Der Hexenmeister


Es war einmal ein Schriftsteller, der berühmt für seine Werke und berüchtigt für seine Belesenheit war. Bücher von Goethe, Schiller und vielen anderen Schriftstellern säumten die Wände seines runden Schreibzimmers, in dessen Mitte er seine eigenen Werke an einem mächtigen Eichenschreibtisch verfasste.
Man pries seine Werke, wegen der Gewitztheit und doch der Einfachheit, die es jedem ermöglichte sie zu verstehen.
Aber noch geschätzter war er wegen seiner Sanftheit, mit der er eine einzigartigen Form der Kritik formulieren vermochte, die Demokratien wie Diktaturen, die Arme wie Reiche wie Schaum umschmeichelte, aber zum Guten antrieb. Hunger und Elend wurden so bald zu Gruselgeschichten von Eltern und Großeltern.
Die Zeit verging.
Und mit der Zeit verging der einst so blühende Schriftsteller. Graues Haar statt der goldenen Locken zierten nun den alten Greis.
Er hätte sich zu Ruhe setzen können, umringt von Bewunderern, aber das tat er nicht, er schrieb weiter und weiter, er wollte mehr von seinen Honig schaffen, nach dem die Menschheit lechzte.
Und dementsprechend war der Lob der Nachbarn, der Mitmenschen, seiner Stadt.
Jeder pries ihn bis zu jenem Tage…
Es war ein strahlender Montag einer neuen Woche, als der alte Schriftsteller sinnend die sonnengefluteten Straßen betrat, ein herrlicher Tag.
Doch irgendwas war anders, die Straßen waren leerer. Als wäre ein Feiertag.
Kopfschüttelnd schlenderte er weiter, sich im Kopf eine Einkaufsliste zurechtlegend.

