Wie sie Kinderseelen zerfetzen


An einen schönen Herbstabend stand die Polizei vor der Tür. Man führte seinen Vater ab und nahm ihn fest im Arm und sagte: „Du armes Kind, wurdest von deinen Vater vergewaltigt.“
Der vierzehnjährige Junge namens Valentin war verwirrt. Sein Vater hatte ihn niemals unanständig angefasst.
„Was?“
„Komm mit! Jetzt bist du in Sicherheit.“, die Pflegerinnen nahmen ihn bei den Armen und zogen ihn an seiner weinenden Mutter vorbei in einen Lieferwagen.
Der Junge begann zu weinen.
„Ist schon gut.“, trösteten die Frauen.

Man brachte ihn in ein Waisenhaus über dem ganz groß: „NewDawn“ stand.
„Hier bist du sicher und denke an deine Kurse zur Angstbewältigung.“, verabschiedeten sich die Frauen.
Die ganze Umgebung machte Valentin Angst; er wollte zurück.
„Ich will nach Hause. Es ist alles eine Lüge.“, schrie er die Pflegerinnen an.
„Typisches Stresssymptom. Ich hoffe du wirst dich einleben.“
Ende, die Pflegerinnen verschwanden. Er alleine unter narkotisiert wirkenden Jugendlichen. Ihr Gleichschritt machte ihm Angst. Er wollte Freiheit, drehte um und rannte Richtung Straße. Sofort packten ihn Hände und zerrten ihn in das Gebäude.
„Du wirst dich anpassen.“, zischte eine männliche Stimme. Sie zog ihn weiter in eine Abstellkammer und vergewaltigte ihn dort. Es war der Direktor, er konnte nichts gegen ihn unternehmen und musste es über sich ergehen lassen.
Dann wurde er, aus dem After blutend, in ein Schlafsaal gezogen, musste sich ausziehen und einen blau-grau gestreiften Einheitsschlafanzug anziehen.
Alles schauten auf ihn, und er auf sie.
„Willkommen in der Hölle. Mein Name ist Franz.“, meinte ein kleiner Jugendlicher mit Brille auf seinen rundlichen Gesicht.
„Das werden wir noch sehen!“, knurrte Valentin, wie ein verletztes Tier.

Peitschenschläge erklangen auf seinen nackten Rücken. Er hatte nach seiner Mutter gefragt.
„Tut mir leid wir müssen dich entwöhnen. Du musst deine schreckliche Vergangenheit hinter dir lassen.“, hatte der Direktor geantwortet und die Peitsche herausgeholt.
Und da zerbrach was in seiner Seele. War er höflich und freundlich gewesen, so erfüllte ihn nun ein Schwelbrand aus Hass und Angst. Man schickte ihn nach seiner Züchtigung in ein Verdrängungsseminar. Die Mädchen und Jungen weinten, als ihnen schonungslos ausgemalt wurde, wie ihre Väter sie vergewaltigt hatten. Alle mussten sie an den pädophilen Direktor denken.
Betäubt und weinend taumelte Valentin heraus. Er konnte nicht mehr sagen, ob sein Vater ihn angerührt hatte. Doch schon schleifte ihn sofort in ein Verhörzimmer, wo mehrere Polizisten ihn zu seinen Vater befragten. Und nicht nur das: er sollte seine Hose ausziehen. Er weigerte sich, es setzte eine Ohrfeige. Man entnahm ihm triumphierend Sperma aus den After.
„Das stammt vom Direktor!“, schrie Valentin auf, riss sein Hemd von der Brust, „Und die Striemen von der Peitsche des Direktors.“
Die Polizisten liefen wutrot an: „Dr. Fratzen ist ein ehrenwerter Mann. Wie kommt es sonst, dass keiner seiner Zögling straffällig geworden ist?“
Der pädophile Direktor blieb ruhig: „Nur die Ruhe, meine Herren. Ich werde ihn zurechtbiegen. Er wird braver Bürger.“
Und so bog man an ihn.
Vormittags musste an einen christlich orientierten Schulunterricht teilnehmen. So wurde statt Darwin eine skurrile Schöpfungstheorie durch Gott gelehrt. Schlimmer war der Nachmittag mit seinen Religionsunterricht und den Verdrängungskurs.
Der Religionsunterricht war, wie der Verdrängungskurs, reinste Gehirnwäsche einer fanatisch-esoterischen aber christlichen Sekte.
Nach anfänglichen Widerstand, ging er in die innere Emigration. Er schrieb grausame Gedichte, biss sich absichtlich auf die Zunge und ging kaum einer Schlägerei aus dem Weg, auch wenn er dabei mit vielen Schrammen versehrt herauskam. Im Laufe von Wochen wurden es immer weniger, da er immer besser im Kämpfen wurde.
Eines Tages hörte er den Jugendlichen namens Franz ausrasten: „Ich halt es hier nicht mehr aus. Mobbing und ich will wieder einen Computer sehen.“
Franz kletterte stöhnend über den Maschenzaun, die Kinder schauten ihn gespannt zu. Valentin spürte einen sanften Stöhner auf seiner Wange. Er schaute sich um. Es war ein Mädchen, um die fünfzehn. Und sie sahen sich in ihre leidenden jugendlichen Augen. Es war Liebe auf den ersten Blick, doch Valentin war vorsichtig und schaute weiter auf den fliehenden Jugendlichen. Ein paar Wachen sprangen hervor, der Jugendliche schlängelte sich hindurch. Plötzlich schubste ihn eine der Wachen auf die Straße. Er fiel schreiend, Autos zermatschten den klugen Kopf, verteilten die glibbrige Masse Wissen auf alle Häscher. Das Mädchen packte seine Hand und flüsterte: „Mein Name ist Mina. Lass uns gehen.“
Zunächst war es nur eine geistige Liebe, nach einiger Zeit kuschelten sie versteckt in einen der tausenden Anstaltsräume. Praktisch war Valentins Beschaffungsmethode. Selbst Pfleger rückten Kondome raus, wenn er mit der Faust drohte.
Die anderen Jugendlichen hingegen freute es, dass sie sich nun ungestört sich prügeln konnten und unterstützten die Beziehung der Beiden nach Kräften, schließlich wollte keiner unter Valentins Faust kommen.
Schließlich stand Halloween vor der Tür, die Jugendlichen durften sich Kostüme aussuchen, wobei Valentin und Mina Vorrang hatten. Sie gingen als Vampirpaar, weil Valentin beim lernen zufällig auf Vlad Dracula gestoßen war. Er vergötterte ihn fast und spielte seine Rolle gut. Hingegen Mina schlotterte in ihren knapp bemessenen Vampiraufzug.
„Und nun geht heraus und habt Spaß. Holt euch viele Süßigkeiten.“, befahl der Direktor.
Es war das erste Mal das Valentin die Waisenanstalt verließ. Wie leicht hätte er mit seiner Freundin fliehen können, doch unsichtbare Ketten hielten sie alle fest.

