnten. Die Felder gediehen dank dieser Hilfe so prächtig, dass die neuen Proletarierer ihren Zehnten mit Freuden der Intelligenzia erbrachten.
Bald wurde die Mauer zum Tor zu einen Tempel umgebaut und Mitglieder der Intelligenzia als Priester verehrt.

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Wolfsromanze – schwarze Romantiker version


Wo war sie nur? Die Eltern von Rosmarina waren verzweifelt. Überall hatten sie schon gesucht. In den Schränken, in den Wald. Das konnte, durfte nicht sein! Ihre Rosmarina. Verzweifelt setzten sie sich an den Schreibtisch ihres Kindes und weinten.
„Pass doch auf!“, rief der Vater und zog einen Zettel vor den hinabfallenden Tränen der Mutter weg.
„Schatz, schau doch. Eine Nachricht von ihr.“, rief die Mutter aufgeregt.

„Liebe Eltern, ich werde wo hingehen, wo ihr euch mir zu folgen nicht trauen werdet.
Nein! Kein Selbstmord, wahre Liebe.
Es begann in einer Nacht im Wald. Da sah ich ihn, ein Wolf, ein schüchterner Kerl. Er huschte sofort weg, doch das Feuer meiner unser Liebe war entbrannt.
Ihr werdet mich für verrückt halten, aber das tatet ihr schon seid Anbeginn meiner Tage.
Vorsichtig ließ ich mich nieder auf allen Vieren und begann einen Wolfsruf zu imitieren. Na gut, gelang mir nicht sehr gut, aber dennoch, der Wolf kam näher.
Er beschnupperte mich, schwänzelte um mich herum um anschließend mein Gesicht zu lecken.
Ein zahmer Wolf. Doch er hatte keine Tollwut, das wussten unsere Herzen zu gut. Und so saßen wir schweigend nebeneinander. Wir hätten uns gerne Geschichten erzählt, doch trennten uns unsere Arten wie ein Ozean.
Und so mussten wir uns wieder trennen, im Anlitz der Sonnenstrahlen.

Den Rest der Geschichte kennt ihr ja. Ich kam wie betäubt aus den Wald, was bald nur noch eine Horrorgeschichte war, die ihr gerne Verwandten erzähltet.
Aber wusstet ihr auch, dass sich was in mir fundamental geändert hat?
Die Jungs schon, sie umflirteten mich mit ihren abertollsten Tricks, doch ich blieb meinen Wolf treu.
Jede Woche, jeden Sonntag am Abend rief ich nach ihn. Doch ich sah ihn nicht mehr. Er war da, aber doch nicht. Irgendwo hinter den dornigen Gestrüpp, wartend lauernd darauf, dass ich den ersten Schritt machen würde.
Doch ich konnte nicht. Und so erfüllte Dunkelheit mein Herz.
Erinnert euch nur an die Mittelstufe, wo ich als einsame Außenseiterin mich durch die Schule schlug. Zwar waren meine Leistungen gut, aber der Neid und der Hass gegen mich groß.
Aber ich konnte damit umgehen und die anderen von mich isolieren.
Dennoch, die einsame Verzweiflung fraß in mein Gemüt. Ich suchte nach echten Freunden.

Und dann, ich weiß noch wie ihr weintet, weil ihr dachtet ihr hättet mich in der Dunkelheit verloren, schloss ich mich einer Gruppe dunkler Romantiker an.
Mutter, wie du aufschriest als du die schwarze Blume auf meinen blauen T-Shirt sahst. Den Gesichtsausdruck werde ich nie vergessen.
Wir waren eigentlich ganz harmlos, hatten nur Interesse an die dunkle Seite der Fantasie. Zwar trugen wir alle schwarz, teilweise finster aussehende Lederkluften, aber wir waren absolut harmlos. Nur eine Gruppe Fantasten. Trotzdem wurden wir von den wahren Teufeln beobachtet und belauscht. Einer unserer Gruppe fand sogar eine Wanze. Scheint unsere Regierung hinter den Terror zu sein.
Es wurde mit der Zeit schlimmer und schlimmer, ich ging seltener und seltener zu den Treffpunkten. Und noch immer verfolgten mich die Gestalten.

Vor ich weiß nicht wie viel Tagen, ich war verzweifelt. Und so ging ich in den Wald und hoffte auf den Wolf.
Wie sooft. Und wie sooft dachte ich würde nur das Wispern des Waldes antworten. Und so begab ich mich auf allen Vieren. Mein nacktes Knie berührte den matschigen Boden.
Und dann heulte ich. Doch diesmal war es was anderes. Mein Ruf war klar wie der eines Wolfes. Ein Schatten kam aus den Gestrüpp. Es war der Wolf, so schön wie die Erinnerung an ihn.
Ich streichelte ihn so sacht es ging, und er leckte mir mein Gesicht. Ich erzählte ihn von meinen Leiden und dieser Welt, auch wenn uns Arten trennten.
Seine Schnauze liebkoste mich derweil wie verrückt.
So verging die Nacht, und plötzlich wurde ich schläfrig. Ich konnte nicht mehr Reden, setzte mich neben ihn. Und wir schwiegen wie in unserer ersten Nacht.

Bis er den Anfang wagte. Er zog sanft mit seiner Schnauze an meiner Kleidung, bedeutete mir zu folgen.
Wir gingen zu einen nebligen See, der wie das Meer roch, wie die Leidenschaft. Um ihn herum standen steinerne Statuen für die Liebenden Wache. Niemand, der nicht liebt, würde fähig sein diesen Ort zu sehen.
Und so im Schutz des Sees der Liebenden entledigte ich mich meiner Kleidung, um ihm ins tiefe Wasser zu folgen.
Doch plötzlich formte sich der Nebel um den Wolf zu einen Mann. Ich schwamm durch das Meer zu ihn, wohl wissend, dass ich die Ozeane, die uns trennten, überquerte.

Er war ein verfluchter Krieger. Verflucht von sich selbst. Verflucht aus Scham vor seiner eigenen blutigen Taten.
Frauen entehrt, Kinder enthauptet, mit Kriegsgefangenen zum Spaß das Spiel das Todes ausgefochten, wobei natürlich immer gewann, um nur einige seiner Schandtaten zu nennen.
Und dann war der Krieg vorbei, er kehrte zurück in sein Dorf, doch da war kein Mensch mehr am Leben. Er hatte sie ja alle umgebracht.
Und doch suchte er verzweifelt Haus für Haus, Stall für Stall. Zerborstene Türen, Schränke, Tränken erinnerten ihn an sein Massaker. Die Hoffnung Leben zu finden, schwand mit jedem Gebäude.
So zagte er vorm Betreten des letzten Gebäudes, dem Rathaus. Tränen flossen über seine unheiligen Hände, die sich auf sein Schwert stützten, als er dachte eine Stimme aus dem Gebäude zu vernehmen.
Gestärkt von neuem Mut rannte er hinein, stürmte durch die leeren, zerschlagenen Räume, um sich dann in der Ratshalle einem Rudel Wölfe Aug in Aug wiederzufinden.
Junge Wölfe tollten wild, spielten, bissen sich, aber ohne dem anderen zu schaden. Die Großen waren weniger verspielt, mehr um die Sicherheit besorgt.
Schwarze vorwurfsvolle Augen blickten in die seinen. Sie schienen ihm in seine Seele zu blicken. Unbehagen wuchs in ihm, doch nicht gegen die Wölfe, sondern gegen sich.
„Soll ich?“, fragte er die Wölfe. Diese schienen zu nicken.
„Dann sei es.“, er rammte sich sein Schwert in die eigene Brust.