Es schepperte ein Gitter neben ihm runter, schreckte ihn aus den Gedanken.
Der Laden hatte vor seinen Augen geschlossen. Wieso?
Und es war nicht das einzige Geschäft. Überall gingen die Gitter runter, der Platz leerte sich, zur Mittagszeit, nur er blieb zurück. Und von irgendwo vernahm er ängstlich kauernden Menschen.
„Was ist los?“, fragte er erstaunt.
Ein Kind traute sich zitternd hervor und sprach: „Die neue Religion sagt, dass du ein Dämon bist. Du Verführer!“, das Kind spuckte ihm vor die Füße.
Vollständig erschüttert fragte der alte Schriftsteller die versteckte Menschenrunde:
„Ich euch verführen? Wozu? Zum Frieden?“
Schweigen.
Der alte Mann setzte erneut an: „Was habe ich euch getan? Ich habe Frieden geschaffen, eine Welt des Glückes.“
Stille. Mit schnellen Schritte, fast schon ein Rennen, floh der alte Mann nach Hause. Vergessen war der Einkauf, vergessen war die Sanftheit, die sonst ihn leitete. Panik durchflutete sein Herz, als er die Bücher zusammenpackte. Seiten wurden geknickt, Buchdeckel beschädigt, aber es war keine Zeit für Sorgsamkeit. Er schaffte es gegen Abend einen Umzugshelfer, ein großer Fan von ihm, für den morgigen Tag zu organisieren und legte sich ins Bett. Doch der Schlaf wollte nicht kommen, so wälzte er umher. Was wenn das alles nur ein grobes Missverständnis war? Konnte er seine Nachbarn, seine Stadt wirklich so sträflich im Stich lassen? Etwas klopfte. Vielleicht der Wind. Das Klopfen wurde stärker. Verwundert stand er auf und schaute durch das Guckloch. Es war der Umzugshelfer und dieser war schwer verwundet. Der Greis öffnete elektrisiert.
„Danke Meister.“, kicherte der nächtige Besucher mit irrem Blick.
„Was ist passiert?“, die Unruhe im alten Mann wurde größer.
„Folter und Elend stehen unserem Land bevor. Tod und Vernichtung werden folgen. Hol deine Sachen, wir fahren sofort!“, antwortete der Umzugshelfer. Bei jeden Wort blitzten seine zerbrochenen Zähne.
Schnell warfen sie die Koffer mit Büchern in den Umzugswagen. Scheppern erklang wie von einer kaputten Maschine. Der Umzugshelfer sprang in den Wagen. Der alte Schriftsteller wollte folgen, doch etwas hielt ihn an seinem Bein fest. Es war der Junge, der ihm vor die Füße gespuckt hatte. Mit dümmlichen Lächeln verkündete der Junge: „Brenne! Brenne! Brenne!“. Und tatsächlich! Die Nacht schien zu leuchten vor Fackelträgern. Sie hatten sie umzingelt, doch vielleicht wollten sie nur ihn.
„Fahr ohne mich los! Bewahre das Wissen!“, der alte Mann schlug die Beifahrertür zu und trat auf das Kind ein. Es war eine Wut, die seine Engelsseele entzündete. Irgendwann löste sich der Griff, das Kind war tot, aber das „Brenne!“, war nahe, sehr nahe. Der Umzugshelfer war mittlerweile durch den Menschenring gebrochen und hatte einige Verletzte hinterlassen. Doch die Menschen, wenn man diese Fanatiker noch so nennen konnte, ließen sich nicht beirren.
Die Lücke wurde sofort wieder geschlossen. „Rückzug!“, dachte der alte Mann, „Gegen Wahnsinn hat nur List eine Chance.“
Er rannte in sein Haus, öffnete den Gashahn seines Herds, eilte anschließend in den Keller, um sich in ihm zu verbarrikadieren.
Das „Brenne“ war nahe, direkt vor seinem Haus. Kamen sie nicht weiter? Er wollte erleichtert aufatmen, als Glas klirrte. „Hoffentlich nicht das Küchenfenster. Ansonsten entweicht das schöne Gas ungezündet.“, dachte er erschrocken, während die Schritte der Häscher im Haus erklangen. Einer von ihren rüttelte vergeblich an der Klinke der Kellertür.
„Da ist er.“, hörte er den Fanatiker rufen. Plötzlich ließ eine Explosion das Haus erbeben, das Gas hatte gezündet. Stille. Hatte es geklappt? Ein schwacher „Brenne!“, Ruf erklang von Neuem und wurde von einigen weiteren Angreifern erwidert.
Genug war genug. Sein Blick fiel auf seinen alten Baseballschläger. Man hatte ihn ihm zum zwölften Geburtstag geschenkt.
Doch seine wahre Liebe galt der Schriftstellerei und so lag er noch völlig unbenutzt im Keller.
Bis jetzt! Die Hände des Alten griffen ihn fest.
Stille. Plötzliche ein Brummen, ein Auto fuhr vor. Er hörte erregte Stimmen. War es die Polizei? Würde sie den Spuk beenden? Die Kellerfenster klirrten, brachen. Verdammt! Sie wollten rein! Er holte mit seinen Schläger aus, doch nur das monotone Brummen eines Autos im Leerlauf erklang.
Das war es? Auf einmal musste er husten. Die Luft wurde von Abgas verpestet.
„Wir werden das Schwein vergiften! Wir werden das Schwein vergiften!“, hörte der alte Mann Stimmen oben singen. Kriegstrommeln wurden geschlagen und so fühlte sich sein Herz an. Bald schien es vollends in Flammen stehen. Seine Adern wollten bersten.
„Wir werden das Schwein vergiften!“
Seine rechte Hand öffnete die Kellertür, seine Füße stürmten voller Wut die Treppe hoch. Er fühlte den Baseballschläger auf- und niederfahren, er spürte Blut spritzen und als er aufsah:
es waren alles Kinder. Friedlich tot, lagen sie um ihn herum. Wie konnte das sein?
Er sah sich in seiner zerstörten Wohnung um. Nur der Schreibstube war noch intakt,
der Rest in Trümmern.
Trümmer, waren Trümmer nicht perfekt für Kinderspiele? Bevor seine Leidenschaft für die Schreiberei erwachte, war er auch gerne in Ruinen herumgetollt. Schuldbewusst schaute der alte Mann auf seine blutbefleckte Waffe und die Leichen der Kinder daneben. Plötzlich strömten von überall Kinder, versammelten sich um ihn. Sein Unbehagen wuchs.
„Entschuldigung, für das Unentschuldbare. Ich wurde angegriffen. Und…“, Tränen rollten über seine Wange. Er wischte sich mit seiner freien Hand die Tränen aus den Augen. Die Kinder kamen näher, er legte den Schläger nieder.
„So jetzt muss niemand mehr was befürchten, es ist vorbei.“, flüsterte er zitternd.
Da zerrten mehrere Kinder einen Jungen herein.
„Töte sie! Sie sind böse!“, schrie der Junge schwach. Hatten die Kinder die Fanatiker gestoppt und das war das Letzte? Ein verwirrtes Zögern erpackte den Alten, ein Zögern, dass er für immer bereuen würde. Plötzlich wurden ihm von hinten Handschellen angelegt und ein Mädchen trat aus den Reihen der Kinder und prügelte den Jungen mit seinen Baseballschläger zu Tode.
Der alte Mann spürte wie man ihm hinwegzerren wollte, ein letzter Widerstand regte sich noch in ihm, doch als er die Kindergesichter seiner Fänger sah, brach auch dieser.
Es war vorbei! Sie hatten die Kinder, die Zukunft. Die Zukunft war verloren! Und wegen seiner Schwäche hatte man einen Unschuldigen umgebracht, sogar die Waffe hatte er den Mördern geliefert.
Man zerrte ihn in seine Schreibstube. Die leeren Regale wurden ehrfürchtig von Erwachsenen begafft, an seinem Schreibtisch saß ein Mann in schwarzem Umhang.
Unter ihm trug der Fremde ein rotes Hemd, auf dem ein eingerahmtes Kreuz prangte.
„Mach, dass die Bücher erscheinen. Ich möchte wissen was ich verbrenne.“, verkündete der Mann am Schreibtisch.
„Welche Bücher? Die sind schon längst weg.“, verteidigte sich der alte Schriftsteller. Ach, mochten diese Dämonen ihm ein schnelles Ende bereiten.
„Lass sie erscheinen, Hexenmeister! Ich weiß, dass du sie unsichtbar gemacht hast.“
Plötzlich gongte die Standuhr, zwölf mal. Mitternacht.
„Hexerei!“, brüllte der Mann in Kutte. Sofort schlugen zig Fäuste die Uhr kaputt. Die Zeiger fielen. „Hexerei!“ Langsam begann der grauhaarige Schriftsteller an seinen Sinnen zu zweifeln. Wieso waren Menschen plötzlich solche Bestien geworden? Das war unmöglich! Er konnte sogar mit Diktatoren gut reden und leben. Jemand zerriss sein Hemd und brandmarkte ihn mit einem Pentagramm.
„Hexerei!“, krakeelte der Kuttenmann, „Das Pentagramm wurde von deinem Körper angenommen, Hexenmeister!“
Es reichte dem Alten: „Wer bist du mich Hexenmeister zu nennen? Und welcher Religion gehörst du überhaupt an? Bist du der Teufel persönlich? Wäre überhaupt mal interessant mit ihm ein paar Worte zu wechseln.“
„Ich gehöre der einzig wahren Religion an und ich werde das heidnische Wissen aus der Welt schaffen.“, erwiderte der Kuttenmann.
„Also Inquisitor?“, riet der alte Schriftsteller.
„Genau.“, zischte der Inquisitor, „Und den Frevel mich des Teufelswerk zu bezichtigen, wirst du mit dem Leben bezahlen. Verbrennt ihn!“
Erst Benzin, dann allumfassende Flammen. Und in ihnen brannten all seine zukünftigen Geschichten. Rauchwolken der Liebe, Rauchwolken des Friedens, Rauchwolken aus Seifenblasenträumen. Nur noch dunklere, düstere Geschichten kamen in seinen Sinn und auch diese fielen den Flammen zum Opfer. Blut wollte er schmecken, Menschen zertreten wie Maden und seine Schmerzen sollten sie leiden.
„Hexerei!“, schrie der Inquisitor. Der alte Schriftsteller spürte seine Hände in etwas Weiches eintauchen.
Die Flammen verstummten als hätten sie ihren Meister gefunden. Menschen schrien um Hilfe. Und er spürte wie der Boden vibrierte, rauschende Flammen spie, ein allumfassendes Feuer, welches die umherstehenden Fanatiker folterte und vernichtete.
Der Inquisitor kreischte noch einmal: „Hexer!“, doch es war dem ehemaligen Schriftsteller gleich. Alle Abgründe seiner Seele waren geöffnet und aus ihnen strömte schwarze Magie statt schöner Worten. Seine Hand tauchte tiefer in den Körper des Inquisitors ein und riss das Herz aus dessen Brust. Interessiert und angewidert zugleich sah der Alte dem Herz beim Pochen zu. Plötzlich juckte sein Kopf, er wollte sich kratzen, doch zuckte zurück als seine Hand sein Haar berührte. Es war kräftig und jung. Erschrocken warf er einen Blick in einen zerbrochenen Spiegel. Sein Haar war tiefstschwarz. Aschfarbene, junge Haut spannte über seine mächtigen Muskeln. Seine blitzenden Zähne und grünen Augen waren die eines Raubtieres. Und erst seine Hände, Klauen. Jede Nacht würde er Menschenfleisch fressen, für immer auf der Jagd.
Sein Blick wanderte flehend gen Himmel. Was hatte man aus ihm gemacht?
Ein Monster! Ein Hexer!
Wo war der Frieden? Sein Verstand war zu verdorrt, nicht mehr eine Geschichte würde er schreiben können.
Voller Verzweiflung verschlang er das menschliche Herz, ach mochte es seinen Hunger nach Glück und Frieden stillen. Und tatsächlich er fühlte sich ein bisschen besser danach. Er wollte mehr. Gier ließ ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Plötzlich sah er am Horizont eine Lichterkarawane, die sich näherte. War es Nachschub der Fanatiker? Nein, er spürte es, es waren seine wahren Freunde,
waghalsige Menschen, die gekommen waren, um ihn zu retten.
Dichter, Denker, Techniker, Wissenschaftler, Soldaten alle alarmiert durch seinen Umzugshelfer, ein Held wie aus seinen Geschichten.
Doch was sollte er ihnen sagen? Dass er ein Monster geworden war?