Ein Jahr später kamen Tests, wo Valentin kläglich versagte. Hatte er Jahre zuvor nur die besten Noten gehabt, so war alles verflogen.
„Weniger kuscheln, mehr arbeiten.“, riet die Lehrerin unter Getuschel der anderen Schüler. Er fühlte sich schwach und versagte bei Schlägereien, etwas was ihm lange nicht passiert war. Seine Freundin wurde sich von einen anderen Schüler geschnappt, ohne dass sie Einwände einlegen konnte, denn der Direktor stand drohend mit einer Peitsche in der Hand hinter ihnen.
Trübe Gedanken tobten in seinen Kopf, seine Leistungen wurden schlechter und schlechter, er schleppte sich durch die Schule. Zu seinem Geburtstag bekam er einen geöffneten Geburtstagbrief seiner Mutter; in ihm: eine Karte.
„Alles gute zum Geburtstag. Ich hoffe, es geht dir gut. Hier etwas Geld. Hast du meine Briefe bekommen?“, in den Briefkuvert war kein Geld, geschweige denn hatte er Briefe bekommen. Wie Vlad III hatte man ihn entführt, aber warum? Das hatte nichts mehr mit Vergewaltigung zu tun, das war… Valentin fehlten die Worte.
Aus Trauer wurde Wut, der Schwelbrand entzündete seine Seele: er musste töten. Leise, unauffällig, hinterhältig; am besten würde ein anderer Schuld bekommen. Mit einen gemeinen Lächeln schritt er zu Tat. Er beobachtete die anderen sorgfältiger als je zuvor. Sehr sorgfältig, so entdeckte er ein Mädchen, das ein Messer besaß, ein perfekter Täter. Nun die Opfer. Ein Mädchen, eine Freundin von dem „Täter“, am liebsten hätte er auch Peiniger von Mina auf seiner Mordliste aufgenommen, doch das wäre zu offensichtlich, aber wie stand es mit ein paar Pflegern?
In der Nacht schlich er auf leisen Sohlen zum Mädchenschlafsaal. Niemand hörte ihn, niemand sah ihn durch die schlafenden Reihen tasten. Dann sah er das Zielobjekt. Sein Herz schlug schneller, er griff zu. Niemand rührte sich, lautlos zog er das Messer und tastete sich an das Bett seines ersten Opfers. Es schlief unruhig, wälzte sich. Kein gutes Ziel, doch auf einmal hielt es inne, als es auf den Rücken lag. Perfekt. Langsam hob er die Bettdecke über die Brust des Opfers hoch. Er konnte die Brüste durch das dünne Schlafhemd durchdrücken sehen, ein Anfall von Bedauern, dann stach er zu.
Noch weitere fünf Opfer, zwei Jungen, zwei Pfleger, eine Pflegerin und schon war er wieder bei dem Mädchen, welches er zum Täter machen würde.
Leise flüsterte er im Tonfall, wie er es vom Verdrängungsseminar gewohnt war: „Du hast fünf Menschen umgebracht. Du hast fünf Menschen umgebracht, verstehst du?“, das Mädchen nickte, „Nimm das Messer.“, das Mädchen nahm das Messer, „Und nun gehe zur Dusche. Du wirst dich versuchen reinzuwaschen.“
Das Mädchen stand wie ein Zombie auf und folgte seinen Befehlen. Er verschwand hingegen mit einen dämonischen Lächeln im Gesicht. Dracula würde stolz auf ihn sein.

