Im Untergang


Novenovelle, Jahr 20, Tag 1:
„Zum 20. Jubiläum der Mutantenrevolution geben wir einen Rückblick auf meine alten Nachrichten. Es könnte zu Copyrightsansprüchen meines ehemaligen Arbeitgeber, der Rattel-TV-Nachrichtenshow, kommen, ich bitte sie einfach zu ignorieren, da er keine Macht besitzt diese Ansprüche in unserer Welt durchzusetzen.“

Rattel-TV, 1.7.2xx1, 12:00:
„Heute wurde Jalon Schakal schuldig befunden 203 Patente auf Gene verletzt zu haben. Der Mann hatte vor kurzem einen Virus zur Körperveränderung kostenlos angeboten. Nehmt diese auf keinen Fall an, sonst droht euch, wie ihm, das Einschläfern. Jetzt hören wir noch den Innenminister. Herr Innenminister was für Konsequenzen ziehen Sie aus den Vorfall?“
„Es ist unverantwortlich seinen eigenen Körper so zu misshandeln, deshalb arbeiten wir an Rückverwandlungskliniken und bieten eine Impfung an. Eltern sollten ihren Nachwuchs umgehend impfen, damit dieser sich nicht durch eine Spritze unter Freunden seine Zukunft verbaut.“
„Wie stehen Sie zur Selbstbestimmung über den eigenen Körper?“
„Der eigene Körper darf kein rechtsfreier Raum sein (1). Man hat Verpflichtungen gegenüber seiner Art und der Gesellschaft. Präimplantationsdiagnostik ist aus den gleichen Grund verboten.“
„Wie stehen Sie zur Hinrichtung äh zum Einschläfern von Jalon Schakal?“
„Ich stehe voll hinter seiner Einschläfern. Er hat erstens Patente verletzt und zweitens diese in Körper eingebaut, was logischerweise zu dessen Vernichtung führt, drittens seine Art verraten und viertens ist er ein großes Risiko, was die Vernichtung von Tieren gesetzlich erlaubt.“
„Herr Innenminister, wir danken Ihnen fürs Gespräch.“

(1) Anspielung auf „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum seien.“, Angela Merkel

Rattel-TV, 1.7.2xx1, 17:00:
„Große demonstrierende Massen haben sich vor Jalon Schakals Gefängnis in Stammheim zusammengefunden. Sie alle tragen seine Körpermodifizierung. Der Protest richtet sich vor allem gegen Patente auf Gene und die Einschränkung der Selbstbestimmung über den Körper. Jetzt erklärt Herr Innenminister warum das nötig ist.“
„Selbstbestimmung über uns ist in Ordnung, aber es müssen Schranken gesetzt werden, wenn andere davon betroffen sind, was bei Änderung der Art der Fall ist. Stellen Sie sich vor, Sie wären der letzte Mensch auf Erden, weil alle anderen Monster sind. Das muss unterbunden werden.“

Rattel-TV, 1.7.2xx1, 18:00:
„Die Polizei hat vorsichtshalber alle Demonstranten vor Schakals Gefängnis eingesperrt und überprüft die Rechtmäßigkeit von deren Einschläferung. Streitfragen sind vor allem: Gilt eine menschliche Schimäre als Mensch oder Tier? Und Ist die Rückverwandlung einer Schimäre nicht deren Einschläferung vorzuziehen?“

Rattel-TV, 2.7.2xx1, 0:00:
„Fliehen Sie so schnell Sie können aus Stammheim. Schakal ist der Ausbruch mit seinen Anhängern gelungen. Sie richten alle Menschen in der Gegend hin. Hier Luftaufnahmen.“
Eine Slideshow wurde gezeigt:
Straßenlaternen waren zu Galgen umfunktioniert worden. Einige davon waren unter den Gewicht ihrer Opfer eingeknickt. Nicht alle Toten hingen an Laternen, einige lagen mit zerschmetterten Gesicht oder mit aufgeschlitzter Kehle am Boden.
„Uns erreicht gerade die Meldung, dass die Polizei in diesen Gebiet ausgelöscht wurde. Man fordert nun die Armee an.“

Rattel-TV, 2.7.2xx1, 12:00:
„Verlustreiche Kämpfe toben in ganz Stammheim. Mittlerweile kann man davon ausgehen, dass es außer Armee und Aufständische keine Überlebenden mehr im Gebiet gibt.