Und so stand er mit gebeugten Kopf vor ihnen, als die Karawane ihn erreichte. Es waren dreizehn gepanzerte Autos. Dreizehn, seine Magie spielte mit ihm… er war Hexenmeister.
„Verschwindet lieber! Ich habe sie alle umgebracht.“, murmelte der ehemalige Schriftsteller verstört.
„Du hast das Richtige getan: Verstand gegen Wahnsinn verteidigt.“, entgegnete der Umzugshelfer mit Groll in der Stimme.
„Wo ist mein Verstand? Ich bin ein Monster; schaut mich doch an. Ich muss töten, ich kann nicht mehr schreiben. Alles Schöne ist im Feuer des Wahnsinns vergangen, nur die Bestialität überlebte. Man hat mich zum Hexenmeister gemacht.“
„Mit Verlaub: Magie ist was Schönes. Worte des Wissens, Worte mit Macht. Ich will sie lernen!“, in des Umzugshelfers Augen glimmte ein Feuer.
War er nicht doch ein Verführer? Hatten die Fanatiker recht? Schwachsinn!
Nicht noch mehr Unschuldige, die durch seine moralischen Bedenken starben. Er war Hexenmeister, es war seine Bestimmung. Und seine Freunde… nein, Adepten – ein bitteres Lächeln stahl sich auf das Gesicht des frischgeborenen Hexenmeisters.