Es geschahen auf ähnliche Weise noch weitere zwanzig Morde, dann musste Valentin eine Abstinenzpause einlegen. Es wäre zu auffällig, denn die Polizei ermittelte mit Hochdruck, suchte nach dem missing-link bei den Morde. Auch bedauerte er, nur mittelmäßige Noten schreiben zu dürfen. Seine Intellekt war mit seiner Selbstbestätigung von den Morde zurückgekehrt, wenn nicht sogar über das vorherige Maß geschärft worden, doch er durfte nicht auffallen. Jeder absichtliche Fehler schmerzte und würde später mit Blut gerächt werden.
Eines Tages bemerkte er einige Anwälte, die mit den Wachposten vor dem Waisenhaus stritten. Erstaunt ging er zu ihnen heraus und fragte, was los sei.
„Sind Sie Valentin Kut?“, fragten die Anwälte ihn.
„Ja.“
„Gut, dass wir Sie treffen. Ihr Vater hat Selbstmord verübt. In seinem Abschiedsbrief steht, dass wir Ihnen eine Botschaft ausrichten sollen.“
„Und die wäre?“
„Ich war es nicht.“
Tränen rollten Valentin aus den Augen. Hände wurden auf seine Schultern gelegt
„Wann hätten Sie Zeit für die Beerdigung und die Vollstreckung des Testaments?“, fragte ihn einer der Anwälte.
„In zwei Jahren. Er ist noch nicht soweit mit seiner Mutter in Kontakt zu treten. Er hat noch immer posttraumatische Störungen.“, der Direktor war angeeilt gekommen. Valentin und er sahen sich tief in die Augen. Feindschaft blitzte, Mordlust stand ihnen beiden in den Augen.
„Jetzt.“, antwortete Valentin, sein Blick durchbohrte den Direktor, „Ich komme wieder, Doktor Fratzen.“
„Dann wird Mina, aber traurig sein.“
Valentin musste lächeln. Der Direktor hatte ihn unterschätzt, behandelte ihn noch wie ein kleines Kind. Hatte Dr. Fratzen seine Verwandlung nicht mitbekommen?
„Sie wird mir schon verzeihen.“
„Das glaube ich kaum.“, konterte Dr. Fratzen. Mochte sein, dass Mina was zustoßen würde, aber er brauchte erst Distanz für eine fundierte Entscheidung, so wandte er sich an seine Anwälte:
„Kann es losgehen? Ich habe seit Jahren nur dieses Waisenhaus gesehen.“
Diese nickten, er stieg in das Auto, sie hörten noch ein: „Das wirst du bereuen!“, dann schlug die Wagentür zu und das Auto setzte sich in Bewegung.
„Seltsamer Kauz, dieser Dr. Fratzen.“, wunderte sich einer der Anwälte. Valentin war sich unsicher, ob es erlaubt war frei zu reden. War er denn in Sicherheit oder war es nur ein Trick?
„Dr. Fratzen hat seinen Titel nicht verdient.“, stocherte Valentin vorsichtig. Erstaunt fragten die Anwälte nach: „Warum?“
Die Anwälte schienen in Ordnung zu sein.
„Gehirnwäsche gegen wehrlose Waisenkinder. Ist das nicht genug?“
Sofort zog der nichtfahrende Anwalt einen Block.
„Erzählen Sie weiter. Wir vertreten Ihre Mutter im Prozess gegen das Waisenheim. Sie sagt, sie hätte keinen Kontakt mehr zu Ihnen gehabt. Stimmt das?“
„Ja. Briefe werden systematisch abgefangen und durchsucht. Außerdem lässt die Gehirnwäsche die Vergangenheit verblassen und unwichtig erscheinen. So weiß ich nicht einmal den Namen meiner Mutter.“
„Steht der Direktor in Zusammenhang mit den zwanzig Morden?“
Valentin erblasste: „Nur indirekt. Sie sind ein Ausdruck von Widerstand der Insassen. Mein vollstes Verständnis, wenn Kinder in dieser Hölle ausrasten.
Vielleicht hilft das: der Unfall vom dicklichen Jugendlichen Franz. Die Wachen vom Waisenhaus schubsten ihn auf die Straße, nachdem sie erfolglos versucht hatten ihn zu fangen.“
Der Anwalt schrieb nieder, schaute auf, fragte:
„Warum?“
„Es gibt so viel zu verbergen in dem Waisenhaus. Esoterischer Unterricht, Pädophilie des Direktors, Fälschung von Beweisen. Apropos hat man das Sperma, das man bei mir fand, auf seinen Ursprung überprüft? Es stammt vom Direktor.“
„Nein. Aber wir werden das sofort angehen.“, der Anwalt zückte ein Mobiltelefon, telefonierte kurz, bekam einen ungläubigen Gesichtsausdruck, legte auf, schüttelte den Kopf:
„Ich fasse es nicht. Die Beweise wurden vernichtet. Es scheint einen tiefen Sumpf zu geben.“
„Die zerbrochenen Kinderseelen folgen widerstandslos Autoritäten, daran liegt es. Das Gleiche in Afrika mit den Kindersoldaten.“