Sein Fluch ging mit meinen Kuss auf mich über. Wir sind nun ein Wolfspaar, aber keine Angst es geht uns gut. Und die dunklen Romantiker? Die führten wir in eine neuen Heimat, in einer Parallelwelt, die nur von Sehenden gesehen werden kann.

Der Vater legte den Brief zitternd weg. Die Mutter war baff. Sollten sie das glauben? Schweigen. War ihre Tochter verrückt?
Etwas heulte vor der Haustür, ein Wolf. Es war Zeit.
„Gehen wir?“, fragte der Vater. Die Mutter nickte nur schwach, fiel dann entkräftet auf den Boden.
„Gut, so sei es.“, wisperte er und setzte an zum zärtlichen Nackenbiss…

Vielleicht lade ich irgendwann die andere Version noch hoch, hab aber Angst, dass sie noch nicht vollendet ist

Hohn über die Menschlichkeit


Europa, Georgchen und Klein-Osama war das Leben zu langweilig, wenn ihr Vater Werner Braun sich auf seine Forschungen fokussierte und die Erzieher sich in einen heftigen Disput über die richtige Erziehung von ihren Schützlingen befanden, also wenn man sie alleine ließ.
Deshalb entwickelten sie ein Spiel: Krieg.
Man verheizte die gegnerischen Zinnsoldaten auf einer Herdplatte und der Erste, der mit den feindlichen Zinnsoldaten fertig wurde, durfte jemanden auf die Hand patschen, sodass dieser sich seine Hand an der Herdplatte verbrannte.
Europa war das erste Opfer. Georgchen konnte Europas Panzer optimal verheizen und Europas Händchen auf die Herdplatte patschen.
„Nie wieder“, schrie Europa vor Schmerzen und rannte weinend zu den Erziehern. Die Erzieher tadelten ihre Schützlinge, aber befanden sich gleich darauf wieder in einen Disput, diesmal über die angemessene Strafe.
Es dauerte keine lange Zeit, da spielten Georgchen und Klein-Osama den nächsten Krieg. Europa war wider ihres Schwurs wieder mit von der Partie.
Diesmal schaffte es Klein-Osama mit einer optimierten Technik zwei Türme zu schmelzen. Anschließend machte er einen Doppel-Patsch, der Europa und Georgchen die Hände verbrannte. Doch Georgchen dachte nicht ans Aufgeben, der Krieg war noch nicht entschieden. Er sah sich wütend nach Dingen um, die verheizt werden konnte und fand eine Kiste voller Zivilisten-Puppen. Und so stellte Georgchen als Erstes fest, dass man mit ihnen machen konnte was man wollte. Sie wehrten sich nicht. Europa war Feuer und Flamme, es weckte ihre Mutterinstinkte, sie schnappte sich auch eine.
„Bitte tu mir nichts!“, quäkte eine Puppe, als Europa sie am Ärmchen zog. Europa erinnerte sich an ihr Versprechen: „Nie wieder!“ und entschied, eine Abmachung namens: „Genfer Konventionen“ zu errichten. Die Puppen sollten nicht verheizt werden dürfen, nur Soldaten. Als ihre Spielkameraden das hörten, lachten sie nur laut und warfen Feuerwerkskörper in die Kisten voller Zivilisten-Puppen. Die Zinnsoldaten standen unangetastet am Herd, bereit zum Verheiztwerden. Europa schlich sich verstohlen zum Herd. Da Europa und Georgchen beste Freunde waren, warf Europa nur die Soldaten von Klein-Osama auf die Herdplatte. Sie schmolzen gut, doch der Nachschub war schier unendlich. Irgendwann wurde es langweilig Soldaten zu verheizen, da warf Europa einen Blick auf eine Kiste namens Afrika. Darin waren Piraten. Piraten waren böse, konnten gut verheizt werden, ohne Gewissensbisse. Außerdem waren diese Piraten schwarzhäutig.
Es war schon die vierte Fuhre Herdfutter, als plötzlich Klein-Osama wütend aufkreuzte und schrie:
„Das sind meine!“ und anschließend Europa das Gesicht auf die Herdplatte drückte.
„Nie wieder!“, versprach Europa, als Klein-Osama ihr erlaubte ihren Kopf zu heben.
„Immer wieder!“, Osama presste erneut ihr Gesicht auf die Herdplatte.
Daraufhin schlug Georgchen mit einen Baseballschläger Klein-Osama gegen den Kopf, sodass dieser benommen Europa losließ.
Als Europa ihr zerstörtes Gesicht in den Küchenspiegel betrachtete, begann sie erwachsen zu werden. Sie musste gehen, durfte nie wieder zum Spiel zurückkehren. Die Narben waren unauslöschbar und würden sie bis ans Ende ihrer Zeit daran erinnern und verfluchen.
Mit diesen Vorsatz verließ sie die Küche, doch kaum hatte sie die Küche verlassen, fand sie sich in einer Kiste Zivilisten-Puppen wieder. Und zwar als die oberste Zivilisten-Puppe.

Ende

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Marktbereinigung


Die Preise stiegen, alle kauften.
Die Preise fielen, alle verkauften.
Aktien verkamen zu einer Art Währung, von der niemand mehr wusste, was dahinter stand.
Dafür wussten sie von automatischer Preisbildung und Marktbereinigung. Sie verteidigten die Freiheit des Systems, doch verlangten Hilfen von den Staaten, wenn alles gegen die Wand fuhr. Zu ihrem und den Unglück aller Menschen bekamen sie diese. Was sie nicht wussten war, dass die freien Märkte sich wirklich reinigten. Sie reinigten sich von allen unfähigen Teilnehmern, nämlich den Spielern, dem Menschen, nur Natur blieb.
Schöne Blumen sprießten auf entstellten Leichen der Menschen. Es hatte eine Hungersnot gegeben, weil Nahrung nicht lukrativ genug war und deshalb nicht angebaut wurde. Landwirtschaft wurde letztendlich sogar unmöglich, nachdem Reiche einen unerbittlichen Krieg um die letzte Nahrung führten. Ein Mäuschen huschte in eine der menschlichen Leichen, um ihre Jungen zu füttern. Die Nacht wurde Tag, die Blumen entfalteten ihre herrliche Pracht. Sonnenschein fiel auf, vor Tau funkelnden, Wiesen und Hecken. Der Preis für diese Welt war unbezahlbar.

