Als die Gedanken noch frei waren


Akt 1:
Prolog (Szene 1):
John Hacker (geht durch die Straßen, sinniert dabei): Ja, das waren noch Zeiten. Mit Menschen konnte man intelligent reden und nun? Ich bin alleine, nur weil ich ein gehacktes BCI habe, um meine Freiheit nicht zu verlieren. Brain Control Implant, wie konnten die Menschen nur so ein Gerät mit Jubel kaufen? Bei den Regierungen, die BCI als Ausweis verschrieben, ist es klar: sie wollten Kontrolle. Doch nun kontrolliert ein Konzern sie alle. Sein Name Man’s End. Man muss es positiv sehen: Monokultur macht anfällig und ich bin der Virus. (Hacker betritt mit dämonischen Grinsen ein Geschäft namens „Super Products“)

Szene 2:
(John Hacker steht mit randvoller Einkaufstasche vor der Kasse eines Supermarktes. Vier Kunden hinter ihm.)
Kassiererin: Das macht 120 europäische Dollar
John Hacker (steht still, die anderen Kunden werden ungeduldig, des Hackers Gesicht verkrampft, dann entspannt es sich wieder; die Kunden stehen plötzlich als wäre nichts geschehen): Ich habe bezahlt.
Kassiererin: Vielen Dank für Ihren Einkauf.
(John Hacker tritt vor)
John Hacker: Verdammtes Update. Ich musste meinen Hack neu anpassen. Wie gut, dass die BCIs vernetzt mit dem Internet sind und zugleich per Funk kommunizieren können. So konnte ich die Anleitung für die Anpassung herunterladen und zugleich die IP-Adressen der Kassiererin und der anderen Kunde einfach über Funk bestimmen.
Hacker++ – Schließ dich unseren Reihen an? Wtf? Wer hat mir dieses Addon geschickt?
Mal sehen was auf der Produktbeschreibung steht:
Du bist Hacker, du bist frei, aber allein?
So geht es vielen von uns und deshalb haben wir das Non-Plus-Ultra für den einsamen Wolf gebaut. Zehn eigene Gesprächskanäle, Zombiefrei und das Beste: Ultrasex, so verführst du jede Zombiefrau.
Was für ein komisches Zusatzfeature. Ich will es mal ausprobieren. Vor allem, wen meinen die Hacker mit Zombies?
(John Hacker geht zurück zur Kasse)
John Hacker (murmelt): Addon installiert aktiviert, Broadcast
(die Kassiererin streckt ihren Arm nach ihn aus und faucht animalisch. Die Kunden hinter ihm stürzen ob Mann oder Frau auf ihn zu.
John Hacker: Oh oh. Schnell deaktivieren. (Die Angreifer werden wieder ruhig und gehen verwundert zurück zu ihren ursprünglichen Positionen.)
John Hacker (tritt vor): Was steht da noch in der Beschreibung? (lacht) Achtung: nicht auf Broadcast setzen, geschweige denn auf Kinder richten, es sei denn du hast „spezielle“ Vorlieben.
Aber trotz meinen kleinen Missgeschick: jetzt weiß ich endlich wen die anderen Hacker mit Zombie meinen: die Normalos, die nicht kapiert haben, dass Man’s End nichts Gutes für sie bedeutet. Eigentlich sollte ich ihnen helfen aus ihrer Unfreiheit zu entkommen, aber warum? Selbst schuld.
Außerdem habe ich jetzt Gesprächspartner. Chat an.
Computerstimme: Dein Name bitte.
John Hacker: John Hacker.
Computerstimme: Algorithmus entdeckte Künstlername, bitte gib deinen richtigen Namen an.
John Hacker (seufzt): Tom Jard.
Computerstimme: Überprüfung erfolgreich. Vielen Dank. Betritt nun die freie Welt der Hacker.
John Hacker (verträumter Blick ins Publikum): Nicht wahr? (Pause) Hammer! (Pause) Einfach nur Klasse. Und diese Benutzer-Icons erst: höchste Kunst. Zeit meines zu verbessern. (Pause) Schon besser.
P0wnMa (stellt sich leicht versetzt neben John Hacker, Blick ins Publikum): Cooles Benutzer-Icon. Ich, Paul Mal übrigens, schickte dir das Addon.
John Hacker: Danke. Habt ihr eigentlich es geschafft einen Menschen zu hacken?
P0wnMa: Nein. Nur Man’s End hat es verstanden tiefer als in der Peripherie des Gehirns einzudringen. Noch immer sind nur sie in der Lage die Erinnerungen und den Charakter zu ändern. Wir dagegen müssen uns mit billigen Tricks wie Unsichtbarkeit und kleine Erinnerungslücken begnügen. Etwas fehlt uns. Wahrscheinlich ist es ein einfacher Trick.
Hättest du Lust bei uns mitarbeiten? Wir sind ein fünfköpfiges Entwicklerteam. Unsere Ausstattung ist erste Klasse, wenn man mal von Man’s End absieht.
John Hacker: Gerne. Wo seid ihr?
P0wnMa: Im Heimatland des Kapitalismus: Amerika. Irgendwie lustig: das Land der Freiheit verhinderte nicht die Sklaverei. Stattdessen waren sie sogar die Ersten, die die BCI-Pflicht einführten, um den Terrorismus zu stoppen. Als wenn sie eine solch mächtige Organisation wie Man’s End kontrollieren könnten… Nicht einmal die Bevölkerung hat aufgeschrien, obwohl die Freiheitsorganisationen vor der Gefahr gewarnt haben.
John Hacker: Gibt es die Organisationen noch?
P0wnMa: Natürlich. Ohne Zuhörer sind sie keine Gefahr. Demonstrieren tun nun die auch nicht mehr, nachdem die Zombies ohne sie anzusehen an sie vorbei gelaufen sind. Das, was sie jetzt versuchen, ist die Machthaber darum zu bitten die Zombies freizulassen.
John Hacker: Und wer ist so bescheuert ein Haufen Bestien freizulassen? Menschen sind Mörder!
P0wnMa (lacht): Die Machthaber von Man’s End ganz bestimmt nicht. Sie wissen schließlich am Besten wie die Jagdinstinkte ihren Geist umnebeln.
John Hacker: Haben diese sich eigentlich auch BCIs eingepflanzt?
P0wnMa: Die denken, sie hätten alles unter Kontrolle. Außerdem seien wir ehrlich: wer möchte auf einen mobilen, leistungsfähigen Computer im Kopf verzichten? Vorallem bei den vielen Klickibunti, das Man’s End ins BCI standardmäßig eingebaut hat.
John Hacker (grinst): Ein Menschenhack und wir besitzen die Welt.