Rattel-TV, 3.7.2xx1, 13:00:
„Die Terroristen haben sich in dem Uniformen gefallener Soldaten gekleidet und ein Massaker unter deren lebenden Kameraden angerichtet. Verstärkung wird angefordert. Es gab eine Verhaftungswelle an den Mutanten. Man steckte sie in Hochsicherheitsgefängnisse in Einzelhaft. Die Einschläferung kann, weil die Mutanten jetzt als Terroristen gelten, nicht mehr stattfinden.“

Rattel-TV, 4.7.2xx1, 8:00:
„Das Militär hat gestern trotz Verstärkung erhebliche Verluste erlitten. Der Bau eines Mauer zur Eindämmung des Problems hat begonnen. Hilfskräfte werden dringend benötigt.“

Rattel-TV, 7.7.2xx1, 22:00:
„Mit vereinten Kräften wurde die Mauer vor einer Stunde fertiggestellt. Das Militär zog sich zugleich hinter die Mauer zurück. Die Angriffe nahmen ab. Man geht davon aus, dass das Problem temporär gelöst wurde. Es wird über den Einsatz von Atomwaffen diskutiert. Anwohnern der Grenzregion wird dringend angeraten wegzuziehen.“

Rattel-TV, 8.7.2xx1, 12:00:
„Gestern wurde das spurlose Verschwinden von Markus Klotzmann in der Grenzregion gemeldet. Bei Hinweisen bitte melden.“

Rattel-TV, 14.7.2xx1, 12:00:
„Heute morgen fehlt von einen zweiten Jugendlichen in der Grenzregion, namens Thomas Karta, sämtliche Spuren. Bei Hinweisen bitte melden.“

Rattel-TV, 17.7.2xx1, 12:00:
„Den dritten Jugendlichen in der Grenzregion hat es heute Nacht erwischt. Diesmal verschwand ein Mädchen. Ihr Name ist Klara Kutusku, wie immer bitte bei Hinweisen melden. Bitte passen Sie außerdem gut auf Ihr Kind auf, wenn Sie in der Grenzregion leben. Lassen Sie es nicht alleine in die Nacht raus.“

Rattel-TV, 18.7.2xx1, 12:00:
„Heute Nacht verschwanden nahezu alle Jugendlichen der Grenzregion. Es wird ein Zusammenhang mit den Mutanten vermutet. In den Diskussionen über den Einsatz von Atomwaffen setzt sich eine starke Mehrheit dafür ein.“

Rattel-TV, 19.7.2xx1, 12:00:
„Heute Morgen wurden Atombomben über die Region abgeworfen. Es ist von keinen Überlebenden auszugehen. Die radioaktive Wolke wird sich gegen Abend gelegen haben.“

Rattel-TV, 25.7.2xx1, 12:00:
„Jugendliche verschwinden weiterhin aus ungeklärten Umständen spurlos. Dieses Phänomen hat sich mittlerweile auf Gesamtdeutschland ausgedehnt. Es ist davon auszugehen, dass Mutanten entkommen sind. Bitte bewachen Sie Ihr Kind vor allem nachts.“

Rattel-TV, 30.7.2xx1, 12:00:
„Sämtliche Insassen von Hochsicherheitsgefängissen, welche die Mutantenart beherbergten, sind verschwunden. Die Wärter wurden mit aufgeschlitzter Kehle zurückgelassen. Erste Fälle des Verschwinden sind nun in Gesamteuropa bekannt“

Rattel-TV, 9.8.2xx1, 12:00:
„Das Rätsel um das Verschwinden von Menschen hat sich gelöst. Es wurde ein Tunnel unter der Mauer gegraben. Die Mutanten sind überall. Sie agieren unterirdisch und haben, aller Anschein nach, einen neuen Virus entwickelt, der die Impfung unwirksam macht.“

Rattel-TV, 10.8.2xx1, 12:00:
„In Amerika begann das Verschwinden von Jugendlichen. Es scheint sich ein Mutant eingeschlichen zu haben. Sämtliche Flüge und Schiffsfahrten wurden gestoppt. Das Ende der Globalisierung scheint gekommen zu sein.“