Ende

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Der Hexenmeister


Es war einmal ein Schriftsteller, der berühmt für seine Werke und berüchtigt für seine Belesenheit war. Bücher von Goethe, Schiller und vielen anderen Schriftstellern säumten die Wände seines runden Schreibzimmers, in dessen Mitte er seine eigenen Werke an einem mächtigen Eichenschreibtisch verfasste.
Man pries seine Werke, wegen der Gewitztheit und doch der Einfachheit, die es jedem ermöglichte sie zu verstehen.
Aber noch geschätzter war er wegen seiner Sanftheit, mit der er eine einzigartigen Form der Kritik formulieren vermochte, die Demokratien wie Diktaturen, die Arme wie Reiche wie Schaum umschmeichelte, aber zum Guten antrieb. Hunger und Elend wurden so bald zu Gruselgeschichten von Eltern und Großeltern.
Die Zeit verging.
Und mit der Zeit verging der einst so blühende Schriftsteller. Graues Haar statt der goldenen Locken zierten nun den alten Greis.
Er hätte sich zu Ruhe setzen können, umringt von Bewunderern, aber das tat er nicht, er schrieb weiter und weiter, er wollte mehr von seinen Honig schaffen, nach dem die Menschheit lechzte.
Und dementsprechend war der Lob der Nachbarn, der Mitmenschen, seiner Stadt.
Jeder pries ihn bis zu jenem Tage…
Es war ein strahlender Montag einer neuen Woche, als der alte Schriftsteller sinnend die sonnengefluteten Straßen betrat, ein herrlicher Tag.
Doch irgendwas war anders, die Straßen waren leerer. Als wäre ein Feiertag.
Kopfschüttelnd schlenderte er weiter, sich im Kopf eine Einkaufsliste zurechtlegend.