Wie ein Krebsgeschwür fraßen sich die ketzerischen Zauberer in ihr schönes Reich. Orte wurden entvölkert, Männer, Frauen und Kinder zerstückelt auf den Altären zerschmetterter Tempel aufgefunden. Doch die Priester der neuen Religion sah tatenlos zu. Schon eine Kompanie hatte sie verloren, eine Zweite zu schicken wäre unrentabel. Frühstens in hundert Jahren würden die Hexer sie ausgelöscht haben und stattdessen konnte man Sinnvolleres mit Armeen machen: expandieren. Überall waren reformfreudige Gläubige, die nur der rechten Unterstützung bedurften. Revolutionen stürzten ein Land nach dem anderen ins Verderben, selbst auf der anderen Seite des Meeres. Toleranz, Liebe und Freiheit wurden Fremdworte, die Religion die einzige Wahrheit. Und inmitten dieser menschgemachten Lüge schlemmten die Hexer bis ans Ende aller Tage.

Ende

Zurück zur Startseite

Als die Gedanken noch frei waren


Akt 1:
Prolog (Szene 1):
John Hacker (geht durch die Straßen, sinniert dabei): Ja, das waren noch Zeiten. Mit Menschen konnte man intelligent reden und nun? Ich bin alleine, nur weil ich ein gehacktes BCI habe, um meine Freiheit nicht zu verlieren. Brain Control Implant, wie konnten die Menschen nur so ein Gerät mit Jubel kaufen? Bei den Regierungen, die BCI als Ausweis verschrieben, ist es klar: sie wollten Kontrolle. Doch nun kontrolliert ein Konzern sie alle. Sein Name Man’s End. Man muss es positiv sehen: Monokultur macht anfällig und ich bin der Virus. (Hacker betritt mit dämonischen Grinsen ein Geschäft namens „Super Products“)

