Sie fürchten die Hölle nicht


Es waren, ihrer zerlumpten Arbeitskleidung zu urteilen nach, Arbeiter. Sie hatten alle einen glasigen Gesichtsausdruck. Was machten sie vor der Kirche und gleich in so großer Masse? Der ganze Kirchplatz war blockiert und dieses kurz vor einer wichtigen Messe.
Schmutzige Leinenstreifen mit Aufschriften wurden wie nasse Spinnenweben gehisst, eine Demonstration also. Doch vor einer Kirche?
Der Pfarrer rückte seine Brille zurecht, die Schilder wurden lesbar:
„Abzocker! Glauben ist teuer.“
„Verführer zum Elend!“
„DAS ist der Lohn für die Befolgung der Gebote?“
„Kollaborateure der Rechten und der Wirtschaft!“
„Wir wollen leben, nicht knechten! Weder für Gott noch Industrie!“
Der Pfarrer lief rot an und brüllte:
„Ihr kommt alle in die Hölle. Christlicher Glauben, christliche Tugend und christliche Arbeit sind die goldenen Himmelsschlüssel.“
„Wir fürchten die Hölle nicht. Lieber frei in Höllenqualen, als zerrütteter Sklave der Erde und des Himmels.“
Der Himmel verfinsterte sich, doch nicht durch Gott, sondern durch Waffendunst. Die Armee war eingerückt, so brutal, so blutrünstig, so friedlich lagen die Arbeiter am Boden, als träumten sie von der Freiheit.

Ende?

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