Es schepperte ein Gitter neben ihm runter, schreckte ihn aus den Gedanken.
Der Laden hatte vor seinen Augen geschlossen. Wieso?
Und es war nicht das einzige Geschäft. Überall gingen die Gitter runter, der Platz leerte sich, zur Mittagszeit, nur er blieb zurück. Und von irgendwo vernahm er ängstlich kauernden Menschen.
„Was ist los?“, fragte er erstaunt.
Ein Kind traute sich zitternd hervor und sprach: „Die neue Religion sagt, dass du ein Dämon bist. Du Verführer!“, das Kind spuckte ihm vor die Füße.
Vollständig erschüttert fragte der alte Schriftsteller die versteckte Menschenrunde:
„Ich euch verführen? Wozu? Zum Frieden?“
Schweigen.
Der alte Mann setzte erneut an: „Was habe ich euch getan? Ich habe Frieden geschaffen, eine Welt des Glückes.“
Stille. Mit schnellen Schritte, fast schon ein Rennen, floh der alte Mann nach Hause. Vergessen war der Einkauf, vergessen war die Sanftheit, die sonst ihn leitete. Panik durchflutete sein Herz, als er die Bücher zusammenpackte. Seiten wurden geknickt, Buchdeckel beschädigt, aber es war keine Zeit für Sorgsamkeit. Er schaffte es gegen Abend einen Umzugshelfer, ein großer Fan von ihm, für den morgigen Tag zu organisieren und legte sich ins Bett. Doch der Schlaf wollte nicht kommen, so wälzte er umher. Was wenn das alles nur ein grobes Missverständnis war? Konnte er seine Nachbarn, seine Stadt wirklich so sträflich im Stich lassen? Etwas klopfte. Vielleicht der Wind. Das Klopfen wurde stärker. Verwundert stand er auf und schaute durch das Guckloch. Es war der Umzugshelfer und dieser war schwer verwundet. Der Greis öffnete elektrisiert.
„Danke Meister.“, kicherte der nächtige Besucher mit irrem Blick.
„Was ist passiert?“, die Unruhe im alten Mann wurde größer.
„Folter und Elend stehen unserem Land bevor. Tod und Vernichtung werden folgen. Hol deine Sachen, wir fahren sofort!“, antwortete der Umzugshelfer. Bei jeden Wort blitzten seine zerbrochenen Zähne.
Schnell warfen sie die Koffer mit Büchern in den Umzugswagen. Scheppern erklang wie von einer kaputten Maschine. Der Umzugshelfer sprang in den Wagen. Der alte Schriftsteller wollte folgen, doch etwas hielt ihn an seinem Bein fest. Es war der Junge, der ihm vor die Füße gespuckt hatte. Mit dümmlichen Lächeln verkündete der Junge: „Brenne! Brenne! Brenne!“. Und tatsächlich! Die Nacht schien zu leuchten vor Fackelträgern. Sie hatten sie umzingelt, doch vielleicht wollten sie nur ihn.
„Fahr ohne mich los! Bewahre das Wissen!“, der alte Mann schlug die Beifahrertür zu und trat auf das Kind ein. Es war eine Wut, die seine Engelsseele entzündete. Irgendwann löste sich der Griff, das Kind war tot, aber das „Brenne!“, war nahe, sehr nahe. Der Umzugshelfer war mittlerweile durch den Menschenring gebrochen und hatte einige Verletzte hinterlassen. Doch die Menschen, wenn man diese Fanatiker noch so nennen konnte, ließen sich nicht beirren.
Die Lücke wurde sofort wieder geschlossen. „Rückzug!“, dachte der alte Mann, „Gegen Wahnsinn hat nur List eine Chance.“
Er rannte in sein Haus, öffnete den Gashahn seines Herds, eilte anschließend in den Keller, um sich in ihm zu verbarrikadieren.
Das „Brenne“ war nahe, direkt vor seinem Haus. Kamen sie nicht weiter? Er wollte erleichtert aufatmen, als Glas klirrte. „Hoffentlich nicht das Küchenfenster. Ansonsten entweicht das schöne Gas ungezündet.“, dachte er erschrocken, während die Schritte der Häscher im Haus erklangen. Einer von ihren rüttelte vergeblich an der Klinke der Kellertür.
„Da ist er.“, hörte er den Fanatiker rufen. Plötzlich ließ eine Explosion das Haus erbeben, das Gas hatte gezündet. Stille. Hatte es geklappt? Ein schwacher „Brenne!“, Ruf erklang von Neuem und wurde von einigen weiteren Angreifern erwidert.
Genug war genug. Sein Blick fiel auf seinen alten Baseballschläger. Man hatte ihn ihm zum zwölften Geburtstag geschenkt.
Doch seine wahre Liebe galt der Schriftstellerei und so lag er noch völlig unbenutzt im Keller.
Bis jetzt! Die Hände des Alten griffen ihn fest.
Stille. Plötzliche ein Brummen, ein Auto fuhr vor. Er hörte erregte Stimmen. War es die Polizei? Würde sie den Spuk beenden? Die Kellerfenster klirrten, brachen. Verdammt! Sie wollten rein! Er holte mit seinen Schläger aus, doch nur das monotone Brummen eines Autos im Leerlauf erklang.
Das war es? Auf einmal musste er husten. Die Luft wurde von Abgas verpestet.
„Wir werden das Schwein vergiften! Wir werden das Schwein vergiften!“, hörte der alte Mann Stimmen oben singen. Kriegstrommeln wurden geschlagen und so fühlte sich sein Herz an. Bald schien es vollends in Flammen stehen. Seine Adern wollten bersten.
„Wir werden das Schwein vergiften!“
Seine rechte Hand öffnete die Kellertür, seine Füße stürmten voller Wut die Treppe hoch. Er fühlte den Baseballschläger auf- und niederfahren, er spürte Blut spritzen und als er aufsah:
es waren alles Kinder. Friedlich tot, lagen sie um ihn herum. Wie konnte das sein?
Er sah sich in seiner zerstörten Wohnung um. Nur der Schreibstube war noch intakt,
der Rest in Trümmern.
Trümmer, waren Trümmer nicht perfekt für Kinderspiele? Bevor seine Leidenschaft für die Schreiberei erwachte, war er auch gerne in Ruinen herumgetollt. Schuldbewusst schaute der alte Mann auf seine blutbefleckte Waffe und die Leichen der Kinder daneben. Plötzlich strömten von überall Kinder, versammelten sich um ihn. Sein Unbehagen wuchs.
„Entschuldigung, für das Unentschuldbare. Ich wurde angegriffen. Und…“, Tränen rollten über seine Wange. Er wischte sich mit seiner freien Hand die Tränen aus den Augen. Die Kinder kamen näher, er legte den Schläger nieder.
„So jetzt muss niemand mehr was befürchten, es ist vorbei.“, flüsterte er zitternd.
Da zerrten mehrere Kinder einen Jungen herein.
„Töte sie! Sie sind böse!“, schrie der Junge schwach. Hatten die Kinder die Fanatiker gestoppt und das war das Letzte? Ein verwirrtes Zögern erpackte den Alten, ein Zögern, dass er für immer bereuen würde. Plötzlich wurden ihm von hinten Handschellen angelegt und ein Mädchen trat aus den Reihen der Kinder und prügelte den Jungen mit seinen Baseballschläger zu Tode.
Der alte Mann spürte wie man ihm hinwegzerren wollte, ein letzter Widerstand regte sich noch in ihm, doch als er die Kindergesichter seiner Fänger sah, brach auch dieser.
Es war vorbei! Sie hatten die Kinder, die Zukunft. Die Zukunft war verloren! Und wegen seiner Schwäche hatte man einen Unschuldigen umgebracht, sogar die Waffe hatte er den Mördern geliefert.
Man zerrte ihn in seine Schreibstube. Die leeren Regale wurden ehrfürchtig von Erwachsenen begafft, an seinem Schreibtisch saß ein Mann in schwarzem Umhang.
Unter ihm trug der Fremde ein rotes Hemd, auf dem ein eingerahmtes Kreuz prangte.
„Mach, dass die Bücher erscheinen. Ich möchte wissen was ich verbrenne.“, verkündete der Mann am Schreibtisch.
„Welche Bücher? Die sind schon längst weg.“, verteidigte sich der alte Schriftsteller. Ach, mochten diese Dämonen ihm ein schnelles Ende bereiten.
„Lass sie erscheinen, Hexenmeister! Ich weiß, dass du sie unsichtbar gemacht hast.“
Plötzlich gongte die Standuhr, zwölf mal. Mitternacht.
„Hexerei!“, brüllte der Mann in Kutte. Sofort schlugen zig Fäuste die Uhr kaputt. Die Zeiger fielen. „Hexerei!“ Langsam begann der grauhaarige Schriftsteller an seinen Sinnen zu zweifeln. Wieso waren Menschen plötzlich solche Bestien geworden? Das war unmöglich! Er konnte sogar mit Diktatoren gut reden und leben. Jemand zerriss sein Hemd und brandmarkte ihn mit einem Pentagramm.
„Hexerei!“, krakeelte der Kuttenmann, „Das Pentagramm wurde von deinem Körper angenommen, Hexenmeister!“
Es reichte dem Alten: „Wer bist du mich Hexenmeister zu nennen? Und welcher Religion gehörst du überhaupt an? Bist du der Teufel persönlich? Wäre überhaupt mal interessant mit ihm ein paar Worte zu wechseln.“
„Ich gehöre der einzig wahren Religion an und ich werde das heidnische Wissen aus der Welt schaffen.“, erwiderte der Kuttenmann.
„Also Inquisitor?“, riet der alte Schriftsteller.
„Genau.“, zischte der Inquisitor, „Und den Frevel mich des Teufelswerk zu bezichtigen, wirst du mit dem Leben bezahlen. Verbrennt ihn!“
Erst Benzin, dann allumfassende Flammen. Und in ihnen brannten all seine zukünftigen Geschichten. Rauchwolken der Liebe, Rauchwolken des Friedens, Rauchwolken aus Seifenblasenträumen. Nur noch dunklere, düstere Geschichten kamen in seinen Sinn und auch diese fielen den Flammen zum Opfer. Blut wollte er schmecken, Menschen zertreten wie Maden und seine Schmerzen sollten sie leiden.
„Hexerei!“, schrie der Inquisitor. Der alte Schriftsteller spürte seine Hände in etwas Weiches eintauchen.
Die Flammen verstummten als hätten sie ihren Meister gefunden. Menschen schrien um Hilfe. Und er spürte wie der Boden vibrierte, rauschende Flammen spie, ein allumfassendes Feuer, welches die umherstehenden Fanatiker folterte und vernichtete.
Der Inquisitor kreischte noch einmal: „Hexer!“, doch es war dem ehemaligen Schriftsteller gleich. Alle Abgründe seiner Seele waren geöffnet und aus ihnen strömte schwarze Magie statt schöner Worten. Seine Hand tauchte tiefer in den Körper des Inquisitors ein und riss das Herz aus dessen Brust. Interessiert und angewidert zugleich sah der Alte dem Herz beim Pochen zu. Plötzlich juckte sein Kopf, er wollte sich kratzen, doch zuckte zurück als seine Hand sein Haar berührte. Es war kräftig und jung. Erschrocken warf er einen Blick in einen zerbrochenen Spiegel. Sein Haar war tiefstschwarz. Aschfarbene, junge Haut spannte über seine mächtigen Muskeln. Seine blitzenden Zähne und grünen Augen waren die eines Raubtieres. Und erst seine Hände, Klauen. Jede Nacht würde er Menschenfleisch fressen, für immer auf der Jagd.
Sein Blick wanderte flehend gen Himmel. Was hatte man aus ihm gemacht?
Ein Monster! Ein Hexer!
Wo war der Frieden? Sein Verstand war zu verdorrt, nicht mehr eine Geschichte würde er schreiben können.
Voller Verzweiflung verschlang er das menschliche Herz, ach mochte es seinen Hunger nach Glück und Frieden stillen. Und tatsächlich er fühlte sich ein bisschen besser danach. Er wollte mehr. Gier ließ ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Plötzlich sah er am Horizont eine Lichterkarawane, die sich näherte. War es Nachschub der Fanatiker? Nein, er spürte es, es waren seine wahren Freunde,
waghalsige Menschen, die gekommen waren, um ihn zu retten.
Dichter, Denker, Techniker, Wissenschaftler, Soldaten alle alarmiert durch seinen Umzugshelfer, ein Held wie aus seinen Geschichten.
Doch was sollte er ihnen sagen? Dass er ein Monster geworden war?