Szene 2:
(John Hacker steht mit randvoller Einkaufstasche vor der Kasse eines Supermarktes. Vier Kunden hinter ihm.)
Kassiererin: Das macht 120 europäische Dollar
John Hacker (steht still, die anderen Kunden werden ungeduldig, des Hackers Gesicht verkrampft, dann entspannt es sich wieder; die Kunden stehen plötzlich als wäre nichts geschehen): Ich habe bezahlt.
Kassiererin: Vielen Dank für Ihren Einkauf.
(John Hacker tritt vor)
John Hacker: Verdammtes Update. Ich musste meinen Hack neu anpassen. Wie gut, dass die BCIs vernetzt mit dem Internet sind und zugleich per Funk kommunizieren können. So konnte ich die Anleitung für die Anpassung herunterladen und zugleich die IP-Adressen der Kassiererin und der anderen Kunde einfach über Funk bestimmen.
Hacker++ – Schließ dich unseren Reihen an? Wtf? Wer hat mir dieses Addon geschickt?
Mal sehen was auf der Produktbeschreibung steht:
Du bist Hacker, du bist frei, aber allein?
So geht es vielen von uns und deshalb haben wir das Non-Plus-Ultra für den einsamen Wolf gebaut. Zehn eigene Gesprächskanäle, Zombiefrei und das Beste: Ultrasex, so verführst du jede Zombiefrau.
Was für ein komisches Zusatzfeature. Ich will es mal ausprobieren. Vor allem, wen meinen die Hacker mit Zombies?
(John Hacker geht zurück zur Kasse)
John Hacker (murmelt): Addon installiert aktiviert, Broadcast
(die Kassiererin streckt ihren Arm nach ihn aus und faucht animalisch. Die Kunden hinter ihm stürzen ob Mann oder Frau auf ihn zu.
John Hacker: Oh oh. Schnell deaktivieren. (Die Angreifer werden wieder ruhig und gehen verwundert zurück zu ihren ursprünglichen Positionen.)
John Hacker (tritt vor): Was steht da noch in der Beschreibung? (lacht) Achtung: nicht auf Broadcast setzen, geschweige denn auf Kinder richten, es sei denn du hast „spezielle“ Vorlieben.
Aber trotz meinen kleinen Missgeschick: jetzt weiß ich endlich wen die anderen Hacker mit Zombie meinen: die Normalos, die nicht kapiert haben, dass Man’s End nichts Gutes für sie bedeutet. Eigentlich sollte ich ihnen helfen aus ihrer Unfreiheit zu entkommen, aber warum? Selbst schuld.
Außerdem habe ich jetzt Gesprächspartner. Chat an.
Computerstimme: Dein Name bitte.
John Hacker: John Hacker.
Computerstimme: Algorithmus entdeckte Künstlername, bitte gib deinen richtigen Namen an.
John Hacker (seufzt): Tom Jard.
Computerstimme: Überprüfung erfolgreich. Vielen Dank. Betritt nun die freie Welt der Hacker.
John Hacker (verträumter Blick ins Publikum): Nicht wahr? (Pause) Hammer! (Pause) Einfach nur Klasse. Und diese Benutzer-Icons erst: höchste Kunst. Zeit meines zu verbessern. (Pause) Schon besser.
P0wnMa (stellt sich leicht versetzt neben John Hacker, Blick ins Publikum): Cooles Benutzer-Icon. Ich, Paul Mal übrigens, schickte dir das Addon.
John Hacker: Danke. Habt ihr eigentlich es geschafft einen Menschen zu hacken?
P0wnMa: Nein. Nur Man’s End hat es verstanden tiefer als in der Peripherie des Gehirns einzudringen. Noch immer sind nur sie in der Lage die Erinnerungen und den Charakter zu ändern. Wir dagegen müssen uns mit billigen Tricks wie Unsichtbarkeit und kleine Erinnerungslücken begnügen. Etwas fehlt uns. Wahrscheinlich ist es ein einfacher Trick.
Hättest du Lust bei uns mitarbeiten? Wir sind ein fünfköpfiges Entwicklerteam. Unsere Ausstattung ist erste Klasse, wenn man mal von Man’s End absieht.
John Hacker: Gerne. Wo seid ihr?
P0wnMa: Im Heimatland des Kapitalismus: Amerika. Irgendwie lustig: das Land der Freiheit verhinderte nicht die Sklaverei. Stattdessen waren sie sogar die Ersten, die die BCI-Pflicht einführten, um den Terrorismus zu stoppen. Als wenn sie eine solch mächtige Organisation wie Man’s End kontrollieren könnten… Nicht einmal die Bevölkerung hat aufgeschrien, obwohl die Freiheitsorganisationen vor der Gefahr gewarnt haben.
John Hacker: Gibt es die Organisationen noch?
P0wnMa: Natürlich. Ohne Zuhörer sind sie keine Gefahr. Demonstrieren tun nun die auch nicht mehr, nachdem die Zombies ohne sie anzusehen an sie vorbei gelaufen sind. Das, was sie jetzt versuchen, ist die Machthaber darum zu bitten die Zombies freizulassen.
John Hacker: Und wer ist so bescheuert ein Haufen Bestien freizulassen? Menschen sind Mörder!
P0wnMa (lacht): Die Machthaber von Man’s End ganz bestimmt nicht. Sie wissen schließlich am Besten wie die Jagdinstinkte ihren Geist umnebeln.
John Hacker: Haben diese sich eigentlich auch BCIs eingepflanzt?
P0wnMa: Die denken, sie hätten alles unter Kontrolle. Außerdem seien wir ehrlich: wer möchte auf einen mobilen, leistungsfähigen Computer im Kopf verzichten? Vorallem bei den vielen Klickibunti, das Man’s End ins BCI standardmäßig eingebaut hat.
John Hacker (grinst): Ein Menschenhack und wir besitzen die Welt.