Rattel-TV, 19.8.2xx1, 12:00:
„Trotz Stopp des Fernhandels und des Tourismus gibt es nun auch in Japan und China Fälle des Verschwindens. In der USA nahmen diese binnen nur neun Tage um 30000% zu.“

Rattel-TV, 24.8.2xx1, 12:00:
„Das Rätsel um die Verbreitung der Seuche ohne Handel ist gelöst. Satelliten beobachteten die Mutanten bei der Benutzung kleinerer Motorboote und teils beim Schwimmen über das offene Meer. Die Motorboote und der Treibstoff stammen aus einer kleinen Diebesserie. Der Handels- und Reisestopp wurde, aufgrund Wirkungslosigkeit, wieder aufgehoben.“

Rattel-TV, Jahr 2, Tag 1, 12:00:
„Heute jährt sich der Anfang einer globalen Epidemie und ist Beginn einer neuen Zeitrechnung. Die Mutanten sind mittlerweile überall auf der Welt anzutreffen, sofern man bei Verschwinden von Antreffen sprechen kann. In unwirtlichen Gebieten wurden Siedlungen gegründeten, die gegen außen und innen perfekt abgeschirmt sind. Besonders der Untergrund und die Luft wurden berücksichtigt. Statt Himmel gibt es starke Beleuchtungen an einer bemalten Decke, statt weicher Erde gibt es nun ein Fundament aus Stahlbeton, statt Fenster gibt es Bildschirme. Außerdem wird den Kindern schon früh beigebracht, dass Mutanten böse sind und ihr Körper der Gesellschaft gehört. Tattoos und andere Körperverzierungen sind absoluter Tabu, genauso Geschichten über heroische Mutanten. Dafür werden Makellosigkeit und Horrorgeschichten über Mutanten belohnt, außerdem ist Computerspielen absoluter Muss. Trotz allen Versuchen den Kindern ihre neue Welt schmackhaft zu machen, sind die Selbstmordraten hoch. Es wird darüber nachgedacht, ob man Führungen ins Freie anbietet.“

Rattel-TV, Jahr 2, Tag 2, 12:00:
„Die Mutanten sind aufgetaucht. Sie verstecken sich nicht mehr. Es ist unklar, ob sie damit auf unsere letzte Sendung reagiert haben. Es wird dazu aufgerufen sofort die Städte zu verlassen und sich in einen unseren neuen Siedlungen niederzulassen.“

Rattel-TV, Jahr 2, Tag 3, 12:00:
„Trotz unseren Aufrufs, sind viele Menschen in den Städten geblieben. Sie haben den Kampf gegen die Mutanten aufgegeben und versuchen sich mit ihnen zu arrangieren. Herr Innenminister, was sagen Sie zu dieser Entwicklung?“
„Verräter, Helfer von Terroristen. Wir erlassen im Moment ein Gesetz, dass sie von unserer Gesellschaft ausschließt, aber eine Rehabilitation zulässt.“

Rattel-TV, Jahr 2, Tag 3, 18:00:
„Der Ausschluss der Blutsverräter ist nun Gesetz, ein neuer Rekord. Statt Wochen, nur einige Stunden zum Beschluss.“

Rattel-TV, Jahr 2, Tag 4, 12:00:
„Massen sind seit den neuen Gesetz zu Mutanten konvertiert. Mittlerweile bauen die Mutanten eine neue Steinzeitgesellschaft auf. Sie verzichten dabei auf Kleidung, Häuser und andere Annehmlichkeiten der Zivilisation und pflanzen stattdessen Spezialbäume. Es ist nicht zu empfehlen für Menschen bei ihnen zu leben.“

Rattel-TV, Jahr 2, Tag 5, 12:00:
„Erstaunlicherweise gibt es tatsächlich Menschen, die es den Mutanten gleich tun. Unsere Zivilisation scheint an einen Punkt des Abstiegs angekommen zu sein.“