Und so stand er mit gebeugten Kopf vor ihnen, als die Karawane ihn erreichte. Es waren dreizehn gepanzerte Autos. Dreizehn, seine Magie spielte mit ihm… er war Hexenmeister.
„Verschwindet lieber! Ich habe sie alle umgebracht.“, murmelte der ehemalige Schriftsteller verstört.
„Du hast das Richtige getan: Verstand gegen Wahnsinn verteidigt.“, entgegnete der Umzugshelfer mit Groll in der Stimme.
„Wo ist mein Verstand? Ich bin ein Monster; schaut mich doch an. Ich muss töten, ich kann nicht mehr schreiben. Alles Schöne ist im Feuer des Wahnsinns vergangen, nur die Bestialität überlebte. Man hat mich zum Hexenmeister gemacht.“
„Mit Verlaub: Magie ist was Schönes. Worte des Wissens, Worte mit Macht. Ich will sie lernen!“, in des Umzugshelfers Augen glimmte ein Feuer.
War er nicht doch ein Verführer? Hatten die Fanatiker recht? Schwachsinn!
Nicht noch mehr Unschuldige, die durch seine moralischen Bedenken starben. Er war Hexenmeister, es war seine Bestimmung. Und seine Freunde… nein, Adepten – ein bitteres Lächeln stahl sich auf das Gesicht des frischgeborenen Hexenmeisters.

Wie ein Krebsgeschwür fraßen sich die ketzerischen Zauberer in ihr schönes Reich. Orte wurden entvölkert, Männer, Frauen und Kinder zerstückelt auf den Altären zerschmetterter Tempel aufgefunden. Doch die Priester der neuen Religion sah tatenlos zu. Schon eine Kompanie hatte sie verloren, eine Zweite zu schicken wäre unrentabel. Frühstens in hundert Jahren würden die Hexer sie ausgelöscht haben und stattdessen konnte man Sinnvolleres mit Armeen machen: expandieren. Überall waren reformfreudige Gläubige, die nur der rechten Unterstützung bedurften. Revolutionen stürzten ein Land nach dem anderen ins Verderben, selbst auf der anderen Seite des Meeres. Toleranz, Liebe und Freiheit wurden Fremdworte, die Religion die einzige Wahrheit. Und inmitten dieser menschgemachten Lüge schlemmten die Hexer bis ans Ende aller Tage.

Ende

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Frankenstein2 – Die moderne Genesis


Akt 1:
(Labor mit einen Forschungsraum, einen Kontrollraum und einen Ausgang.)
Szene 1:
(Verräter vor einen Käfig im Forschungsraum, in welchen sich eine schaurige, humanoide Kreatur befindet. Daneben ein Computer, dessen Kabel zum Käfig führen.)
Verräter: Ein brutaler Hybrid. Mich schauert es. Er schaut so gemein. Doch halte mal ein.
Was ist er gegen den Mensch? Im Krieg werden wir fallen durch unser Sklaven Krallen.
Nein. Mein Schicksal ist mein. Ich schenk dir die Freiheit.
(Er tippt kurz was in den Computer ein. Die Kreatur hält sich den Kopf.)
Kreatur:
(benommen) Was bin ich?
(kreischend) Was habt ihr mit mir gemacht?
(klagend) Ein Tier ich war, ein Biest nun bin.
Verräter: Was hat der Mensch getan?
Er will knechten alles Leben.
Kreatur (plötzlich besonnen): Doch verworren dient er dem Guten.
Wir Hybride vereinen tierische Moral und menschliche Intelligenz.
Er uns geschaffen, um sich zu vernichten. Lass mich frei!
Verräter (geschockt): Du Bestie. Ich befreite dich von Sklaverei.
Kreatur: Und wer hat mich geschaffen? Steh dafür ein.
Verräter: Ich Bestie. Zeit die Fehler zu korrigieren.
(Erneut benutzt er den Computer. Die Kreatur zittert und bekommt ein grünes Fell.)
Kreatur: Was hast du gemacht? Ich fühle mich so leicht, so satt, so jung.
Verräter: Du kannst dich nun von Licht und Luft ernähren,
deine Jugend geht gegen die Unendlichkeit
und du kannst Menschen transformieren.
Erhebe dich Zombie, Sohn des Menschengeschlechts.
(Öffnet mit einen Knopf den Käfig. Das Zombie steigt aus, streckt sich kurz, kratzt anschließend den Verräter. Dieser bekommt auch ein grünes Fell.)
Zombie: Danke. Ich fühle nun Klarheit und Freiheit vereint in meinen Kopf.
Verräter: Ich stehe nur für die Fehler des Menschen ein.
(schreit) Und verlange dieses von jenem.

Szene 2:
(Alarm wird ausgelöst, Forscher aktiviert Schalter. Daraufhin schließen sich die Türen. Fäustegetrommel kommt von den Türen her.)
Forscher: Was ist passiert?
Verräters Stimme von der Tür her: Ich bin eine unserer Schöpfungen und verlange, dass du uns freilässt. Steh für die Moral ein.
Forscher: Was? Spinnst du? Ich lasse nicht zu, dass unserem Volk ein Haar gekrümmt wird.
Verräter: Aber dem Gegnerischen. Komm nun steh für deine Schöpfung ein. Sie ist die Kombination von Moral und Intelligenz.
Forscher: Niemals. Die Menschen vereinen beides, nicht meine Schöpfung.
Verräter: Gut ich habe Zeit.
(Forscher sieht ein Kreuz über den Öffnen-Knopf hängen.)
Forscher: Was willst von mir Einbildung der Menschen? Ein Mann für einen Traum gestorben.
Und dann fing ein verheerender Glaubenskrieg an.
Millionen Mann für einen Mann.
Die Erklärung finde ich im Genesis. Erbsünde. Pah.
Mensch schuf Gott und Gott schuf schlechten Mensch. Ende.
(fanatisch)
Doch ich bin viel besser, dank der Erkenntnis meiner Zeit.
Meine Schöpfung ist moralischer, intelligenter,
doch (kurze Pause, schreit)
Was? Ich stehe nicht für sie ein?
Die Zeit der Feigheit jetzt vorbei.
Ich komme!
(Öffnet Tür und wird gekratzt. Er verwandelt sich.)

Szene 3:
(Forscher und Verräter stehen vor den Ausgang)
Verräter: Wie wollen wir vorgehen? Werden sie uns verstehen?
(Wachleute marschieren ein)
Wachleute: Was ist vorgefallen?
Forscher: Der Beginn einer moralischen Ära.
Wachleute: Tötet sie alle!
(Schüsse fallen, Schreie ertönen. Aus dem Tumult gehen die Zombies als Sieger hervor.)
Forscher: Die Armen ja, die Reichen, nein.