Akt 2:
Szene 1:
(John Hacker sitzt in einen Zug. Bildschirme zeigen eine vorbeirasende Landschaft, wo Fenster sein sollten.)
John Hacker (sinniert): Manchmal lobe ich mir doch die moderne Technik. Zwar sind die Menschen Zombies, aber für die Freien gibt es nun Luxus, der unter früheren Umständen nicht möglich gewesen wäre. Immer hätte es einen Idioten gegeben, der alles zerstören musste. Jetzt kann ich mit 300 Sachen in einem Tunnel unter dem Meer sausen und die Landschaft bewundern.
Kontrolleur (kommt von irgendwo her): Die Fahrkarten bitte! Danke! (geht an John Hacker vorbei ohne ihn anzuschauen)
John Hacker (sinniert): Wie ein Geist schleiche ich durch die Welt. Niemand sieht mich, ja nicht einmal meiner Taten kann ich mich rühmen. Ich hoffe die anderen werden mich würdigen.
(Das Licht geht kurz aus.)
weibliche Computerstimme: Wir haben unser Ziel erreicht.
John Hacker (hält sich den Kopf, schaut verzweifelt in die Oberbeleuchtung): Diese Angriffe… Ich halte es nicht aus. Ich mache meine Firewall restriktiver. Diese Werbung und die ganzen Angriffsversuche erst.
(Polizist1 und Polizist2 gehen zu John Hacker und überreichen ihm zwei Zettel)
John Hacker (schreit ungläubig): Was? Ich wurde wegen Patentverletzungen angeklagt? Das Patent (er stockt) beschreibt eine Methode Werbung zu blocken. Und das zweite Patent (John Hacker blättert um zum zweiten Zettel) patentiert eine Methode zur Abwehr von Angriffen über das Internet. Hey Moment mal. (liest sich die Blätter erneut durch und lacht) Idioten! Sie haben nur meinen falschen Namen von meinen BCI abgelesen und so wie ich die Geräte und Menschen kenne, reicht eine am Namen angehängte Eins aus, um sie zu täuschen. Willkommen im Land der Freiheit!

Akt 3:
Szene 1:
(John Hacker, P0wnMa und vier Kapuzengestalten stehen um Polizist1 und Polizist2, welche mit geschlossenen Augen auf dem Boden liegen. Sie befinden sich in einer schmalen Gasse.)
P0wnMa: Ruhig Blut John. Du hättest sie nicht niederschlagen müssen. Es wird noch Ärger und eine Großfahndung geben.
John Hacker: Ruhig. Ich fühle wie sich in mir was regt. (zu Polizist1) Steh auf! (John Hackers Hand greift in die Luft und tut so als würde er den Polizisten hochziehen. Polizist1 steht mit noch immer geschlossenen Augen auf.)
P0wnMa: Wie hast du das geschafft?
John Hacker: (zu Polizist1) Stirb! (Polizist 1 zittert, fällt auf den Rücken und bleibt so liegen) (zu P0wnMa) Ich fühle etwas Brutales in mir. Es wird immer stärker.
(Polizisten umzingeln sie. Polizist2 steht auf, geht zu seinen Kollegen)
Polizist2: Ich tat nur bewusstlos und habe Verstärkung angefordert. Ihr seid verhaftet
John Hacker: Ist mir egal, was lebende Tote sagen.
Polizist2: Was?
John Hacker: Ihr seid nur Zombies. Kehrt zurück zu dem Ort, den ihr Himmel nennt! (Die Polizisten zittern, kippen dann zu Boden)
P0wnMa: Puh. Nochmal gut gegangen. Lasst uns abhauen!