Rattel-TV, Jahr 2, Tag 13, 12:00:
„Entschuldigen Sie meinen Ausfall in Neuneuneu. Ich bekam kurz nach meiner Sendung das Angebot einer Führung in die neue Zivilisation. Unglaublich wie primitiv und doch wie glücklich die Leute dort leben. Man stelle sich vor, die Einwohner sprengen ein Kaufhaus voll mit Waren für mehr Wald. Computer gibt es nicht mehr, stattdessen benutzen die Mutanten ihren Kopf. Sie können anscheinend per Funk Gedanken austauschen. Außerdem haben sie eine hypnotische Sprache entwickelt, die wir Menschen ohne deren Kenntnis sofort verstehen und deren Bilder sich in unseren Sehzentrum bilden. Die neuen Kinos funktionieren durch eine Vorleser für Menschen. Und die Filme erst: Hollywood konnte nicht annähernd so gute Filme in ihren besten Zeiten drehen. Betten, Zahnbürsten, all die Kleinigkeiten, sind dort auch durch biologische Äquivalenten ersetzt.
Der Preis für all die Errungenschaften war die Nacktheit. „Statt Nacktscanner“, war der Scherz bei meiner Einreise. Sie hatten deutlich Angst vor Terroristen.“

Radiofunk, Jahr 2, Tag 13, 13:00:
„Als Reaktion auf meine Berichtserstattung wurde ich von meinem Sender gekündigt. Ich werde privat weitersenden. Möge die Menschheit in Frieden mit ihren Nachfolgern leben!“

Radiofunk, Jahr 2, Tag 17, 12:00:
„Mir wurden, auf Druck des Innenministers, sämtliche Konten gesperrt. Ich werde mich trotzdem nicht von meiner Sendung distanzieren, sondern stattdessen für alle freie Menschen weitersenden. Ich ziehe, unter anderem deswegen, in eine verlassene Sendeanstalt innerhalb der Wäldern der neuen Zivilisation um. Ich bitte den Eigentümer Klagen zu unterlassen, denn es ist Papierverschwendung. Die Mutanten interessieren sich nicht fürs alte Rechtssystem.“

Fernsehfunk, Jahr 2, Tag 18, 12:00:
„Der Umzug ist dank tatkräftiger Unterstützung der Mutanten heute schon vollendet. Aufgrund der einzigartigen Verfügbarkeit werde ich die Physiologie unserer neuen Nachbarn näher beschreiben. Wir nehmen einen jüngeren Mutanten. Jaukal lege dich bitte mit den Rücken auf die Liege.“
Ein Mutant legte sich auf einer weißen Liege. Als Ohren hatte es Katzenohren, als Kopfhaar ein graues Fell, welches den gesamten restlichen Körper bedeckte, Krallen waren an Füßen und Händen. Der Nachrichtensprecher zeigte auf die grünen Augen.
„Wie ihr sicher erratet haben die Mutanten…“
„Wir nennen uns Nove.“, unterbrach der Mutant vorlaut.
„… der Nove die Augen einer Katze…“
„… und auch verschiedene Haarfarben, blablabla. Das interessiert niemanden. Fang lieber mit unseren Antennen an.“
„Ok.“, der Nachrichtensprecher deutete auf zwei schmale, kurze Hörnchen über Katzenohren, „Damit können sie sich per Funk verständigen. Sämtliche Frequenzen. Und nun zu den Mund.“, der Nove öffnete seinen Mund, „Seht ihr die Zunge? Sie gleicht der einer Schlange. Und die Zähne wachsen auf Kommando des Gehirns. Zeig bitte Jaukal.“, die Eckzähne wuchsen einen Zentimeter, bevor sie wieder eingezogen wurden.
„Und nun …“
„… die Hände.“, der Nove streckte seine Hände zur Kamera, „Statt Finger habe ich kurze Krallen, die deren Funktionalität ersetzen. Doch wie? Wir haben die Lösung, Gelenkigkeit“, seine Hand faltete sich, griff nach einen Ei hinter der Kamera, welches elegant zwischen seinen Krallen gehalten wurde. Er legte es zurück in den Bereich, den die Kamera nicht filmte.
„Damit kann man auch gut Tunnel graben. Luft wird von uns über die Haut aufgenommen…“
„Wir bleiben bei seiner Haut.“, unterbrach der Nachrichtensprecher, zog ein Messer, stach es in den Arm des Nove, das Messer verbog.
„Tja da braucht man etwas Stärkeres, wie unsere Krallen oder… Liebe.“
Schwarze Flüssigkeit spritzte aus den Arm.
„Aufgrund unserer anderen Fortpflanzungsart müssen wir uns nicht bekleiden wie unserer feiner Nachrichtensprecher. Jeder der diese Flüssigkeit auf die Haut bekommt, wird einer von uns. Bei zwei Nove ist natürlich die Folge klar: ein Kind. Dafür scheißen wir, wie Vögel, den Urin..“
„Auch sonst ist ihr Körper dem Menschlichen überlegen.“, unterbrach der Nachrichtensprecher hastig, „Sie vertragen Radioaktivität, sind energiesparsam, trotz ihres hochentwickelten Gehirns und können sogar die tollkühnsten Verrenkung vollführen. Wenn ihr mehr wissen wollt, könnt ihr sie besuchen oder selbst einer werden. Der Weg steht allen offen.“
„Bis auf Terroristen.“