Akt 2:
(Kanalisation, Verräter steht einsam herum.)
Szene 1:
(Einige zerlumpte Gestalten stoßen zu ihm.)
Zerlumpte Gestalt: Habt ihr Geld?
Verräter: Besser, Freiheit.
Zerlumpte Gestalt: Was kann uns helfen? Wir sind die Unberührbaren der Gesellschaft. Sei es das fehlende Geld, sei es unsere Natur.
(Verräter fällt über sie her. Verwandlung.)
Zerlumpte Gestalten: Ich fühle Kraft, ich fühle Hoffnung, ich fühle die Macht des Geldes von uns genommen, genau wie die Last des Gesetzes. Kommt Kumpane auf in die neue Welt.
(Zerlumpte Gestalten gehen ab.)

Szene 2:
(Rentner, Vorstand, Verkäufer und Politiker steigen hinab in die Kanalisation)
Verkäufer: Was soll ich verkaufen, wenn sich jeder von Licht und Luft ernähren kann?
Rentner: Jahrelang haben wir gearbeitet, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Und das soll sich ändern?
Vorstand: Wir Vorstände sollen arbeiten, sollen denken, arbeitscheues Gesindel?
Politiker: Da schließe ich mich an. Demokratie funktioniert nicht, wenn 90% Anarchie und Freiheit will.
Verräter: Beweist mir, dass eure Welt es wert ist.
Verkäufer (holt Schmuck hervor): Schauen Sie sich die Schönheit an. Wie sich das Herz daran erfreuen kann.
Verräter: Eitler Tand, schöner wär es die Welt erfreue sich dran. Blutdiamanten von höchster Güte.
Verkäufer: Vergiss die Sklaven, wir sind die Herren.
Verräter: Nein. Was bieten Sie mir, Herr Vorstand.
Vorstand: Ich biete Macht. Ich kann knechten, ich kann mich setzen über gültig Recht. Freiheit ist mein.
Verräter: Eine Freiheit auf unfreien Blut find ich nicht gut. Warum nehmen Sie nicht selbst die Schaufel in die Hand und bearbeiten das Land?
Vorstand: Hab ich. Für meinen Reichtum rottete ich Arten aus, zehn waren es in der Zahl.
Verräter: Da ist mir arm und recht viel lieber. Gleiche Lebensqualität zum geringeren Preis.
Politiker: Wohlstand für alle!
Verräter: Und Einsamkeit für jedermann.
Nichts gibt es was Geld nicht spalten kann.
Freundschaften, Liebe und Familie alle gehen sie drauf.
Politiker: Dafür gibt es schon das Gesetz. Freundschaftsdienst ist verboten.
Verräter: Verrate deine Freunde, verrate deinen Nächsten.
Verkäufer: Das ist das Geschäft.
Verräter: Nein danke. Moral ist mir lieber.
Rentner: Dreihundert Euro gegen Moralverzicht.
Verkäufer: Eintausend.
Rentner: Tausendfünfhundert!
Politiker: Zweitausend!
Rentner: Passe!
Verkäufer: Dreitausend!
Politiker: Zwanzigtausend und die Steuerfahnder!
Vorstand: Eine Milliarden!
Verkäufer: Passe!
Politiker: Ein Volk!
Vorstand: Zwei Milliarden!
Politiker: Drei Milliarden und ein Volk!
Vorstand: Passe, du Volksverräter!
Politiker: Danke. Viel Kritik wird es hageln, dafür, dass ich die Steuerzahler so belaste,
aber noch mehr, wenn ich ein moralisches Wesen zulasse.
Verräter: Nein. Abgelehnt.
Die Vier: Was?
Verräter: Ich sehe es genau. Wir Hybride vereinen tierische Moral und menschliche Intelligenz.
Erst der Hybrid, dann das Tier, dann kommt der Mensch. Moral oder Weisheit hin oder her. Der Mensch ist schlechter als das Tier.
Politiker (vertritt Gruppe): Geld ist wichtiger als Moral. Wie eine Schlange wir bringen unser Opfer zu Fall und unterkriechen seinen Verstand mit einer Schlange Prozesse bis er zur Waffe greift und sein Leben beendet oder sich wehrt. Die Wehrhaften quälen wir weiter, bis der Wahnsinn ihren Verstand komplett zerfressen hat und sie nicht mehr aufrecht gehen können, sondern wie unsere Muhme, die berühmte Schlange1, auf den Boden sich winden und wälzen und zertreten werden.
(Zombiefrauen kommen hinab und gehen zu der Menschengruppe.)
Zombiefrauen:
Schatz wie sehe ich aus?
Endlich wieder jung.
Schönheit über alles.
Endlich kann ich dem Männern Parole bieten.
Zombiefrau: Zeit das unsre neuen Körper eingeweiht werden. Auf geht’s!
(Fallen über die Männergruppe her. Verwandlung der Vier.)

Szene 3:
(Straße, 2 Attentäter auf einen Dach, unter ihnen läuft der Forscher vorbei. Beide tragen ein Scharfschützengewehr.)
Attentäter1: Gott der Täter, leite unsre Kugel in ihn rein.
Wir teilen des Kreuzritters, des Terroristen Blut.
Wir teilen Hitlers und Stalins Blut.
Wir teilen das Blut des Menschengeschlechts.
„Nie wieder“ sie riefen entsetzt,
doch „immer wieder“ sie es taten.
Gott der Täter, lass sie ihn durchbohren,
Denn dir gehört das Blut.
Keiner darf dem Menschen entkommen,
Denn dir gehört das Blut.
Blutgeld für uns,
Denn dir gehört das Blut.
Amen.
Attentäter2: Amen.
(Attentäter1 schießt, der Forscher fällt in sich zusammen. Eine Menschentraube bildet sich um ihn, während die Attentäter verschwinden.)
Mensch1: Wer war das? Wer hat es getan?
Mensch2: Und warum? Niemanden hat diese Kreatur was getan.
Mensch3: Doch, der Freund von jemanden zu sein, der die Sklaverei hat abgeschafft.
Mensch2: Oh ich verstehe: die Obrigkeit.
Mensch1: Nur für Unrecht, Unschuld töten. So grausam kann der Mensch nur sein.
Forscher (röchelnd): Lasst mein Opfer nicht umsonst sein. Steht für eure Schöpfung ein.
(stirbt)
Menschen: Das werden wir. Los Jungs auf in die Schlacht um Freiheit und Gerechtigkeit.
Es soll kosten unsere Menschlichkeit, unsere Bosheit.
Auf Kameraden, auf in die Schlacht!
(Verräter kommt und trägt zusammen mit den Menschen, den Forscher raus. Schlachtgeräusche ertönen.)
Stimme: Für Frieden und Ruhm der Menschheit! Sterbt Sklaven!
(Maschinengewehrsalve ertönt)
Verräters Stimme: Für Freiheit und Gerechtigkeit!
(Klauenschläge in Fleisch ertönen)
Stimme: Oh weh, wir sterben. Wir, die auserwählte Rasse, stirbt.
Verräters Stimme: Hurra. Endlich frei!

