Wirtschaft – eine Geschichte des Grauens


Es begann ganz harmlos mit Kaffee. Die Menschen tranken es immer mehr, immer mehr als die Arbeitsbedingungen immer schlechter wurden. Bis sie schließlich zu Leistungsmittel übergingen, da die Konkurrenz Kaffee trank und sie besser sein mussten. Anfang waren es harmlose Medikamente, dann schuf ein ruchloser Wissenschaftler Leistungsdrogen. So knirschten die Zahnräder und niemand nahm es wahr. Man merkte nur, dass es seit den Leistungsmedikamenten mehr Tote gab. Und man fand heraus: die Mörder nahmen keine Drogen, tranken noch nicht einmal Kaffee, waren schlecht in der Schule.
Nach einigen Jahren fand ein Wissenschaftler die Antwort: die ungedopten Kinder hatten keine Chance, weil in den Leistungsberechnungen die Gedopten eingeflossen waren.
So schnell er konnte, wandte er sich an die Öffentlichkeit. Mit viel Eile trug er sein Anliegen vor, doch am Ende des Vortrages klappte er zusammen. Die Zuschauer sahen entsetzt wie ein maskierter Attentäter aus den Saal floh und dann sahen sie sich an. Sie waren nur wenige hundert. Man würde sie jagen, würden sie nichts unternehmen, weil Profit von großen Konzernen auf dem Spiel stand. Nach kurzer Beratung gründeten sie Kommunen, um sich von der Gesellschaft zu möglichst separieren. Kein Attentäter wäre wahnsinnig genug dort einzudringen. Jeder kannte jeden und Besucher wurden genauestens überwacht.
Währenddessen wuchsen drei Firmen durch die Entwicklung von Leistungsdrogen, der Rest dieser Branche starb aus oder wurde aufgekauft.
Dann kam der große Sprung nach vorne: genetische Verbesserungen. An der Spitze der Forschung: die großen Drei. Schnell wurde der Patentschutz des Leben aufgehoben, die Würde des Menschen vergessen. Es gab nun fast ausschließlich proprietäre genetische Verbesserungen. Mit Ausnahme von einer kleinen Minderheit auf den Markt, die von den Kommunen zu kommen schien. Diese hüteten sich ins Leistungsgeschäft einzusteigen, da Konkurrenz von den großen drei Firmen ausgelöscht würde und konzentrierten sich auf ihr nacktes Überleben. Natürlich gab es auch Leistungsverbesserungen und anderen Mainstream, aber das alles wurde im Geheimen innerhalb der Kommunen praktiziert. Und plötzlich verschwand auch der kleine Marktanteil, alle Öffentlichkeitsarbeit der Kommunen wurde eingestellt.
Den Großen war es recht, da nun die kleine Konkurrenz auch verschwand. Zwar gab es einige hundert Übertritte in die Kommunen, aber mit Einschüchterung und Gesetzen wurden es auch weniger, stoppte vollständig. Dabei hätte jemand das Kreischen der Zahnräder vernehmen müssen.
Die Produktion wurde auf eine Dreiklassengesellschaft umgestellt. Die Reichen konnten sich die Mittel für die besten Arbeitsplätze leisten, die Mittleren konnten sich gerade mal Bürojobs erkaufen, während die Untersten Mittel für Arbeiten wie als Müllmann gegen einen Schwur von Treu und Gehorsam gegenüber dem Staat bekamen. Der Rest verreckte auf der Straße oder floh in die Kommunen.
Plötzlich gab es barbarische Berichte über diese: Arenen wären dort, in denen Menschen ihren Geist aushauchten. Die großen Drei waren froh, dass die Gesellschaft verängstigt war, so mussten sie sich die Hände nicht schmutzig machen. Ja, selbst die Verkürzung der Lebenszeit auf die produktiven 50 Jahre und die Eliminierung der Arbeitsunfähigen nahmen die unteren Schichten ohne Widerrede hin.