Novenovelle, Jahr 2, Tag 19, 12:00:
„Jaukal ist mein neues Teammitglied. Wir beschlossen unseren Fernsehsender Novenovelle zu nennen.“

Novenovelle, Jahr 2, Tag 23, 12:00:
„Heute kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Nove und mit bewaffneten Grundstückseigentümern, die Schadensersatz verlangten. Der Konflikt wurde durch die Auslöschung oder Eingemeindung der Eigentümer gelöst, wobei nur zwei das Eingemeindungsangebot annahmen.“

Novenovelle, Jahr 2, Tag 24, 12:00:
„Die gleiche Masche wurde heute bei uns versucht, weil wir in einer Insel innerhalb der Noveschen Wäldern leben. Der Anspruch auf Durchreise wurde von Nove abgelehnt, dennoch mussten einige Ungehorsame exekutiert werden. Unter den Hingerichteten findet sich der Eigentümer, was Rechtsfragen in Zukunft verhindern wird.“

Novenovelle, Jahr 7, Tag 5, 12:00:
„Ein junger Mann ist gestern aus einer der neuen Siedlungen ausgebrochen. Seine Erzählungen und die Filme, die er dabei hatte, erschütterten mein Weltbild von den Siedlungen zutiefst. Ich spiele sie euch vor.“
Der Film begann:
„Eins, zwei. Eins, zwei.“, eine riesige Kolonne uniformierter Jugendlicher marschierte auf die Mitte des Zentralplatz. Sie trieben zwei Menschen mit Sack über den Kopf vor sich her, sie flehten: „Ich habe doch nur freies Fernsehen geschaut.“, „Und ich habe nur die Menschen ein bisschen kritisiert. Bitte lassen Sie uns die Sonne sehen.“
Eine Grube, aus der Flammen emporschossen, ging auf, die beiden Verbrecher wurden reingestoßen. Plötzlich brachen hunderte Jugendliche aus der Kolonne aus, um selbst in die sich schließende Grube zu springen.
„Dafür werden eure Kameraden bezahlen. Peitscht sie aus.“
Die Kolonne mussten sich nackt ausziehen, um dann von aneilenden erwachsenen Wachen ausgepeitscht zu werden. Diese suchten die empfindlichsten Stellen aus, bald waren die Jugendlichen nur noch eine blutige, weinende Masse.
Der Film endete, ein Zweiter begann.
Jugendliche verstopften die Lüftung ihres Zimmers und tropften eine gelbliche Substanz auf die Heizung, Rauch bildete sich. Röcheln drang von ihnen und den Kameramann.
„Ich verlasse euch jetzt. Ich möchte noch leben.“, verkündete dieser bevor der Film weiterwechselte.
„Weil eure Kameraden sich mit der Heizung umgebracht haben, ist die Temperatur, mit der ihr heizen könnt, auf 25 °C gesunken.“, verkündete ein Wärter.
Murren unter den Jugendlichen.
„Ich will hier raus.“, schrie ein Mädchen panisch. Ein Schuss knallte, das Mädchen fiel, mit einen Loch im Kopf, in sich zusammen.
„Wer von euch hat ihr diesen Unsinn eingeredet?“
„Es war Paul.“
„Wer war Paul nochmal?“
„Gefangener Nummer 23.“
„Ah, der das freie Fernsehen hier reingebracht hat. Da habt ihr nochmal Glück gehabt.“
Nächster Film:
Kinder fraßen von Plastiktabletts Gefängnisfraß.
Nächster Film:
Überblick über ein Gefängnis. Jugendliche mit leeren Blick aßen von Näpfen in Gummizellen.
„Hier eure Pillen.“, sagte jemand.
Nächster Film:
„Ich kann nicht mehr!“, brüllte ein junger Mann, „Ich ertrag es nicht mehr!“
„Du musst besser werden in der Schule.“, antwortete eine besorgte Mutter.
„Ich kann aber nicht. Ich lerne schon zehn Stunden pro Tag. Ich halte es nicht aus. Bitte tötet mich.“