Akt 2:
Szene 1:
(John Hacker sitzt in einen Zug. Bildschirme zeigen eine vorbeirasende Landschaft, wo Fenster sein sollten.)
John Hacker (sinniert): Manchmal lobe ich mir doch die moderne Technik. Zwar sind die Menschen Zombies, aber für die Freien gibt es nun Luxus, der unter früheren Umständen nicht möglich gewesen wäre. Immer hätte es einen Idioten gegeben, der alles zerstören musste. Jetzt kann ich mit 300 Sachen in einem Tunnel unter dem Meer sausen und die Landschaft bewundern.
Kontrolleur (kommt von irgendwo her): Die Fahrkarten bitte! Danke! (geht an John Hacker vorbei ohne ihn anzuschauen)
John Hacker (sinniert): Wie ein Geist schleiche ich durch die Welt. Niemand sieht mich, ja nicht einmal meiner Taten kann ich mich rühmen. Ich hoffe die anderen werden mich würdigen.
(Das Licht geht kurz aus.)
weibliche Computerstimme: Wir haben unser Ziel erreicht.
John Hacker (hält sich den Kopf, schaut verzweifelt in die Oberbeleuchtung): Diese Angriffe… Ich halte es nicht aus. Ich mache meine Firewall restriktiver. Diese Werbung und die ganzen Angriffsversuche erst.
(Polizist1 und Polizist2 gehen zu John Hacker und überreichen ihm zwei Zettel)
John Hacker (schreit ungläubig): Was? Ich wurde wegen Patentverletzungen angeklagt? Das Patent (er stockt) beschreibt eine Methode Werbung zu blocken. Und das zweite Patent (John Hacker blättert um zum zweiten Zettel) patentiert eine Methode zur Abwehr von Angriffen über das Internet. Hey Moment mal. (liest sich die Blätter erneut durch und lacht) Idioten! Sie haben nur meinen falschen Namen von meinen BCI abgelesen und so wie ich die Geräte und Menschen kenne, reicht eine am Namen angehängte Eins aus, um sie zu täuschen. Willkommen im Land der Freiheit!