Seine Mutter weinte, seine Großeltern weinten, Valentin weinte im Kreise seiner Liebsten. Kaum war er wieder zu Hause, erzählte er seine Geschichte, verschwieg aber seine Morde. Dann, als alle schon zu Taschentüchern gegriffen hatten, packte er den Hammer aus: „Ich glaube mein Vater hat sich nie an mir vergangen. Wer könnte ihn so etwas antun wollen?“
Stille, Todesstille.
„Was hat er verbrochen, außer zu leben?“
Stille. Seine Mutter packte zitternd eine Zigarette aus. Valentin sah, dass die ganze Wohnung Spuren exzessiven Rauchens trug. Früher war seine Mutter strikte Nichtraucherin gewesen, was nur Grausamkeit aus Menschen machte… Sie zündete ein Streichholz zischend an, hielt es an ihre Zigarette. Wie ein Höllenfeuer, das Leben vernichten wollte, griff die Flamme gierig nach den Papier und verschlang es, langsam und genüsslich.
Plötzlich krähte ein Rabe. Stille. War es seine Schuld, die ihn zur Verantwortung ziehen wollte? War es Dracula, der ihn entführen sollte? Valentin zitterte. Wieder krächzte der Rabe, ohrenbetäubend laut. Es klingelte an der Haustür.
Valentin öffnete die Tür; es war Mina. Sie war bleich und blutig an tausenden Stellen ihres schönen Körpers.
„Was ist passiert?“, fragte Valentin entsetzt.
„Ich sollte Selbstmord begehen.“, ihr Blick glich dem eines Raubtieres, „Ich sollte glauben, du seist tot. Idiot!“, dann brach sie in seine Arme zusammen und schluchzte: „Ich habe sie alle umgebracht, alle, Mädchen, Jungen, Pfleger inklusive natürlich Dr. Fratzen, den Teufel.“, auf ihren Mund zauberte sich ein verrücktes Lächeln, „Alle aufgespießt auf Pfählen.“
Valentin schaute sie tief an. Während sie ihre Freudenstränen für Entsetzen über ihre wahre Natur verschwendete, legte er sanft seinen Arm um sie und flüsterte:
„Es ist vorbei. Es ist vollbracht.“

Nie würde der Massenmord aufgeklärt werden, nie Mina verhaftet, zu tief waren die Polizisten selbst in der Sache verwickelt. Ein Feuer in der Asservatenkammer begnadigte Mina, sowie viele Polizisten. Die Mütter der ermordeten Kinder waren zwar weniger erquickt über dieses Ereignis, aber hatten sich zu sehr von ihren Kindern entfremdet, als dass sie eine Neuaufrollung des Falls beantragen würden.
Mina und Valentin verbrachten ihre letzten Jahre als Jugendliche unter der fürsorglichen Hand von Valentins Mutter, wo sie zu einem stattlichen Paar heranwuchsen, das, kaum waren sie beide volljährig, eine pompöse Hochzeit feierte.

Ende

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