Dr. Nox


„Danke, Herr Nox. Ich kann jetzt endlich die dunklen Seiten der Welt besichtigen und nehme keine Drogen mehr.“, verabschiedete sich eine Patientin.
„Keine Ursache. Die Geblendeten müssten eigentlich auch ins Dunkle schauen, stattdessen nehmen sie wie Sie Drogen.“
„Was ist das Leben schon ohne dunkle Gefühle wie Angst? Nur ein Warnzeichen, warum gab ich bloß früher soviel drauf?“
„Gesellschaftsideale. Sie werden den wehrlosen Kindern eingeimpft, damit sie schwach und sanftmütig sind. Gewalt ist absolut verpönt in unserer Gesellschaft, wie früher die Sexualität. Man möchte Opfer keine Täter, wobei Täter, von sich aus, die Lügenmauer durchbrechen und eine Schafherde vorfinden. Haben Sie schon mal was von Zivilcourage gehört?“
„Ja klar. Bürger stehen für Bürger ein, verteidigen sie mit ihrem eigenen Blut. Die Verteidiger wandern allerdings ins Gefängnis, wenn es zu einen Kampf kam.“, sie wurde sarkastisch, „Komisch, oder?“
„Sie werden verhaftet, weil sie das Gewaltmonopol des Staates verletzen. Deshalb sorge ich dafür, dass meine Präsenz alleine die Angreifer verscheucht. Ich bin finster und furchteinflößend genug, was man von Ihnen nicht gerade behaupten kann.“
Es klopfte an der Tür.
„Ich werde Sie empfehlen. Darf ich Doktor zu Ihnen sagen?“
„Offiziell bin ich keiner.“, lachte Nox.
„Wieso eigentlich nicht?“
„Ich habe die dunkle Seite analysiert. In meiner Krankenakte steht etwas von psychopathisch, depressiv. Schwachsinn. Ich beschäftige mich halt mit der Dunkelheit im Menschen.“
Das Klopfen wurde energischer.
„Na dann gehe ich mal lieber, Doktor. Tschüss“
„Tschüss.“
Sie öffnete die Tür und wurde fast von zwei Polizisten überrannt.
„Na hoppla.“, entgegnete sie überrascht, dann wurden Handschellen an ihre Arme befestigt.
„Was soll das?“, schrie sie entsetzt.
„Rein prophylaktisch. Zu ihrer eigenen Sicherheit.“ , entgegnete ihr einer der Polizisten. Einer groß und bärtig, einer klein und hässlich.
„Wieso?“
„Dieser Psychopath hat sie verführt. Gegen ihn wird wegen psychischer Manipulation, Amtsanmaßung und Anstiftung zu Mord ermittelt.“
„Moment einmal.“, griff Nox ein, „Ich habe nie behauptet ich sei Doktor. Die Patienten sagen es nur zu mir, aus Anerkennung. Und psychische Manipulation?“, er schnaubte verächtlich, „Deswegen ging schon Sokrates drauf. Nur weil die Gesellschaftsideale anders sind.“
„Spulen Sie zurück.“, forderte der Große den Kleinen auf.
„…Offiziell bin ich keiner.“
„Nicht so weit.“
„… Na dann gehe ich mal lieber, Doktor. Tschüss.“
„Es ist doch wohl nicht verboten, wenn jemand Doktor zu einen sagt, obwohl er weiß, dass man keiner ist, Herr Doktor Polizist.“
„Beleidigung gegen einen Polizisten.“, schrieb der Große auf. Plötzlich hatte dieser die Handschellen der Frau würgend um seinen Hals.
„Ich habe was gegen Polizeigewalt gegen Zivilisten. Zivilcourage zeigen“, brüllte sie. Der Kleine steckte das Diktiergerät weg, griff zur Pistole. Nox rempelte den Giftzwerg um, schmiss sich auf ihn. Die Pistole rutschte weit über den Boden.
„Falsche Vorwürfe anhängen. Wo sind wir den hier?“, schimpfte die Frau verächtlich.
„Du perverses Schwein hast meinen Sohn umgebracht.“, tobte Noxs Opfer.
„Ich habe nie jemanden umgebracht. Bei mir traute sich, bis jetzt, niemand mich in eine solch missliche Lage zu bringen.“, wunderte sich Nox gelassen.
„Aber eine deiner Klientinnen. Sie brachte meinen Sohn um, weil er sie lieben wollte.“
„Ich hasse Vergewaltiger. Und du Arschloch hast Mitleid.“, die Frau war stinkwütend. Ihr Opfer hatte längst den Anschein schon tot zu sein, doch würgen tat sie weiter.
„Ja, ist ein Männerinstinkt.“, keuchte der Kleine.
„Wenn Instinkte straflos sind… Endlich Rache. Doktor Nox musste mir meine Albträume heilen, heute werde ich meine Angst überwinden.“, ihre Augen wurden schmal, ein dämonisches Lächeln zauberte sich auf ihren Mund. Sie durchlöcherte den Großen mit seiner eigenen Waffe. Loch im Kopf, Loch ins Herz, Beine, dann lud sie nach. Die Waffe schwenkte zum Kleinen.
„Ist alles nur ein Instinkt. Auch die Frau, die deinen Sohn umbrachte hat nur nach ihren Instinkt gehandelt.“
„Aber es war mein Sohn. Sie hat sich gewehrt, Gewalt angewendet!“
„Arschloch!“
Ein Schuss traf den Polizisten zwischen die Augen.
„Puh, das haben wir nochmal überlebt. Lasst uns abhauen!“, zwinkerte sie ihm vergnügt zu, das Lächeln wurde extremer. In dem Moment stürzte eine Spezialeinheit rein und nahm sie beide fest.