„Die Arenen waren nur eine temporäre Lösung der Kommunen zur Handhabung der Ströme von Flüchtlingen. Sie wurde inzwischen eingestellt.“, vermerkte ein Ethnologe zehn Jahre später, als er sich der Erforschung der weißen Kommunenflecken widmete. „Die Eingeborenen leben arm, haben jedoch unendlichen Reichtum durch Feldfrüchte.“
Echte Feldfrüchte war inzwischen eine Kost für Millionäre geworden. Auch bemerkte er ein paar genetische Veränderungen. Viele waren mit einer schwarzen Lederhaut bedeckt, andere hatten Chamäleonschuppenhaut. Außerdem aßen sie nur sehr wenig, meist nur in seinen Beisein. Einige Geräte entdeckte er, aber ihre Form war so abartig, dass deren Funktionen ihm unverständlich blieben. Kaum veröffentlichte er seine Arbeiten, wurden Werbewände um die Kommunen hochgezogen. Am nächsten Tag zierten die Werbewände den Sockel der Kommunen. Man hatte sie auch angehoben. Verärgert erhöhten die Marketingagenturen erneut ihre Wände. Am nächsten Tag waren sie eingerissen, signiert mit: „Wir brauchen nichts.“
„Schadensersatz“, schrien die Agenturen, „Ihr habt uns Sonne gestohlen“, verteidigten sich die Kommunen. Der Rechtsstreit wurde mit etwas Salat und Baustopp beigelegt, doch die Agenturen gaben nicht auf. Vertreter wurden in Massen hineingesendet, kamen vollbepackt wieder raus.
„Die haben alles.“, stammelten sie verlegen.
„Dann nehmen wir es ihnen. Wozu gibt es sonst Patente?“, schrien die Agenturen fuchsteufelswild und wandten sich an die großen Drei. Die Zahnräder hielten mit letzter Kraft die Stellung, während Ächzen und Stöhnen unüberhörbar schienen. Polizisten wurden gesendet, die massenhaft Patentverletzungen feststellten. Triumphierend trug ein Polizisten eine Maschine aus einer Kommune als plötzlich etwas von hinten ihn erstach. Das war das Titelblatt, einen weiteren „mutigen“ Polizisten gab es nicht.
Anklage wegen Patentverletzungen und Mord sollten zumindest Waren von den Kommunen zu den gierigen Spekulanten treiben, wenn auch der Überfall nicht geklappt hat. Außerdem musste ja die Witwe des toten Polizisten entschädigt werden.
Auch diesmal fügten sich die Kommunen, doch nur halbherzig. Die Reichen, die, statt ihrer üblichen Lebensmittelpaste, von den teuren Gemüse kosteten, bekamen schrecklichen Durchfall.
„Unser Essen ist ungenießbar. Lasst uns in Ruhe! Wir wollen euch nicht!“, schrien die Kommunen per Funk in die Welt. Die Antwort: Krieg. Panzer verwüsteten die Felder, Soldaten durchsuchten, die hastig geräumten Gebäude. Keine Spur von Leben, außer kleine Gänge, die tief in den Untergrund führten. Soldaten drangen in Strömen in sie ein, drangen tiefer und tiefer in die Unterwelt. Plötzlich zischte es, sie bekamen keine Luft mehr. Ein Brausen, ein Tösen, Feuer schoss ihnen entgegen. Sie hatten die Abgastunnel, von Kommunenraumschiffen gestürmt, welche sich nun mit Grazie gen Himmel erhoben.
„Auf das sich die Menschheit selbst auslöscht.“, braune Gläser der Kommunenmitglieder klirrten feierlich. Sie hatten nicht vor den nahenden Krieg militärisch zu verhindern, dazu waren sie zu friedfertig. Sie wollten aber auch nicht ausgelöscht oder versklavt werden.
Die Zahnräder krachten auseinander und mit ihr die Maschine, wozu die menschliche Gesellschaft sich degradiert hatte. Chaos und Krieg tobten sieben Jahre lang, dann wurde es still, totenstill. Die Erde war verwüstet, gar schwarz vor atomaren Feuern. Nur kleine, grüne Triebe triumphierten über dem Massaker des Menschen.

Ende

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3 Antworten zu “Wirtschaft – eine Geschichte des Grauens

  1. Ein paar Flüchtigkeitsfehler in der Rechtschreibung die nicht sein müssten und manchmal, finde ich, schreibst du zu umständlich oder bemüht. Aber deine Ideen sind gut und das ist das Wichtigste.

    • danke.
      Das mit der umständlichen Schreibweise passiert mir leider häufig ^^.
      Könntest du mir die Rechtschreibfehler zeigen? Ich würde die Geschichte korrigieren und leichter verständlich machen.

    • so, jetzt müsste die Geschichte besser sein. Ich habe möglichst viele unverständliche Satzkonstrukte rausgenommen und Stilmittel besser gegliedert. Außerdem habe ich ein paar Rechtschreibfehler eliminiert.
      Findest du noch welche?

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