Akt 3:
Szene 1:
(John Hacker, P0wnMa und vier Kapuzengestalten stehen um Polizist1 und Polizist2, welche mit geschlossenen Augen auf dem Boden liegen. Sie befinden sich in einer schmalen Gasse.)
P0wnMa: Ruhig Blut John. Du hättest sie nicht niederschlagen müssen. Es wird noch Ärger und eine Großfahndung geben.
John Hacker: Ruhig. Ich fühle wie sich in mir was regt. (zu Polizist1) Steh auf! (John Hackers Hand greift in die Luft und tut so als würde er den Polizisten hochziehen. Polizist1 steht mit noch immer geschlossenen Augen auf.)
P0wnMa: Wie hast du das geschafft?
John Hacker: (zu Polizist1) Stirb! (Polizist 1 zittert, fällt auf den Rücken und bleibt so liegen) (zu P0wnMa) Ich fühle etwas Brutales in mir. Es wird immer stärker.
(Polizisten umzingeln sie. Polizist2 steht auf, geht zu seinen Kollegen)
Polizist2: Ich tat nur bewusstlos und habe Verstärkung angefordert. Ihr seid verhaftet
John Hacker: Ist mir egal, was lebende Tote sagen.
Polizist2: Was?
John Hacker: Ihr seid nur Zombies. Kehrt zurück zu dem Ort, den ihr Himmel nennt! (Die Polizisten zittern, kippen dann zu Boden)
P0wnMa: Puh. Nochmal gut gegangen. Lasst uns abhauen!

