Der Fluch


Verzweifelt rannte der Anwalt mit Namen Anontus Schwan ins Badezimmer. Die Tür fiel hinter ihm mit einen lauten Knall ins Schloss. Seine Hand gehorchte ihm nicht mehr und sperrte die Tür zur Außenwelt, zur Hilfe ab. Die Frau namens Mania hatte alles ruiniert, seine Karriere, seine Familie, alles Vergangenheit. Er wünschte sie greifen zu können und irgendwie dazu zu bringen, dass der Fluch aufhöre, doch sie war tot. Seit den verfluchten sieben Tagen…

Mania fühlte sich schwach und elend. Der nächste Schuldschein wurde gerade eingeworfen. Für was? Hatte sie was gekauft? Nein, schon seit Tagen nicht mehr. Seit das verhängnisvolle Abmahnschreiben eingetroffen war. Sie trat vorsichtig auf die schmutzige Wage. 39 Kilo und sie war eins achtzig groß. Ja das Abmahnschreiben. Man hatte sie für ein Urheberschutzverbrechen abgemahnt, dass sie nie begangen hatte.
Sie hatte nur ein Zauberbuch aus dem Jahre 1877 online gestellt. Es war ein Erfolg gewesen. Kopiert wurde es, verbessert, übersetzt. Die Urheberrechte dafür waren definitiv abgelaufen, aber kurioserweise tauchte der schmierige Anwalt namens Anontus Schwan auf und verklagte sie. Die Instanzen sahen immer Anontus Schwan im Recht, als wären sie verzaubert, doch das konnte nicht sein. Sie glaubte nicht an Zauberei, ansonsten hätte sie das Buch nie veröffentlicht, zu gefährlich war der Inhalt. Es musste eine Absprache gegeben haben.
Sie erwachte aus einen Halbschlaf. Noch ein Schuldschein wurde eingeworfen. Für jede Buchkopie sollte sie zahlen. Das waren schon über eine Millionen. Schwarze Schatten legten sich über ihre Seele, kalte Finger fassten nach ihren Herzen. Es gab noch eine letzte Instanz und dort würde sie sich schlagen müssen. Sie wollte ihren Computer anschalten, doch der Bildschirm blieb schwarz. Ach vergessen. Gestern wurde der Strom abgeschaltet.
Deprimiert schlug sie das Zauberbuch auf. Muster tanzten vor ihren Augen, wurden zu Wörtern, die sich in den Kreis drehten. Sechs, Kapitel sechs, las sie, entfache ein Feuer mit purer Willenskraft. Wo stand nochmal die Kerze? Sie konnte Realität und Traum kaum mehr auseinanderhalten. Sie murmelte ein paar Wörter, die sie gerade gelesen hatte und schlief ein.
Als sie aufwachte sah sie ein kleines Lichtlein auf der Kommode leuchten. Es war die Kerze, sie brannte, obwohl sie sich erinnerte, dass sie diese nie angezündet hatte.
„Ein kleines Licht im Dunkeln.“, schmunzelte sie. Sie versuchte das Gleiche mit dem Briefkasten. Nichts passierte. Plötzlich kamen die Schatten in ihre Seele und saugten an ihrer Lebenskraft. Sie verscheuchte die Schatten und versuchte es erneut unter Einsatz ihrer Lebenskraft. Erst war es nur ein kleiner Rauchfaden, der immer größer wurde bis die Flammen aus den Briefkasten loderten. Von dort schlugen sie auf die Tür über, sprangen auf die Tapete. Das alles war ihr ziemlich egal. Sie murmelte einige magische Worte, die das Feuer löschten, alles Feuer im ganzen Hochhaus, auch die Gasheizung. Lebenskraft wurde aus ihren Körper gezerrt, der mit einer starken Alterung antwortete. War sie eine Fünfundzwanzigjährige gewesen, so war sie nun runzlig wie eine alte Hexe. Außerdem hatte sie einen Buckel, wie sie beim Blick in einen Spiegel feststellte.
„Zeit das zu beenden.“, krächzte sie mit ihrer schwachen Stimme und wandte sich dem Zauberbuch zu. Die Buchstaben waren so quälend scharf, als wäre sie ein Adler.
Kapitel Sieben, über den Transfer von Seelen zwischen unbelebter und belebter Natur

Der Tag des Gerichts war gekommen. Sie warf noch schnell ein Paket ein, dann fuhr sie mit ihren Fahrrad zum Gericht. Man erkannte sie anfangs nicht, erst als sie ihren Ausweis zückte und die Beamten sorgfältig ihre Körpermerkmale mit den gespeicherten Merkmalen auf dem Ausweis verglichen.
Anschließend durchsuchte man sie gründlich. Ihre einzige Waffe war ein Miniaturmesseranhänger an ihrer Halskette, welchen man ihr ließ. Wie sollte sie denn damit jemanden umbringen?
Die Tür des Gerichtsaals schlug krachend hinter ihr zu. Anontus Schwan, er, war genau vor ihr.
Das kleine Messerchen glühte, als sie all ihre Lebensenergie für den einen Fluch aufwendete.
Anontus Schwan spürte das Blut der Hexe in seiner Kehle hinablaufen, ihre Kehle in seinen Mund, aber wie war das möglich? Immer wieder musste er sich daran erinnern. Immer wieder.
Alles fing mit den Paket, in welchen sich der verkleinerte Hausrat der Hexe befand, an. Und dann ratz fatz verscheuchte die Hexe seine Familie, ließ die Arbeit ihn kündigen und übernahm Stück für Stück die Kontrolle über sein Leben.

Der Anwalt Anontus Schwan erwachte aus seinem Halbschlaf. Die Frau hatte es wieder getan. Sie hatte ihm eine Dosis Östrogene verabreicht und nun schminkte sich sein Körper mit Lippenstift…

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