Szene 2:
(Die Hacker verlassen die Gasse und schlendern unauffällig auf der Hauptstraße, auf der einige anderen Passanten.)
John Hacker: Habt ihr zufällig ein BCI für mich? Ich habe eine Theorie
P0wnMa (holt einen ovalen Zylinder hervor und gibt es John Hacker): Hier! Hacke es!
(John Hackers Gesicht ist angestrengt. Plötzlich zerspringt das Gerät. John Hackers Gesicht entspannt sich)
John Hacker (stolz): Und so starben die Polizisten: durch die Splitter und Stromschläge des zerstörten Gerätes. (Die anderen Hacker stöhnen enttäuscht auf.) Aber immerhin komme ich näher.
Fanatiker (Stimme): Da ist er! Fangt ihn!
(Die Hacker rennen weg, nur John Hacker bleibt zurück. Ein überlegenes Grinsen ziert sein Gesicht. Polizisten, der Fanatiker und dessen Anwalt kommen angerannt.)
John Hacker: Was wollen Sie?
Fanatiker: Meine Patentgebühren einfordern.
John Hacker: Wie kommen Sie darauf, dass ich Patente verletzt habe?
Fanatiker: Gleich nachdem die Polizisten Ihnen die Zettel übergeben haben, schossen sie jeweils ein Foto mit ihren BCIs und sendeten es mir. Das Auge ist trotz einiger Unzulänglichkeiten eine gute Kamera. Man fokussiert perfekt auf die Körperdetails, die sich nicht so schnell wie ein Name ändern.
John Hacker (erschrocken): Woher wissen Sie das ich meinen Namen ändern kann?
Fanatiker: Wir, die „wahren Menschen“, haben BCIs schon immer als Teufelszeug abgelehnt und haben eine Ausnahmegenehmigung bekommen, keine BCIs tragen zu müssen. Stattdessen alte Ausweise. (Der Fanatiker zückt einen Ausweis. Schüttelt sich)
Ekelhaft, diese Moderne… Am liebsten würden wir in der Steinzeit leben.
John Hacker: Ich aber nicht. Ich will eine bessere Welt, keinen Rückschritt.
Fanatiker: Genau deswegen gibt es Patente. Mit Patenten bekommt die Menschheit in die Steinzeit zurück, denn Wissen verstrickt sich in immer stärker werdenden Einschränkungen, bis es letztendlich komplett verboten wird und der Mensch wieder zurück zu seiner Natur findet.
John Hacker: Wie ist die wahre Natur des Menschen?
Fanatiker (fanatisch): Die wahre Natur… sie ist wundervoll. Jagen, zerfetzen, durch Wälder hetzen. Ja. Hunger, Durst, Schmerz und Befreiung. (seufzt) Katharsis.
John Hacker (seufzt) : Ja. Katharsis. Einfach mal der sein, der man ist. Freie Assoziationen.
Fanatiker: Ja, gut Junge. Komm zu uns. Wir entfernen dein BCI und dann bist du wieder Mensch
John Hacker (traurig): Tut mir leid. Ich komme nur in die Hölle.
Fanatiker: Sag das nicht. Jede Seele kann gerettet werden. Man muss sich nur reinigen.
John Hacker: Ich habe das wahre Wesen des Menschen erkannt: er ist das Böse. (macht schlangenartige und langsame Bewegungen vor den Augen des Fanatikers mit den Händen. Der Fanatiker fällt in Trance.)
John Hacker: Sie werden mir all Ihren Besitz übereignen als Entschädigung für die falsche Anschuldigung.
Fanatiker: Ja Meister.
John Hacker (tritt vor, triumphierend): First man hacked! Die Menschheit wird mir folgen und zwar in die Hölle. (bricht in dämonisches Gelächter aus, geht anschließend wieder zurück in seine Position)
Anwalt: Ich werde das nicht zulassen. (zieht eine Pistole).
John Hacker: Ach wirklich? Ich habe einen Massenhack gestartet, ein Overflow in dem TCP-Stack. Schön versteckt, auch vor den Augen meiner Kollegen, aber nicht vor mir!
(Die Hacker (außer John Hacker; kommen aus dem Dunklen) samt Passanten stürzen von hinten wie Zombies auf den Anwalt. Als dieser am Boden liegt, werfen sie sich auf ihn. Schmatzlaute sind zu vernehmen)
John Hacker (zum Publikum): Tja Menschengewürm, ihr habt mich geschaffen. Ach war ich doch ein unschuldiger, kleiner Hacker, so wurde ich durch eure Bosheit zum Teufel. Die Welt ist mein.
Boss (tritt auf und stellt John Hacker zur Rede): Nicht so voreillig. Wir von Man’s End waren zuerst dran. Lass die Zombies und vor allem deine Kollegen frei. Wir können jede vernünftige Seele bei unserem Phönixprojekt brauchen.
John Hacker (erstaunt): Phönixprojekt? (Die zombifizierten Hacker stehen auf und lauschen, während die Passanten schuldbewusst den Körper des Anwalts wegschleppen.)
Boss: Wenn das Phönixprojekt vollendet ist, werden wir, von unseren mächtigen Schwingen aus, hinabsehen wie die „wahren Menschen“ die Welt in Schutt und Asche legen. Nachdem wir uns satt gesehen haben, werden wir der Phönix sein, der dieser Hölle entsteigt und sich nach neuen Lebensräumen umsieht. Mars zum Beispiel. Die Menschen dagegen, werden in der selbstgeschaffenen Hölle untergehen. (lacht dämonisch; Vorhang fällt)