Szene 2:
(Die Hacker verlassen die Gasse und schlendern unauffällig auf der Hauptstraße, auf der einige anderen Passanten.)
John Hacker: Habt ihr zufällig ein BCI für mich? Ich habe eine Theorie
P0wnMa (holt einen ovalen Zylinder hervor und gibt es John Hacker): Hier! Hacke es!
(John Hackers Gesicht ist angestrengt. Plötzlich zerspringt das Gerät. John Hackers Gesicht entspannt sich)
John Hacker (stolz): Und so starben die Polizisten: durch die Splitter und Stromschläge des zerstörten Gerätes. (Die anderen Hacker stöhnen enttäuscht auf.) Aber immerhin komme ich näher.
Fanatiker (Stimme): Da ist er! Fangt ihn!
(Die Hacker rennen weg, nur John Hacker bleibt zurück. Ein überlegenes Grinsen ziert sein Gesicht. Polizisten, der Fanatiker und dessen Anwalt kommen angerannt.)
John Hacker: Was wollen Sie?
Fanatiker: Meine Patentgebühren einfordern.
John Hacker: Wie kommen Sie darauf, dass ich Patente verletzt habe?
Fanatiker: Gleich nachdem die Polizisten Ihnen die Zettel übergeben haben, schossen sie jeweils ein Foto mit ihren BCIs und sendeten es mir. Das Auge ist trotz einiger Unzulänglichkeiten eine gute Kamera. Man fokussiert perfekt auf die Körperdetails, die sich nicht so schnell wie ein Name ändern.
John Hacker (erschrocken): Woher wissen Sie das ich meinen Namen ändern kann?
Fanatiker: Wir, die „wahren Menschen“, haben BCIs schon immer als Teufelszeug abgelehnt und haben eine Ausnahmegenehmigung bekommen, keine BCIs tragen zu müssen. Stattdessen alte Ausweise. (Der Fanatiker zückt einen Ausweis. Schüttelt sich)
Ekelhaft, diese Moderne… Am liebsten würden wir in der Steinzeit leben.
John Hacker: Ich aber nicht. Ich will eine bessere Welt, keinen Rückschritt.
Fanatiker: Genau deswegen gibt es Patente. Mit Patenten bekommt die Menschheit in die Steinzeit zurück, denn Wissen verstrickt sich in immer stärker werdenden Einschränkungen, bis es letztendlich komplett verboten wird und der Mensch wieder zurück zu seiner Natur findet.
John Hacker: Wie ist die wahre Natur des Menschen?
Fanatiker (fanatisch): Die wahre Natur… sie ist wundervoll. Jagen, zerfetzen, durch Wälder hetzen. Ja. Hunger, Durst, Schmerz und Befreiung. (seufzt) Katharsis.
John Hacker (seufzt) : Ja. Katharsis. Einfach mal der sein, der man ist. Freie Assoziationen.
Fanatiker: Ja, gut Junge. Komm zu uns. Wir entfernen dein BCI und dann bist du wieder Mensch
John Hacker (traurig): Tut mir leid. Ich komme nur in die Hölle.
Fanatiker: Sag das nicht. Jede Seele kann gerettet werden. Man muss sich nur reinigen.
John Hacker: Ich habe das wahre Wesen des Menschen erkannt: er ist das Böse. (macht schlangenartige und langsame Bewegungen vor den Augen des Fanatikers mit den Händen. Der Fanatiker fällt in Trance.)
John Hacker: Sie werden mir all Ihren Besitz übereignen als Entschädigung für die falsche Anschuldigung.
Fanatiker: Ja Meister.
John Hacker (tritt vor, triumphierend): First man hacked! Die Menschheit wird mir folgen und zwar in die Hölle. (bricht in dämonisches Gelächter aus, geht anschließend wieder zurück in seine Position)
Anwalt: Ich werde das nicht zulassen. (zieht eine Pistole).
John Hacker: Ach wirklich? Ich habe einen Massenhack gestartet, ein Overflow in dem TCP-Stack. Schön versteckt, auch vor den Augen meiner Kollegen, aber nicht vor mir!
(Die Hacker (außer John Hacker; kommen aus dem Dunklen) samt Passanten stürzen von hinten wie Zombies auf den Anwalt. Als dieser am Boden liegt, werfen sie sich auf ihn. Schmatzlaute sind zu vernehmen)
John Hacker (zum Publikum): Tja Menschengewürm, ihr habt mich geschaffen. Ach war ich doch ein unschuldiger, kleiner Hacker, so wurde ich durch eure Bosheit zum Teufel. Die Welt ist mein.
Boss (tritt auf und stellt John Hacker zur Rede): Nicht so voreillig. Wir von Man’s End waren zuerst dran. Lass die Zombies und vor allem deine Kollegen frei. Wir können jede vernünftige Seele bei unserem Phönixprojekt brauchen.
John Hacker (erstaunt): Phönixprojekt? (Die zombifizierten Hacker stehen auf und lauschen, während die Passanten schuldbewusst den Körper des Anwalts wegschleppen.)
Boss: Wenn das Phönixprojekt vollendet ist, werden wir, von unseren mächtigen Schwingen aus, hinabsehen wie die „wahren Menschen“ die Welt in Schutt und Asche legen. Nachdem wir uns satt gesehen haben, werden wir der Phönix sein, der dieser Hölle entsteigt und sich nach neuen Lebensräumen umsieht. Mars zum Beispiel. Die Menschen dagegen, werden in der selbstgeschaffenen Hölle untergehen. (lacht dämonisch; Vorhang fällt)

Ende

Nachwort: Es wird wahrscheinlich noch einige Änderungen geben.

Zurück zur Startseite

Advertisements

Eine Antwort zu “Als die Gedanken noch frei waren

  1. sorry, dein Kommentar war im Spamfilter gelandet, wo ich ihn zunächst nicht gesehen habe.

    Danke für den Hinweis, ich packe die sharing-Optionen (Facebook, Google+, Twitter, WordPress) auf WordPress.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s