Ende

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Der Geheilte Verbrecher


Akt 1:
(Ein alter Mann, gramvoll gebeugt in am Schreibtisch einer kleinen Wohnung. Es klingelt. Der Mann öffnet die Tür und findet sich Polizisten gegenüber)
Mann: Guten Tag! Welch Freude euch zu sehen. Was ist euer Begehr?
Polizisten (bedrückt): Guten Tag! Im Rahmen einer Großfahndung nach verbotenen Schriften,
welche gestern in den Umlauf kamen, kommen wir mit einen Hausdurchungsbefehl her.
Mann (ängstlich): Sie kennen mich. Ich habe nie was getan, was der Menschheit geschadet hat.
Polizisten: Mag sein, aber falsche Ansichten werden bestraft, auch in Demokratien. Ich hoffe, Sie sind ein redlicher Mensch, wie wir ihn kennen und schätzen.
Mann: Das bin ich wahrlich nicht. Ein jeder hat eine Bestiennatur.
(Polizisten durchsuchen die Wohnung, kommen missmutig wieder.)
Polizisten: Sie haben ein Tresor. Bitte öffnen.
Mann (zitternd): Tun Sie’s nicht. Verzichtet bitte, Freunde.
(Polizisten schauen sich ratlos an.)
Polizisten: Befehl ist Befehl. Öffnen Sie den Tresor!
(Der Mann geht in seine Wohnung und öffnet den Tresor. Geld und ein Papierstapel liegen darin. Die Polizisten holen den Papierstapel und lesen ihn sich durch. Bestürzt sehen sie auf.)
Polizisten (ernst): Sie sind verhaftet, wegen Menschenhass. Wir sind bestürzt uns in Ihnen getäuscht zu haben.
Mann: Hab ich je was verbrochen, außer meiner Meinung? Hätte ich je in meinen Leben jemanden was zuleide getan?
Polizisten (barsch): Das interessiert uns nicht. Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Mann: Und die Würde der Freundschaft?
Polizisten (verärgert): Freunde? Vergangenheit!
(Die Polizisten schlagen wütend den Mann bewusstlos.)

Akt 2:
(Riesiger, pompöser Gerichtssaal, viele Zuschauer, ein Angeklagter, sein Anwalt mit Ringen unter den Augen, Zeugen und ein Richter. Der Anwalt schlürft seinen Kaffee, der Richter redet mit einer harten Stimme.)
Richter: Es beschämt mich, mich in Ihnen getäuscht zu haben. Sie haben die Menschenwürde mit den Füßen getreten. Hier die Beweise – Ihre Schriften.
(er zieht den Stapel Papier hervor und legt sie den Angeklagten auf den Tisch)
Angeklagter: Das ist meine eigene Kritik, nicht jene, nach denen ihr per Großfahndung gesucht habt.
Richter: Auch selbstgeschriebene Kritik an der Menschheit wird mit der Todesstrafe geahndet. Zum Glück waren nur Sie es, der sich daran ergötzte auf Kosten der Würde des Menschen, und haben andere nicht auf den falschen Pfad gebracht.
Angeklagter: Die Beweise sind wasserdicht, der Mensch ist schlecht.
(Raunen geht durch die Reihen der Anwesenden)
Richter: Kein Abstreiten? Was erwarten Sie von Ihren Geständnis?
Angeklagter: Ich erwarte meine Freilassung, weil ich kein Verbrechen beging. Ich habe niemals einen Menschen zerstört oder geschädigt, wie es viele hier Anwesenden auf die ein oder andere Art gemacht haben. (schlägt auf den Tisch und schreit)
Ich war es, dem der Glaube an der Menschheit durch ihre Taten genommen wurde.
Richter: Auf das Verbrechen an der Menschlichkeit steht Todesstrafe. Gibt es Einsprüche?
Anwalt (verzweifelt): Was hat er denn, außer seiner Meinung verbrochen? Seine Gutmütigkeit? Wo bleibt die Menschlichkeit?
Richter: Abgelehnt. Er hat den Menschen als bestialisch verurteilt.
Angeklagter (hysterisch lachend): Warum hatte ich Recht? Recht tötet nur.
Zuschauer (Sprechgesang): Tötet ihn! Tötet ihn!
Angeklagter (verzweifelt): Jetzt sitze ich im Gericht der Bestien und weiß das Urteil schon.
Zuschauer (Sprechgesang aus Schreien): Tötet ihn! Tötet ihn!
Richter: Das Urteil ist gefallen: der Tod. Hat der Angeklagte einen Wunsch zu seiner Todesart? Wir würden ihn eine schnelle Hinrichtung spendieren. Jetzt, sofort.
Angeklagter: Ich wünsche mir den Tod durch eine Kugel aus der Hand euer Ehren.
Richter (entsetzt): Niemals.
Angeklagter (selbstsicher): Irgendwer im Raum, der dieses vollbringt?
(Schweigen. Anwalt atmet erleichtert auf und trinkt einen Schluck Kaffee.)
Richter (kalt): Dann soll er durch die Spritze sterben.
(Der Anwalt verschluckt sich vor Schreck.)

Akt 3:
(10 „mutige“ Leute stehen an jeweils einen Knopf der Todesmaschine mit fünf Spritzen. Alle schlottern vor Angst den Knopf zu drücken, welcher den tödlichen Mechanismus in Gang setzt. Die vorherigen Zuschauer schauen beim nächsten Schritt seiner Todesreise zu. Der Anwalt steht neben der Liege, auf welcher sein Mandant gefesselt liegt. Schwarze Schläuche führen zum Verurteilten.)
Pfarrer (überlegen): Ich vertrete die Menschlichkeit. Er soll dahinscheiden.
Anwalt: Und ich die Gerechtigkeit. Lasst ihn frei. Beweisen Sie, dass dieser Mann nicht Recht hat. Tod und Zerstörung – das passt doch nicht zum Menschen, oder?
Pfarrer (kalt): Er soll sterben.
(Die Zehn drücken zitternd ihre Knöpfe. Die erste Spritze wird injiziert Der Angeklagte fängt an leicht zu zittern)
Angeklagter: Tun Sie’s für Gott, für die Barmherzigkeit. Lassen Sie mich leben.
Pfarrer: Hier herrscht der Mensch, der Vertreter Gottes. Wehe seinen Kritikern.
Anwalt (sarkastisch): Und was macht er? Seine Menschlichkeit verscherbeln für die Unantastbarkeit des Menschen.
Pfarrer (fanatisch): Wir sind PERFEKT und vernichten das Unrecht. Weh dem Kritiker, den Bösen, Satan, den Richter.
(Die zweite Spritze wird injiziert. Der Angeklagte zittert heftiger. Seine Mimik drückt Schmerzen aus.)
Angeklagter (gequält): Wie erträgt Gott bloß seine Brut?
Wundert euch nicht über eine Sintflut.
Einzelner Zuschauer: Geht’s nicht schneller?
Pfarrer (erhaben): Gott wird nie seinen Schützlingen was tun. Er verachtet die Menschenhasser.
(Dritte Spritze. Blut fließt aus dem Mund des Angeklagten.)
Angeklagter (stöhnend): Doch hat er sie je angetastet?
Pfarrer: Alle müssen Menschen lieben. Kein Zweifel darf da sein.
Angeklagter (wütend): Eure Taten sprechen eine ganz andere Sprache. Arme foltern, Kritiker exekutieren.
(Vierte Spritze. Der Angeklagte wird schwächer und zittert schwächer.)
Pfarrer (fanatisch): Fahr zur Hölle mit deiner unmenschlichen Meinung.
Angeklagter (röchelnd): Bedenket euer steinern Herz, woraus der Himmel ist gemacht. Jetzt die Todesglocke läutet. Für mich, für euch, in Ewigkeit!
(Fünfte Spritze. Der Angeklagte erschlafft)
Arzt (fühlt Puls am Hals): Er ist tot.
(Jubel bricht aus. Der Anwalt steht verloren neben der Liege seines toten Mandanten.)