Ende

Nachwort: Es wird wahrscheinlich noch einige Änderungen geben.

Zurück zur Startseite

Vollblutvampire


Verhungernde Vollblutvampire verzehren vaporisierend verletztes Vieh von vernetzten Viechern.
Viehzüchter verteidigen Viehherden.
Verteidigung versagt.
Viele Viehzüchter verkrüppelt vom Verteidigen.
Völkervollversammlung verabredet Vampirvernichtungskrieg.
Vampire verfolgt von Vampirjägern voller Vampirverachtung.
Vollständige Vernichtung von Vampiren.
Vollidioten verklappen Vollblutvampirblut vor Venedig.
Vergiften viele Venezianer.
Venedig verlassen vorgefunden.
Vollblutvampire vor Viehweiden…

Die Kannibalen


(Dschungel. Ein Mann (Fischer) rennt, ein Zweiter (John) rennt ihm hinterher. John hat ein Maschinengewehr in der Hand im Gegensatz zu Fischer.)
John: Warte Fischer!
(Fischer bleibt stehen, dreht sich erschrocken um. John erreicht ihn.)
Fischer (hektisch): John, du lebst? Komm schnell die Kannibalen sind nah.
John: Immer mit der Ruhe. Es sind nur Kannibalen.
Fischer (lacht bitter): Es sind nur Kannibalen. (wird ernst) Sie töteten unsere Expeditionsbegleiter. Alle! Ausnahmslos!
John: Immer mit der Ruhe. Ich hab das da. (John hebt sein Maschinengewehr in die Luft. Anschließend inspiziert er dessen Magazin.)
John: Mist! Die haben aber viel gefressen. Dreihundert Kugeln Blei.
Fischer: Wer?
John: Die Kannibalen.
Fischer: Sind sie tot?
John: Ja, alle. Sogar Frauen und Kinder. Ich hatte einen Mordshunger.
Fischer (erschrocken): Du bist Kannibale?
John: Ich hatte Hunger und wollte es ihnen heimzahlen. Keine Angst. Ich fress dich nicht.
(Kurze Denkpause von Fischer.)
Fischer: Verständlich. Wie hast du eigentlich dreißig Leichen essen können?
John: Ich aß nur Augen und Zunge, meine Lieblingsspeise. Der Rest vergammelt in den Wald.
Fischer (angewidert): Pfui. Widerlich. Was für eine Verschwendung von Leben.
John: Hast du denn nicht vor unserer Expedition Haifischflossensuppe gegessen?
Fischer: Ja.
John (bohrend): Weist du wie sie zubereitet wird?
Fischer: Nein.
John: Man fängt Haifische, schneidet ihnen die Flossen ab und wirft sie zurück ins Meer, wo sie jämmerlich verenden.
Fischer (erstaunt): Nicht wahr?
John (schnippisch): Doch und du isst die Flossen.
Fischer: Tut mir Leid. Lass uns unsere Fehler rückgängig machen. Ich wollte als Feinschmecker von Wildfleisch schon immer mal Menschenfleisch probieren.
(Beide gehen ab in der Richtung aus der sie kamen.)

Ende

Zurück zur Startseite