Die Gerichtsverhandlung begann. Einige seiner Patienten saßen benebelt in Medikamentenrausch auf der Anklägerbank.
„All ihre Patienten haben sich verteidigt, über die Hälfte ist abgetaucht.“, begann der Richter ohne Begrüßung.
„Ja und? Man muss sich doch wehren dürfen. Vor allem gegen Machtmissbrauch. Es ist Machtmissbrauch, wenn der Staat einen wegen vorgeblichen Vorwürfen einsperren will. Wir sind hier immer noch in einer Demokratie und ich nur ein inoffizieller Seelenklempner, der Geheimtipp ohne Ausbildung.“
„Schauen Sie sich Ihre Patienten an. Wir müssen sie mit Beruhigungsdrogen und Antidepressiva vollstopfen.“
„Warum? Nur damit sie nach Schema F funktionieren?“
„Abweichung von der Normalität ist krankhaft. Wenn Sie diese hervorrufen, ist es schwere Körperverletzung.“
Nox schaute zu seinen Patienten herüber. Einer von diesen zog heimlich die Waffe eines Polizisten. Langsam und vorsichtig. Er ließ seinen Blick weiter über die Anklagebank streifen. Abschaum und Polizisten in Bandagen. Seine Patienten mussten sich heftig gewehrt haben.
„Was guckst du?“, blaffte ein bandagierter Jugendlicher.
„Ich schaue die Lügner an, die für Frieden morden. Ich schaue die Lügner an, die Frieden als Vorwand für Gewalt benutzen. “, Nox schüttelte den Kopf, „Schade, dass sie euch nicht gleich umgebracht haben.“
Ein Schuss knallte, der Richter stürzte. Alle schauten sie ihn an. Zwei Schüsse, seine Wachen starben, er frei. Die Ankläger stürzten in Panik hinaus, hinaus in den Tod, wie er den Todesschreien entnehmen konnte. Er wartete bei seinen Patienten, versuchte sie aus ihren Rausch zu wecken. Keine Chance! Zu viele Drogen. Wie Zombies folgten sie ihm ins Freie, wo sie von seinen Anhängern weggetragen wurden. Ein letzter Blick in den Gerichtsaal, keiner blieb zurück.

Ende

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