Ein hereinkommender Arzt gab den jungen Mann eine Spritze. Sofort verstummte dessen Geschrei, schlug in hysterisches Gelächter um.
„Ein ernster Fall.“, meinte der Arzt.
„Was soll ich nur tun?“, schrie die verzweifelte Mutter.
„Vielleicht ist es das Beste ihn auszustoßen. Weit kommen die Jugendlichen ja nicht bei hügeliger Landschaft. Er wird dort entweder verrecken oder zurückkommen.“
Eine Tür wurde vor der Kamera geschlossen. Die Kamera drehte zu den Kameramann, einen hohlwangigen Jugendlichen.
„Mein Name ist Stanley. Ich werde gleich meinen Bruder Kurt die Aufzeichnungen übergeben. Ich hoffe er kommt durch zu den Nove. Und noch was: Ich werde einen Aufstand anzetteln, so kann es nicht weitergehen.“
Die Videopräsentation endete.
„Zurück zu den Flüchtling, wir filmten ihn wie er in der neuen Welt zurecht kam.“
Ein Video begann:
Kurt stolperte über unebenen Waldboden, ruhte sich nach einigen Metern aus.
„Die herangezüchteten Menschen können nicht mehr auf unebenen Böden laufen, wie ihr eben gesehen habt.“, kommentierte der Nachrichtensprecher. Zwei Nove hoben den Mann auf und trugen ihn auf eine verlassene Straße. Der Mann konnte augenblicklich besser laufen.
„Zwei Stunden später.“, wurde eingeblendet.
Der Mann konnte über den hügeligen Boden laufen. Als er sich beim Betreten des Waldes entkleiden sollte, schrie er: „Bitte nicht schlagen.“.
„Wir wollen doch niemanden schlagen, wenn dann kämpfen beide freiwillig.“
„Und warum verlangt ihr das sonst?“
„Wir haben Angst vor Terroristen.“
Der Mann brach in hysterisches Gelächter aus.
„Wir können dich gerne infizieren. Dann hast du keine Probleme mehr mit Nacktheit.“
„Nein, danke. Wer ist eigentlich der Mann, der gerade filmt?“
„Stackshood, unser Nachrichtensprecher. Er hat eine Wohnung in der Nähe, du kannst vielleicht zu ihm ziehen. Er benutzt die Waldwege, so ist seine Verhüllung kein Problem.“
Überblende zu Kurt in ein altmodisch eingerichtetes Esszimmer.
Der Neue schaute erschrocken das Essen auf einen Tisch an.
„Was ist das? Ich kenne nur Nahrungspaste.“
„Das ist Salat.“, der Nachrichtensprecher deutete auf eine Schüssel mit Salat, „Das ist Fleisch.“ „Das sind Nudeln.“
„Und wie isst man das?“
Jaukal hinter der Kamera hervor.
„Stackshood kümmere du dich bitte um die Kamera, ich erkläre es ihm mal schnell.“
Der Nachrichtensprecher verschwand hinter der Kamera. Der Nove begann in seiner hypnotisierenden Sprache zu sprechen, als plötzlich der Mann unterbrach: „Bitte nicht. Ich habe Angst vor eurer Hypnose.“
„Was sonst? Ich kann Menschen …“
„Ich bin einfach nicht geeignet als Mensch zu leben. Bitte verwandle mich.“
Der Mann warf sich vor ihm weinend nieder.
„Da bist du nicht der Einzige. Menschen sind wie fette Glucken, die ihre Kinder zerquetschen. Kaum waren die ersten Kinder der Käfighaltung zu uns geflohen, setzten sie den Rest so unter Druck, dass er zu uns fliehen musste. Die Armen, die jenes nicht vollbrachten, sind jetzt seelisch und körperlich verkrüppelt, wie Legehennen. Hier, drink die Erlösung.“
Ein schwarzer Tropfen drang aus den Arm des Nove, der Mann schleckte ihn ab.
Das Video endete.