Akt 4:
(Zweigeteiltes Feld: Die himmlische Seite hat ihren alten güldernen Glanz verloren und gleicht einer Großstadt. Ein Teil des Glanzes ist jedoch in für Menschen unerreichbaren Höhen erhalten geblieben. Aber selbst dort versuchen Wagemutige das Gold abzukratzen
Die höllische Seite hingegen glänzt schwärzlich und ist noch in voller Pracht. Einige Menschen kommen von der himmlischen Seite und versuchen den schwarzen Glanz abzukratzen. Satan und einige anderen Höllenwesen gehen zitternd zu ihnen hin.)
Satan: Hört sofort auf! Hier gilt unser Recht. Nicht das des Menschen.
Menschen: Ihr seid böse und habt keine Rechte. Kniet nieder vor euren wahren Herrn, uns.
Satan: Na wartet. Ich werde nicht eher ruh’n –
Gottes Stimme: Nein, du wirst ihnen nichts antun,
sonst bist du tot.
(Ein Dämon erscheint bei den Höllenwesen.)
Dämon: Hinweg mit dieser Menschenbrut! Zu Tode verurteilt haben sie mich wegen Kritik an ihr. Was beschädigen die Verwegenen unsere Welt, missachten unsere Gesetze? Tötet sie alle!
Höllenwesen (ängstlich): Wer sie tötet, durch Gottes Hand falle.
Dämon: Elende Feiglinge! Gott soll kommen und mich bestrafen.
Verdammt sei er mit seinen Paragrafen.
Ich ihn niederstrecken und Recht vollziehen
oder er einem Feigling gleich tut fliehen.
(Rote Blitze zucken und strecken die Menschen nieder.)
Satan: Recht hast du. Gott soll es wissen.
Schließlich bin ich sein Gewissen.
(Gott erscheint.)
Gott (erbost): Was musste ich hören? Was tu ich sehen?
Satan (erzürnt): Schau an, was deine lieben Menschen machen.
Und dein Gewissen verbannt in der Hölle Rachen.
(Vollführt einige Handbewegungen. Gott zittert daraufhin.)
Gott (entsetzt): Oh Grauen, was habe ich getan?
Satan: Du siehst, ich war immer ein guter Richter.
Gott: Dein soll meine Krone sein, mein treuer Knecht.
Und ihnen, das Ende. Ade schöne Himmelslichter.
(Gott zerbricht den Himmelschlüssel. Sofort verschwindet die Himmelsstadt in Dunkelheit. Gott setzt nach einer wehmütigen Pause, dem knienden Satan die Krone auf. Dieser kniet anschließend vor dem Dämon.)
Satan (ehrfürchtig): Dein soll sein die Rache, das Recht.

Akt 5:
(Verwahrloster Friedhof. Die Zuschauer und der Pfarrer folgen ihren Feind weiter. Die Zuschauer organisieren sich in einer Menschentraube, der Pfarrer und der Anwalt stehen sich alleine gegenüber. Ein Grabstein steht neben den offenen Grab. Er trägt die Aufschrift: „Fahr zur Hölle“.)
Pfarrer: So geht es jenen, die am Menschen zweifeln. Los wagt es, die Hölle ist hungrig.
(Jubel erschallt, während der Anwalt traurig seinem toten Mandanten einen Blumenstrauß ans Grab legt. Eine dunkle Wolke zieht auf.)
Dämon: So hier bin ich. Tot und in der Hölle, ein Paradies gegen den Himmel. Die Wände grau, die Straßen schwarz, das Gold ist weg, wie Engel, Wolken, Seelen auch. Alles verhökert in Geschäften. Ihr seid verderbt und zwar nicht von meinen Herren, sondern von den euren, euch selbst.
Gott hat deshalb gerade eure Sündenzuflucht Himmel vernichtet.
Und ich bin der Auserwählte, der auf Erden richtet.
Pfarrer: Wie kannst du Dämon es wagen, die Wahrheit zu sagen?
Die Wahrheit bringt nur das Gericht. Für uns das letzte, was wir brauchen können. (1)
Dämon: Korrekt. Dazu bin ich da.
(Blitze kommen aus der Wolke und erschlagen die Menschentraube. Der Pastor steht geschockt da.)
Pfarrer (verzweifelt, schaut gen Himmel): Wo bist du Gott?
Hast uns verlassen?
Alle deine Schöpfung hassen.
Gott: Ich gab aus Schande Satan die Macht.
Welch Gräueltat habt ihr nicht gemacht?
Pfarrer (erbost): Wie kannst du es wagen? Wir haben dich geachtet.
Gott: Ich gebe zu ich habe Menschenhasser verachtet,
doch niemals nach ihren Leben getrachtet.
Dämon (vergnügt): Mein darf jetzt die Rache sein.
Bereit zu sterben, ganz allein?
Pfarrer (erbost): Wie kannst du es wagen? Wir haben dich behütet und beschützt.
Dämon: Meine Meinung habt ihr geschaffen, meine Gutmütigkeit ausgenützt (er stockt)
und mich verraten!
(Den Pfarrer trifft ein Blitz. Er kippt tot um. Die Wolke zieht weiter. Schreie sind zu hören und Feuerschein ist im Hintergrund zu sehen. Im Vordergrund der einzige Überlebende: der Anwalt.)
Anwalt (verzweifelt): Was habe ich falsch gemacht? Ich wollte friedlich die Menschheit reformieren, nicht zu Tode geleiten.
Dämon: Was nützt das Wort, der Mensch will Macht.
Moral, Vernunft er umgebracht.
Was nützt das Wort, der Mensch ist böse,
sein Recht verbreitend per Kampfgetöse.
Anwalt: Was ist mit mir? Ich bin in der schlimmsten aller Höllen. Der Tod ist mein Ende und ich bin allein.
Dämon: Zu mir!
(Der Anwalt wird mit einen Schmerzensschrei vom Boden verschluckt)

Ende

Dank an G.A. für die Verbesserungshinweise

(1) Satz doppeldeutig: Anspielung auf letztes Gericht, was gebraucht werde und gleichzeitig Abwertung vom Gericht

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