Novenovelle, Jahr 7, Tag 6, 12:00:
„Viele meiner Zuschauer sind nach der letzten Sendung konvertiert. Ich habe gute Neuigkeiten für euch beide, sowohl Menschen als auch Nove: es gab heute einen Aufstand in der hiesigen Siedlung, die Jungen sind frei, die Alten haben hohe Verluste zu beklagen, während die hiesigen Nove Aufnahmelager bilden mussten, um die anströmenden Massen lebenstüchtig zu machen. Für die Verfechter der Menschheit: Nur die Hälfte der Jugendlichen ist konvertiert, der Rest blieb Mensch. Unter den Konvertierten ist Stanley, bekannt dank seiner Filme. Die Nove wollen ihm einen Freiheitspreis verleihen. Um 14:00 neue Informationen.“

Novenovelle, Jahr 7, Tag 7, 14:00:
„Die Aufstände gehen rings um die Welt. Nur wenige Siedlungen sind unbetroffen. Gerüchten zu folge rüsten die Älteren auf.
Stanley erhielt den Freiheitspreis und ist nun, zusammen mit seinen Bruder Kurt, Mitglied unseres Teams.“

Novenovelle, Jahr 7, Tag 8, 12:00:
„Selbst die letzten Siedlungen haben das Feuer der Revolution gefangen. Mittlerweile verhängen die Alten Kollektivtodesstrafen bei Fluchtversuchen. Dennoch fliehen und kämpfen die Verzweifelten ohne Rücksicht auf Verluste.“

Novenovelle, Jahr 7, Tag 9, 12:00:
„Die Revolutionen haben aufgehört, was am Mangel von Protestierenden liegt. Entweder sind sie frei oder tot.“

Novenovelle, Jahr 7, Tag 12, 12:00:
„In einer Langzeitstudie von sieben Jahren haben die Nove festgestellt, dass ihr Alterungsprozess mit den Erreichen ihrer adulten Form aufhört, stattdessen reifen sie geistig. Der Traum von ewiger Jugend und Weisheit ist nun zum Greifen nah.“

Novenovelle, Jahr 15, Tag 1, 12:00:
„Vor exakt fünfzehn Jahren begann der Untergang der Menschheit, vor acht Jahren gab es noch die Hoffnung, dass die Menschheit überlebt, heute muss ich den Hoffenden die Hoffnung endgültig zerschlagen. Es leben noch etwa 1000 Menschen weltweit. Die meisten von ihnen sind alt und vegetieren in den Siedlungen vor sich hin. Die restlichen 48 Menschen, inklusive mir, leben in Freiheit. Die anderen, in Freiheit lebenden, Menschen sind konvertiert. Unter den Jüngeren waren es vor allem Gründe wie Zugehörigkeit und Fähigkeiten, bei den Älteren Sorgen um ihren Tod. Doch nicht aus Egoismus, sie dachten an die Gefühle ihrer ewig jungen Freunde, wenn sie nicht mehr sein würden. Zu dieser Gruppe gehöre ich, Jaukal und Stanley haben mich darum gebeten. Ich werde euch jetzt live die Verwandlung vorführen.“
Der Nachrichtensprecher kniete vor Jaukal nieder, leckte ihm den Tropfen vom Arm ab. Die Haare fielen den Nachrichtensprecher aus, braunes Fell schossen anschließend ihm überall aus der nun nackten Haut. Finger und Zehen rissen vom Körper ab, um den herauswachsenden Krallen Platz zu machen. Zähne fielen ihm aus, Spitzere wuchsen ihm nach. Seine Augen färbten sich grün, während sein Ohr für ein Katzenohr und ein Hörnchen abfiel. Die Verwandlung war zu Ende. Vorsichtig begutachtete er erst seine Hände, verrenkte seinen Körper wie eine Katze.
„Ab heute besteht unser gesamtes Team aus Nove.“

Ende

Nachwort: Die Geschichte ist in einen experimentellen Stil geschrieben, der eigentlich sich mehr für eine Vefilmung eignet. Bei Interesse einfach nach meiner Lizenz (siehe License) verfilmen.

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